Gurken in Stockholm

Heute Sonntagsdienst in der Redaktion. Das Wetter ist schwül und drückend. Hoffentlich richten die erwarteten Gewitter nichts Schlimmes an und bringen nur Kühlung für die 84000 Musikjunkies bei Rock am Ring.

Nachzutragen habe ich hier noch meine Laufkolumne aus der vergangenen Woche. Und weil ich natürlich gar nicht eitel bin 😉 , zur Illustration noch das „offizielle“ Zielfoto vom Stockholm-Marathon.

Gurken in Stockholm

Wie wichtig ausreichendes Trinken für eine gute Laufleistung ist, habe ich in dieser Kolumne ja bereits erläutert. Je länger der Lauf, desto mehr sollte darauf geachtet werden, dass im Getränk ausreichend Kohlenhydrate und Elektrolyte enthalten sind, um den Salzverlust auszugleichen.

Denn die Leistungsfähigkeit ist schon eingeschränkt, wenn auf das eigene Körpergewicht bezogen zwei Prozent Flüssigkeit verloren gehen. Aber natürlich muss jeder selbst ausprobieren, wann, was und wie viel er trinkt. So ist es auch mit dem Essen: Vor einem Lauf sollte der Magen nicht ganz leer sein.

Wer schon einmal mit dem Gefühl gelaufen ist, als hätte er einen Stein im Magen, der weiß auch, dass zu viel kulinarischer Genuss zu knapp vor einem Wettkampf fatale Folgen haben kann. Joghurt, Blaubeeren und Bananen sind die Klassiker für eine leichte und gesunde Kost. Haferflocken sind für Läufer das Maß aller Dinge.

Und natürlich viel Obst und Gemüse. So lautete zumindest bis vor Kurzem nicht nur für Sportler das Credo für eine gesunde Ernährung. Seit die Killermutation des Darmbakteriums Ehec Angst und Schrecken verbreitet, haben Salat und Tomaten, vor allem aber Gurken viel von ihrem guten Ruf verloren.

Doch es gibt sie auch in einer Form, vor der selbst Ehec zurückschreckt: eingelegt, als Salzgurken. Die „entzücken“ nicht nur Spreewald- Touristen. In den zweifellos zweifelhaften Genuss dieses Turbogemüses kamen am Samstag auch die Teilnehmer beim Stockholm-Marathon. Bei Kilometer 22 wurden uns die glibberigen grünen Teile von netten blonden Damen gereicht …

Mein Salzhaushalt war schlagartig wieder in Ordnung. Wer weiß, vielleicht haben die Gurken mir Beine gemacht. Meine bisherige Bestzeit auf 42,195 Kilometern habe ich jedenfalls unterboten: um 14 Minuten.

Stockholm Marathon: Eine Bewertung

Die Anregung von Dirk will ich gerne aufgreifen und noch einige Zeilen zur Organisation beim Stockholm-Marathon schreiben:

Schweden ist natürlich kein billige Pflaster, zumal der Euro im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich an Wert verloren hat. Die Startgebühr von 100 Euro ist ein dicker Batzen, aber dafür gibt es dann auch eine Top-Organisation und als Zugabe für alle Finisher nicht nur eine Medaille, sondern auch ein hochwertiges Laufshirt mit entsprechender Aufschrift. Die Homepage ist übrigens ausgezeichnet. dort gibt es auch ein hübsches Video, das einen Eindruck von der Veranstaltung vermittelt.

Die Marathonmesse vor dem Lauf ist relativ klein im Vergleich zum Beispiel zu Köln oder Berlin. Und Schnäppchen lassen sich dort auch nicht machen, zumal in Schweden Laufschuhe im Sonderangebot preislich noch deutlich über dem regulären Preis in Deutschland liegen.

Freundlich sind die Schweden aber allemal. Und jede Frage wird gerne beantwortet, in englischer Sprache, die dort jeder beherrscht.

Besonders empfehlenswert ist es, sich einen Tempoläufer auszusuchen. Mit ensprechendem Zusatzschildchen am Trikot, ist es auch kein Problem, zu den am Start mit großen weißen Ballons versehnen Tempomachern zu kommen. Wer seine Zielzeit lieber alleine anpeilt, sollte sich auch eines der gelben Bändchen schnappen, auf denen die Durchgangszeiten für jeden Kilometer notiert sind, egal ob 4:30 Stunden oder 3:15 Stunden. Die gibt es für jede Zielzeit im 15-Minuten-Abstand.

Der Weg zum Start am Stockholmer Stadion ist leicht zu finden. Dank der schnellen U-Bahn gibt es so gut wie kein Gedränge, auch wenn die Massen mächtig sind, die da ihre Herausforderung sucht.

Auch die Zugänge zum Startbereich sind großzügig bemessen. Kein Vergleich zu Berlin, wo es extrem eng zugeht.

Auf der Strecke ist die Versorgung mit Trinkbarem vorbildlich. Alle 2 Kilometer gibt es zumindest Wasser und isotonisch Angereichertes. Ab Kilometer 18 warten Bananen, Salzgurken (sehr gewöhnungsbedürftig), Fleischbrühe, Powerriegel und Traubenzucker. Cola gibt es fünf Kilometer vor Schluss auch. Süß und ohne Kohlensäure.

Nach dem Zieleinlauf im Stadion gibt’s sofort die Medaille. Auf dem Nebenplatz wird der Zeitnehmerchip abgeschnitten und im Gegenzug das Shirt in der passenden Größe überrecht. Und danach locken jede Menge kulinarische Genüsse zur Stärkung. Nur in Köln habe ich eine größere Auswahl erlebt. Da wird sogar kostenlos Dosenbier verteilt. Für Schweden ist das fast eine Sensation. Ich habe allerdings alkoholfreies Weißbier – ein Hoch auf Erdinger! – und Kaffee bevorzugt.

Unterm Strich bekommt der Stockholm-Marathon von mir also eine glatte 1.

Und wer eine interessante und nicht zu teuere Unterkunft sucht, der sollte sich einmal die Jugendherberge/Hotel auf Longholmen ansehen. Ein ehemaliges Gefängnis, das inzwischen über drei Sterne verfügt. Sehr gutes Frühstücksbüffet. Und ein edles Restaurant gehört auch noch dazu.