Halb und halb

Ein freier Tag. Da muss einfach die Sonne scheinen. So ist es dann auch. Und das Beste: Ich kann warten, bis der „gelbe Planet“ auch im Tal scheint. Um 12 Uhr ein Mittagessen mit Freunden. Da müsste um 10 Uhr doch noch ein Läufchen möglich sein.

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Da auch Karin dienstags wieder frei hat, bietet sich die Gelegenheit, gemeinsam zu starten. Von der Idee, flach zu den Mattheiser Weihern zu laufen, bin ich zwar bei so einem Wetter nicht unbedingt begeistert. Aber ich kann ja nach einiger Zeit in die „wilde“ Natur abbiegen.

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Am Eingang zum Tiergartental … Nein, es macht doch Spaß, gemeinsam unterwegs zu sein. Auch wenn ich das Tempo ziemlich zügeln muss. Also durch den Tempelbezirk – hier liegen unter einem Meter Kleingärtnererde tatsächlich die Überreste von zig römischen Tempeln und Tempelchen sicher für nachfolgende Generationen verwahrt, die vielleicht mehr Geld haben, um den Schatz zu heben. Die Treppenanlage hinauf nach Heiligkreuz bin ich in den vergangenen verregeneten Wochen schon oft gelaufen.

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Die Weiher sind immer wieder schön. Auch das Bächlein, das die Wiese zwischen den beiden Seen flankiert.

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Dann aber wenigsten meinem Schatz einen neuen Weg nach Hause zeigen: An dem schon bekannten Osterinselkopf vorbei, weiter zur Deutschen Richterakademie.

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Auf dem Weg, der an dieser Einrichtung vorbeiführt, bietet sich ein neuer Blick ins Tiergartental. Der normalerweise sehr schöne und weiche Pfad hinunter präsentiert sich heute als Schmierseifenpiste.

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Karin versucht sich deshalb als Trailrunnerin und sucht sich einen Weg durch das Unterholz. Ich habe meine Gorte-Text-bewehrten Gel-Trabuco an den Füßen. In weiser Voraussicht, wie sich zeigen wird.

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An der Gärtnerei verabschiede ich mich von meiner Begleiterin, die nur noch das Kleine Biest hoch muss, um eine 9er-Runde zu vollenden. Ich erklimme den langen Anstieg hinauf zum Brubacher Hof. Reichlich Matsch, viele Pfützen. Ein nettes Kraftspiel für die Oberschenkel.

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Beim Blick auf die Garmin offenbart sich wieder einmal die Notwendigkeit, Laufcomputer für das Handgelenk regelmäßig aufzuladen. Nada, nichts, keine Anzeige. Na egal, dann eben weiter nach Gefühl.

Die Brubacher Kapelle ist ein Kleinod.

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Der Schmerzensspruch an der Pieta ist sicher nicht nur für Läufer gedacht …

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Weil’s aber so schön ist, biege ich nicht direkt ins Goldkäulchental ab, sondern nehme den Weg, der in den Domherrenwald führt … Wow, war der immer schon so lang und steil? Die vollkommen vermatschten Abzweigungen lassen mich auf dem Hauptweg bleiben, denn nach zwei oder drei Kilometern biegt von dort ein Pfad ab, der in der Regel nicht ganz tief ist.

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Ein Holzvollernter hat in regelmäßigen Abständen kleine Wege in den Niederwald gepflügt. Warnschilder zeigen seinen Radius an.

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Als die Abzweigung erreicht ist, trifft mich fast der Schlag. Nur fünf Meter von dem Schild entfernt, dass den Wald als Naturschutzgebiet ausweist, liegt jede Menge Müll in der Botanik. Unglaublich, dass jemand sein Auto vollpackt und das Zeug an so eine Stelle fährt, um dann die Umwelt zu vermüllen. Ich wünsche allen, die das tun, eine fette Geldstrafe, die richtig weh tut!

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Als ich also das Smartphone aus der Jacke nestle, um die Sauerei für das soziale Netzwerk zu dokumentieren, trifft mich fast der Schlag. „Treffen mit X und Y in 30 Minuten“ steht da auf dem Display. Aber bis nach Hause sind es noch sechs Kilometer!

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Komplett die Zeit vergessen … Also nichts wie los und Füße in die Hand nehmen, im übertragenen Sinn natürlich. Zum Glück geht es erst einmal zwei Kilometer bergab. Auf Pfützen oder Schlammlöcher achten geht jetzt nicht mehr. Dann das Tal und der Berg hinauf Richtung Kernscheid, an dem mein Puls beinahe die Maximalfrequenz erreicht. Hinunter die Serpentine ins Tiergartental und am Brückchen geradeaus bis zum Kleinen Biest.

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Die schnelle Hatz über Stock und Stein, durch Matsch und Schlicker … macht Spaß. Das seifige verschwindet beim direkten Weg durch den Modder. Die Sonne scheint durch die unbelaubten Äste der Bäume. Der Blick ist etwas angestrengt.

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So schmutzig waren meine Schuhe noch nie. Am Kleinen Biest deshalb ein Mini-Fotostopp. Oben hab eich definitiv das Maximum an Schnappatmung erreicht. Noch ein Kilometer …

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Es ist vier Minuten vor 12 Uhr. Die Waden sehen prächtig aus. Vor dem Badezimmer besteht aber erhöhter Kehrbedarf, als vor dem Sprung unter die Dusche der Dreck von der Haut bröckelt. Eine Viertelstunde später empfangen mich meine Freunde mit einem herzlichen Lachen. Rainer hat sich verlaufen!

Eine interessante Erfahrung. Eine Tour – knapp 19 Kilometer lang – nach dem Motto „halb und halb“. Die erste Hälfte ruhig und gemütlich, die zweite Hälfte mit vielen Höhenmetern und schnell. Gar habe ich mich am Ende in jedem Fall gefühlt 😉

12 Gedanken zu „Halb und halb

  1. Lieber Rainer,

    besser kann man einen freien Tag doch kaum verbringen!! 😀

    Zuerst in aller beste Gesellschaft eine gemütliche Runde, danach alleine weiter im Matsch und Schlamm! Da vergisst man doch leicht die Zeit -- zum Glück hast Du aber auf die Uhr geschaut und hast es auch (jedenfalls fast) rechtzeitig zum gemeinsamen Mittagessen geschafft!

    Ja, jeder, der in der Natur so eine Sauerei veranstaltet (eigentlich egal ob Naturschutzgebiet oder nicht) sollte ordentlich bestraft werden!! 👿

    Ich hoffe der Rest Deines freien Tages ist gemütlich verlaufen!!

    Liebe Grüße Anna

    • Liebe Anna,

      der Lauf war in jedem Fall ein Erlebnis. Erst in aller Ruhe und dann …

      Das Treffen war auch super. Hat richtig Spaß gemacht, dann ein wenig aufgekratzt mit den Freunden zu plaudern.

      Die Sauerei im Wald müsste wirklich bestraft werden. DAs macht zornig 👿

      Ich hoffe, es geht Dir besser!

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

  2. Achtung Achtung! Klugscheißermodus ein: Die Sonne ist kein Planet sondern ein Stern. Klugscheißermodus aus ❗ :mrgreen:

    Schön, Karin mit auf einer Deiner Laufrunden zu sehen, grüße Sie ganz lieb von mir.

    Gut, dass ich die letzten Kilometer nicht mit Dir habe laufen müssen, wo Du im Höllentempo durchs Gehölz und durch Matsch und Modder gerast bist. Aber gesehen hätte ich es gerne 😀

    Ich hoffe allerdings, dass Du selber vorm Bad gekehrt hast.

    Um Matsch und Modder beneide ich Dich. Wir haben hier jetzt stellenweise nur noch das blanke Eis 🙁

    Liebe Grüße
    Volker

    • Die Sonne ist ein Stern? Da habe ich ja wieder etwas gelernt, lieber Volker 😉 Na vielleicht hast Du ja die An- und Abführungszeichen übersehen, die kennzeichnen, dass es nicht wörtlich zu nehmen ist. 🙂

      In Anbetracht der Zeitnot habe … grummel … nicht gekehrt. Aber dafür habe ich am Nachmittag dann unter dem Dach Staub gesaugt ❗

      Liebe Grüße bei prächtigem Planetenschein

      Rainer 😎

  3. Lieber Rainer,

    irgendwie passt das zu Dir, aufgrund von einem schönen Lauf mit viel Matsch und Modder werden Termine begraben bzw. vergessen, aber es gibt definitiv schlechtere Ausreden 😉

    Schön, dass ihr euch zusammen aufgemacht habt und wenigstens die ersten Kilometer gemeinsam erledigt habt. Grüß Karin von mir, Danke!

    Salut
    Christian

    • Vergessen hatte ich den Termin ja nicht, lieber Volker, ich habe ihn nur etwas aus den Augen verloren 😉

      Karin hatte mit 9 Kilometern definitiv genug. Die ganze Tour laufe ich dann vielleicht im nächsten Jahr mit ihr, wenn sie schön dranbleibt. Deine Grüße werde ich natürlich gerne ausrichten. 🙂

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

  4. Schöne Foto-Story!
    Und spannend bis zum Schluß. Denn schon als ich gelesen habe: „10 Uhr loslaufen, 12 Uhr Mittagessen“, dachte ich mir, dass das eigentlich nicht klappen kann.

    • Danach habe ich das auch gedacht. Aber ich wollte ursprünglich ja gar nicht so lange laufen.

      Freut mich, wenn Dir die Geschichte gefallen hat.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

  5. Hallo Rainer
    Ja halb und halb machen wir oft am Wochenende. Die erste Hälfte der MTB Tour begleitet mich mein Mann und wir fahren eher ruhiger. Zumindestens ich 🙂 . Die andere Hälfte fahre ich dann allein weiter. So hat jeder was davon.
    Oder er begleitet mich auf dem Rad, wenn ich längere Läufe mache.
    So kann man trotz den enormen Trainingsaufwandes doch Zeit miteinander verbringen.
    Liebe Grüße
    Karina

    • Liebe Karina,

      eine gute Sache. Leider haben wir unter der Woche in der Regel nicht zur selben Zeit Zeit (nette Wortkombination 😉 ), um gemeinsam zu laufen. Aber wenn es mal klappt, macht das umso mehr Spaß.

      Liebe Grüße
      Rainer 😎

  6. Oh, was war das für ein herrlicher Tag -- den habt ihr beiden perfekt genutzt, lieber Rainer! Frühlingshaft sehen die Bidler aus, so war es heute nachmittag auch wieder. 🙂

    Strategisch wäre es beim nächsten Halb-und-Halb-Lauf vielleicht klüger, wenn du zuerst einen intensiven Tempolauf hinlegen würdest, so dass die Beine schon etwas schwer sind. Dann musst du dich vielleicht nicht ganz so zügeln, sondern bist schon etwas müde und empfindest ein ruhiges Tempo als passender. 😉

    Liebe Grüße,
    Anne

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