Gebt acht!

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So geht dieses Laufjahr heute also definitiv zu Ende. Wie es im Rückblick bewertet wird, hängt auch davon ab, ob die persönlichen Ziele erreicht werden konnten. Bei dem Einen war das eine neue Bestzeit, bei der Anderen die Premiere bei einem Halbmarathon oder gar Marathon.
Das wichtigste Bewertungskriterium ist für mich persönlich allerdings die Zahl der schönen Laufmomente.

Das so genannte Runners High ist das, wonach wir streben – dieses Gefühl der Leichtigkeit. Dann läuft es sich wie von selbst, der Körper strotzt vor Freude und Kraft.

Läuferische Rauschzustände wird es heute auch beim Silvesterlauf in Trier geben. Traditionell machen sich viele Menschen auf, um am letzten Tag des Jahres auf der Rundstrecke in der City noch einmal das Kribbeln eines Volkslaufs zu spüren. Wer nicht läuft, steht in Massen an der Strecke und jubelt – nicht nur für die schnellen Stars.

Ob mein Laufjahr einen guten Abschluss findet, wird aber nicht von einer guten Zeit abhängen. Vielen Dank an alle, die mich in diesen Tagen an mein Malheur des vergangenen Jahres erinnert haben, als ich schon nach sieben Runde ins Ziel gelaufen war. Ich werde heute acht geben, nicht nur auf das vermutlich rutschige Pflaster …

Allen ein wunderbares, bewegtes und verletzungsfreies neues Jahr!

Traum(hafte)schleife

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Es hat also doch noch geklappt mit dem gemeinsamen Lauf mit Marc. Dafür bin ich heute sogar etwas früher aufgestanden als in den vergangenen Tagen. Nach einem kleinen Frühstück und dem Texten der Laufkolumne für die Silvesterausgabe habe ich mich also ausnahmsweise mit dem Auto durch den Nebel auf den Weg nach Gutweiler gemacht.

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Dort bewohnt mein Laufkumpel ein sehr hübsches Häuschen, von dem sich prima eine 15 Kilometer lange Runde laufen lässt, die überwiegend auf der Romika-Traumschleife des Saar-Hunsrück-Steiges verläuft.

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Den Wanderweg bin ich mit Karin bereits gewandert. Ein sehr schöner Rundpfad, der mit reichlich Anstiegen gespickt ist.

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Die bekommen wir heute natürlich auch zu spüren. Vor allem für Marc ist das heftig, weil er gestern Intervalle gelaufen ist. Aber wir nehmen uns Zeit, um auch heute das Wechselspiel zwischen Nebel und Sonne zu genießen.

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So geht es also von oben hinunter, wieder hinauf, wieder hinunter zum alten Steinbruch, der regelmäßig die Kulisse für Karl-May-Festspiele bietet, wieder hinauf und hinunter zur Ruwer.

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Am Fluss entlang führt der Weg und steigt dann noch einmal mächtig, aber sehr idyllisch an bis in den Weiler Lonzenburg, wo wir wieder die Sonne zu Gesicht bekommen.

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Das ehemalige Romikagelände sehen wir nicht. Es war einmal die Heimat von gleich zwei großen Schuhfabriken, die dem ganzen Tal Arbeit und Wohlstand brachte. Allerdings ist es leider auch ein Vorzeigebeispiel, was der Nationalsozialismus angerichtet hat. Denn die jüdischen Besitzer mussten nach dem Boykott ihrer Ware erst Konkurs anmelden, dann nach Frankreich fliehen. Und als 1940 die Deutsche Wehrmacht und die SS-Schergen nach Calais kamen, nahmen sie sich in tiefster Verzweiflung das Leben …

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So weit darf es nie wieder in Deutschland kommen, nicht einmal in Ansätzen, wie sie derzeit mit Pegida und Teilen der AfD zu spüren sind.

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So ist das Flüchtlingsthema auch auf diesem Lauf präsent, der am Ende noch einmal einen mächtigen Anstieg in den Weg stellt.

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517 Höhenmeter auf 15 Kilometer. Für einen Halbflachländer ist das doch ganz schön ordentlich. Und inzwischen kommt auch in Trier die Sonne durch.

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Für Blütenstauballergiker taugt dieser Winter nicht …

In die Sonne

Das Weihnachtsfest ist vorüber. Es waren schöne Tage in der fränkischen Heimat. Viel Familie, viele Gespräch, gutes Essen, reichlich Trinkbares. Da kommt es einem nach der Rückkehr Zuhause irgendwie sonderbar still vor. Der dicke Nebel trägt zur meditativen Stimmung bei, dabei war doch ein sonniger Tag vorhergesagt.

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Alles Warten und der Blick auf die Wetter-App helfen schließlich nicht mehr. Ich muss der Sonne eben entgegenlaufen und hoffen, dass oben auf dem Schellberg der Nebel dem Licht Platz gemacht hat. Marc hat unsere in der vergangenen Woche getroffene Verabredung leider abgesagt.

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So lauf ich eben alleine hinauf zur Irischer Eiche und durch Alt-Tarforst weiter hoch auf den 383 Meter hohen Heidenkopf. Bereits auf dem Tapferster Plateau glaube ich einen Hauch von blauem Himmel wahrzunehmen. Aber erst auf den letzten Metern bis zu dem landwirtschaftlich genutzten Höhenrücken zeigt sich tatsächlich die Sonne.

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Mit einem Schlag ist es vier Grad wärmer. Wie immer ist es ein Traum, aus dem Nebel in die Sonne zu laufen.

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Die drei Sonnenhungrigen, die ganz offenbar mit dem Auto hier hoch gekommen sind, begleiten meinen Weg in Richtung Schell mit einigen Bemerkungen, dass ich doch wieder in den Nebel eintauchen würde. Ob sie meinem Hinweis, dass es danach aber noch einmal 50 Höhenmeter hinauf geht, Taten folgen und sie vielleicht doch noch einige Schritte gehen ließen, werde ich nie erfahren.

Bevor ich aber die höchste Erhebung in den nicht zu fernen Kreisen meines Laufreviers anstrebe, biege ich ab auf den Saar-Hunsrücksteig und laufe durch den Wald, der hier die interessanten Gewannbezeichnungen Fischer Anhau und Die Gott trägt, zum Naumett.

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Traumhaft schön ist das Lichtspiel im Wald. Vom Felssporn Baumtet, der über dem Ruwertal bei Waldrach emporragt, habe ich schon häufiger berichtet und Bilder gezeigt. Einst haben sich hierher die Menschen geflüchtet, wenn marodierende Horden durchs Tal gezogen sind.

Heute lohnt der Blick hinunter nicht. Da ist alles weiß. Schade, dass die Beleuchtung des weihnachtlich illuminierten Metallkreuzes noch nicht an ist. Aber der blaue Himmel ist eine schöne Alternative.

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Traumhaft, wie nun die Sonne scheint. Prachtvoll der Ausblick auf die Nebeldecke, die in die Täler und Seitentäler ausfranst.

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Mit Mütze ist es nun eindeutig zu warm. Die Jacke darf auch geöffnet werden.

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Das Örtchen Gutweiler liegt mystisch im Nebel. In dem kleinen Wehrkirchlein wurde vor bald 20 Jahren eine besonders schöne Trauungszeremonie gehalten … Einige Minuten Innehalten tun gut, eine Handvoll Rosinen stärkt für den Rückweg.

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Dass mir zwei Kilometer Streckenaufzeichnung verloren gehen, ist zu verkraften. Ich sollte einfach meine Laufuhr auch bei Pausen nicht abdrücken. Es ist nicht das erste Mal, dass ich erst später wieder auf die Idee komme, den Pausenknopf noch einmal zu betätigen.

Der Baum, den ich davor im Nebel nur schemenhaft wahrgenommen habe, ist nun … etwas banaler in der Ansicht.

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Aber die Aussicht auf Sonne hat inzwischen viele Menschen auf die Höhe gelockt. Einigen, die noch auf dem Weg nach oben sind, als mich der Nebel wieder verschluckt hat, kann ich motivieren mit der Aussicht auf Aussicht.

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21 Kilometer, 480 Höhenmeter – schwere Beine, gute Gefühle. Ich hoffe, Ihr hattet ähnlich gute Lauferlebnisse nach dem Weihnachtsfest.

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Stimmungsvoll geballert

Wenn eine Lauftreffgruppe am Abend über den Trierer Weihnachtsmarkt läuft, dann sorgt das für Aufsehen und nicht wenige Kommentare. So häufig wie gestern Abend habe ich jedenfalls noch nie die Frage gehört, ob wir die neue Truppe vom Ordnungsamt sind. Na ja, die gelben Jacken und all die Reflektoren legen vielleicht solche Vermutungen nahe.

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Dennoch hatten wir alle Spaß beim inzwischen fast schon traditionellen Weihnachtsmarkt-Lauf. Mit etwa 8 Kilometern Anlauf ist dabei der Glühweinpalast vor dem Trierer Dom das Ziel. Kaum zu glauben, wen man da um 19.15 Uhr so alles trifft … Zumindest die letzten Meter davor durch die Sternstraße war zudem an laufen nicht zu denken, weil es ausgerechnet da den vermutlich besten Glühwein in der Innenstadt gibt. Ein Gefühl wie vor dem Deuluxlauf …

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Die langen Wartezeiten wollten sich die gut gelaunten Montagsläufer vom Lauftreff Olewig allerdings nicht antun. Zim Glück ist zumindest der weiße Glühwein auch an dem 50 Meter entfernten Schnellausschank nicht so schlecht. Und mehr als eine Tasse  wäre vor den vier Kilometern Heimweg eh nicht wirklich ratsam gewesen. Das warme Weingetränk hat auch so genug geballert.

Euch allen ein schönes und aktives Weihnachtsfest!

Sonnenaufgang

Wer sich auch in der dunkelsten Zeit des Jahres an einem Samstag zu früher Stunde aus dem Bett quält, um gemeinsam mit Freunden zu laufen, der hat eine Belohnung verdient. Nicht nur das Motto „Waschmaschine“ – gleichbedeutend mit kein Matsch kann zu tief sein – hat die 23 Kilometer zu einem Genuss gemacht. Es war vor allem der Sonnenaufgang, den wir auf der Höhe über dem Domherrenwald erleben durften, der unserm Streich mehr Energie brachte als der Lauf kostete. Es war noch schöner als diese Bilder zeigen können:

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