Laaangsam

Verteufelt aber auch! So eine zähe Erkältung hatte ich schon lange nicht mehr. Heute also der erste Versuch eines Neustarts. Eine kurze und überwiegend flache Runde sollte es werden.

Dass es inzwischen um 7.30 Uhr schon leidlich hell ist, weckt Frühlingsgefühle, auch wenn die Minusgrade ordentlich dagegenhalten. Wäre ich auf den Petrisberg gelaufen, hätte ich etwas mehr von der Morgensonne mitbekommen.

Aber so wie ich mich fühle, hätte ich auf halber Höhe schlapp gemacht. Aber im Tier garten ist es immer schön, deshalb haben die 7,5 Kilometer doch Spaß gemacht, auch wenn es noch nicht viel mehr hätte sein dürfen. Aber Hauptsache, es kann wieder raus gehen.

Tempo ist ein relativer Begriff

Nein, es war keine gute Woche. Da ist man wieder soweit, um mit Freunden etwas längere Runden zu drehen. Und dann hindert eine fiese Erkältung das Vorhaben. Nun ja, auch das Wattegefühl im Kopf wird irgenwann wieder nachlassen. Aber wozu gibt es eine Laufkolumne, um ein wenig den Frust in Worte zu verpacken?

 

Tempo ist ein relativer Begriff

Bis hoch zum Zitronenkrämerkreuz habe ich es doch nicht geschafft. Weder die Sonne, noch der teilweise knöcheltiefe Schlamm hat meinen geplanten Höhenflug in Bekond gebremst. Vielmehr hat eine fiese Erkältung dafür gesorgt, dass es nicht einmal zum Versuch reichte. Die „Freck“ geht um und verschont auch nicht die freiluftsportgestählte Läuferschar – zumindest dann nicht, wenn alle anderen Mitglieder der häuslichen Wohngemeinschaft sich im kollektiven Hust-und-Schnief-Konzert verausgaben.
Dass offenbar auch bei anderen Morgensportlern der Kampf gegen die Rüsselpest vergeblich war, zeigt mir bei der Fahrt in die Redaktion der Blick auf die nahezu läuferfreien Wege. Richtig so! Wer angeschlagen ist, sollte vorsichtig sein. Wer mit erhöhter Temperatur läuft, riskiert einen längeren Ausfall, wenn nicht Schlimmeres.
Aber vielleicht klappt es ja wieder am Wochenende, zum Beispiel in Schweich. Dort lädt der örtliche Lauftreff am Sonntag um 10 Uhr zu einem gemütlichen Test für den Fährturmlauf ein, der am 25. März wieder die offizielle Laufsaison eröffnet. Start ist am Stadion. Gegen eine kleine Spende für das neue Sanitärgebäude am Sportplatz gibt es danach nicht nur wärmenden Tee. Heiße Duschen und prima Gesellschaft sind ebenso garantiert wie die Gewissheit, dass Tempo nicht immer das Wichtigste ist.

Wobei, wenn vor allem die Nase läuft, sind Papiertaschentücher doch eher unverzichtbar.

Wieder auf dem Laufenden

Ein weiterer Schritt zur Normalität: Die Umstellung auf die neue Optik unserer Zeitung nutze ich als Gelegenheit, wieder als Laufkolumnist in Erscheinung zu treten. In meinem Lauftreff werden sie nun wieder sagen, dass nichts und niemand vor mir und meinen journalistischen Ergüssen sicher ist. Ganz so schlimm war es doch auch nicht …

Ikarus und der Müllschlucker

Ikarus wollte zu hoch hinaus. Das musste er schmerzhaft erfahren, als die Sonne die Wachsflügel des tragischen Helden zum Schmelzen brachte. Ziele können eben nicht immer erreicht werden. Daran musste ich denken, als mein geschätzter Physiotherapeut wieder einmal einen Muskel bearbeitete, von dem ich bislang nichts wusste:

Iliacus heißt der Beuger, der sich hinter dem vorderen Hüftknochen versteckt und einem Läufer in verhärteter Form ordentlich Ärger macht. Und weil der Darm direkt auf dem Muskel liegt, reagiert er nicht nur auf zu heftiges Training. Müllschlucker-Muskel wird er deshalb von Physiotherapeuten genannt.

Wenn Darmbeinmuskel Iliacus dann wieder halbwegs geschmeidig seinen Dienst tut, schleicht sich Ikarus zurück ins Gedankenspiel. Am Gipfel des gefühlt unendlichen steilen Anstiegs beim Zitronenkrämerlauf, der sich am Samstagnachmittag in Bekond wieder traditionell in den Dienst der Welthungerhilfe stellt, geht es tatsächlich auch um Leben und Tod: Ein Kreuz erinnert an den Zitronenhändler, der dort im Jahr 1687 ermordet wurde.

Ob der Mann aus Italien damals zu hoch hinaus wollte und deshalb zu Fall kam, ist nicht überliefert. Sicher ist allerdings, dass alle Läufer am Samstag nicht noch höher steigen wollen, wenn sie am Ende ihres Höhenflugs das Kreuz sehen.