Frühlingserwachen

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Die Nebelschwaden haben sich früh verzogen. Blauer Himmel und Sonne. So stelle ich mir einen Frühlingstag vor. Da es eh Zeit wird nachzusehen, wie sich die Natur auf dem Petrisberg entwickelt hat, wage ich also wieder einen Testlauf. Schließlich sind die Leistenprobleme ja nur eingebildet … Das nehme ich mir mal für diese zehn Kilometer vor. Und leidlich gelingt es auch. Mit reichlich Fotostopps waren die Beschwerden sogar im erträglichen Rahmen. Weniger jedenfalls als zuletzt. Deshalb bin ich optimistisch. Ich muss ja nicht unbedingt lange Strecken laufen, bevor ich wieder beschwerdefrei bin.

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Es macht jedenfalls wirklich Spaß an so einem Prachttag unterwegs zu sein, das Erwachen der Natur zu bewundern und sich die Relikte der Landesgartenschau anzusehen. Die Partnerschaftsgärten, das Wasserband, den Turm Luxemburg und das Naherholungsgebiet Petrispark. Da lohnt es sich auch, wieder mal Fotos zu zeigen.

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Euch allen ein frohes Osterfest!

Mit Freunden im Meulenwald

Der Termin stand schon einige Wochen. Wie toll, dass heute dann passend für den Ausflug in den Meulenwald die Sonne zeigt, was sie an einem Tag im späten November so drauf hat. Ein gemeinsamer Lauf mit den Freunden vom Lauftreff Schweich stand an. So langsam wird das zur Tradition. Immerhin ist es schon die dritte Auflage.

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Nachdem es aus meinem Lauftreff leider Absagen gehagelt hatte, sind wir immerhin ein Quintett, das am Sonntagmorgen am Treffpunkt von viermal so vielen Schweichern empfangen werden. Der Lauftreff dort ist enorm gewachsen, seit Dirk Engel das Ruder übernommen hat. Aber angesichts der tollen Tartanbahn am Schulzentrum Schweich ist es auch kein Wunder, dass bei einem gut angeleiteten Training immer mehr Laufbewegte den Weg in die aufstrebende Kleinstadt an der Mosel finden.

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Heute geht es allerdings in die Natur. Der Meulenwald, im vergangenen Jahr Deutschlands Forst des Jahres, bietet wirklich viele und schöne Wege und Pfade. Das Einzige, was dazu im Herbst notwendig ist, sind gute Schuhe und eine ordentliche Kondition. Denn es geht eigentlich immer entweder bergauf oder bergab. Und bekanntlich folgt auf jeden Abstieg wieder ein Aufstieg.

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Lediglich zu Beginn der 20,5 Kilometer geht es flach zu. Am Kaiserhammer Weiher und im Baumpark beim Forsthaus Quint lässt sich so manches Gewächs bewundern, das nicht unbedingt heimisch ist. Einen kleinen Wald mit Mammutbäumen sieht man in unseren Gefilden zum Beispiel eher selten.

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Aber dann geht es bei diesem ersten Winterlauf bei 4 Grad bergauf, wo die Schweicher ihre Vereinsinterne Berglaufmeisterschaft austragen, die nach angeblich geheimen Regeln abläuft, die nur ehemalige Bergmeister kennen. Aber das ist heute nur am Rande ein Thema der vielen Gespräche.

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Denn die Tempoansage von Dirk ist gut für viel Kommunikation, trotz der fast 400 Höhenmeter, die wir sammeln, zumindest diejenigen, die sich für die komplette Strecke entscheiden. Ein Drittel der Gruppe begnügt sich mit elf Kilometern.

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Trotz des heftigen Regens der Vortage sind die Hauptwege im Meilenwald wunderbar zu laufen. Viel Sand im Bundsandsteinland. Abseits davon verlangen nasses Laub und  rutschige Wurzeln allerdings Aufmerksamkeit.

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Kurz vor dem Ende dürfen wir uns auch erfrischen, an der angeblich heilbringenden Quelle. Das Wasser soll nicht nur gegen schlimme Hände helfen, wie das geschrieben steht, sondern auch gegen schlechtes Augenlicht. Deshalb hatte ich vor einem Jahr extra einen Schluck extra genommen. Geholfen hat es allerdings bislang nicht.

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Aber vielleicht muss man dazu einfach häufiger kommen. Wir werden jedenfalls im kommenden Jahr gerne wieder da sein, um eine wunderschöne gemeinsame Runde zu laufen. Davor steht aber im Mai der Gegenbesuch zu unserem Freundschaftslauf in Olewig.

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.Und hier noch etwas zur Strecke:

 

Warum es so bunt ist

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Danke SWR3, nun weiß ich auch, dass der Schein nicht trügt, sondern dieser herbst tatsächlich außergewöhnlich bunt daherkommt. Denn die frühen sehr kalten Nächte haben die Bäume derart in Panik versetzt, dass sie angesichts des vermeintlichen Winters ihre Chlorophylproduktion eingestellt haben. Dann wurde es allerdings wieder wärmer, was wiederum die Versorgung des Laubwerks mit Saft verhinderte. So kommt zu der frühen und schönen Tönung hinzu, dass viele Blätter viel weniger vertrocknet sind als sonst. Und fertig ist in der Kombination das Festival der Farben.

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Im Palastgarten in Trier habe ich mich  trotz des Hochnebels über der Stadt auf Motivsuche gemacht. Ich stelle eine kleine Ausbeute einfach mal hier zur Ansicht rein. Es könnte ja sein, dass es gefällt.

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Festival der Farben

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Wenn die Sonne scheint, sind diese Tage in der Moselregion ein Traum, ein Feuerwerk der Farben. Gelb, rot, braun, grün, und dazu ein traumhaft azurblauer Himmel. Die meisten Weinberge sind abgeerntet, einige bereits mit winterhart zurückgeschnittenen Reben. Das ist schade, denn gerade jetzt verwandelt der Herbst auch die deren Blätter in bunte Kunstwerke. Aber ich will nicht viel schreiben. Ich lasse Euch einfach optisch teilhaben an einem Spaziergang in den gar nicht so späten Abend. Die Sonne geht jetzt früh unter.

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Zu viele Hammermänner

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Ich dachte, es wäre ein gutes Omen, dass meine Kollegin Katharina in der vergangenen Woche ihren Namen gewechselt hat. Das hat sie zwar nicht wegen mir getan. Aber de Mos ist vor einem Marathon dennoch besser als Hammermann, auch wenn sie selbst sich mit kürzeren Laufdistanzen begnügt. Ein Hammermann weniger war in diesem Fall allerdings nicht genug. Es gibt in Frankfurt einfach zu viele davon …

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Aber der Reihe nach: Eine Woche Küchenrenovierung ist vielleicht tatsächlich nicht das perfekte Tapering. Das merkte Coach Jens schon mit einem Augenzwinkern an, als er davon erfahren hatte. Na ja, tatsächlich ist es vermutlich nicht wirklich erholsam, fünf Tage lange bei Renovierung- und Aufbauarbeiten permanent auf den Beinen und Knien zu sein.

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So sind die Beine nicht ganz leicht, als ich mit meinem Schatz am Samstagmittag auf den Weg nach Frankfurt mache. Irgendwie ist es so unwirklich wie noch nie vor einem Marathon. Und dann soll es auch noch mein schnellster werden …

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Bevor wir im Hotel einchecken –  Hamburger Hof unmittelbar am Hauptbahnhof ist sehr zu empfehlen, wenn ich mir diese Anmerkung erlauben darf -, geht es erst einmal zum Messegelände, Startunterlagen abholen, Marathonmesse durchschlendern und Freunde treffen.

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Die Einen nur virtuell, weil sie höchst plakativ – hallo Jens, hallo Yvonne – für den Luxemburg-Marathon im kommenden Frühjahr werben.

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Die anderen live und in Farbe. Martin ist da, der es doch mit einem schnellen Lauf versuchen will, Frank, der froh wäre, nach 3:15 Stunden im Ziel zu sein, und der schnelle Dominik, der bei seiner Marathonpremiere „so etwas um die 2:50“ laufen will. Holla!

Flo Neuschwander kommt auch noch vorbei, der „Rockstar unter Deutschlands Läufern“, wie im aktuellen Runners Magazin zu lesen und zu sehen ist. Allerdings war dieser Bericht wohl schon vor Flos Mega-Ultraerfolg in den USA entstanden. Denn auf meine Frage, wo denn seine Piercings geblieben sind, antwortet er mit einem Grinsen, die habe ihm ein Bär in den Rocky Mountains abgeluchst. Nun ja, ein witziger Typ ist der Florian ja. Und in seiner neuen Wahlheimat Frankfurt fühlt er sich augenscheinlich sehr wohl.

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Da alle anderen befreundeten und bekannten Läufer in anderen Hotels übernachten, haben wir zu zweit den Vorteil, am Abend nach nur kurzer Wartezeit einen Platz beim Italiener zu finden. wo überwiegend schmale Menschen sich ihre private Pasta-Party geben. Ist aber auch lecker.

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Und dann ist schon der Wettkampftag da. Die Nacht war in Ordnung. Alleine am Wettkampftag beim Frühstück zu sitzen, ist aber schon ein komisches Gefühl. Und auch zum Start bei einem großen Marathon bin ich noch nie alleine gegangen. Alles unwirklich, sag ich doch.

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Ideales Wetter, knapp über 10 Grad, kein Wind. Das Gewusele vor und in der Festhalle nimmt zu. Eine knappe Stunde später wird nur einen Steinwurf entfernt der Startschuss fallen.

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Kleiderbeutel abgeben, das neue Startnummernband angeschnallt, mit vier Gels bestückt, gut zehn Minuten einlaufen, dann noch drei Steigerungsläufe. Die Beine fühlen sich ganz gut an. Jubelpose nicht vergessen. Hier ist alles erlaubt, ohne das irgendjemand fragend schaut.

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Und dann begegnet mir der Hammermann! Zu früh, viel zu früh. Aber auf meine Bitte, er möge mir in den nächsten 3,5 Stunden nicht mehr begegnen, reagiert er beim Posen in die Fernsehkamera des Hessischen Rundfunks gar nicht. Ein schlechtes Zeichen?

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Im Asics-Block – hier starten alle, die eine Zielzeit schneller als 3:15 Stunden angegeben haben – ist schon viel los, als vor mir der Mann mit dem gelben Ballon auftaucht. 2:59 steht darauf, auch auf seinem Shirt. Schön wär’s …

Aber schon wieder winkt ein Hammermann. Einer, den auch die Leute kennen, die nicht Strecken mit mehr als 40 Kilometer laufen. Vielleicht sind auch wegen des überdimensionalen Klöppelschwingers die Menschen im Starterfeld so wenig ausgelassen an diesem Morgen.

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Martin, Dominik und ich sind da natürlich eine Ausnahme. Vor allem Dominik scheint überhaupt keinen Respekt vor der Königsdisziplin zu haben. Er hat auch allen Grund dafür, wie sich später herausstellen wird. Er wird seinen Premierenmarathon in grandiosen 2:48:01 bewältigen.

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Mir ist die Sache noch immer nicht wirklich geheuer. Ich komme mir ein wenig vor wie im falschen Film. Aber es gibt nun kein Zurück mehr. Mal sehen, wie es läuft. Nicht schlecht  läuft es zumindest für die Nutznießer der Zieh-das-warme-Obereil-aus-und-wirf-es-über-den-Zaun-Aktion. Manch‘ nicht zu schlechtes Stück wechselt so den Besitzer.

Arne Gabius wird vorgestellt. Er startet nur 25 Sekunden vor uns, hat es aber viel eiliger, wieder ins Ziel zu kommen. Gigantisch, was der für eine Zeit hinlegt! Vor allem auf den letzten Kilometern … Aber das ist eine andere Geschichte.

Meine Wettkampfgeschichte beginnt damit, dass sich auf dem ersten Kilometer gefühlt alle gegenseitig auf die Füße latschen. Auf dem zweiten Kilometer rutscht mir eines meiner vier Gels aus dem Gürtel. Nicht so schlimm, drei sollten für das Rennen genügen. Aber welch komische Zeiten zeigt denn meine Suunto an?

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In den Häuserschluchten der Bankenmetropole spielt das GPS-Signal offenbar ab und zu Ping-Pong zwischen Glasfassaden. Jedenfalls können dieses Paceanangaben niemals stimmen, dafür sind wir viel zu schnell unterwegs. oder snd die Fünf-komma-nochwas auf dem Display eine böses Omen?

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Der Pacemaker ist also nun mein Tempomat. Martin, mit dem ich eigentlich gemeinsam laufen wollte, ist nicht mehr zu sehen. Ich wähne ihn hinter mir, kann ihn aber nicht entdecken. Auf den ersten Kilometern geht es im Zickzack durch die Innenstadt. Bei Kilometer sieben, im Bereich Kaiserplatz, wollte Karin stehen. Sie ist nicht zu sehen …

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Kilometer zehn ist an der Universität erreicht. Alles scheint ganz gut zu laufen. Ich habe mein Zwischenzeitenband natürlich im Zimmer vergessen. Ich vermute, wir sind schneller als nötig, aber ein paar Sekunden Puffer sind ja nicht schlecht.

Kilometer 13 – es geht es zum ersten Mal über den Main. Zwischen Sachsenhausen und Niederrad warten die erste langen Geraden. Bei Kilometer 15 sehe ich dann doch meinen Schatz, sie mich auch. Das tut gut. Denn nachdem bislang reichlich Schaulustige an der Strecke angefeuert haben, wird es ab hier doch eher dünn mit Motivationssprüchen. Aber so ist das nun mal bei den meisten Marathons. Die Strecke ist einfach zu lang, als dass an jeder Stelle Publikum zu erwarten wäre.

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Auf Höhe der Staustufe Griesheim ist die Hälfte der Distanz geschafft. Inzwischen habe ich akzeptiert, dass meine Uhr schon jetzt wieder 500 Meter mehr anzeigt als die offiziellen Streckenmarken. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass meine offizielle HM-Zeit mit 1:29:11 notiert wird, meine Suunto aber sensationelle 1:26:27 registriert. Meine Beine fühlen sich eher nach der schnelleren Zeit an. Leider wachsen die Zweifel, ob ich dieses Tempo durchhalten kann.

Drei lange Kilometer zur Schwanzeimer Brücke, über den Main nach Höchst. Selbstmotivation ist nun angesagt. Der gelbe Ballon ist plötzlich wieder direkt vor mir. Geht doch! Denke ich mir ziemlich genau an dem Punkt an dem Martin wegen muskulärer Probleme aussteigt. Aber davon bekomme ich nichts mit, denn die Stimmung in Höchst ist wieder ziemlich gut. Und als die Musik nicht mehr da ist, begegnet er mir wieder und zieht den Stecker heraus:

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Die 3 Kilometer lange Gerade von Griesheim zur Hellerhofsiedlung füllt meine Beine mit Beton. Die Luft ist raus, definitiv. Na gut, dann genieße ich den Rest des Laufs und nehme eben bewusst Tempo heraus. Und noch etwas mehr … 5:05 Minuten pro Kilometer … Hey, das fühlt sich jetzt aber doch wirklich anders an. Erste kurze Gehpause bei der Getränkeaufnahme bei Kilometer 32. Warum läuft es sich so schwer wieder an? Ist ja fast wie beim Maare-Mosel-Lauf. Och nö! …

Zwei Kilometer laufen, bis zur nächsten Verpflegungsstation, dann gönne ich mir wieder ein paar Schritte. Dieses Spiel wiederholt sich nun, ich würde zu gerne einfach aufhören. Das geht nicht, nein, vielleicht ist ja noch eine Zeit um 3:10 möglich!  Mein Beine halten davon nichts und verbünden sich zu einer immer lauter schreienden  Protestbewegung gegen meinen Geist?

Kilometer 37, da müsste doch Karin stehen? Ja, da ist sie! Es gibt keinen besseren Grund, um nochmal stehen zu bleiben. Eine Umarmung, einige Worte der Kapitulation. Vergeblich. Motivierende Worte katapultieren mich zurück auf die Strecke. Na gut, das Verb ist nun vielleicht etwas falsch gewählt. Aber der Geist ist willig. Weitermachen,   dann wird es zumindest eine Zeit unter 3:15 … Immer dieses Schlussgekurve durch die Citys! Das war in Düsseldorf doch auch so, so …  naja, dieses Wort gehört hier nicht hin. Kilometer 40 – hier muss es doch Cola geben?

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Vom Tisch mit den Isodrinks bis zur Koffeinlimonade sind es wohl 100 Meter, die ich gehe, ich kann nicht anders. Tempo 5:57 Minuten für diesen Kilometer – kreisch – das ist der tiefste Tiefpunkt, der die 3:15 gefährdet. Aber das darf nicht sein! Also kämpft Kopf den Widerstand der Beine nieder und lässt sie noch einmal so schnell laufen, wie es möglich ist. Lange Gerade, schon wieder – oh Mann, das wird eng – Kurve, kurze Gerade, noch ne Kurve – jetzt muss es doch endlich … – ja, die Festhalle, nicht nachlassen. Ins Dunkel, roter Teppich, Zielbogen. Wie war das mit der grandiosen Stimmung beim Zieleinlauf? Ich bin nur froh, dass es vorbei ist. 3:14:56 stehen auf der Uhr.

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Das war knapp! Irgendwie doof. Diese Zeit hätte ich auch laufen können, ohne mich so zu quälen. Aber ich wollte es ja so. Das war einfach nicht mein Tag, zumindest nicht ab Kilometer 28.

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Ich komme zumindest noch rechtzeitig, um die Siegerehrung von Arne Gabius im  Zielbereich live zu verfolgen. Von einem neuem deutschen Rekord, von Olympianorm und solchen Dingen ist da die Rede. Wirklich realisieren kann ich das erst später.

Gemein ist in Frankfurt übrigens die  Treppe, die alle Läufer hinabsteigen müssen, um an Medaille, vor allem aber an heißen Tee, herrlich salzige Gemüsebrühe und Obst zu kommen. Wie schmerzhaft ein Marathon sein kann, zeigt sich an der Eleganz, wie dieses unnatürliche Hindernis überwunden wird.

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Wie ich selbst hinuntersteige, kann ich nicht sagen. Ich denke, nicht ganz so gequält. Aber spätestens, als mich Flo Neuschwander entdeckt und mir grinsend auf die Schulter klopft – „na, wie war’s?“ – ist die Welt wieder in Ordnung. Das Lachen kehrt zurück. Es war eben nicht mein Tag. Das ist leichter zu akzeptieren als ein Lauf, bei dem ich – wie in Düsseldorf – die Drei-Stunden-Marke hätte knacken können, es  wegen dummer Fehler aber verpasst habe.

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Ich verabschiede mich von Flo und seiner hübschen Staffelbegleitung. Die Plastiküberzüge sind nun wirklich gut, halten warm in den paar Minuten, bis der Weg zur Kleiderbeutelausgabe gewagt werden kann. Sitzen ist gar keine schlechte Idee.

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Auf dem Weg in die Messehalle kommt mir doch tatsächlich mein Schatz entgegen. Die Welt ist in Ordnung, alles ist gut! Besonders die heiße Dusche im Hotel, die Beinmassage, der Latte Macchiato und das Gefühl, es geschafft zu haben – nicht etwa, die drei Stunden zu unterbieten. Ich habe diesen Lauf hinter mich gebracht. Es ist eine Befreiung. Endlich wieder Genussläufe! Die Hammermänner dieser Welt können mir gestohlen bleiben!

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Wie gut, dass meine liebe Kollegin einen neuen Namen hat …

 

Der letzte Lange

Die Taperingphase hat begonnen. Mit dem letzten langen Lauf vor Frankfurt habe ich mir die allerdings auch verdient. Uff!

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Nach etlichen Wochen der erste gemeinsame Lauf mir Marcel, der vor wenigen Tagen in beeindruckenden 3:12 Stunden in Köln ins Ziel gekommen ist. Da gibt es viel zu erzählen. Gerade richtig für einen Lauf über drei Stunden.

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32 Kilometer standen auf dem Plan. Überwiegend flach sollten sie sein. Allerdings ändern  wir zumindest einen Teil des Plans kurzfristig, weil die Morgenstimmung so grandios ist, dass es unmöglich erscheint, ohne den Felsenpfad und seine Ausblicke durch das falsche Biewertal  zu laufen.

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Tatsächlich lohnen sich die Blicke über das Moseltal und die Stadt. Der Herbst ist einfach ein Traum. Die Kastanienbäume werfen ihre Früchte ab. Hier sind es Esskastanien, von denen viel vermutlich in Kochtöpfen landen werden. Aber das ist heute nicht unsere Sache.

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Statt an der Mosel, laufen wir durch das Tal zurück und gehen erst an der Kaiser-Wilhelm-Brücke auf die alte Treidelstrecke. Dann bis zur Konrad-Adenauer-Brücke und auf der anderen Seite des Flusses wieder zurück.

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Meine Beine sind heute nicht so leicht wie erwartet, aber am Ende einer etwas intensiveren Woche ist das kein Grund zur Beunruhigung. Marcel fragt zwar immer wieder, ob ich nicht schneller laufen wolle. Aber ich kann ihn beruhigen. Mir genügt wirklich eine gemächliches Tempo.

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So staunen wir über die vielen Touristen, als wir um 10 Uhr durch die Torbogen der Porta Nigra in die Innenstadt laufen. Weil die Sim schon sehr voll ist, machen wir uns durch die Gasse „Sieh um Dich“ und über den Domfreihof in Richtung Palastgarten. Das Gässchen heißt so, weil hier im Mittelalter von den Häschern der Bürgerschaft verfolgte Flüchtige das Territorium der Kirche mit seinen eigenen Gesetzen erreichten und sich in Ruhe umdrehen konnten, sie waren in Sicherheit vor ihren weltlichen Verfolgern.

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Flüchtlinge sind heute als Thema natürlich auch bei diesem Lauf dabei. Das Thema beschäftigt mich beruflich und privat einfach sehr derzeit. Im Palastgarten fällt mir das Spiegelbild im Teich in den Blick – noch ein kurzer Fotostopp, dann am Amphitheater vorbei bis nach Olewig und von dort … noch einmal eine Extrarunde zu den Mattheiser Weihern.

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Marcel verabschiedet sich schließlich nach 28 Kilometern und überlässt mir die Schleife durch das Tiergartental und den Aufstieg über das kleine Biest in Solomanier. Davor treffe ich noch André mit Frau, Kind im Babyjogger und Hündin Nala.  Kurzer Plausch, dann noch die letzten zwei Kilometer. Von der Treibjagd ist zum Glück nichts mehr zu sehen und zu hören.

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Die Beine sind nach 3:15 Stunden wirklich schwer. Kaum vorstellbar, dass ich in zwei Wochen in 15 Minuten weniger zehn Kilometer mehr laufen werde. Aber danach wird mir mein Geläuf sicher auch nicht viel mehr wehtun als heute.

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Hier die ganz schön wilde Streckenaufzeichnung, falls Ihr nach diesem doch wieder längeren Beitrag dazu noch Lust habt: