Vorerst ausgestolpert

Urbanian Run Trier 2015

Ein Läufer, der auf dem Dach eines alten Autos steht und vor Freude strahlend die Arme in die Höhe reckt. Dieses Bild ist meine Erinnerung an den Urbanian Run im vergangenen Jahr. Mehr als 1000 Teilnehmer hatten bei der Premiere dieses ungewöhnlichen Hindernislaufs durch die Altstadt von Trier viel Spaß.

Da wurde gelaufen, geklettert, gesprungen und gestolpert, was das Zeug hält. Immer begleitet vom Gejohle und den Anfeuerungsrufen der weniger aktiven Zuschauer am Rande der Strecke. Viele, die auf der Fünfkilometerstrecke ihre Premiere feierten, wollten in diesem Jahr die längere Distanz über zehn Kilometer angreifen.
Wer es noch nicht weiß, muss jetzt tapfer sein: Es hat sich ausgestolpert. Der neue Lizenzgeber hat es nicht geschafft, eine zweite Auflage in Trier zu finanzieren. Alle Bemühungen des Vereins Trierer Stadtlauf, als Organisator vor Ort die Veranstaltung zu retten, waren vergebens.

Der Verein hat angekündigt, er werde gemeinsam mit der Stadt Trier und Sponsoren 2017 ein neues Spaßereignis auf die Beine stellen. Bis dahin muss der Trierer Stadtlauf genügen. Stolperfallen sind am 26. Juni allerdings eher nicht erwünscht.

Ein Wandertag zum Davonlaufen

Mit der Überschrift will ich niemanden erschrecken. Er ist eher positiv gemeint, denn beim TV-Wandertag in Zemmer in der schönen Eifel – Fidei heißt der Landstrich – dürfen nicht nur Wanderer die Sorgen des Alltags vergessen.

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Es ist der 20. Wandertag, der vom Trierischen Volksfreund organisiert wird. Und zum vierten oder fünften Mal besteht auch die Möglichkeit, eine der Strecken als geführten Lauf unter die Schuhe zu nehmen.

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Da am selben Tag auch der Bitburg Stadtlauf ist, bleibt die Schar der Teilnehmer überschaubar, die sich um 9 Uhr noch vor der ersten Wandergruppe auf den Weg macht. Die Grundsgraben-Erlebnistour wartet auf uns. Zwölf Kilometer mit einigen Höhenmetern, wie sich herausstellen wird.

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Aber die fitte Gruppe lässt sich davon nicht beeindrucken. Roland Monschauer und seine  Frau  ( – wie unhöflich, aber mein Namengedächtnis lässt mich mal wieder im Stich – ) führen uns bei idealen Wetterbedingungen über die Strecke.

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Meine Wunde auf der Schulter verheilt offenbar gut. Sie meldet sich nicht. Lediglich das Rot der Desinfektionslösung färbt meine weißes TV-bewegt-Shirt etwas ein, als das Pflaster durchweicht. Mal sehen, ob das Zeug sich wieder auswaschen lässt.

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An der Kapelle am Ende des langen Anstiegs geht der Weg für die 17er Runde ab. Die nehme ich mir für die zweite Runde vor, die ich alleine laufen werde. Mühlenbach-Höldbach-Grundsgraben-Tour, schwer – lautet deren Bezeichnung. Aber dass mit schwer wirklich schwer gemeint ist, merke ich erst, wenn es zu spät zum Umkehren ist.

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Aber noch bin ich auf der 12er Runde und nutze natürlich die Gelegenheit, das hübsch renovierte Kapellchen anzusehen, bis die Gruppe wieder beisammen ist.

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Noch ein Anstieg und einige Kilometer, die mir auf der Laufuhr fehlen, weil ich vergesse, den Pausenkopf ein zweites Mal zu drücken, dann kommt nach Zimmer-Rodt der Aussichtsturm in Sicht.

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Da muss ich natürlich rauf …

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… und den Blick in die Weiten schweifen lassen.

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Zwar sind wir uns nicht ganz einig, welche Windräder wir da in der Entfernung sehen.

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Der Protest gegen die Pläne, solche Rotoren auch im Meilenwald aufzubauen, ist aber auch diversen Transparenten in den Dörfern formuliert.

DSC00570-002Und dann sind wir auch schon wieder in Zemmer. Kurzes Hallo mit den Kollegen, die heute im Dienst sind. Ein Glas Wasser, dann noch zum Auto, zwei Handvoll Rosinen naschen, und auf geht’s zur zweiten Runde, auf der ich keine Pause machen werde.

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Wanderer gehören nun zu meiner ständigen Begleitung. Eine Klingel oder Hupe wäre nicht schlecht, denn von den meist mit Rucksack und Stöcken ausgerüsteten Wandersleuten rechnet keiner mit einem Läufer, der von hinten kommt. Aber ich mache mich bemerkbar und es gibt immer wieder nette Kommentare, oder zumindest nett gemeinte …

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Die Topografie der Fidel ist durchaus anspruchsvoll, wie der Blick hinunter nach Daufenbach zeigt. Und prompt geht es steil bergab durch den Wald dorthin.

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Ab und an bedauere ich ein wenig die Schuhwahl. Die Trailvariante wäre heute sicher gut gewesen. Allerdings fällt es mit den leichten Schuhen auch leichter, die steilen zwei Kilometer wieder hinauf zu laufen. Die tiefe Kerbe im Laufprofil deutet an, was heute die große Herausforderung war.

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Dennoch ist das Hochdieseln letztlich angenehmer als das Bremsen bergab.

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Und auf der Strecke gibt es wirklich tolle Eindrücke, die vermutlich nicht nur mich, sondern auch die Wanderer begeistern.

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Aber irgendwann endet auch der längste Anstieg. Einige Stöckelträger wundern sich, mich bereits zum zweiten Mal zu sehen. Kopfschütteln und auch neidvolle Blick sind dem freundlich grüßenden Läufer gewiss.

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Noch einen Wiesenweg hoch, dann ist bald wieder der Aussichtsturm erreicht, von dem es nur noch gut vier Kilometer bis zum Festplatz sind. Das genügt dann für diesen ersten Lauf seit vier Tagen. Es wurde Zeit, die Füße wieder zu bewegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hitzeschlacht in Trier

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Vor einem Jahr hat es geschüttet. Nach dem Lauf bin ich vor Kälte zitternd so schnell wie möglich in das Teamquartier geflüchtet, um nicht zu erfrieren …

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Diese Gefahr besteht in diesem Jahr nicht. Ganz im Gegenteil. Das traumhafte Sommerwetter macht den Halbmarathon beim Trierer Stadtlauf spätestens in der zweiten Runde zur Hitzeschlacht.

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Dabei hat es so angenehm begonnen. Na ja, nicht ganz, denn zwei Abende auf dem Altstadtfest machen ein Aufstehen um kurz nach 6 Uhr schon ein wenig lästig. Als Mitorganisator der Aktion Der TV bewegt! ist es mir allerdings wichtig, bereits von Beginn an um 7:30 Uhr in unserem Laufstützpunkt zu sein. Schließlich habe ich auch die Startnummern für die 60 Teilnehmer dabei.

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Es ist immer ein Erlebnis, wie sich die Energie in unserem Pressecenter auflädt, wenn die Läuferinnen und Läufer voller Vorfreude und Anspannung nach und nach eintrudeln. Nur bei ganz wenigen liegen dann die Nerven ein wenig blank, aber das ist nicht der Rede wert.

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Traditionell ein Foto von den Startern beim Zehnkilometerlauf, der um 9 Uhr los geht.

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Die Halbmarathonis sind 20 Minuten später dran. Mit aufs Bild gemogelt hat sich mein Schwager Peter, der leicht an dem nicht ganz zum Team-Outfit passenden Shirt zu erkennen ist. Die Laufeinsteiger, von denen viele zum ersten Mal an einem Wettkampf teilnehmen, kommen leider wegen des späten Starts erst später. Kein Foto also … Für uns geht es erst einmal auf eine Aufwärmrunde mit drei Steigerungsläufen am Ende. Nur nichts riskieren …

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Da Schwager Peter auf meine Laufbegleitung verzichtet und es etwas gemütlicher angehen lässt, löse ich mein Versprechen ein, für Andreas die Pace zu machen.

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Zielzeit: alles unter 1:30 Stunden. Mit André aus dem Lauftreff – heute ohne Hund – und Michael, für den ich im vergangenen Jahr der Schrittmacher war, sind wir ein Quartett mit dem Vorhaben, eine Durchschnittspace von 4:15 Minuten/km bis ins Ziel vor der Porta Nigra zu halten.

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Bevor es aber erst wird, müssen noch viele Bekannte gegrüßt und zumindest kurz gesprochen werden.

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Auch Flo Neuschwander ist kurzentschlossen aus Frankfurt in seine alte Wahlheimat gekommen. Er hat in dieser Woche bereits 180 Kilometer in den Beinen – und wird bei Wochenkilometer 201 einigermaßen überraschend die schnellste Zeit bei diesem Halbmarathon gerannt sein – 1:08:59 …

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Von so einer Zeit wage ich nicht einmal zu träumen. Mir reicht bei beständig zunehmender Hitze das oben beschriebene Tempo.

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Los geht es also …  Bei Kilometer zwölf fragt mein inneres Teufelchen natürlich, warum ich mir so etwas denn schon wieder antue? Engelchen säuselt zurück: Weil wir heute Pacemaker sind, halt also bitte die Klappe! Teufelchen mault zwar, stellt seinen Protest aber doch weitgehend ein. Schließlich gibt es eine Aufgabe.

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Alles läuft sich auch einigermaßen gut. Michael lässt zwar abreißen, er wird dennoch seine PB um 5 Minuten auf 1:32 verbessern. Mit André und Andi bleibe ich aber zunächst dezent unter dem angepeilten Schnitt. Mein Schatz und meine Schwester haben es tatsächlich geschafft, an den ein oder andern Punkt des Rundkurses zu eilen und uns anzufeuern. Danke! Das macht schnellere Beine.

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Alles im grünen Bereich also … bis fünf Kilometer vor dem Ziel, als André zurückbleibt und den Anschluss nicht mehr findet. Das merke ich allerdings zu spät. Ich habe damit nicht gerechnet. Andi hat auf der ewig langen Ostallee-Geraden zu kämpfen, die mir auch Mühe macht. Und in der Saarstraße fällt er plötzlich einige Meter zurück. Aber – bin ich ein guter Pacemaker? Ich lasse den Abstand nicht zu groß werden, nehme ein klein wenig Tempo heraus. Und so ist er vier Kilometer vor dem Ziel wieder bei mir … Um mir einzureden, dass ich alleine weiterlaufen soll.

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Aber nichts da. Ich habe mich schließlich nicht bis hier geplagt, um ihn alleine zu lassen. Eine freundliche aber bestimmt Ansage, er soll und kann dranbleiben, muss zwar noch einige Male wiederholt und durch Gesten unterstrichen werden. Aber im Ziel ist er ebenso glücklich wie ich, dass wir unser Projekt gestemmt haben. 1:29:16 ist die handgestoppte Zeit. Bingo.

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Das Grinsen danach ist immer das Schönste, meines vielleicht nicht unbedingt. Aber das der fast 1000 Starter die es heute geschafft haben, der Hitze zu trotzen. Zum Glück gibt es ausreichend alkoholfreies Erdinger, um Flüssigkeit- und Mineralspeicher wieder aufzufüllen.

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Auch mein Lauftreff ist mit einer größeren Gruppe da. Heute freue ich mich allerdings ein wenig, in weiß gelaufen zu sein und nicht in unserem schicken Schwarz.

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Gruppenfotos, anerkennende Worte allenthalben, und dann kommt auch Schwager Peter ins Ziel. ein wenig kaputt, aber doch so glücklich über seinen ersten erfolgreichen Start in Trier, dass er ein Finishershirt ersteht. Er wird es in Zukunft bei Landschaftsläufen im Gramschatzer Wald in meiner fränkischen Heimat durch die Gegend tragen.

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Soweit ich überblicken konnte, erreichen alle TV bewegt-Teilnehmer ihr Ziel. Die Aktion 2015 ist damit offiziell abgeschlossen. Am Dienstag dann das übliche Nachtreffen, um über Heldentaten und Hitzeschlachten zu sprechen. Es gibt viel zu erzählen, nicht nur für unser Medienhaus-Maskottchen Lucky, das sich ungewohnte Wege zu den Kinderläufen bahnen muss …

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Berichte, Fotos und Ergebnisse gibt es natürlich wie immer im Laufportal

 

Lustige Leiter

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Beim Abschlusstraining der TV-bewegten Läufertruppe ging es im Trierer Weißhauswald noch einmal lustig zu, wie auf Fotos an dieser Stelle bereits zu sehen war.  Wer das nachvollziehen will, bastle sich mit Stöcken und Bändern oder Seilen eine Koordinationsleiter, lege sie auf den Boden und übe dann zwischen den Sprossen schnelle Schrittfolgen im wechselnden Takt: eins – eins-zwei – eins-zwei-drei …

Wer es ein wenig schwerer haben will, der klatscht dazu abwechselnd vor und hinter dem Körper. Und wer dann noch nicht aufgegeben hat oder angesichts seiner Unfähigkeit vor Lachen prustend neben der flachgelegten Strickleiter liegt, kann zusätzlich trippelnd Zahlenreihen aufsagen: zwei – vier – sechs … Diese dürfen nicht zu der wechselnden Schrittfolge passen. Alleine treibt einen so etwas in den Wahnsinn, in der Gruppe bringt es kollektive Heiterkeit.

Das sei alles gut für Koordination und Konzentration, sagt der Trainer, der es wissen muss. Nun muss er allerdings auch darauf hoffen, dass beim Stadtlauf am Sonntag nicht jeder zu intensiv an die Leiterübungen denkt, wenn er durch die Trierer City trippelt. Denn Lachen beim Laufen erzeugt Seitenstechen. Und das kann da wirklich niemand gebrauchen.

Finales Teamtraining

Ist das nicht ein schönes Bild? Begeisterte Läuferinnen und Läufer. Da dürfen die Daumen gerne nach oben zeigen.

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Der TV bewegt! So lautet das Motto in den vergangenen zwölf Wochen für 60 Freizeitsportler, die sich in drei Trainingsgruppen auf den Trierer Stadtlauf vorbereitet haben. Am Dienstagabend nun das letzte gemeinsame Training.

Der TV bewegt, 2015TV-Foto: Friedemann Vetter

 

Natürlich war davor traditionell das zweite Gruppenbild der Aktion angesagt. Nach dem vom Auftaktabend nun eines mit gut gelaunten und trainierten Frauen und Männern – natürlich im Teamhirt, mit dem alle am Sonntag auf der Strecke eine gute Figur machen werden.

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Da unser Halbmarathoncoach am Ende Urlaubsbedingt schwächelt, durfte Marc – Kowa – Kowalinski seine pädagogischen Fähigkeiten unter Beweis stellen und eine Gruppe von 30 Leuten koordinieren.

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Das klappte ganz gut, zumal die Halbmarathonis ihre Vorgabe in der Vorwoche erhalten hatten: 2 x 2000 Meter im Wettkampftempo. Davor gemeinsames Einlaufen … Aus den von Kowa angekündigten 20 Minuten wurden 30, aber dafür bekenne ich mich schuldig.

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An der Spitze der Truppe bin ich einfach ein Stück zu weit getrabt. Vermutlich war es das Bedürfnis, nach zwei Tagen Schulung in Königswinter endlich mal wieder die Beine zu bewegen.

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Im Weißhausstadion drehte derweil Chefcoach Jens mit seinem Team der ehemaligen Anfänger einige Runden. Sowas Gruppe der Zehnkilometerläufer und Halbmarathons kamen dort noch in den Genuss, die Laune beim Beineverknoten zu steigern. So eine Koordinationsleiter kann eine mächtige Herausforderung sein …

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Und dann waren noch die Hausaufgaben zu bewältigen: 2 x 5 Runden im Tempo 4:15 min/km. Für Andreas und mich ist das die geplante Pace am Sonntag. Mal sehen, wie „locker“ ich die 1:30 noch laufen kann, acht Wochen nach Düsseldorf.

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Für die Aktion mit unseren Leserinnen und Lesern wird der Start beim Stadtlauf der letzte offizielle Akt und hoffentlich Höhepunkt. Ich freue mich schon auf viel lachende Gesichter …

 

Dreierpack mit Bart

Ein wenig verspätet kann ich berichten, dass der Mitternachtslauf in Kröv wieder eine sehr schöne Sache war. Am Pfingstsonntag war der Besuch der Landesgartenschau Landau angesagt, da blieb keine Zeit für den Computer, was auch mal nicht schlecht ist. Der Bericht zur LGS wird folgen, jetzt muss aber erst einmal einer der stimmungsvollsten Laufveranstaltungen an der Mosel bedichtet werden:

31. Krˆver Mitternachtslauf

Nach dem entspannten Morgenlauf sattle  ich also um 18 Uhr meine 110 Pferde und mache mich auf in Richtung Kröv. Eine Stunde Anfahrt ist schon ganz schön lang, aber dafür werde ich es voll ausreizen. Denn nach der Pflichtveranstaltung Firmenlauf am frühen Abend will ich auch noch eine Stunde vor Mitternacht beim Hauptlauf starten. Der ist offiziell zwar nur für Jungspunde bis 39 Jahre gedacht. Als älterer Herr darf ich aber außerhalb der Alterswertung teilnehmen.

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Die Nachmeldung für den 9400 Meter langen Mitternachtslauf ist schnell erledigt. Dirk hat bereits die Nummern für den Firmenlauf gesichert. Seine Partnerin Larisa ist auch wieder dabei. Und so ergeben wir gemeinsam mit Claudia und Sabine eine hübsches Quartett + Gast. Das Gruppenfoto ist allerdings erst nach dem Zieleinlauf möglich, weil Claudia wegen eines Staus bei der Anreise erst zwei Minuten vor dem Start ankommt, vollkommen durch den Wind und deshalb nicht so aufgeregt wie sonst.

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Vielleicht ist das sogar gut für sie, denn sie geht nach dem Startschuss ab, wie es die Post niemals konnte. Meinen Plan, mit ihr gemeinsam zu laufen, gebe ich deshalb nach einem Kilometer in irrsinnigem Tempo auf. Schließlich warten nach der ersten Hälfte der Runde durch den Ort zwei Rampen, die bezwungen werden wollen und ordentlich an die Puste gehen.

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Also nehme ich ein wenig Tempo raus und laufe zügig hoch und dann wieder durch die von stimmungsvolle Ortsmitte hinunter zur Mosel. Es wartet ja noch eine zweite Runde, auf der ich dann ordentlich Dampf machen kann, denke ich und wundere mich sehr, als mich ein netter Streckenposten unterhalb der Kröver Nacktarschhalle in den Zielkanal winkt. Hä?!!! Zu einem Schlussspurt ist es jetzt zu spät. TV – total verpeilt. 3800 Meter sind also 1,5 und nicht 2,5 Runden …

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Na gut, einige Körner gespart für den späten Lauf. Mit Claudia, die 30 Sekunden vor mir,  und Dirk, der 40 Sekunden nach mir (14:37; Pace 3:52) ins Ziel kommen, gewinnen wir trotz meiner Trotteligkeit die Firmenwertung locker. Claudia ist es die schnellste Frau in diesem kurzen Lauf, der gemeinsam mit der normalen Wertung als Jedermannlauf immerhin 260 Starter hat. Ich auf Platz 12 und in der M50-Klasse auf Platz 4. Aber das ist nicht wichtig. Hätte ich nicht so gepennt, wäre ich maximal zwei Plätze besser gewesen.

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Kaum ist das Siegerteamfoto gemacht und ein alkoholfreies Bier des Hauptsponsors verköstigt, schon steht Marc breit grinsend und im Outfit des SV Olewig neben uns. Als meine Teammitglieder hören, dass ich mit ihm noch den späten Lauf angehen werde, freuen sie sich. Vor allem deshalb, weil mir dadurch die Aufgabe zufällt, bis zu Siegerehrung zu bleiben. Und schon sind sie auf dem Heimweg.

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Dummerweise ist die Siegerehrung in der Nacktarschhalle just zu dem Zeitpunkt vorgesehen, wenn die Mitternachtsläufer sich eine halbe Dorfrunde weiter zum Start aufstellen. Wer sich über den sonderbaren Namen für diese Festhalle wundert, dem sei kurz erläutert, dass der Kröver Nacktarsch eine Weinlage ist, die werbewirksam in Szene gesetzt wird und die Blicke der verwunderten Touristen an diesem idyllischen Örtchen an der Mittelmosel an Hauswänden, einem Brunnen und manch anderer Form nahegebracht wird.

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So informiere ich also das Orgateam über meine Zeitprobleme. „Wir wollten die Siegerehrung eh mit den Hauptläufen machen“, lautet die Antwort. Auch gut, also Nachsitzen bis 2 Uhr …

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Da der Abend noch lang wird, muss erst einmal ein Döner in den Magen. Meinem Sohn, der den Lauf nutzt, um mit seiner 125er einen schönen Ausflug zu machen und Caddy für mich zu spielen, hatte ich einen solchen Imbiss versprochen.

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Lecker. Und spannend. Denn als wir schmausend an der Strecke sitzen und die Startvorbereitungen für den Lauf der Junggebliebenen  verfolgen, werde ich natürlich mehrfach von Bekannten angesprochen. Wenn ich dann berichte, dass ich erst 100 Minuten später mit den Jungspunden laufen werde … Ich glaube, nicht sehr viele würden sich trauen, davor noch so ein leckeres Fladenbrot mit Fleischfüllung zu genießen.

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Ein Attraktion sind übrigens die Insassen des Pacecars mit ihren angeklebten Bärten und Sonnenbrillen. Cool und oft fotografiert. Aber dann geht es schon los im Dämmerlicht, die meine kleine Kamera deutlich an die Grenzen bringt. Aber mit ein wenig Experiemtierfreude und Blitz gelingen doch einige Fotos.

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Ist schon interessant, als Betrachter auf die Läufer zu sehen, wie sie laufen, leichtfüßig und elegant, schnell und verkrampft, gerade, buckelig, lächelnd oder gequält. Im Ziel werden sie alle ihren Spaß haben bzw. wieder finden.

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Und dann ist es auch schon kurz vor 23 Uhr. Wir haben unsere Taschen in die Turnhalle gebracht und stehen im schwarzen Dress des SV Olewig bereit, um die dreieinhalb Runden bei Kerzenschein zu drehen. Tolle äußere Bedingungen. Noch immer viele Menschen an der Strecke. Der Döner liegt nicht schwer im Magen. An einigen Stellen ist es zwar so dunkel, dass ich als Brillenträger vorsichtig sein muss, damit ich keine Bürgersteigskante oder eine andere Unebenheit zu übersehe.

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Der Plan, gemeinsam mit Marc zu laufen, gelingt aber leider nur teilweise. Denn schon am ersten Anstieg verliere ich ihn, obwohl ich gefühlt nicht am Anschlag laufe. Am Ende der Gefällstrecke ist er wieder da, aber auf der zweiten Runde verliere ich ihn wieder. Und er kommt auch nicht mehr heran, obwohl ich Tempo rausnehme. Dann also die letzte Runde mit Power und … Zielsprint. Schließlich habe ich hier noch etwas nachzuholen.

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9400 Meter vergehen wie im Flug. 39:42 Minuten (Pace 4:13) sind angesichts von 96 Höhenmetern auf dieser Distanz nicht schlecht. Platz 20 in der Altersklasse M35 … das kann sich doch sehen lassen 😉 Marc ist nach 40:35 Minuten im Ziel. Auch eine gute Zeit.

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Ich entschuldige mich, dass ich ihm davon gelaufen bin. Er meint, am Berg sei heute nicht mehr drin gewesen. Beide freuen wir uns, dass es insgesamt doch gut gelaufen ist. Selten bin ich an einem Tag dreimal gelaufen, und davon zweimal flott. Aber es ging und hat Spaß gemacht.

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Das Mitternachtsfeuerwerk hören wir nur beim Duschen. Für mich heißt es dann noch ausharren bis zur Siegerehrung der Firmenwertung … die doch bereits um 23 Uhr stattgefunden hat, wie ich um 1:30 Uhr erfahre. Na gut, dann packe ich also den beiseite gestellten Wein und die Urkunden ein und mache mich auf den Weg durch die Nacht in Richtung Trier. Allerdings fesselt mich davor noch die Feuershow von Christian Dirr. Hey, Kompliment! Mein Nachbar hat es drauf!

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Das war also ein ganz besonderer Lauftag, der bis heute mit leichtem Muskelkater in den Wade nachwirkt. Aber so ist das bei schnellen Läufen auf Asphalt. Der offizielle Bericht vom Kröver  Mitternachtslauf und sehr viele professionelle Fotos von Holger Teusch gibt es übrigens auf dem Laufportal.