Das war’s

Nun ist sie also vorbei. die Freibadsaison in Trier. Noch in keinem Sommer war ich so häufig im Nordbad wie in diesem Jahr. Einige Kilometer Aquajogging sind dabei zusammengekommen. Beim Schwimmen war es auch in der Summe mindestens ein Halbmarathon.

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Den Saisonabschluss durfte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, auch wenn wegen eines frühen dienstlichen Termins der Sprung ins wohltemperierte Nass des Nordbads auf eine gefühlt fast nächtliche Stunde terminiert werden musste.

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Und wie beim frostigen Auftakt im Mai war auch wieder Anne dabei. so ist auch die gute halbe Stunde Wasserstrampeln wie im Flug vergangen. Wie traumhaft die Bedingungen dafür und für die leider letzten Bahnen im Freien waren, dokumentieren die Fotos.

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Am Samstag werde ich ganz für mich dann den ersten Laufversuch übernehmen. Mein Gefühl beim Gedanken daran ist mit Nervosität  nur unzureichend beschrieben. Ich habe tatsächlich Bammel davor …

Beim Fährturmlauf

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Der alte Fährturm von Schweich ist ziemlich schief. Das Spitzdach neigt sich ordentlich. Aber vermutlich hat gerade das zu seinem Kultstatus beigetragen. Heute führte jedenfalls mal wieder der nach ihm benannte Lauf etliche Hundertschaften bewegungshungriger Zeitgenossen an ihm vorbei.

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Es ist traditionell der Auftakt der Wettkampfsaison nach der Winterpause. Und da der Lauf zu den von meinem Laufportal präsentierten Veranstaltungen gehört, konnte ich da natürlich nicht fehlen.

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Übermäßig groß war die Lust darauf nicht. Denn ich mag derzeit keine schnellen 10er. Und auch das Wetter lockte nicht unbedingt auf eine Pendelstrecke an der Mosel.

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Andererseits ist es immer wieder schön, Bekannte zu treffen. Und da ich Dominik versprochen hatte, ihn nach Schweich mitzunehmen, gab es auch keine Ausrede mehr.

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Seit zehn Tagen bin ich nicht mehr gelaufen, auch um meine unruhige Leiste zu schonen. Deshalb war für heute klar, dass es kein Lauf am Limit sein würde. Dafür hatte ich mir vorgenommen, einige Fotos mehr auf der Strecke zu machen. Das Ergebnis seht Ihr hier zwischen den Absätzen.

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Es ist schon beachtlich, was die Freunde vom Lauftreff Schweich da auf die Beine Stellen. Dass es zur Belohnung zum Hauptlauf dann doch nicht geregnet hat, sondern sogar die Sonne herauskam, hatten sie sich verdient.

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Nach einigen Überlegungen hatte ich mich entschieden, die Jacke anzulassen. Zusammen mit der langen Winterlaufhose sorgte das trotz des nicht an das Limit reichenden Tempos allerdings zu ein wenig mehr Wärmestau als mir lieb sein konnte.

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Anders als Dominik hatte ich mich in das hintere Drittel des Starterfeldes begeben. Zeit genug noch für das ein oder andere Schwätzchen und ein Selphy in gelb. Dann ging es auch schon stockend los.

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Nach einigen Hundert Metern war an der Mosel dann etwas mehr Platz, um der Gefahr auszuweichen, Mitmenschen auf die Füße zu treten. Zudem wollte ich ja noch das eine oder andere Foto schießen.

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Nach gut vier Kilometern wartet in Schweich der erste Wendepunkt. Bereits mehr als 500 Meter davor kam uns schon der führende Läufer entgegen. Alexander Bock vom Postsportverein Trier. Er hat unangefochten gewonnen und sah dabei weniger angestrengt aus als die Flitzer, die ihm mit deutlichem Abstand auf den Fersen waren.

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Für mich genügte ein Tempo um 4:25 min/km an diesem Tag. Wer von weiter hinten startet kann damit zumindest auf dem ersten Drittel der Strecke im Vorbeilaufen viele Menschen motivieren – ich meine das ehrlich so …

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Da sich meine Beine bereits beim Einlaufen nicht wirklich gut angefühlt hatten, war ich nicht wirklich überrascht, dass sich bei Kilometer 7 wieder das Ziehen in der rechten Leistengegend bemerkbar gemacht hat. Es könnte tatsächlich mit den Adduktoren zusammenhängen. Wie ich nach dem Lauf spüren musste, scheint da rechts wohl eine Verhärtung zu sein.

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Trotzdem hatte ich nur kurz überlegt abzubrechen. Lieber noch ein wenig Tempo herausnehmen bis zur zweiten Wendemarke an der Autobahnbrücke und dann zurück ins wunderbare Schweicher Stadion, wo mich Lauftreff-Chef Dirk Engel ebenso begrüßte wie viele andere Läufer.

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Im Ziel dann doch so etwas wie Freude. Es war einfach schön, die aufgeregte Stimmung zu erleben und noch einige Bekannte und Freunde zu treffen. Dominik war natürlich schon lange vor mir im Ziel. André, der inzwischen vom Postsportverein abgeworben wurde, war noch früher da.

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Besser als sein ärmelloses Shirt haben mir allerdings die roten Oberteile gefallen, mit denen zwei Wahlwerber auf der Strecke waren. Die Manga-Figur zeigt eindeutig nicht Julia Klöckner. Das virtuelle Rennen um die Stimmenmehrheit dauert hier in Rheinland-Pfalz noch eine Woche. Dann wird sich zeigen, ob Manga-Malu oder Jubel-Julia die Nase vorne haben werden.

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Unter all den Plakaten, die ich an diesem Samstag gesehen habe, stand mein Favorit eindeutig am Eingang zur Festhalle. Wer genau hinsieht, wird nachvollziehen können, warum. Ich hoffe, dass ich mit Blackroll, Massage und wenig Belastung mein Geläuf wieder so fit bekomme, dass ich beim Bendersbachtallauf keine Probleme haben werde. Schnell muss und werde ich dort jedenfalls nicht unterwegs sein.

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Traum(hafte)schleife

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Es hat also doch noch geklappt mit dem gemeinsamen Lauf mit Marc. Dafür bin ich heute sogar etwas früher aufgestanden als in den vergangenen Tagen. Nach einem kleinen Frühstück und dem Texten der Laufkolumne für die Silvesterausgabe habe ich mich also ausnahmsweise mit dem Auto durch den Nebel auf den Weg nach Gutweiler gemacht.

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Dort bewohnt mein Laufkumpel ein sehr hübsches Häuschen, von dem sich prima eine 15 Kilometer lange Runde laufen lässt, die überwiegend auf der Romika-Traumschleife des Saar-Hunsrück-Steiges verläuft.

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Den Wanderweg bin ich mit Karin bereits gewandert. Ein sehr schöner Rundpfad, der mit reichlich Anstiegen gespickt ist.

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Die bekommen wir heute natürlich auch zu spüren. Vor allem für Marc ist das heftig, weil er gestern Intervalle gelaufen ist. Aber wir nehmen uns Zeit, um auch heute das Wechselspiel zwischen Nebel und Sonne zu genießen.

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So geht es also von oben hinunter, wieder hinauf, wieder hinunter zum alten Steinbruch, der regelmäßig die Kulisse für Karl-May-Festspiele bietet, wieder hinauf und hinunter zur Ruwer.

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Am Fluss entlang führt der Weg und steigt dann noch einmal mächtig, aber sehr idyllisch an bis in den Weiler Lonzenburg, wo wir wieder die Sonne zu Gesicht bekommen.

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Das ehemalige Romikagelände sehen wir nicht. Es war einmal die Heimat von gleich zwei großen Schuhfabriken, die dem ganzen Tal Arbeit und Wohlstand brachte. Allerdings ist es leider auch ein Vorzeigebeispiel, was der Nationalsozialismus angerichtet hat. Denn die jüdischen Besitzer mussten nach dem Boykott ihrer Ware erst Konkurs anmelden, dann nach Frankreich fliehen. Und als 1940 die Deutsche Wehrmacht und die SS-Schergen nach Calais kamen, nahmen sie sich in tiefster Verzweiflung das Leben …

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So weit darf es nie wieder in Deutschland kommen, nicht einmal in Ansätzen, wie sie derzeit mit Pegida und Teilen der AfD zu spüren sind.

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So ist das Flüchtlingsthema auch auf diesem Lauf präsent, der am Ende noch einmal einen mächtigen Anstieg in den Weg stellt.

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517 Höhenmeter auf 15 Kilometer. Für einen Halbflachländer ist das doch ganz schön ordentlich. Und inzwischen kommt auch in Trier die Sonne durch.

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Für Blütenstauballergiker taugt dieser Winter nicht …

In die Sonne

Das Weihnachtsfest ist vorüber. Es waren schöne Tage in der fränkischen Heimat. Viel Familie, viele Gespräch, gutes Essen, reichlich Trinkbares. Da kommt es einem nach der Rückkehr Zuhause irgendwie sonderbar still vor. Der dicke Nebel trägt zur meditativen Stimmung bei, dabei war doch ein sonniger Tag vorhergesagt.

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Alles Warten und der Blick auf die Wetter-App helfen schließlich nicht mehr. Ich muss der Sonne eben entgegenlaufen und hoffen, dass oben auf dem Schellberg der Nebel dem Licht Platz gemacht hat. Marc hat unsere in der vergangenen Woche getroffene Verabredung leider abgesagt.

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So lauf ich eben alleine hinauf zur Irischer Eiche und durch Alt-Tarforst weiter hoch auf den 383 Meter hohen Heidenkopf. Bereits auf dem Tapferster Plateau glaube ich einen Hauch von blauem Himmel wahrzunehmen. Aber erst auf den letzten Metern bis zu dem landwirtschaftlich genutzten Höhenrücken zeigt sich tatsächlich die Sonne.

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Mit einem Schlag ist es vier Grad wärmer. Wie immer ist es ein Traum, aus dem Nebel in die Sonne zu laufen.

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Die drei Sonnenhungrigen, die ganz offenbar mit dem Auto hier hoch gekommen sind, begleiten meinen Weg in Richtung Schell mit einigen Bemerkungen, dass ich doch wieder in den Nebel eintauchen würde. Ob sie meinem Hinweis, dass es danach aber noch einmal 50 Höhenmeter hinauf geht, Taten folgen und sie vielleicht doch noch einige Schritte gehen ließen, werde ich nie erfahren.

Bevor ich aber die höchste Erhebung in den nicht zu fernen Kreisen meines Laufreviers anstrebe, biege ich ab auf den Saar-Hunsrücksteig und laufe durch den Wald, der hier die interessanten Gewannbezeichnungen Fischer Anhau und Die Gott trägt, zum Naumett.

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Traumhaft schön ist das Lichtspiel im Wald. Vom Felssporn Baumtet, der über dem Ruwertal bei Waldrach emporragt, habe ich schon häufiger berichtet und Bilder gezeigt. Einst haben sich hierher die Menschen geflüchtet, wenn marodierende Horden durchs Tal gezogen sind.

Heute lohnt der Blick hinunter nicht. Da ist alles weiß. Schade, dass die Beleuchtung des weihnachtlich illuminierten Metallkreuzes noch nicht an ist. Aber der blaue Himmel ist eine schöne Alternative.

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Traumhaft, wie nun die Sonne scheint. Prachtvoll der Ausblick auf die Nebeldecke, die in die Täler und Seitentäler ausfranst.

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Mit Mütze ist es nun eindeutig zu warm. Die Jacke darf auch geöffnet werden.

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Das Örtchen Gutweiler liegt mystisch im Nebel. In dem kleinen Wehrkirchlein wurde vor bald 20 Jahren eine besonders schöne Trauungszeremonie gehalten … Einige Minuten Innehalten tun gut, eine Handvoll Rosinen stärkt für den Rückweg.

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Dass mir zwei Kilometer Streckenaufzeichnung verloren gehen, ist zu verkraften. Ich sollte einfach meine Laufuhr auch bei Pausen nicht abdrücken. Es ist nicht das erste Mal, dass ich erst später wieder auf die Idee komme, den Pausenknopf noch einmal zu betätigen.

Der Baum, den ich davor im Nebel nur schemenhaft wahrgenommen habe, ist nun … etwas banaler in der Ansicht.

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Aber die Aussicht auf Sonne hat inzwischen viele Menschen auf die Höhe gelockt. Einigen, die noch auf dem Weg nach oben sind, als mich der Nebel wieder verschluckt hat, kann ich motivieren mit der Aussicht auf Aussicht.

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21 Kilometer, 480 Höhenmeter – schwere Beine, gute Gefühle. Ich hoffe, Ihr hattet ähnlich gute Lauferlebnisse nach dem Weihnachtsfest.

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Zu viele Hammermänner

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Ich dachte, es wäre ein gutes Omen, dass meine Kollegin Katharina in der vergangenen Woche ihren Namen gewechselt hat. Das hat sie zwar nicht wegen mir getan. Aber de Mos ist vor einem Marathon dennoch besser als Hammermann, auch wenn sie selbst sich mit kürzeren Laufdistanzen begnügt. Ein Hammermann weniger war in diesem Fall allerdings nicht genug. Es gibt in Frankfurt einfach zu viele davon …

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Aber der Reihe nach: Eine Woche Küchenrenovierung ist vielleicht tatsächlich nicht das perfekte Tapering. Das merkte Coach Jens schon mit einem Augenzwinkern an, als er davon erfahren hatte. Na ja, tatsächlich ist es vermutlich nicht wirklich erholsam, fünf Tage lange bei Renovierung- und Aufbauarbeiten permanent auf den Beinen und Knien zu sein.

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So sind die Beine nicht ganz leicht, als ich mit meinem Schatz am Samstagmittag auf den Weg nach Frankfurt mache. Irgendwie ist es so unwirklich wie noch nie vor einem Marathon. Und dann soll es auch noch mein schnellster werden …

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Bevor wir im Hotel einchecken –  Hamburger Hof unmittelbar am Hauptbahnhof ist sehr zu empfehlen, wenn ich mir diese Anmerkung erlauben darf -, geht es erst einmal zum Messegelände, Startunterlagen abholen, Marathonmesse durchschlendern und Freunde treffen.

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Die Einen nur virtuell, weil sie höchst plakativ – hallo Jens, hallo Yvonne – für den Luxemburg-Marathon im kommenden Frühjahr werben.

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Die anderen live und in Farbe. Martin ist da, der es doch mit einem schnellen Lauf versuchen will, Frank, der froh wäre, nach 3:15 Stunden im Ziel zu sein, und der schnelle Dominik, der bei seiner Marathonpremiere „so etwas um die 2:50“ laufen will. Holla!

Flo Neuschwander kommt auch noch vorbei, der „Rockstar unter Deutschlands Läufern“, wie im aktuellen Runners Magazin zu lesen und zu sehen ist. Allerdings war dieser Bericht wohl schon vor Flos Mega-Ultraerfolg in den USA entstanden. Denn auf meine Frage, wo denn seine Piercings geblieben sind, antwortet er mit einem Grinsen, die habe ihm ein Bär in den Rocky Mountains abgeluchst. Nun ja, ein witziger Typ ist der Florian ja. Und in seiner neuen Wahlheimat Frankfurt fühlt er sich augenscheinlich sehr wohl.

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Da alle anderen befreundeten und bekannten Läufer in anderen Hotels übernachten, haben wir zu zweit den Vorteil, am Abend nach nur kurzer Wartezeit einen Platz beim Italiener zu finden. wo überwiegend schmale Menschen sich ihre private Pasta-Party geben. Ist aber auch lecker.

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Und dann ist schon der Wettkampftag da. Die Nacht war in Ordnung. Alleine am Wettkampftag beim Frühstück zu sitzen, ist aber schon ein komisches Gefühl. Und auch zum Start bei einem großen Marathon bin ich noch nie alleine gegangen. Alles unwirklich, sag ich doch.

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Ideales Wetter, knapp über 10 Grad, kein Wind. Das Gewusele vor und in der Festhalle nimmt zu. Eine knappe Stunde später wird nur einen Steinwurf entfernt der Startschuss fallen.

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Kleiderbeutel abgeben, das neue Startnummernband angeschnallt, mit vier Gels bestückt, gut zehn Minuten einlaufen, dann noch drei Steigerungsläufe. Die Beine fühlen sich ganz gut an. Jubelpose nicht vergessen. Hier ist alles erlaubt, ohne das irgendjemand fragend schaut.

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Und dann begegnet mir der Hammermann! Zu früh, viel zu früh. Aber auf meine Bitte, er möge mir in den nächsten 3,5 Stunden nicht mehr begegnen, reagiert er beim Posen in die Fernsehkamera des Hessischen Rundfunks gar nicht. Ein schlechtes Zeichen?

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Im Asics-Block – hier starten alle, die eine Zielzeit schneller als 3:15 Stunden angegeben haben – ist schon viel los, als vor mir der Mann mit dem gelben Ballon auftaucht. 2:59 steht darauf, auch auf seinem Shirt. Schön wär’s …

Aber schon wieder winkt ein Hammermann. Einer, den auch die Leute kennen, die nicht Strecken mit mehr als 40 Kilometer laufen. Vielleicht sind auch wegen des überdimensionalen Klöppelschwingers die Menschen im Starterfeld so wenig ausgelassen an diesem Morgen.

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Martin, Dominik und ich sind da natürlich eine Ausnahme. Vor allem Dominik scheint überhaupt keinen Respekt vor der Königsdisziplin zu haben. Er hat auch allen Grund dafür, wie sich später herausstellen wird. Er wird seinen Premierenmarathon in grandiosen 2:48:01 bewältigen.

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Mir ist die Sache noch immer nicht wirklich geheuer. Ich komme mir ein wenig vor wie im falschen Film. Aber es gibt nun kein Zurück mehr. Mal sehen, wie es läuft. Nicht schlecht  läuft es zumindest für die Nutznießer der Zieh-das-warme-Obereil-aus-und-wirf-es-über-den-Zaun-Aktion. Manch‘ nicht zu schlechtes Stück wechselt so den Besitzer.

Arne Gabius wird vorgestellt. Er startet nur 25 Sekunden vor uns, hat es aber viel eiliger, wieder ins Ziel zu kommen. Gigantisch, was der für eine Zeit hinlegt! Vor allem auf den letzten Kilometern … Aber das ist eine andere Geschichte.

Meine Wettkampfgeschichte beginnt damit, dass sich auf dem ersten Kilometer gefühlt alle gegenseitig auf die Füße latschen. Auf dem zweiten Kilometer rutscht mir eines meiner vier Gels aus dem Gürtel. Nicht so schlimm, drei sollten für das Rennen genügen. Aber welch komische Zeiten zeigt denn meine Suunto an?

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In den Häuserschluchten der Bankenmetropole spielt das GPS-Signal offenbar ab und zu Ping-Pong zwischen Glasfassaden. Jedenfalls können dieses Paceanangaben niemals stimmen, dafür sind wir viel zu schnell unterwegs. oder snd die Fünf-komma-nochwas auf dem Display eine böses Omen?

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Der Pacemaker ist also nun mein Tempomat. Martin, mit dem ich eigentlich gemeinsam laufen wollte, ist nicht mehr zu sehen. Ich wähne ihn hinter mir, kann ihn aber nicht entdecken. Auf den ersten Kilometern geht es im Zickzack durch die Innenstadt. Bei Kilometer sieben, im Bereich Kaiserplatz, wollte Karin stehen. Sie ist nicht zu sehen …

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Kilometer zehn ist an der Universität erreicht. Alles scheint ganz gut zu laufen. Ich habe mein Zwischenzeitenband natürlich im Zimmer vergessen. Ich vermute, wir sind schneller als nötig, aber ein paar Sekunden Puffer sind ja nicht schlecht.

Kilometer 13 – es geht es zum ersten Mal über den Main. Zwischen Sachsenhausen und Niederrad warten die erste langen Geraden. Bei Kilometer 15 sehe ich dann doch meinen Schatz, sie mich auch. Das tut gut. Denn nachdem bislang reichlich Schaulustige an der Strecke angefeuert haben, wird es ab hier doch eher dünn mit Motivationssprüchen. Aber so ist das nun mal bei den meisten Marathons. Die Strecke ist einfach zu lang, als dass an jeder Stelle Publikum zu erwarten wäre.

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Auf Höhe der Staustufe Griesheim ist die Hälfte der Distanz geschafft. Inzwischen habe ich akzeptiert, dass meine Uhr schon jetzt wieder 500 Meter mehr anzeigt als die offiziellen Streckenmarken. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass meine offizielle HM-Zeit mit 1:29:11 notiert wird, meine Suunto aber sensationelle 1:26:27 registriert. Meine Beine fühlen sich eher nach der schnelleren Zeit an. Leider wachsen die Zweifel, ob ich dieses Tempo durchhalten kann.

Drei lange Kilometer zur Schwanzeimer Brücke, über den Main nach Höchst. Selbstmotivation ist nun angesagt. Der gelbe Ballon ist plötzlich wieder direkt vor mir. Geht doch! Denke ich mir ziemlich genau an dem Punkt an dem Martin wegen muskulärer Probleme aussteigt. Aber davon bekomme ich nichts mit, denn die Stimmung in Höchst ist wieder ziemlich gut. Und als die Musik nicht mehr da ist, begegnet er mir wieder und zieht den Stecker heraus:

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Die 3 Kilometer lange Gerade von Griesheim zur Hellerhofsiedlung füllt meine Beine mit Beton. Die Luft ist raus, definitiv. Na gut, dann genieße ich den Rest des Laufs und nehme eben bewusst Tempo heraus. Und noch etwas mehr … 5:05 Minuten pro Kilometer … Hey, das fühlt sich jetzt aber doch wirklich anders an. Erste kurze Gehpause bei der Getränkeaufnahme bei Kilometer 32. Warum läuft es sich so schwer wieder an? Ist ja fast wie beim Maare-Mosel-Lauf. Och nö! …

Zwei Kilometer laufen, bis zur nächsten Verpflegungsstation, dann gönne ich mir wieder ein paar Schritte. Dieses Spiel wiederholt sich nun, ich würde zu gerne einfach aufhören. Das geht nicht, nein, vielleicht ist ja noch eine Zeit um 3:10 möglich!  Mein Beine halten davon nichts und verbünden sich zu einer immer lauter schreienden  Protestbewegung gegen meinen Geist?

Kilometer 37, da müsste doch Karin stehen? Ja, da ist sie! Es gibt keinen besseren Grund, um nochmal stehen zu bleiben. Eine Umarmung, einige Worte der Kapitulation. Vergeblich. Motivierende Worte katapultieren mich zurück auf die Strecke. Na gut, das Verb ist nun vielleicht etwas falsch gewählt. Aber der Geist ist willig. Weitermachen,   dann wird es zumindest eine Zeit unter 3:15 … Immer dieses Schlussgekurve durch die Citys! Das war in Düsseldorf doch auch so, so …  naja, dieses Wort gehört hier nicht hin. Kilometer 40 – hier muss es doch Cola geben?

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Vom Tisch mit den Isodrinks bis zur Koffeinlimonade sind es wohl 100 Meter, die ich gehe, ich kann nicht anders. Tempo 5:57 Minuten für diesen Kilometer – kreisch – das ist der tiefste Tiefpunkt, der die 3:15 gefährdet. Aber das darf nicht sein! Also kämpft Kopf den Widerstand der Beine nieder und lässt sie noch einmal so schnell laufen, wie es möglich ist. Lange Gerade, schon wieder – oh Mann, das wird eng – Kurve, kurze Gerade, noch ne Kurve – jetzt muss es doch endlich … – ja, die Festhalle, nicht nachlassen. Ins Dunkel, roter Teppich, Zielbogen. Wie war das mit der grandiosen Stimmung beim Zieleinlauf? Ich bin nur froh, dass es vorbei ist. 3:14:56 stehen auf der Uhr.

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Das war knapp! Irgendwie doof. Diese Zeit hätte ich auch laufen können, ohne mich so zu quälen. Aber ich wollte es ja so. Das war einfach nicht mein Tag, zumindest nicht ab Kilometer 28.

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Ich komme zumindest noch rechtzeitig, um die Siegerehrung von Arne Gabius im  Zielbereich live zu verfolgen. Von einem neuem deutschen Rekord, von Olympianorm und solchen Dingen ist da die Rede. Wirklich realisieren kann ich das erst später.

Gemein ist in Frankfurt übrigens die  Treppe, die alle Läufer hinabsteigen müssen, um an Medaille, vor allem aber an heißen Tee, herrlich salzige Gemüsebrühe und Obst zu kommen. Wie schmerzhaft ein Marathon sein kann, zeigt sich an der Eleganz, wie dieses unnatürliche Hindernis überwunden wird.

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Wie ich selbst hinuntersteige, kann ich nicht sagen. Ich denke, nicht ganz so gequält. Aber spätestens, als mich Flo Neuschwander entdeckt und mir grinsend auf die Schulter klopft – „na, wie war’s?“ – ist die Welt wieder in Ordnung. Das Lachen kehrt zurück. Es war eben nicht mein Tag. Das ist leichter zu akzeptieren als ein Lauf, bei dem ich – wie in Düsseldorf – die Drei-Stunden-Marke hätte knacken können, es  wegen dummer Fehler aber verpasst habe.

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Ich verabschiede mich von Flo und seiner hübschen Staffelbegleitung. Die Plastiküberzüge sind nun wirklich gut, halten warm in den paar Minuten, bis der Weg zur Kleiderbeutelausgabe gewagt werden kann. Sitzen ist gar keine schlechte Idee.

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Auf dem Weg in die Messehalle kommt mir doch tatsächlich mein Schatz entgegen. Die Welt ist in Ordnung, alles ist gut! Besonders die heiße Dusche im Hotel, die Beinmassage, der Latte Macchiato und das Gefühl, es geschafft zu haben – nicht etwa, die drei Stunden zu unterbieten. Ich habe diesen Lauf hinter mich gebracht. Es ist eine Befreiung. Endlich wieder Genussläufe! Die Hammermänner dieser Welt können mir gestohlen bleiben!

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Wie gut, dass meine liebe Kollegin einen neuen Namen hat …

 

Galgenkopf plus elf

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Bis zum Marathon in Frankfurt ist es nicht mehr lang. Es bleiben noch zwei lange Läufe, wobei es inzwischen nur noch einer am kommenden Samstag ist. Denn aus der Galgenkopfrunde habe ich heute mit eine anschließenden Soloergänzung durch das Tiergartental und um die Mattheiser Weiher einen ordentlichen Drei-Stunden-Lauf gemacht.

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Aber der Reihe nach:

Der Samstagmorgen gehört dem Lauf mit Freunden. Mit Christoph und Dominik sind wir zumindest ein sich gut verstehendes Trio, dass sich um 8 Uhr bei lockerer Bewölkung auf den Weg macht.

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Die neue Trierer Traumschleife zum Saar-Hunsrück-Steig haben wir uns vorgenommen. Galgenkopftour nennt die sich. Zumindest Galgenhumor benötigen wir angesichts der Monstersteigung die sich ab dem Wasserwerk in Irsch hinauf zur Korlinger Höhe vor uns aufbaut. Da ist es keine Schande, ein paar Schritte zu gehen. Der höchste Punkt ist der Galgenkopf, dessen Geschichte der Berg vermutlich im Namen trägt. Denn im Mittelalter wurde im heutigen Stadtteil Irsch auch Gericht gehalten.

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Es sind einige neue Wege und Pfade, die wir auf dieser Tour entdecken. Schön, denn die Runde beginnt nur knapp zwei Kilometer vom Sportplatz entfernt, an dem wir uns samstags zum langen Lauf treffen.

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Im Sommer ist der Anstieg sicherlich mörderisch. Aber bei den zwölf Grad am heutigen Morgen bleibt der Schweißfluss erträglich. Dennoch ist es gut, dass ich den am Vortag neu erstandenen Trinkgürtel dabei habe.

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Beim Vorgänger sind die Taschen für die Fläschchen inzwischen so ausgeleiert, dass sie immer wieder herausfallen. Aber so richtig optimal ist der neue Gürtel auch nicht, denn er rutscht ziemlich um meine schmale Hüfte. Aber zumindest ist er angenehm weich.

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Der Blick vom Galgenkopf ins Tal ist natürlich grandios. Bei noch tief stehender Sonne bieten sich wieder schöne Schattenspiele auf den Wiesen und Feldern, die wir heute zum Teil erstmals durchqueren.

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Auch der Weg zum Naumet, dem Ort der keltischen Fliehburg über Waldrach, ist an diesem Tag anders als gewohnt. Zumal wir hier die Traumschleifen-Route für einen Kilometer verlieren und uns so den Weg hinab in den Ort und wieder hinauf zumindest zur Hälfte ersparen. Der Blick auf das Ruwertal ist aber wie immer beeindruckend.

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Über Trier-Filsch geht es dann auf dem Weg des Saar-Hunsrück-Steigs zurück nach Olewig. Auch die 400 Jahre alte Eiche wird dabei nicht ausgespart. Auf dem Trail durch den Wald liegen bereits reichlich Blätter. Der Nachtfrost der vergangenen Tage hat die biologische Uhr der Bäume eindeutig auf Herbst gedreht. An jedem Tag wird die Natur nun bunter.

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Als wir nach exakt 20 Kilometern wieder am Sportplatz ankommen, verabschieden sich Christoph und Dominik gut gelaunt. Da André wegen eines leichten Infekts heute nicht mitläuft, muss ich die 30 alleine voll machen. Dazu eine klassische Morgenrunde zu den Mattheiser Weihern und das Tiergartental.

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Viele Wanderer und Läufer sind inzwischen auf den Beinen. Über deren Gesichtsausdrücke und Körperhaltungen ließe sich ein eigener Beitrag schreiben. Die meisten sind zumindest freundlich und gut gelaunt. Dazu gehören gleich zwei ehemalige Dezernenten …

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Drei Stunden, 31 Kilometer und 650 Höhenmeter – das sind am Ende die Eckdaten dieses schönen Herbstlaufes. Nun noch ein langer Lauf am kommenden Samstag, dann beginnt schon die Taperingphase vor dem Marathon. Aber davor geht es in der kommenden Woche nochmal etwas intensiver zur Sache. Vo nix kommd hald nix! So heißt es in meiner unterfränkischen Heimat.

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