Über sieben Brücken

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Nachsorgetermin im Brüderkrankenhaus. Drei Fäden, die drei Löcher im Bauch nach der OP verschlossen haben, kommen raus. Alles heilt gut, so fühlt es sich an und wird auch von der behandelnden Ärztin bestätigt. „Sie sollten noch keinen vollen Getränkekasten heben, aber ein halber geht schon.“ Bei dieser Gelegenheit lasse ich mir den Operationsbericht geben. Denn besonders interessiert mich natürlich, in welchem Ausmaß neben der Appendix-Entfernung auch die Lösung von Verwachsungen eine Rolle gespielt hat.

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Meine sechsmonatige Krankengeschichte erinnert mich an das Lied von den sieben Brücken. Wie passend ist da doch die Illustration mit Fotos von der Geyerslay-Hängebrücke, die mit 350 Metern Länge als noch neue Attraktion Naturliebhaber und schwindelfreie Spaziergänger in den Hunsrück lockt. Auf dem Rückweg vom Kaltwasser-Geysir in Andernach hatten wir noch diesen lohnenswerten Umweg gemacht, der letztlich mehr beeindruckt als der künstlich erschaffene Wasserspeier.

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Sieben Brücken also: Urologe, Osteopath, Sportmediziner, MRT-Untersuchung, Internist, Krankenhaus-Sonografie, Operation … Das sind die sieben Brücken, über die ich im übertragenen Sinne gehen musste. Der frühe Verdacht meines Osteopathen, der „die Appendicitis mit ins Spiel gebracht“ hat, schaffte es sogar in den OP-Bericht, der natürlich auch die Indikation, also den Anlass für den Eingriff, detailliert beschreibt.

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Herr Verfürth wird stolz darauf sein, dass sein Verdacht letztlich tatsächlich zugetroffen hat. Zumindest in der zweiten Hälfte meiner Beschwerdezeit hatten sich die Schmerzen immer mehr in Richtung Unterbauch verlagert. Dass eine Schambeinentzündung vorhanden war, wie der MRT-Befund lautete, ist trotzdem nicht zu verleugnen. Darauf hatten auch die Adduktoren-Probleme im März und April hingedeutet.

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Mehrere sich überlagernde Probleme erklären die wandernden Schmerzen. Vor allem froh war ich nach der Operation allerdings, als mir der Chirurg mitgeteilt hat, es seien auch Verwachsungen des Dünndarms gelöst worden. Denn das könnte nach meinen Vorstellungen die Ursache für die zeitweise schneidenden Schmerzen in der Leistengegend gewesen sein. Auf meine Nachfrage hat mir das die Ärztin bei der Nachsorgeuntersuchung auch als Möglichkeit dafür bestätigt.

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Was wurde also gemacht? Der Operationsbericht gibt Aufschluss: „Man sieht Adhäsionen im Bereich des rechten Unterbauches. Das terminale Ileum ist am Beckeneingang durch Adhäsion fixiert. Das terminale Ileum ist dadurch lang gestreckt am Retroperitoneum adhärent.“ Fachchinesisch? Dünndarm am hinteren Beckenkamm festgewachsen –  verursacht Schmerzen, besonders bei gefülltem Darm. „Vollständige Lösung der breitflächigen Verwachsungen“ – das ist der Satz, aus dem ich – postoperativ 😉 – Optimismus schöpfe.

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Morgen werde ich einige noch vorsichtige Bahnen im Nordbad wagen. Das ist von ärztlicher Seite erlaubt und sollte keine Beschwerden machen. Wenn auch noch diese Hürde geschafft ist, kann es nur noch bergauf gehen. Ab Oktober werde ich dann hoffentlich auch wieder beschwerdefrei laufen.

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Dann wird der Traum von Touren wie dieser wieder wahr.

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Über sieben Brücken musst Du geh’n … sieben dunkle Monate überstehen. Siebenmal wirst Du die Asche sein, aber einmal auch der helle Schein …

Wasserläufer

Wer an Land nicht laufen kann und darf, der geht ins Wasser … Das Thema Aquajogging wird mich noch einige Zeit beschäftigen.

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Alleine kann das ziemlich öde sein, auch wenn das Freibad wesentlich besser taugt als das Schwimmkorkendasein im Hallenbad. Aber wenn nette Begleitung dabei ist, vergeht sogar eine Stunde Wassertreten fast wie im Flug.

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Mit Anne funktioniert das jedenfalls. Und wenn dann auch noch mein Schatz nebenan ihre Schwimmbahnen zieht, gibt es die Haltungsnoten inklusive Korrekturvorschlägen gleich dazu.

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Jetzt weiß ich also, worauf ich morgen achten muss. Heute waren Magnetfeldgedöns und manuelle Therapie an der Reihe. Im Doppelpack ist das ganz schön reizend, wie zu spüren glaube. Aber wenn’s hilft, ist mir nahezu alles recht.

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Vielen Dank Euch allen für die guten Wünsche. Die tun gut.

Diagnose Aua

Liebe Freunde und Besucher meines Laufblogs. Es ist ruhig geworden hier angesichts meiner fortgesetzten Laufpause. Nun will ich aber zumindest berichten, was die MRT-Untersuchung erbracht hat: die Diagnose lautet Schambeinentzündung.

Smily traurig

Bei der Lektüre der Definition dieser typischen Fußballerverletzung finde ich tatsächlich alle Symptome wieder, die mich seit Anfang des Jahres zunehmend plagen. Dabei spiele ich gar nicht Fußball … Nun ja, vermutlich war die Belastung im vergangenen Jahr doch etwas zu groß. Auch daraus lässt sich für die Zukunft lernen. Zwei schnelle Marathons mit dem entsprechenden Training und dann mal noch locker ein kleiner Doppelultralauf an zwei Tagen dazwischen, das war dann wohl doch etwas üppig, auch wenn gerade das riesigen Spaß gemacht hat.

Nun werde ich also weiterhin pausieren und nur das machen, was mir keine Schmerzen bereitet. Da werden wohl noch viele Meter im Freibad hinzukommen, geschwommen und mit Treibkorkengürtel.

Eine gute Nachricht hat die Unrtersuchung aber auch gebracht: Die Hüftgelenke sind in einwandfreiem Zustand. Keine Arthrose oder Knorpelschaden. Das ist doch auch etwas. So werde ich also in einigen Wochen oder Monaten wieder laufen können. Bis dahin ist Geduld gefragt. Das Hospizlaufprojekt muss ich in diesem Jahr leider absagen. Tut mir leid.

Hier noch meine aktuelle Laufkolumne, die sich auch um dieses Thema dreht.

Treibgut

Darauf habe ich lange gewartet: endlich eine neue Bestzeit. 4:53 Minuten … für 100 Meter. Nein, da fehlt keine 0. Wer als strampelnder Schwimmkorken im Freibad unterwegs ist, freut sich darüber, überhaupt das Ende der Schwimmbahn zu erreichen. Aquajoggen nennt sich diese Betätigung, bei der invalide Vielläufer zumindest ein wenig Bewegung simulieren. Da verwandelt sich der vormals dynamischste Astralkörper in scheinbar träges Treibgut.
Zum Glück ist es für die überwiegend betagteren Mitbenutzer meines Lieblingsfreibades inzwischen nicht mehr außergewöhnlich, wenn sich vermeintliche Nichtschwimmer einen Styroporgürtel um die Hüfte schnallen. Nur damit gelingt es, einigermaßen aufrecht im Wasser zu stehen, um mit Armen und Beinen hochfrequent Laufbewegungen zu imitieren. Das kann einen ganz schön außer Atem bringen, ganz ohne das übliche Schwitzgefühl. Ganzkörperkühlung ist bei 20 Grad Wassertemperatur garantiert.
Lang und noch langweiliger können 30 Minuten im Aquajogging-Modus sein, wären da nicht die netten Gespräche der wenig flotteren Freunde des morgendlichen Freibadbetriebs. Peinlich ist diese Strampelei auf der Stelle nicht. Nur wenn die dynamische Schwimmbrillen-Fraktion untertaucht und die traurige Mühsal des menschlichen Wasserläufers erblickt, dann gerät die neue Bestzeit in Gefahr.

 

Wasserstandsmeldung

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Nun noch schnell eine Wasserstandsmeldung zu meiner physiologischen Befindlichkeit nach dem Besuch beim Osteopathen: Der Mann mit den hoffenlich heilenden Händen hat eine neue Theorie, die mir aber durchaus plausibel scheint. Entweder es sind tatsächlich Verwachsungen an einer 40 Jahre alten Narbe. Es könnte aber auch eine leichte Entzündung im Umfeld des Blinddarms sein. Darauf deuten zumindest leicht geschwollene Lymphknoten hin.

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Die nicht unbedingt schmerzfreien Friktionen, Handauflegungen und Verschiebungen haben keine schlechten Nachwirkungen, wie mir scheint.  Eher im Gegenteil. Aber in einer Woche folgt die MRT-Untersuchung. Die wird hoffentlich weitere Erkenntnisse bringen.

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Der Morgenspaziergang heute nach einerr überraschend frostigen Nacht ist schon wieder fast Geschichte. Dennoch will ich auch ein wenig Farbe und Natur ins Spiel bringen.

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Allen einen schönen Feiertag, gute Läufe, Wanderungen oder was auch immer.

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Nicht davonlaufen

IMG_1641Jetzt bin ich schon wieder so lange in der Redaktion, da kann ich auch noch schnell einen Beitrag absetzen mit der für mich persönlich wichtigsten Meldung des Tages:

Wunde auf der Schulter gut verheilt, Fäden sind raus, vor allem aber dieser Satz im histologischen Befund: „Rest der vorbeschriebenen Veränderung sind nicht mehr nachweisbar.“

Ab nun geht’s erst Mal alle drei Monate zum Hautscreening. Sonst keine Nachbehandlung erforderlich.

Und weil’s so schön ist, hier noch meine aktuelle Laufkolumne

Nicht davonlaufen

Über die Möglichkeit, ausgediente, aber gut erhaltene Laufschuhe für Flüchtlinge zu spenden, hatte ich vergangene Woche beschrieben. Nur sehr wenige Laufkolumnen sind auf so große Resonanz gestoßen. Es gab jede Menge Rückmeldungen, zum Glück alle positiv. Nun hoffe ich natürlich, dass dem Willen auch Taten folgen. Es müssen ja nicht nur Laufschuhe sein. Angesichts des Herbsteinbruchs sind generell wärmere Schuhe angesagt.
Für Läufer ist es die Zeit, in der sie ihre Trail- oder Crossschuhe auf den Einsatz bei Matsch und Regen vorbereiten. An dieser Stelle ein Hoch auf die Erfinder von GoreTex und all die anderen atmungsaktiv-wasserdichten Membranen, die in Schuhen und Kleidung eingebaut werden.
Bei Wettläufen ist so etwas aber nicht angesagt. Wer am Tempolimit rennt, ist über Abkühlung froh, auch wenn unsereiner sich natürlich nicht so luftig kleidet wie die Top-Athleten, die am Sonntag beim Marathon durch die Straßen von Berlin jagen. Die Wettervorhersage ist so gut, dass ein neuer Weltrekord durchaus möglich scheint.
So wird die Hatz in der Hauptstadt auch beim Eifelsteiglauf in Gerolstein und beim Orientierungslauf in Trier ein Gesprächsthema sein, beim Halbmarathon „Route du vin“ im luxemburgischen Remich sowieso. Da werden bestimmt auch wieder einige schnelle Asylbewerber unterwegs sein. Vor dem Thema Flüchtlinge kann man derzeit nicht davonlaufen. Das gilt dann im wahrsten Sinne des Wortes.

in situ!

Diese Woche war bislang in meinem Blog von den Eindrücken des vergangenen Wochenendes geprägt. Das war auch gut so, denn dieses Erlebnis war einfach großartig.

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Aber in der Woche passierte natürlich noch mehr. So brachte der Montag nicht nur ordentlich schwere Beine, sondern auch einen Anruf meiner Hautärztin, die sehr viel Mühe darauf legte, mich nicht zu sehr zu beunruhigen. Denn die Nachricht, dass sich die Diagnose meiner Leberfleckmutation von gutartig in malignes Melanom geändert hat, ist nicht unbedingt das, was zu einem ruhigen Start in die Woche beiträgt.

Aber bevor die Leser dieser Zeilen zu sehr erschrecken: „Malignes Melanom in situ“ lautet die korrekte Diagnose. Wer nachschlägt, was das bedeutet, wird die Erklärung finden, dass es sich um einen Tumor im Frühstadium handelt, der in der Regel heilbar ist.

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Damit aber wirklich nichts passiert, muss in so einem Fall noch einmal nachgeschnitten werden. Sicherheitsabstand 5 Millimeter zu den Seiten und in die Tiefe. So lag ich am Mittwoch also wieder auf der OP-Bank der Hautärztin meiner Wahl – Ruhepuls 53 überraschte mich selbst – nahm deren Glückwünsche entgegen, dass  die Sache so früh entdeckt worden ist, und überließ mich ihren chirurgischen Fähigkeiten.

Was ich da aus den Augenwinkeln kurze Zeit später in Formaldehydlösung schweben sah, war nicht gerade klein und bestätigte, dass die Haut mit Unterhaut und Fettgewebe selbst bei einem so dünnhäutigen Menschen wie mir dicker ist als vermutet. Mit fünf Fäden verschnürt, warte ich nun darauf, dass es auf der  Schulter wieder soweit zusammenheilt, um wieder Sport treiben zu können. Ich denke, am Sonntag wird das sein.

Meine Tempoeinheit für die Woche hatte ich trotz noch nicht ganz leichtem Geläuf am Dienstag geschafft. Ausgesucht hatte ich mir dafür einen Steigerungslauf über zehn Kilometer: 2 km (4:40) – 2 km (4:30) – 2 km (4:20) – 4 km (4:10). Acht Kilometer davon an der Mosel. Mit Hin- und Rückweg waren das dann zusammen 16 Kilometer. Erkenntnis: Regeneration funktioniert schneller, ja länger die Laufkarriere dauert. Dass ich so einen Lauf nur zwei Tage nach einem Wochenende mit 93 Kilometern ohne wirklich große Probleme absolvieren kann, ist erstaunlich.

Nun heile ich also, warte auf den Befund der zweiten Probe und entspanne mich innerlich erst wirklich, wenn diese tatsächlich unauffällig ist, wie es die Ärztin erwartet. Die werde ich dann auf absehbare Zeit häufiger sehen. Hautscreening vierteljährlich ist zunächst angesagt. Ich vermute, mir wird in den nächsten Jahren noch der ein oder andere Leberfleck verloren gehen.