Die Versuchung

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In meiner aktuellen Laufkolumne blicke ich mit einem Augenzwinkern in die gut gefüllten Schuhregale von Läufern. Ich habe auch einen Tipp, wie man mit gutem Gewissen dort wieder Platz für neue Schuhe schaffen kann.

Die Versuchung im Schuhregal

Wer behauptet, Schuhe seien lediglich eine Manie der Frauen, der hatte noch keinen Kontakt zum laufbegeisterten Teil unserer Bevölkerung. Ich durfte jedenfalls schon Regale bestaunen, in denen sich – wohlsortiert und akribisch sauber – genügend Laufschuhe für einen ganzen Sportverein fanden.

Die Antworten der stolzen Besitzer auf die Frage, warum sie so viel sportliche Fußbekleidung benötigen, waren ähnlich: Aus sportmedizinischer Sicht sei es eben sinnvoll, häufiger Schuhe zu wechseln, also niemals einen Schuh zu tragen, wenn dieser bereits am Vortag Auslauf hatte. Und dann ist da noch die Variante mit der Materialermüdung und der notwendigen Ruhezeit eines Schuhs nach einem Lauf. Schließlich müsse sich das Material wieder entfalten, damit die Dämpfung optimal funktioniere. Na gut, Schuhe sind eben auch nur Menschen.

Aber lästern hilft nichts. Ich bin selbst infiziert: Wenn ich in meinen Keller gehe, ist die Auswahl an Stabil-, Trail-, und leichtgewichtigen Tretern durchaus beachtlich. Und nun sind schon wieder die neuen Laufschuhe auf dem Markt. Ein schnelles Pärchen hätte ich da ja im Visier. Der Gedanke an die vermutlich nicht zu freundlichen Kommentare aus dem Familienrat könnte mich allerdings vom Besuch des Laufschuhdealers meiner Wahl abhalten.

 

Dabei hätte ich eine so gute Lösung, um im Schuhregal wieder Platz zu schaffen: Gute Freizeit- und Sportschuhe sind in den Flüchtlingseinrichtungen heiß begehrt. Ich denke, ich werde dort einen Korb voll abgeben …

 

Alpha-Männchen

Heute früh war es ganz schön frisch. Ein kurzer Lauf, um zu sehen, nicht wie gut der Schnitt sein kann, sondern wie sehr vier Schnitte in der Haut den Spaß beeinträchtigen. Die gute Nachricht: keine größeren Einschränkungen feststellbar. Aber vielleicht lag das ja auch an der präventiven Alpha-Pose, die ich hier also auf vielfachen Wunsch auch im Bild zeige …

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Das Thema mit dem Jubeln vor dem Start habe ich in die neue Laufkolumne verpackt,  damit auch alle Leserinnen und Leser unserer Tageszeitung von diesen Erfahrungen lernen können. 😉

Alpha-Männchen

Von Alpha-Männchen, die in der Umkleide mit mächtigem Getöse die ihnen nächstliegende Steckdose verteidigen, hatte ich vor einiger Zeit berichtet. Inzwischen weiß ich, dass dieses Gehabe nach einem Lauf höchst ineffizient ist, zumal es lediglich dem Abbau des durch schlechte Leistung angestauten Frustes dient. Dabei muss es für so einen Steckdosenverteidiger gar nicht so weit kommen.
Seit ich im Urlaub den Beitrag einer Wissenschaftssendung gesehen habe, weiß ich, dass persönliche Leistungen verbessert werden können, wenn davor Sieger- oder Dominanzposen eingenommen werden. Und so geht’s: Arme wie zum Siegerjubel erheben, Kopf hoch und Brust raus.
Wer dagegen den Kopf einzieht und die Arme verschränkt, nimmt sich allen Mut zu einer außergewöhnlichen Leistung.
Zu früher Stunde – es musste ja nicht jeder zusehen – habe ich es also im Trierer Moselstadion ausprobiert: Siegerposing vor einem Intervalltraining mit zehnmal 400 Metern. Und tatsächlich lief diese Einheit – inklusive Zwischenjubel – leichter als gedacht. Am Ende war mein Durchschnittstempo auf den schnellen Runden sogar deutlich besser als ursprünglich geplant.
Wer mich also in Zukunft in Alpha-Pose vor der Startlinie eines Laufes sieht, sollte sich also nicht wundern und es einmal selbst versuchen. Man(n) muss sich ja nicht gleich auf den Brustkorb trommeln.

Endspurt

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Zielsprints sind nicht mein Ding. Wer mich 100 Meter vor dem Ziel vor sich erblickt, darf sich auf ein Erfolgserlebnis freuen. Denn ich gewinne einen Endspurt nur, wenn mein laufender Sparringspartner tatsächlich Blei an den Beinen hat. Meine Motivation für Zielsprints ist deshalb wenig bis gar nicht vorhanden.
Anders ist das natürlich, wenn es um den Endspurt für ein Laufprojekt geht. Wenn endlich der Starttermin in greifbare Nähe kommt, sind die Anstrengungen der wochenlangen Vorbereitung beim Schlussspurt fast vergessen. Das gilt sicher auch für die Teilnehmer unserer Fitnessaktion „Der TV bewegt!“. Nur noch gut zwei Wochen sind es bis zum Trierer Stadtlauf. Dann wird sich zeigen, was das intensive Training gebracht hat. Ich freue mich schon jetzt auf die glücklichen Gesichter nach dem Zieleinlauf.
4000 Teilnehmer will der Stadtlauf e.V. in diesem Jahr bei der größten Laufveranstaltung der Region an den Start bringen. Zumindest 1000 Läuferinnen und Läufer haben sich schon angemeldet. Auf dem langen Endspurt bis zum 28. Juni scheint die angepeilte Marke noch weit entfernt, ist aber durchaus erreichbar.
Wesentlich weniger Starter werden an diesem Sonntag beim nicht weniger schönen Lauf in Waxweiler auf die Strecke gehen. Der Eifelmarathon bietet nicht nur die Königsdistanz, sondern auch Halbmarathon und Zehner. Bei diesem Fitnesslauf dürfen auch Walker auf die Strecke gehen. Vorausgesetzt, sie bleiben im Marschiermodus, könnte ich gegen die vielleicht sogar den Zielsprint gewinnen.

 

Der Text ist aktuell als Laufkolumne in der Regionalzeitung Trierischer Volksfreund zu lesen.

Auf der Pirsch

Heute Ruhetag. Leseware gibt es trotzdem. Denn Donnerstag ist Laufkolumnentag in der Regionalzeitung Trierischer Volksfreund. Hier mein neues Werk:

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Foto: dpa

 

Auf der Pirsch

Läufer haben manchmal Erscheinungen. In den Weinbergen und im Wald bei Konz soll ein weißer Damhirsch gesichtet worden sein. Eine Fantasie im Zustand des „runners high“, dieses rauschähnlichen Gefühls, das sich manchmal bei außergewöhnlichen Belastungen einstellt?
Der Traum von der Sichtung des legendären weißen Hirschen wird sich in der Realität wohl kaum erfüllen. Bei ihm handelt es sich um ein aus einem Privatgatter ausgebüxtes Tier, das nun für besonderes Aufsehen sorgt, wo immer es gesichtet wird. Das weiße Fell ist bei dieser Tierart wohl gar nicht so selten. Deshalb, und weil Damwild in den Konzer Wäldern nicht erwünscht ist, ist der weiße Hirsch theoretisch zum Abschuss freigegeben. Das bringt wiederum die Läufer ins Spiel. Nicht etwa, weil sie mit scharfer Munition durch den Forst joggen.
Es geht vielmehr um ein Gespräch, von dem ein Lauffreund mir berichtet hat. Der hat sich mit einem Förster und Jäger unterhalten, der sich bitterlich beklagte, dass es kaum noch Tages- und Nachtzeiten gebe, in denen er keine Läufer in seinem Revier antreffe. Eine Jagd sei dann kaum möglich, weil im Dämmerlicht die Verwechslungsgefahr zwischen Wild und Waldläufer einfach zu groß sei.
Nie war helle Laufbekleidung also wichtiger als am Abend oder frühen Morgen im Wald. Helle und grelle Farben empfehle ich allen Läufern und Spaziergängern, die im Raum Konz unterwegs sind. Denn wer will schon als weißer Hirsch enden.

Ein Hoch auf die Hose

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Vielleicht hat es doch etwas Gutes, dass die Laufkolumne im Tierischen Volksfreund donnerstags erscheint. Andernfalls wären in Trier am Mittwoch vielleicht mehr Menschen in schlabbernder Beinbekleidung unterwegs gewesen – am „Internationalen Tag der Jogginghose“.

Vermutlich hätte ich es mir bei einer Veröffentlichung der Kolumne an so einem Tag nicht verkneifen können, in alter Verbundenheit mit diesem besonderen Sportbekleidungsstück zu einem Solidaritätslauf aufzurufen – ganz im Sinne der Erfinder.

Aber keine Sorge, auch heute und in Zukunft werden Zeitgenossen in Schlabberhosen ihre Runden drehen. Mein Lauffreund Thomas, der diese bevorzugt bei sportlichen Ausflügen trägt, nimmt sich derzeit zwar eine Auszeit, bis die Temperaturen wieder frühlingshaft sind. Gerade weil es recht frisch ist, wagen sich dafür andere in Jogginghose vor die Tür, auch wenn sie diese sonst nur als bequeme Freizeitklamotte in den eigenen vier Wänden schätzen.

In Mode sind Jogginghosen seit jeher in der Hip-Hop-Szene. Aber das muss nicht überraschen: Bei weiten Bevölkerungskreisen gelten die weiten Beinkleider – trotz deren zwischenzeitlicher Adelung auf den Laufstegen in Mailand und Paris – nach wie vor als verpönt, sobald sie in der Öffentlichkeit getragen werden. Aber Hip-Hop bedeutet Protest gegen Konventionen. Deshalb ist für sie jeder Tag ein Tag der Jogginghose.

Wenn ich ehrlich bin: Wären die weiten Hosenbeine beim Laufen nicht so hinderlich, ich könnte mich dem sogar anschließen.

Alle in der Regionalzeitung Trierischer Volksfreund veröffentlichten Laufkolumnen finden sich auch hier

Zeiteisen

Keine Zeit und auch nicht so wirklich Lust. Autsch. Ich glaube mich packt der verspätete Novemberblues. Aber zumindest eine Laufkolumne muss donnerstags ins Blatt. Hier das Ergebnis:

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Zeiteisen

Es musste wieder einmal eine Neue her. Nach acht Jahren im Dauergebrauch hatte sich die Akkukapazität der Laufuhr definitiv meiner individuellen „Klasse“ angepasst. Immer dann, wenn der Hammermann mir erfolgreich die Beine in betonklotzähnliche Fremdkörper verwandelte, verabschiedete sich auch die Anzeige auf dem Display. „Akku schwach“, stand da noch kurz vorher. Sehr witzig. Als ob ich das nicht selbst bemerkt hätte …
Eine neue Laufuhr also! Schön sollte sie sein, nicht zu klobig, mit Satellitenempfang natürlich und – ganz wichtig – mit einer möglichst langen Akkulaufzeit, falls ich mal wirklich wieder mehrere Etappen beim 24-Stunden-Hospizlauf oder zum Nordpol unterwegs bin.
So lagen die kostbaren Stücke also in der Glasvitrine meines Lieblingssportdealers und buhlten mit blitzenden Displays – allesamt groß genug, um die Preisschilder zu verdecken – um Aufmerksamkeit. Bunt, schwarz, eckig, rund? Leicht, schwer, etwas schwerer …
Schwarz und rund! An meinem zierlichen Handgelenk prangt nun ein Porsche, ein wahres Schwergewicht seiner Klasse. Leichtigkeit fühlt sich anders an. Aber alles geht nun mal nicht. Dafür habe ich jetzt einen verlässlichen Partner für die höchsten Ziele. Mit dickem Akku, Kompass, Thermometer und absolut exaktem barometrischen Höhenmesser!
Vielleicht nehme ich demnächst mal ein kleines Gewicht in die rechte Hand, um die Unwucht beim Armschwung zu reduzieren. Das fällt aber gar nicht ins Gewicht, wenn ich die Uhr zum Tauchen, beim Fallschirmspringen oder der nächsten Matterhornbesteigung trage. Das mache ich alles gar nicht? Stimmt, aber ich könnte …