Steil und weit – Eifelmarathon

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Aller guten Dinge sind Drei. Dieser Spruch ist nicht gerade innovativ und neu. Ich kann ihn aber heute durchaus verwenden, denn drei lange Läufe innerhalb von fünf Wochen hatte ich bislang auch noch nicht bewältigt. Nach dem Mainz-Marathon von fünf Wochen und dem Ultralauf von Oldenburg zur Nordsee stand nun der Eifelmarathon auf dem Programm.

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Der Lauftreff in Mannschaftsstärke. Taxifahrer bin heute ich für Marion, Marcel, Jürgen und Christoph. Der Weg führte nach Waxweiler, einem Eifeldorf, das in den tief eingekerbten Tälern der Nordwesteifel erwacht, wenn einmal im Jahr diese sportliche Herausforderung ausgerufen wird.

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Sein Ruf: Sehr schön, aber auch sehr anstrengend. Und das soll sich bewahrheiten.

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Drei Starter aus Trier-Olewig also für den Halbmarathon. Für Christoph und mich die Marathonstrecke. Verabredung mit Wolfgang und Jürgen vom Lauftreff Schweich. Und das Versprechen meines Lauftreffcoaches, die Sache ruhig anzugehen.

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Na gut, unter ruhig stelle ich mir seit zwei Wochen etwas Anderes vor, aber zu  schnell ist das Tempo auch nicht, als wir uns um 9 Uhr mit vielen gut gelaunten Sonntagssportlern auf den Weg machen. Einige bekannte Gesichter. Deren Inhaber wählen aber meist die halbe Distanz.

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Die beiden Schweicher Dampfplauderer lassen die ersten Kilometer wie im Flug vergehen. Zudem lohnt sich der Blick in die hügelige Landschaft. Auf jeden Anstieg folgt ein Gefälle. Der Untergrund mal Straße, mal wunderbare Naturwege.

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Meine Trailschuhe hätte ich bei diesem trockenen Wetter nicht unbedingt gebraucht. Aber weder Fuß noch Leiste werden sich bei dieser Tour nennenswert beklagen. Toi, toi, toi – die Sachen scheinen tatsächlich ausgeheilt zu sein.

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Nach etwa13 Kilometer kommen uns die Halbmarathonis entgegen. Sie waren mit dem Bus zur Burg Hamm gebracht worden und von dort in Richtung Waxweiler gestartet. Abklatschen mit Marcel, der am Ende eine wirklich gute Zeit laufen wird. Jede Menge Hallo und Grüße in den kommenden zehn Minuten.

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Die idyllische und sehr gut erhaltene Burg ist auch zweimal Verpflegungsstation für die Marathon- und Ultramaratonläufer. Es gibt zum zweiten Mal auch eine Strecke über 51 Kilometer. Das wäre heute allerdings nichts für mich, auch wenn es nur neun Kilometer mehr sind.

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Die Höhenmeter gehen in die Beine, das merke ich schon deutlich zur Halbzeit. Da helfen auch die Klänge der Dudelsackbläser im Burghof nicht.

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Reichlich Verpflegungsstellen mit netten Menschen, die Wasser, Malzbier, Tee, Cola und Obst und Rosinen reichen, machen eine Selbstverpflegung fast überflüssig. Die beiden Gels, die ich eingesteckt habe, nehme ich dennoch vorsorglich.

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Bei der Runde um den Biersdorfer Stausee merke ich, dass der dritte lange Lauf in fünf Wochen doch zur ordentlichen Herausforderung mutiert. Flach und bergig unterscheiden sich doch ziemlich …

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Ohne Kompressionsstrümpfe wären heute Krämpfe an Wade und Schienbein sicher nicht zu vermeiden gewesen. So schmerzen die Muskeln lediglich. Der rechte Oberschenkel droht 12 Kilometer vor dem Ziel auch mit Ungemach. Ein wenig Dehnen verhindert Schlimmeres.

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Wolfgang hat sich inzwischen davongemacht, Er will und wird unter vier Stunden laufen, hat das ziemlich locker drauf. So wird aus dem flotten Quartett ein zunehmend fußlahmes Trio, das sich die Anstiege hinauf kämpft und bei den Gefällstrecken zunehmend die Zähne zusammenbeißt.

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Allerdings sind einige Anstiege ab Kilometer 32 definitiv heute nicht zu laufen. Geheinlagen sind für mich etwas Neues. Schlimm ist diese Erfahrung aber nicht. Viel schlimmer sind zunehmend die schweren Beine. Hat mir jemand Bleisohlen an die Schuhe montiert?

Vorletzte Verpflegungsstelle. „Jetzt wird’s nochmal schlimm“, verdeutlicht uns die nette Dame am Getränkestand. O.k. – Vielleicht besucht sie demnächst doch mal ein Motivationsseminar … Aber sie hat Recht – leider. Drei Kilometer, gefühlt zehn, geht es jetzt nochmal bergauf. Zu allem Übel auch noch auf der Straße. Wieder gehen wir an den steilsten Abschnitten, laufen konzentriert an den etwas flacheren.18-DSC07355

Noch ein Getränkestand – mit jungen Mädchen, die den reichlich erschöpft dreinblickenden Wanderläufern versichern, dass es gleich nur noch bergab nach Waxweiler geht. Jürgen und Christoph zünden plötzlich nochmal den Turbo. Ich bleibe dran, mehr schlecht als recht. Aber den Kilometer packe ich auch noch. Die Kunst der Selbstmotivation will gelernt sein.

Und dann hören wir tatsächlich den Sprecher am Ziel, noch einige Kurven hinunter ins Dorf. Wir fassen uns an den Händen und laufen gemeinsam und erleichtert im Tribünenschritt über die Ziellinie. Vier Stunden sind seit einigen Minuten vorüber. Zeit ist nebensächlich.19-DSC07361

Geschafft!!! – im doppelten Wortsinn. Abklatschen, umarmen, sich gemeinsam freuen. Glückwünsche von den Halbmarathonis entgegennehmen. Und dann einfach einige Minuten auf dem Boden sitzen und zwei alkoholfreie Bier des Hauptsponsors aus Bitburg nuckeln.

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Mit langen Läufen ist jetzt erst einmal Schluss. Sobald die Beine wieder leichter sind, werde ich die Dauertapering- und Langlaufphase beenden. Ich freue mich auf kurze Genusseinheiten. Spaß hat auch der Eifelmarathon dennoch gemacht. Eine schöne und gut organisierte Veranstaltung. Ich komme aber erst wieder, wenn ich ordentlich für Bergläufe trainiert habe.

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1-Strecke Eifelmarathon

Den offiziellen Bericht und viele weitere Fotos gibt hier

Endorphine, bitte übernehmen!

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Wer Lust hat auf eine Reportage vom Gutenberg-Marathon in Mainz kann weiterlesen. Wer nur Bilder sehen will, scrollt durch den Bericht. Und wer auf beides keine Lust verspürt … selbst Schuld 😉

Endorphine, bitte übernehmen!

So ein Mist! Kaum ist der Startschuss für den Gutenberg-Marathon 2014 gefallen, schon legen die dunklen Wolken über Mainz ihre Zurückhaltung ab und begießen die paar Tausend Läufer mit einem Platzregen erster Güte. „Na das kann ja heiter werden!“ Mein Seufzer reiht sich in die kollektiven Unmutsäußerungen der bunten und schnell pudelnassen Schar von Frauen und Männer ein, die nichts Besseres zu tun haben, als an diesem Sonntag einen Halbmarathon – oder sogar einen Marathon zu laufen.

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Das Besondere in Mainz: Der Start für beide Distanzen ist identisch. Und wer Lust hat, kann sogar einen Zweidrittel-Marathon laufen.

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Am frühen Morgen hatte es in Trier noch nach einem tollen Tag ausgesehen. Den auf 5 Uhr eingestellten Wecker brauche ich nicht. Die Nacht war kurz, der Schlaf nicht sehr tief. Schuld daran ist sicher auch ein wenig die Sorge, ob meine rumpelige Vorbereitung für einen eingermaßen entspannten Marathon ausreicht.

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Um 6:15 Uhr aus dem Haus. Christoph fährt gerade den Wagen aus der Garage. Er macht den Chauffeur und dazwischen meinen Laufpartner. Elke, Franzi und Marcel, die wir wenig später auflesen, haben sich die halbe Distanz vorgenommen. Allesamt sind ein wenig müde. Die Stimmung ist dennoch gut genug, um sich in witzigen Gesprächen verbal die Bälle zuzuwerfen.

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Start für unsere Läufe ist um 9:30 Uhr. Um 8:15 Uhr fahren wir auf fast leeren Straßen in die bereits abgesperrte City von Mainz. Um zum Parkhaus unserer Wahl zu kommen, müssen wir die Laufstrecke überqueren oder ein Stück weit befahren. Die Streckenposten nehmen das nach einem Blick auf unser Trierer Kennzeichen gelassen und winken uns durch.

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8:35 Uhr. Umpacken im Parkhaus. In Plastiktüten schleppen wir das Notwendigste zur Rheingoldhalle, wo in der Halle mit Nummern- und Startbeutelausgabe der Andrang bereits verschwunden beziehungsweise sich zur Aufbewahrungsstelle in der Tiefgarage, vor allem aber auf die Warteschlangen vor den Dixiklos verlagert hat.

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Unsere Frauen begeistert das bedingt. Uns Männern bleibt als Alternative das Buschwerk hinter der Halle – ausnahmsweise und ohne Spätschäden, denn der Regen des Tages wird alle Spuren männlichen Blasendrangs zu geringeren als homöopatischen Dosierungen verdünnen.

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Die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse führt allerdings zum Bruch. Zum Ende der Überlegung, zu fünft und gemeinsam auf die Strecke zu gehen. Keine Spur mehr von Elke und Franzi.

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So reihen wir Männer uns nach einer kleinen Klettereinlage über die Bande nur etwa 50 Meter hinter der Startlinie in die Schar der Laufbegeisterten ein.

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„Hallo, Ihr kommt aus Trier?“ Die goldgelbe Aufschrift „Lauftreff SV Olewig Trier“ auf unseren schwarzen Shirts erübrigt eine Antwort. „Das ist meine Alte Heimat“, schwärmt der bärtige – ich nenne ihn mal Günter. Läufer knüpfen schnell Kontakte. Günter wird nicht der einzige sein, mit dem wir in den folgenden Stunden Schwätzchen halten, zumindest in den ersten beiden.

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Schnell noch ein „Selfie“ – blödes Wort – von Christoph und mir. Dann wird schon zu den Klängen des unvermeidlichen „Eye of the Tiger“ von Zehn auf Null zurückgezählt.

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Startschuss und Startsignal für die dunkel dräuenden Wolken, ordentlich viel Nass abzulassen. Christoph hat seine Schildkappe im Auto vergessen (ich, wie sich später herausstellen wird, mein Wechsel-T-Shirt). Das Laufen ohne Kappe bei strömendem Regen ist eine blöde Sache für Brillenträger. „An Brillengläsern bleibt zum Glück nur eine bestimmte Menge Wasser hängen“, ist der Kommentar meines Laufkumpels dazu. Brillenputzen lohnt sich also nicht, zumindest nicht bis Kilometer 24 …

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Es gibt aber auch wichtigere Dinge. Zum Beispiel Wasserpfützen auszuweichen (weitgehend erfolgreich) und auf feuchten Straßenbahnschienen und Kopfsteinpflaster den Halt nicht zu verlieren (noch erfolgreicher). Dazu gibt es viel Samba vom Straßenrand und alle drei Kilometer Wasser in Trinkbechern oder gelbes Elektrolytzeugs oder Bananen oder alles gemeinsam.

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Die Strecke? Na ja, Die historische Innenstadt von Mainz ist winzig, die Fußgängerzone etwas größer, Wohn- und Gewerbegebiete noch mächtiger. Und gefühlt zu 80 Prozent rennen die Läufer durch eben jene Wohn- und vor allem Gewerbegebiete. Höhepunkt dabei die laaange Doppelgerade nach Mainz-Weisenau auf den Kilometern 15 bis 20: Schnurgerade 2,5 Kilometer hin und zurück im Begegnungsverkehr. Auf dem Hinweg klopft mir jemand auf die Schulter. Miri Engel setzt zum Überholen an. Ich freue mich, sie zu sehen, rufe ihr das auch zu. Lange war sie verletzt. „Ich probiere es mit dem Halben!“, ruft sie zurück und entschwindet flott zwischen den Läufern vor uns. Dann entdecken wir auf der Gegenseite Marcel, der eine super 1:28er Zeit auf der Habenseite notieren wird. Auf dem Rückweg sehen wir Franzi – gutgelaunt grüßend – und einige Zeit später Elke – mit etwas ernsterem Tunnelblick.

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Apropos Tunnel: In dem werde ich auch noch laufen, früher als mir lieb ist. Aber es bleibt einem auf der zweiten Runde ja auch nichts anderes übrig, angesichts der weitgehenden Vereinsamung ohne die Halbmarathonis und in überwiegender Ermangelung von motivierenden Zuschauern außerhalb der Innenstadt.

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Davor werden wir allerdings noch bei Kilometer 22 auf der ziemlich steilrampigen Brücke über den Rhein hinüber nach Mainz-Kastel und -Kostenheim laufen.

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Ausnahmsweise mal bei Sonnenschein, aber ordentlich viel Wind. Und die Ansage des Streckensprechers im Ohr: „Die Spitzengruppe erreicht gerade Kilometer 33 …“ Oh Mann!

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Also auf der Ostseite des Rheins ist die Stimmung prima. Liebevoll herausgeputzte Häuser, viele bunte Ballons an den Gartenzäunen. Einmal mehr ein Karnevalslied von einer Band. Ein Wer-hat-die-Nummer-2035-hallo-Rainer-Neubert-aus-Trier-Sprecher legt sich mächtig ins Zeug. Das hilft, um zwischendurch ein wenig zu vergessen, dass die Beine sich schon eingermaßen schwer tun. Aus dem „ruhigen Tempo“ ist natürlich nichts geworden. Zu viel gruppendynamischer Flow. 1:45 Stunden war die Zwischenzeit bei Halbzeit. Und irgendwie gelingt es auch danach nicht, wirklich langsamer zu machen.

Schon wieder Bananen. Schon wieder Wasser. Jetzt aber bitte Elektrolyte! Die Kilometer reihen sich aneinander: Zurück über die stark bewindete Rheinbrücke, am Schloss vorbei und hinaus nach Mompach. Es regnet mal wieder. Zum Glück haben die Veranstalter auf der „neuen und attraktiveren Strecke“ in der zweiten Runde die unangenehmsten Streckenabschnitte ausgespart …21-DSC06641

Kilometer 28 ist magisch. Denn mit dem Passieren dieser Wegmarke wächst der innige Wunsch enorm, dieser Lauf möge sich dem Schlussspurt nähern, der mit Sicherheit diesen Namen nicht verdient. Ich zähle jetzt rückwärts: „Nur noch 14“, raunze ich Christoph zu, der sich auch zunehmend auf das Laufen konzentriert, aber für ein Foto aus der Hüfte noch ein lächeln hinbekommt, mit dem er im Vergleich zu beiden anderen Jungs auf dem Bild richtig frisch aussieht.

Ich habe ja jüngst gelesen, dass der Mensch beim Laufen Areale seines Gehirns in eine Art Ruhezustand versetzt. Seit heute kann ich das bestätigen.

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Banane, Wasser, Elektrolyte. Bäh – gibt es denn hier nicht mal ein Gel oder Cola, oder Orangen? Diese Gedanken stottern durch mein Hirn, als noch sieben Kilometer vor uns liegen. Christoph hat Gel eingepackt, nimmt die erste Dosis, die zweite nur wenig später. Wie lang können Kilometer sein? Ich denke an das, was mit Mentalcoach Wolfgang Weil vor zwei Jahren vermittelt hat: „Denke an einen starken Moment!“ … Den Zieleinlauf beim Hamburg-Marathon erlebe ich auf den letzten Kilometern in Mainz mehrmals. Und tatsächlich muss mich Christoph jedes Mal danach etwas bremsen, nicht zu schnell zu machen.

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Noch vier Kilometer. Etliche Meter vor uns taucht wieder der Tempoläufer mit dem roten Ballon auf. 3:30 Stunden. Von den ursprünglich geplanten „entspannt irgend etwas unter 4 Stunden“ ist das ziemlich weit entfernt. Aber jetzt kommt es eh nicht mehr darauf an. Die Beine rennen, auch wenn ich sie nicht mehr wirklich spüre. Noch drei Kilometer, noch zwei, noch einer. Den roten Ballon erreichen wir nicht mehr ganz. Aber auf diese 10 Sekunden mehr kommt es auch nicht mehr an.

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Wir liegen uns in den Armen, lassen uns mit Medaille fotografieren. Autsch, die Waden, die Knie, die Oberschenkel. Gehen, bitte gehen, nur nicht stehen bleiben. Ein Becher alkoholfreies Weißbier in der Hand, treffen wir in der großen Tiefgarage wieder unsere Halbmarathonis. Wir grinsen jetzt um die Wette – freuen uns. Endorphine, bitte übernehmen!

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Umziehen – danke Christoph für das geliehen Shirt -, dann durch die Altstadt und am Dom vorbei zum Parkhaus.

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Auf der Rückfahrt gibt es viel  zu erzählen. Der Schmerz wird vergehen, der Stolz wird bleiben. Ein weiteres Kapitel geschrieben in meinem Läufertagebuch. Definitv fest steht allerdings, dass ich in Mainz keinen Marathon mehr laufen werde. Muss nicht sein. Es gibt schließlich schönere Städte, um darin 42 Kilometer im Laufschritt unterwegs zu sein.

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Am liebsten würde ich …

… sofort loslaufen. Heute früh nur gemütliche fünf Kilometer. Na zumindest die drei kurzen Steigerungsläufe am Ende haben den Kreislauf etwas mehr belebt. Und die Schuhfrage ist auch entschieden: Den Gutenberg-Marathon am Sonntag werde ich in meinen Sofa-Tretern laufen, dem Mizuno Wave-Rider 9.

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Morgen früh also machen wir uns um kurz nach 6 Uhr auf den Weg in die Landeshauptstadt. Die lange Strecke werde ich entspannt gemeinsam mit Christoph angehen, dem es heute so ergeht wie mir: Am liebsten würde ich …

Sotschi-Marathon

Morgengymnastik stand heute an, nach zwei Tagen Laufen in Folge. Die habe ich übrigens sehr gut und ohne Komplikationen überstanden. Ein gutes Zeichen.

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Verfolgt Ihr auch, was in Sotschi passiert? Mich hat das zusätzlich zu meiner aktuellen Laufkolumne inspiriert, die heute in der Regionalzeitung Trierischer Volksfreund  zu lesen ist.

Marathon

Sind Sie auch bei den Olympischen Winterspielen dabei? Bei all den Bildern von wunderbaren Schneelandschaften wächst der Wunsch nach einem Lauf auf weißem Untergrund. Weich wie Schnee – gibt’s auch bei uns. Allerdings ist das, was unter den Schuhen spritzt, kein kristallin gefrorenes Wasser, sondern Matsch in Vollendung.
Die Spiele in Sotschi sind eine wunderbare Motivation, um das Sportjahr zu planen. Was ist also Ihr Ziel? Der Trierer Stadtlauf? Oder ist es gar ein Marathon? Dann wird es Zeit für den Start der koordinierten Vorbereitung. Trainingskonzepte für die Königsdisziplin gibt es genug. Wenn es nur darum geht, ins Ziel zu kommen, genügt es, drei- bis viermal pro Woche zu laufen. Insgesamt sollte sich die Laufleistung auf 50 Kilometer addieren, wobei einer der Läufe lang sein muss. Start mit 20 Kilometern. Danach in jeder Woche den längsten Lauf um zwei Kilometer steigern. Die beiden längsten Läufe (über drei Stunden) drei und zwei Wochen vor dem Start. Dann ist die erfolgreiche Zielankunft beim Marathon sicher.
Bis dahin werden die Olympischen Winterspiele Geschichte sein. Und an Schnee denkt dann keiner mehr. Hoffentlich!

Eine Geschichte vom kältesten Marathon der Welt

Hier also der versprochene Texte zum Polar-Bear-Marathon. Er ist so auch im Trierischen Volksfreund erschienen.

IMG_1771819655306Bei  -41 Grad auf den Spuren der Eisbären

Sven Henkes aus Auw in der Vulkaneifel ist Sieger des Polar Bear Marathon 2013 – Ein Extremlauf im eisigen Norden Kanadas

Laufen bei -41 Grad – wie fühlt sich das an? Sven Henkes aus Auw in der Eifel kann Antworten auf diese Fragen geben. Als einziger Deutscher hat er am Polar-Bear-Marathon im Norden Kanadas teilgenommen – und gewonnen.

 

Oromont/Churchill. Die Erinnerungen an den härtesten Lauf seines Lebens sind bei Sven Henkes noch frisch: „Auf den letzten Kilometer hätte eine Eisbär direkt vor mir stehen können, ich hätte ihn nicht bemerkt“, sagt der 35jährige, „da war die Gesichtsmaske komplett steif gefroren. Und durch meine immer wieder zusammengefrorenen Augenlider konnte ich kaum mehr etwas sehen.“ Dennoch sei der einwöchige Sportausflug in den hohen Norden Kanadas unvergleichlich gewesen.

Die Idee für einen besonderen Lauf war Ende September nach dem Berlin-Marathon entstanden. „Da bin ich mit 2:58 Stunden eine persönliche Bestzeit gelaufen und habe mir vorgenommen, noch etwas Verrücktes zu machen.“ Internetrecherche. Den  Marathon im Bergwerk verwarf der früher bei der Spielgemeinschaft Auw/Ormont/Hallschlag in der Bezirksliga aktive Fußballspieler ebenso wie einen Extremlauf in Kambodscha und den Start im Himalaya. „Ich bin auf diesen Benefizlauf zugunsten der Eingeborenen an der Hudson Bay gestoßen, das passte am besten zu mir.“ Die Ehefrau, die ihn nach dem Umzug von der Schneifel nach Berlin vor knapp zehn Jahren für den Laufsport  begeisterte, hatte keine Einwände. Auch die fünfjährige Tochter nicht. Und so machte Sven Henkes den Startplatz klar, buchte die Flüge über Montreal und Winnipeck in das Städtchen Churchill, zu dem zwar keine Fernstraße führt. Deren Autofahrer aber oft ein Gewehr dabei haben, falls ein Eisbär auf üble Gedanken kommen sollte. Denn Churchill gilt als „Welthauptstadt“ der weißen Riesen, die hier in jedem Jahr im Oktober und November in Richtung Hudson Bay unterwegs sind, um auf dem Eis Robben zu jagen.

IMG_5290„Bei -15 Grad bin ich in Berlin ja schon gelaufen. Da hatte ich drei Lagen an. Bei -40 Grad ziehe ich mir eben fünf Lagen über“, lautete der Plan des Betriebswirts und Marketing-Experten – studiert hat er in Trier – für das Abenteuer im eisigen Norden. So lagen am Morgen des 19. November also mehr als 20 Ausrüstungsgegenstände bereit, als um 6 Uhr der Wecker einen besonderen Wettkampftag einläutete. „Schneller Kaffee, vier Scheiben Toast mit Marmelade. Check des Wetters. -41 Grad im Wind. Hossa! Letzter Check der Sachen, Anziehen und raus. Wow, das wird krass!“

Am Start stehen kurze Zeit später bei klirrender Kälte 14 vermummte Gestalten in der Morgendämmerung, die azurblauem Himmel verspricht. Die Stimmung unter den zwölf Kanadiern, dem Schweizer und dem Deutschen ist angespannt aber gut, als es in Dreierteams hinaus geht in die weiße Weite, begleitet jeweils von einem mit Proviant versehenen Fahrzeug. „Da lag auf jedem Beifahrersitz auch ein Gewehr. Das war schon witzig.“

IMG_5407Rückenwind. -26 Grad. Eine wunderbare Landschaft. Zeit, um sich gemeinsam mit dem Laufkollegen Phil nach Bären, Wölfen und anderen Tieren umzusehen. Eine Zeit von knapp unter vier Stunden im Blick. „Klar, es war super kalt und die Augenbrauen und Lider waren schnell vereist und eingefroren – aber es war absolut ok.“ Das sollte sich allerdings am Wendepunkt nach 21,1 Kilometer ändern: „Wir mussten nun genau gegen den Wind laufen und spürten nun schlagartig die enorme Kälte.“ Der Grund: Durch den Wind sinkt die „gefühlte Temperatur“ auf unter -40 Grad. „Das fühlt man direkt“, erinnert sich Henkes. „Einzelne Bereiche des Körpers beginnen zu schmerzen, es läuft sich ungleich schwerer und der Körper braucht viel mehr Energie für den Wärmehaushalt.“

Schon nach 500 Metern ist die Gesichtsmaske steif gefroren, macht den Blick zur Seite kaum mehr möglich. Die dem Wind ausgesetzten freien Hautstellen schmerzen zunehmend, insbesondere im Bereich der Augenbrauen. „Wir haben uns Kilometer um Kilometer vorangekämpft, jeden Hügel gespürt, den wir davor gar nicht wahrgenommen hatten.“ Immer wieder Essen und trinken. Endlich kommt der Flughafen in Sicht. Noch knapp sieben Kilometer.

IMG_5575Kein Gedanke an die Zeit. Vier Kilometer noch. Eine letzte Stärkung. „Da habe ich nochmal einen Kraftschub bekommen, Gas gegeben und bin schließlich als erster über die Ziellinie gelaufen.“ Nach 4:14 Stunden. In die Pranken eines Eisbären. Zum Glück nur die  der als Eisbär verkleideten Frau des Lauffreunds aus der Schweiz.

IMG_5618Auftauen und Warten auf die anderen Teilnehmer bei Kakao, Kuchen und einem Bier, natürlich nicht im Freien. „Es war eine sehr krasse Erfahrung. Die zweite Hälfte war mein härtester und schwierigster Lauf bisher. Der Stolz und die Freude, das geschafft zu haben, hat aber alles überwogen“, schwärmt der Mann aus der Schneifel auch drei  Wochen nach dem eisigen Erlebnis.

IMG_5590Er wundere sich ein wenig über die vielen Anfragen von Medien, die ihn nun erreichen, plaudert er am Telefon. Auch Ausrüster hätten schon angefragt und Unterstützung angeboten. Für das nächste Abenteuer.

IMG_5876„Kanada hat schon ein wenig Appetit gemacht, noch etwas Verrücktes anzugehen“, nach nun insgesamt 16 Marathons seit 2007. Was läge näher, nach dem kältesten Lauf der Welt den heißesten folgen zu lassen? Der Marathon des Sables in der marokkanischen Sahara führt an sieben Tagen über eine Gesamtstrecke von 230 Kilometern. 2015 will Sven Henkes das Extrem in der Wüste  suchen, dann bei weit über +40 Grad. Das sind 80 Grad mehr als beim Polar Bear Marathon. Auf Eisbären wird er dabei nicht achten müssen.

Extra: Polar Bear Marathon

Der Polar Bear Marathon gilt mit Lufttemperaturen unter -40 Grad als kältester Marathon der Welt. Der Benefizlauf in Churchill/Kanada fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Er unterstützt Sportprogramme für die Eingeborenen im Tadoule Lake Reservate.

Die Strecke des Laufs kreuzt die Wege der Eisbären, die in jedem Oktober und November in die Hudson Bay ziehen, um über das Eis zu den Lebensräumen der Robben zu gelangen und zu jagen. Initiator des Polar Bear Marathons ist Albert Martens aus Steinbach bei Winnipeg gemeinsam mit der christlichen Organisation „Athletes in Action“.

Noch einige Fotos mehr im Laufportal

 

Frust und Freude

Wenn der Postmann zweimal klingelt …

DSC03379Stimmt nicht ganz, denn als er den Brief aus Amsterdam mit den Anmeldeunterlagen für den Marathon am 20. Oktober in den Briefkasten geworfen hat, wurde die Klingel nicht betätigt. Das tut schon weh, das Ding in der Hand zu halten in dem Bewusstsein, nicht teilnehmen zu können. So muss mein Laufkumpel Christoph vermtlich alleine die sicher schöne Großrunde durch die schöne niederländische Stadt in Angriff nehmen. Also natürlich nicht alleine, aber  zumindest ohne Begleiter vom Lauftreff Olewig.

Wer die Startnummer 3241 haben will. Ich gebe sie gerne kostenlos ab. Es ist sogar ein Finishershirt dabei. Mail an r.neubert@volksfreund.de

DSC03383Am Nachmittag klingelte es dann tatsächlich an der Tür. Kein Postmann, aber ein netter Mensch von DHL mit einem Paket aus München unterm Arm. Der Inhalt: Testmaterial von keller-sports. Danke schon mal. Da habe ich ja in den nächsten Tagen etwas zu tun.

Ob der Mizuno Wave Ascend 8, die superleichte Adidas-Jacke und das dazu passende Adizero-Shirt taugen, werde ich berichten.