Der Letzte

Es war der letzte kurze Lauf vor Frankfurt und es ist der letzte Eintrag vor Tag X. Für einige Tage habe ich nichts von mir lesen lassen. Das lag ganz einfach an dem Chaos zuhause. Denn wer Urlaub hat und ihn dazu nutzt, Millionen Ikea-Einzelteile zu einer neuen Küche zusammenzufügen, der verwandelt die heimelige Wohnstube in eine Messibude und tippt erst wieder in die Tastatur, wenn das meiste geschafft ist.

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Bis auf den Herd und einige Blenden ist es tatsächlich geschafft. So wirklich erholsam war das nicht. Aber ans Laufen habe ich auch nicht wirklich viel gedacht. Gestern dann nochmal sechs ruhige Kilometer durchs Tiergartental. Und da traf es sich doch blendend, Anne spazierend zu treffen. So wurden diese sechs Kilometer durch eine zehnminütige Quasselpause unterbrochen. Aber das war auch gut.

Am Samstag geht es dann nach Frankfurt. Mal sehen, was die Marathonmesse so zu bieten hat. Und dann werde ich tatsächlich versuchen, zumindest eine neue Bestzeit zu laufen. Aber bis Sonntag ist es noch weit. Ich hoffe, dass ich danach nicht so aus der Wäsche schaue:

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Ein farblicher Genuss

… war meine Kleiderwahl beim letzten Tempodauerlauf dieses Marathontrainings sicher nicht. Aber bei kalten drei Grad und Wind hat das Zwiebel-Outfit zumindest gut getaugt, um weder zu sehr zu schwitzen, noch zu frieren.

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Es waren „nur“ 14 Kilometer in knapp einer Stunde. Schnitt 4:11 min/km. Anstrengend war es dennoch. Allerdings bin ich froh, dass mir die Moselstrecke nun für eine lange Zeit wieder erspart bleibt.  Morgen und am Samstag nochmal moderat die Beine bewegen, und dann geht es tatsächlich in die Extrem-Taperingphase vor Frankfurt.

Es wird wirklich Zeit, dass dieses Experiment sein Ende findet.

Nicht gut

… war mein Lauf zum Start in die Woche. Denn obwohl ich mich zunächst gut gefühlt habe, wurden die Beine einfach nicht leicht genug, um schnelle Intervallläufe einigermaßen in der definierten Zeit zu bewältigen. Aus geplanten 4 x 2000 Meter im Tempo 3:50 wurden so am Ende etwas gequälte zehn Kilometer im Tempo 4:45.

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Na ja, die Gründe dafür liegen einigermaßen auf der Hand. Mental ist es doch nicht ganz einfach wegzustecken, dass nun beide Lauffreunde, die das Projekt 3 Stunden mit mir angehen wollten, verletzt sind und voraussichtlich nicht laufen werden. Das wird nun doch eine härtere Nummer als gedacht. Und erneut muss ich mich in Frankfurt auf den offiziellen Pacemaker verlassen.

Aber es rächt sich vermutlich auch, dass ich in den vergangenen Wochen komplett auf Tempodauerläufe gesetzt habe. Alles unter 4 Minuten ist ab einem Kilometer eine echte Qual für mich. Und die verdoppelt sich dann, wenn der Darm auch noch protestiert, sobald der Körper auf volle Kraft voraus machen soll.

Nun ja, ich habe das mit den Intervallen recht schnell sein lassen und verlasse mich darauf, mein Wettkampftempo halten zu können. Ob es sich dann ausgeht, ist eine andere Frage.

Galgenkopf plus elf

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Bis zum Marathon in Frankfurt ist es nicht mehr lang. Es bleiben noch zwei lange Läufe, wobei es inzwischen nur noch einer am kommenden Samstag ist. Denn aus der Galgenkopfrunde habe ich heute mit eine anschließenden Soloergänzung durch das Tiergartental und um die Mattheiser Weiher einen ordentlichen Drei-Stunden-Lauf gemacht.

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Aber der Reihe nach:

Der Samstagmorgen gehört dem Lauf mit Freunden. Mit Christoph und Dominik sind wir zumindest ein sich gut verstehendes Trio, dass sich um 8 Uhr bei lockerer Bewölkung auf den Weg macht.

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Die neue Trierer Traumschleife zum Saar-Hunsrück-Steig haben wir uns vorgenommen. Galgenkopftour nennt die sich. Zumindest Galgenhumor benötigen wir angesichts der Monstersteigung die sich ab dem Wasserwerk in Irsch hinauf zur Korlinger Höhe vor uns aufbaut. Da ist es keine Schande, ein paar Schritte zu gehen. Der höchste Punkt ist der Galgenkopf, dessen Geschichte der Berg vermutlich im Namen trägt. Denn im Mittelalter wurde im heutigen Stadtteil Irsch auch Gericht gehalten.

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Es sind einige neue Wege und Pfade, die wir auf dieser Tour entdecken. Schön, denn die Runde beginnt nur knapp zwei Kilometer vom Sportplatz entfernt, an dem wir uns samstags zum langen Lauf treffen.

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Im Sommer ist der Anstieg sicherlich mörderisch. Aber bei den zwölf Grad am heutigen Morgen bleibt der Schweißfluss erträglich. Dennoch ist es gut, dass ich den am Vortag neu erstandenen Trinkgürtel dabei habe.

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Beim Vorgänger sind die Taschen für die Fläschchen inzwischen so ausgeleiert, dass sie immer wieder herausfallen. Aber so richtig optimal ist der neue Gürtel auch nicht, denn er rutscht ziemlich um meine schmale Hüfte. Aber zumindest ist er angenehm weich.

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Der Blick vom Galgenkopf ins Tal ist natürlich grandios. Bei noch tief stehender Sonne bieten sich wieder schöne Schattenspiele auf den Wiesen und Feldern, die wir heute zum Teil erstmals durchqueren.

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Auch der Weg zum Naumet, dem Ort der keltischen Fliehburg über Waldrach, ist an diesem Tag anders als gewohnt. Zumal wir hier die Traumschleifen-Route für einen Kilometer verlieren und uns so den Weg hinab in den Ort und wieder hinauf zumindest zur Hälfte ersparen. Der Blick auf das Ruwertal ist aber wie immer beeindruckend.

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Über Trier-Filsch geht es dann auf dem Weg des Saar-Hunsrück-Steigs zurück nach Olewig. Auch die 400 Jahre alte Eiche wird dabei nicht ausgespart. Auf dem Trail durch den Wald liegen bereits reichlich Blätter. Der Nachtfrost der vergangenen Tage hat die biologische Uhr der Bäume eindeutig auf Herbst gedreht. An jedem Tag wird die Natur nun bunter.

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Als wir nach exakt 20 Kilometern wieder am Sportplatz ankommen, verabschieden sich Christoph und Dominik gut gelaunt. Da André wegen eines leichten Infekts heute nicht mitläuft, muss ich die 30 alleine voll machen. Dazu eine klassische Morgenrunde zu den Mattheiser Weihern und das Tiergartental.

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Viele Wanderer und Läufer sind inzwischen auf den Beinen. Über deren Gesichtsausdrücke und Körperhaltungen ließe sich ein eigener Beitrag schreiben. Die meisten sind zumindest freundlich und gut gelaunt. Dazu gehören gleich zwei ehemalige Dezernenten …

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Drei Stunden, 31 Kilometer und 650 Höhenmeter – das sind am Ende die Eckdaten dieses schönen Herbstlaufes. Nun noch ein langer Lauf am kommenden Samstag, dann beginnt schon die Taperingphase vor dem Marathon. Aber davor geht es in der kommenden Woche nochmal etwas intensiver zur Sache. Vo nix kommd hald nix! So heißt es in meiner unterfränkischen Heimat.

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Hart im Wind

Alle Nordlichter und Segler mögen mir das für die Überschrift entlehnte Bonmot verzeihen. Aber angesichts der steifen Brise an der Mosel heute bietet sich das an.

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Kurzfristig hatte ich mich entschieden, den Halbmarathon im luxemburgischen Remich für einen Tempodauerlauf in der für Frankfurt geplanten Marathonpace zu nutzen. Da ich gestern wegen des Tages der offenen Tür bei unserem Medienhaus beim Samstagslauf passen musste, bot sich das als Alternative an.

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Die Startnummer hatte ich gestern in einer Pause abgeholt und mich über die grandiose Landschaft an der Obermosel gefreut, die mir so noch gar nicht bewusst war. Der Fluss  windet sich hier in weiten Kurven. Entsprechend imposant sind Prall und Gleithänge, auf denen Wein en masse angebaut wird. Riesling und Elbling, diese uralte Rebsorte, die bis zur Zeit der Römer zurückreicht.

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Heute also schon mit allen Laufutensilien ausgestattet, mache ich mich auf den 45 Kilometer langen Weg nach Remich. Ich parke auf deutscher Seite und laufe über die Brücke nach Luxemburg, unter der der Lauf gestartet wird. Drei Steigerungsläufe sollen mich an das Tempo erinnern, das ich gleich angehen werde. 4:14 min/km soll der Schnitt sein auf den 21,1 Kilometern.

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André treffe ich im Startbereich, auch Martin ist da, mit dem ich in Frankfurt noch einmal einen Anlauf auf eine Zeit unter drei Stunden wagen will. Michael, der als Dritte die sichere Bank als Pacemaker sein sollte, hat sich leider verletzt. Da André schneller – Ziel ist eine persönliche Bestzeit – und Martin zunächst langsamer laufen will – er hat schon 12 Kilometer in den Beinen und macht einen Longjog mit Endbeschleunigung daraus -, mache ich mich also alleine auf die Strecke. Die geht zunächst 10,5 Kilometer moselabwärts und dann aus derselben Route du Vin zurück nach Remich.

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Das Starterfeld ist mehr als 2000 Sportler stark. Ich habe mich vor dem Start im vorderen Drittel eingeordnet. Dennoch traben die meisten vor mir viel zu gemütlich los. Aber nach 300 Metern kann ich am Rand der Menge mein geplantes Tempo aufnehmen. Auf einer Route National ist zum Glück mehr Platz als auf einem Radweg.

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Also: erst mal die verlorenen Sekunden aufholen und dann … bläst der Wind mit einer solchen Wucht von vorn, dass der Tacho sofort ein um 5 Sekunden langsameres Tempo anzeigt, ohne dass die Anstrengung geringer wird. Läufe an der Mosel können eben auch bei schönem Spätsommerwetter anstrengend sein. Aber zum Glück habe ich inzwischen gelernt, Windschatten zu nutzen, um zwischendurch immer wieder ein wenig durchzuschnaufen.

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Dabei wird leider einige Male das Tempo der Leute vor mir zu langsam, so dass ich nach vorne marschiere und erst wieder Windschatten bei der Gruppe finde, die gerade noch einige Meter vor mir lief. Kein Wetter für Bestzeiten, hatten die Läufern gesagt, die hier nicht zum ersten Mal starten. Jetzt weiß ich warum.

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Bei Kilometer acht kommt bereits die Spitzengruppe entgegen. Ein solches Bild hatte ich doch am Morgen auch vom Berlin-Marathon gesehen. Allerdings hängt in Remich niemandem die Innensohle aus dem Schuh …

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Kurz vor dem Wendepunkt kommt mir auch André entgegen. Entweder bin ich ziemlich flott, oder er macht doch ein wenig langsamer. Denn normalerweise müsste er schon mehr  als die 300 oder 400 Meter Vorsprung auf mich haben. Und dann … ist der Wind weg und wir fliegen gefühlt plötzlich zurück. Rückenwind und Sonne. Ist es tatsächlich so warm heute? Aber die Frequenz der Wasserstellen ist gut, so dass ich mir ab und an einen Schluck gönnen und etwas gegen den trockenen Mund tun kann.

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Das Kilometer zählen  beginnt. 18 Kilometer bin ich vor einer guten Woche in diesem Tempo bei strömendem Regen alleine gelaufen. Da werden die drei Kilometer mehr schon möglich sein. Noch 9 Kilometer, noch 8, noch 7 … Lange Läufe an der Mosel sind langweilig, das Gefühl werde ich auch bei diesem Halbmarathon nicht los. Aber nicht überall gibt es Läufer die sich regelmäßig so von ihrem Speichel befreien, dass er über deren Schulter in Richtung des nachfolgenden Läufers spritzt. Bäh. Also schon wieder Tempo zulegen und auch diesen Spuckspecht überholen.

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Die Beine sind nicht wirklich schwer, aber sie murren, warum sie noch immer so flott im Schnelltakt agieren müssen. Die Uhr zeigt nun überwiegend Pace 4:15 an. Drei Kilometer vor dem Ziel erwischt uns der Wind aber wieder von vorne. Sofort wird das Tempo langsamer. Das geht gar nicht, zumal ich schon seit einigen Kilometern realisiert habe, dass vielleicht doch eine persönliche Bestzeit möglich ist.

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Also: Zähne zusammenbeißen und nochmal die Pace erhöhen, auch wenn das Fahrgestell meckert … Aber wen sehe ich da knapp 100 Meter vor mir? André? Sein sauberer Laufstil ist unverkennbar, auch wenn er ganz offensichtlich Probleme hat. Na gut, für mich ist es  natürlich eine willkommene Herausforderung, zu ihm aufzulaufen. Ganz langsam wird der Abstand tatsächlich geringer. Jetzt sind wir auch schon in Remich …

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Noch 20 Meter zu André, noch 500 bis ins Ziel. Beißen! 100 Meter vor dem ersehnten Ende dieses Tempobolzens bemerkt er mich, winkt mich heran. Wir laufen gemeinsam über die Ziellinie.

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Handgestoppt 1:28:59. Für mich tatsächlich eine neue Bestzeit, für André ein Lauf, den er sich anders vorgestellt hat. Aber ab Kilometer 13 war bei ihm wohl die Luft ziemlich raus.

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Die Schwätzchen mit bekannten Läufern im Zielbereich genießen wir allerdings beide. Ein gutes Gefühl! – Durchschnittspace: 4:12 min/km.

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Warum ich allerdings nicht in der offiziellen Wertungsliste geführt werde, ist mir ein Rätsel. Habe ich das alles nur geträumt?

 

 

Stolz im Regen

Was ist das heute für ein Wetter hier in Trier. Der Regen, der im Sommer ausgeblieben ist, drängt an einem einzigen Tag aus den tiefen Wolken. Schon heute Nacht ging das los und die dicken Tropfen trommelten auf die Dachfenster unseres Schlafgemachs. Verstöpseln wollte ich meine Ohren aber nicht, schließlich stand frühes Aufstehen und ein Tempodauerlauf an der Mosel auf dem Programm.

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Als die Leichtschlafnacht dann zu ende ging, war es 6 Uhr und noch stockfinster. Der Regen hatte nicht aufgehört … Aber ich kann konsequent sein, besonders wenn es ums laufen geht. Also rein in die Laufklamotten, in Ruhe in die Pötte kommen, kleines Frühstück und dann ab in die Ungemütlichkeit dieses Morgens.  Da um 7 Uhr noch nicht viel Verkehr in der Stadt ist, bin ich auch schnell am Parkplatz von St. Matthias … es regnet heftig. Also doch mit Regenjacke, raus und über die Konrad-Adenauer-Brücke eintraben auf die andere Moselseite. Brrr … Aber die Schuhe sind in Ordnung sobald sie durchnässt sind. Was an diesem Tag sehr schnell passiert.

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Drei Steigerungsläufe und dann Start moselaufwärts in Richtung Sauer. Temposchnitt 4:15 über 18 Kilometer ist das Ziel. Leider fühlt es sich bereits nach zwei Kilometern an, als sollte es heute nicht sein. Aber zumindest 10 Kilometer sollten gehen. Verdammte Pfützen. Platsch. Mist. Doofer Wind. Platsch. Na ja, ist jetzt eh egal … Und dann ist die Sauer erreicht. Und dann der Campingplatz von Igel, und jetzt ist es auch nur noch ein Kilometer bis zu Wende … Den Rest kürze ich ab: ICH HABE ES GESCHAFFT! Und beim Blick auf die Uhr war ich doch sehr überrascht. Pace 4:14. Diese 18 Kilometer nimmt mir niemand mehr. Und deshalb hab eich auch noch ein echtes Jubelbild geschossen.

So nass war ich noch auf keinem Lauf.