Zu viele Hammermänner

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Ich dachte, es wäre ein gutes Omen, dass meine Kollegin Katharina in der vergangenen Woche ihren Namen gewechselt hat. Das hat sie zwar nicht wegen mir getan. Aber de Mos ist vor einem Marathon dennoch besser als Hammermann, auch wenn sie selbst sich mit kürzeren Laufdistanzen begnügt. Ein Hammermann weniger war in diesem Fall allerdings nicht genug. Es gibt in Frankfurt einfach zu viele davon …

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Aber der Reihe nach: Eine Woche Küchenrenovierung ist vielleicht tatsächlich nicht das perfekte Tapering. Das merkte Coach Jens schon mit einem Augenzwinkern an, als er davon erfahren hatte. Na ja, tatsächlich ist es vermutlich nicht wirklich erholsam, fünf Tage lange bei Renovierung- und Aufbauarbeiten permanent auf den Beinen und Knien zu sein.

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So sind die Beine nicht ganz leicht, als ich mit meinem Schatz am Samstagmittag auf den Weg nach Frankfurt mache. Irgendwie ist es so unwirklich wie noch nie vor einem Marathon. Und dann soll es auch noch mein schnellster werden …

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Bevor wir im Hotel einchecken –  Hamburger Hof unmittelbar am Hauptbahnhof ist sehr zu empfehlen, wenn ich mir diese Anmerkung erlauben darf -, geht es erst einmal zum Messegelände, Startunterlagen abholen, Marathonmesse durchschlendern und Freunde treffen.

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Die Einen nur virtuell, weil sie höchst plakativ – hallo Jens, hallo Yvonne – für den Luxemburg-Marathon im kommenden Frühjahr werben.

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Die anderen live und in Farbe. Martin ist da, der es doch mit einem schnellen Lauf versuchen will, Frank, der froh wäre, nach 3:15 Stunden im Ziel zu sein, und der schnelle Dominik, der bei seiner Marathonpremiere „so etwas um die 2:50“ laufen will. Holla!

Flo Neuschwander kommt auch noch vorbei, der „Rockstar unter Deutschlands Läufern“, wie im aktuellen Runners Magazin zu lesen und zu sehen ist. Allerdings war dieser Bericht wohl schon vor Flos Mega-Ultraerfolg in den USA entstanden. Denn auf meine Frage, wo denn seine Piercings geblieben sind, antwortet er mit einem Grinsen, die habe ihm ein Bär in den Rocky Mountains abgeluchst. Nun ja, ein witziger Typ ist der Florian ja. Und in seiner neuen Wahlheimat Frankfurt fühlt er sich augenscheinlich sehr wohl.

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Da alle anderen befreundeten und bekannten Läufer in anderen Hotels übernachten, haben wir zu zweit den Vorteil, am Abend nach nur kurzer Wartezeit einen Platz beim Italiener zu finden. wo überwiegend schmale Menschen sich ihre private Pasta-Party geben. Ist aber auch lecker.

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Und dann ist schon der Wettkampftag da. Die Nacht war in Ordnung. Alleine am Wettkampftag beim Frühstück zu sitzen, ist aber schon ein komisches Gefühl. Und auch zum Start bei einem großen Marathon bin ich noch nie alleine gegangen. Alles unwirklich, sag ich doch.

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Ideales Wetter, knapp über 10 Grad, kein Wind. Das Gewusele vor und in der Festhalle nimmt zu. Eine knappe Stunde später wird nur einen Steinwurf entfernt der Startschuss fallen.

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Kleiderbeutel abgeben, das neue Startnummernband angeschnallt, mit vier Gels bestückt, gut zehn Minuten einlaufen, dann noch drei Steigerungsläufe. Die Beine fühlen sich ganz gut an. Jubelpose nicht vergessen. Hier ist alles erlaubt, ohne das irgendjemand fragend schaut.

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Und dann begegnet mir der Hammermann! Zu früh, viel zu früh. Aber auf meine Bitte, er möge mir in den nächsten 3,5 Stunden nicht mehr begegnen, reagiert er beim Posen in die Fernsehkamera des Hessischen Rundfunks gar nicht. Ein schlechtes Zeichen?

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Im Asics-Block – hier starten alle, die eine Zielzeit schneller als 3:15 Stunden angegeben haben – ist schon viel los, als vor mir der Mann mit dem gelben Ballon auftaucht. 2:59 steht darauf, auch auf seinem Shirt. Schön wär’s …

Aber schon wieder winkt ein Hammermann. Einer, den auch die Leute kennen, die nicht Strecken mit mehr als 40 Kilometer laufen. Vielleicht sind auch wegen des überdimensionalen Klöppelschwingers die Menschen im Starterfeld so wenig ausgelassen an diesem Morgen.

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Martin, Dominik und ich sind da natürlich eine Ausnahme. Vor allem Dominik scheint überhaupt keinen Respekt vor der Königsdisziplin zu haben. Er hat auch allen Grund dafür, wie sich später herausstellen wird. Er wird seinen Premierenmarathon in grandiosen 2:48:01 bewältigen.

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Mir ist die Sache noch immer nicht wirklich geheuer. Ich komme mir ein wenig vor wie im falschen Film. Aber es gibt nun kein Zurück mehr. Mal sehen, wie es läuft. Nicht schlecht  läuft es zumindest für die Nutznießer der Zieh-das-warme-Obereil-aus-und-wirf-es-über-den-Zaun-Aktion. Manch‘ nicht zu schlechtes Stück wechselt so den Besitzer.

Arne Gabius wird vorgestellt. Er startet nur 25 Sekunden vor uns, hat es aber viel eiliger, wieder ins Ziel zu kommen. Gigantisch, was der für eine Zeit hinlegt! Vor allem auf den letzten Kilometern … Aber das ist eine andere Geschichte.

Meine Wettkampfgeschichte beginnt damit, dass sich auf dem ersten Kilometer gefühlt alle gegenseitig auf die Füße latschen. Auf dem zweiten Kilometer rutscht mir eines meiner vier Gels aus dem Gürtel. Nicht so schlimm, drei sollten für das Rennen genügen. Aber welch komische Zeiten zeigt denn meine Suunto an?

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In den Häuserschluchten der Bankenmetropole spielt das GPS-Signal offenbar ab und zu Ping-Pong zwischen Glasfassaden. Jedenfalls können dieses Paceanangaben niemals stimmen, dafür sind wir viel zu schnell unterwegs. oder snd die Fünf-komma-nochwas auf dem Display eine böses Omen?

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Der Pacemaker ist also nun mein Tempomat. Martin, mit dem ich eigentlich gemeinsam laufen wollte, ist nicht mehr zu sehen. Ich wähne ihn hinter mir, kann ihn aber nicht entdecken. Auf den ersten Kilometern geht es im Zickzack durch die Innenstadt. Bei Kilometer sieben, im Bereich Kaiserplatz, wollte Karin stehen. Sie ist nicht zu sehen …

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Kilometer zehn ist an der Universität erreicht. Alles scheint ganz gut zu laufen. Ich habe mein Zwischenzeitenband natürlich im Zimmer vergessen. Ich vermute, wir sind schneller als nötig, aber ein paar Sekunden Puffer sind ja nicht schlecht.

Kilometer 13 – es geht es zum ersten Mal über den Main. Zwischen Sachsenhausen und Niederrad warten die erste langen Geraden. Bei Kilometer 15 sehe ich dann doch meinen Schatz, sie mich auch. Das tut gut. Denn nachdem bislang reichlich Schaulustige an der Strecke angefeuert haben, wird es ab hier doch eher dünn mit Motivationssprüchen. Aber so ist das nun mal bei den meisten Marathons. Die Strecke ist einfach zu lang, als dass an jeder Stelle Publikum zu erwarten wäre.

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Auf Höhe der Staustufe Griesheim ist die Hälfte der Distanz geschafft. Inzwischen habe ich akzeptiert, dass meine Uhr schon jetzt wieder 500 Meter mehr anzeigt als die offiziellen Streckenmarken. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass meine offizielle HM-Zeit mit 1:29:11 notiert wird, meine Suunto aber sensationelle 1:26:27 registriert. Meine Beine fühlen sich eher nach der schnelleren Zeit an. Leider wachsen die Zweifel, ob ich dieses Tempo durchhalten kann.

Drei lange Kilometer zur Schwanzeimer Brücke, über den Main nach Höchst. Selbstmotivation ist nun angesagt. Der gelbe Ballon ist plötzlich wieder direkt vor mir. Geht doch! Denke ich mir ziemlich genau an dem Punkt an dem Martin wegen muskulärer Probleme aussteigt. Aber davon bekomme ich nichts mit, denn die Stimmung in Höchst ist wieder ziemlich gut. Und als die Musik nicht mehr da ist, begegnet er mir wieder und zieht den Stecker heraus:

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Die 3 Kilometer lange Gerade von Griesheim zur Hellerhofsiedlung füllt meine Beine mit Beton. Die Luft ist raus, definitiv. Na gut, dann genieße ich den Rest des Laufs und nehme eben bewusst Tempo heraus. Und noch etwas mehr … 5:05 Minuten pro Kilometer … Hey, das fühlt sich jetzt aber doch wirklich anders an. Erste kurze Gehpause bei der Getränkeaufnahme bei Kilometer 32. Warum läuft es sich so schwer wieder an? Ist ja fast wie beim Maare-Mosel-Lauf. Och nö! …

Zwei Kilometer laufen, bis zur nächsten Verpflegungsstation, dann gönne ich mir wieder ein paar Schritte. Dieses Spiel wiederholt sich nun, ich würde zu gerne einfach aufhören. Das geht nicht, nein, vielleicht ist ja noch eine Zeit um 3:10 möglich!  Mein Beine halten davon nichts und verbünden sich zu einer immer lauter schreienden  Protestbewegung gegen meinen Geist?

Kilometer 37, da müsste doch Karin stehen? Ja, da ist sie! Es gibt keinen besseren Grund, um nochmal stehen zu bleiben. Eine Umarmung, einige Worte der Kapitulation. Vergeblich. Motivierende Worte katapultieren mich zurück auf die Strecke. Na gut, das Verb ist nun vielleicht etwas falsch gewählt. Aber der Geist ist willig. Weitermachen,   dann wird es zumindest eine Zeit unter 3:15 … Immer dieses Schlussgekurve durch die Citys! Das war in Düsseldorf doch auch so, so …  naja, dieses Wort gehört hier nicht hin. Kilometer 40 – hier muss es doch Cola geben?

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Vom Tisch mit den Isodrinks bis zur Koffeinlimonade sind es wohl 100 Meter, die ich gehe, ich kann nicht anders. Tempo 5:57 Minuten für diesen Kilometer – kreisch – das ist der tiefste Tiefpunkt, der die 3:15 gefährdet. Aber das darf nicht sein! Also kämpft Kopf den Widerstand der Beine nieder und lässt sie noch einmal so schnell laufen, wie es möglich ist. Lange Gerade, schon wieder – oh Mann, das wird eng – Kurve, kurze Gerade, noch ne Kurve – jetzt muss es doch endlich … – ja, die Festhalle, nicht nachlassen. Ins Dunkel, roter Teppich, Zielbogen. Wie war das mit der grandiosen Stimmung beim Zieleinlauf? Ich bin nur froh, dass es vorbei ist. 3:14:56 stehen auf der Uhr.

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Das war knapp! Irgendwie doof. Diese Zeit hätte ich auch laufen können, ohne mich so zu quälen. Aber ich wollte es ja so. Das war einfach nicht mein Tag, zumindest nicht ab Kilometer 28.

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Ich komme zumindest noch rechtzeitig, um die Siegerehrung von Arne Gabius im  Zielbereich live zu verfolgen. Von einem neuem deutschen Rekord, von Olympianorm und solchen Dingen ist da die Rede. Wirklich realisieren kann ich das erst später.

Gemein ist in Frankfurt übrigens die  Treppe, die alle Läufer hinabsteigen müssen, um an Medaille, vor allem aber an heißen Tee, herrlich salzige Gemüsebrühe und Obst zu kommen. Wie schmerzhaft ein Marathon sein kann, zeigt sich an der Eleganz, wie dieses unnatürliche Hindernis überwunden wird.

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Wie ich selbst hinuntersteige, kann ich nicht sagen. Ich denke, nicht ganz so gequält. Aber spätestens, als mich Flo Neuschwander entdeckt und mir grinsend auf die Schulter klopft – „na, wie war’s?“ – ist die Welt wieder in Ordnung. Das Lachen kehrt zurück. Es war eben nicht mein Tag. Das ist leichter zu akzeptieren als ein Lauf, bei dem ich – wie in Düsseldorf – die Drei-Stunden-Marke hätte knacken können, es  wegen dummer Fehler aber verpasst habe.

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Ich verabschiede mich von Flo und seiner hübschen Staffelbegleitung. Die Plastiküberzüge sind nun wirklich gut, halten warm in den paar Minuten, bis der Weg zur Kleiderbeutelausgabe gewagt werden kann. Sitzen ist gar keine schlechte Idee.

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Auf dem Weg in die Messehalle kommt mir doch tatsächlich mein Schatz entgegen. Die Welt ist in Ordnung, alles ist gut! Besonders die heiße Dusche im Hotel, die Beinmassage, der Latte Macchiato und das Gefühl, es geschafft zu haben – nicht etwa, die drei Stunden zu unterbieten. Ich habe diesen Lauf hinter mich gebracht. Es ist eine Befreiung. Endlich wieder Genussläufe! Die Hammermänner dieser Welt können mir gestohlen bleiben!

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Wie gut, dass meine liebe Kollegin einen neuen Namen hat …

 

Hart im Wind

Alle Nordlichter und Segler mögen mir das für die Überschrift entlehnte Bonmot verzeihen. Aber angesichts der steifen Brise an der Mosel heute bietet sich das an.

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Kurzfristig hatte ich mich entschieden, den Halbmarathon im luxemburgischen Remich für einen Tempodauerlauf in der für Frankfurt geplanten Marathonpace zu nutzen. Da ich gestern wegen des Tages der offenen Tür bei unserem Medienhaus beim Samstagslauf passen musste, bot sich das als Alternative an.

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Die Startnummer hatte ich gestern in einer Pause abgeholt und mich über die grandiose Landschaft an der Obermosel gefreut, die mir so noch gar nicht bewusst war. Der Fluss  windet sich hier in weiten Kurven. Entsprechend imposant sind Prall und Gleithänge, auf denen Wein en masse angebaut wird. Riesling und Elbling, diese uralte Rebsorte, die bis zur Zeit der Römer zurückreicht.

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Heute also schon mit allen Laufutensilien ausgestattet, mache ich mich auf den 45 Kilometer langen Weg nach Remich. Ich parke auf deutscher Seite und laufe über die Brücke nach Luxemburg, unter der der Lauf gestartet wird. Drei Steigerungsläufe sollen mich an das Tempo erinnern, das ich gleich angehen werde. 4:14 min/km soll der Schnitt sein auf den 21,1 Kilometern.

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André treffe ich im Startbereich, auch Martin ist da, mit dem ich in Frankfurt noch einmal einen Anlauf auf eine Zeit unter drei Stunden wagen will. Michael, der als Dritte die sichere Bank als Pacemaker sein sollte, hat sich leider verletzt. Da André schneller – Ziel ist eine persönliche Bestzeit – und Martin zunächst langsamer laufen will – er hat schon 12 Kilometer in den Beinen und macht einen Longjog mit Endbeschleunigung daraus -, mache ich mich also alleine auf die Strecke. Die geht zunächst 10,5 Kilometer moselabwärts und dann aus derselben Route du Vin zurück nach Remich.

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Das Starterfeld ist mehr als 2000 Sportler stark. Ich habe mich vor dem Start im vorderen Drittel eingeordnet. Dennoch traben die meisten vor mir viel zu gemütlich los. Aber nach 300 Metern kann ich am Rand der Menge mein geplantes Tempo aufnehmen. Auf einer Route National ist zum Glück mehr Platz als auf einem Radweg.

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Also: erst mal die verlorenen Sekunden aufholen und dann … bläst der Wind mit einer solchen Wucht von vorn, dass der Tacho sofort ein um 5 Sekunden langsameres Tempo anzeigt, ohne dass die Anstrengung geringer wird. Läufe an der Mosel können eben auch bei schönem Spätsommerwetter anstrengend sein. Aber zum Glück habe ich inzwischen gelernt, Windschatten zu nutzen, um zwischendurch immer wieder ein wenig durchzuschnaufen.

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Dabei wird leider einige Male das Tempo der Leute vor mir zu langsam, so dass ich nach vorne marschiere und erst wieder Windschatten bei der Gruppe finde, die gerade noch einige Meter vor mir lief. Kein Wetter für Bestzeiten, hatten die Läufern gesagt, die hier nicht zum ersten Mal starten. Jetzt weiß ich warum.

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Bei Kilometer acht kommt bereits die Spitzengruppe entgegen. Ein solches Bild hatte ich doch am Morgen auch vom Berlin-Marathon gesehen. Allerdings hängt in Remich niemandem die Innensohle aus dem Schuh …

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Kurz vor dem Wendepunkt kommt mir auch André entgegen. Entweder bin ich ziemlich flott, oder er macht doch ein wenig langsamer. Denn normalerweise müsste er schon mehr  als die 300 oder 400 Meter Vorsprung auf mich haben. Und dann … ist der Wind weg und wir fliegen gefühlt plötzlich zurück. Rückenwind und Sonne. Ist es tatsächlich so warm heute? Aber die Frequenz der Wasserstellen ist gut, so dass ich mir ab und an einen Schluck gönnen und etwas gegen den trockenen Mund tun kann.

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Das Kilometer zählen  beginnt. 18 Kilometer bin ich vor einer guten Woche in diesem Tempo bei strömendem Regen alleine gelaufen. Da werden die drei Kilometer mehr schon möglich sein. Noch 9 Kilometer, noch 8, noch 7 … Lange Läufe an der Mosel sind langweilig, das Gefühl werde ich auch bei diesem Halbmarathon nicht los. Aber nicht überall gibt es Läufer die sich regelmäßig so von ihrem Speichel befreien, dass er über deren Schulter in Richtung des nachfolgenden Läufers spritzt. Bäh. Also schon wieder Tempo zulegen und auch diesen Spuckspecht überholen.

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Die Beine sind nicht wirklich schwer, aber sie murren, warum sie noch immer so flott im Schnelltakt agieren müssen. Die Uhr zeigt nun überwiegend Pace 4:15 an. Drei Kilometer vor dem Ziel erwischt uns der Wind aber wieder von vorne. Sofort wird das Tempo langsamer. Das geht gar nicht, zumal ich schon seit einigen Kilometern realisiert habe, dass vielleicht doch eine persönliche Bestzeit möglich ist.

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Also: Zähne zusammenbeißen und nochmal die Pace erhöhen, auch wenn das Fahrgestell meckert … Aber wen sehe ich da knapp 100 Meter vor mir? André? Sein sauberer Laufstil ist unverkennbar, auch wenn er ganz offensichtlich Probleme hat. Na gut, für mich ist es  natürlich eine willkommene Herausforderung, zu ihm aufzulaufen. Ganz langsam wird der Abstand tatsächlich geringer. Jetzt sind wir auch schon in Remich …

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Noch 20 Meter zu André, noch 500 bis ins Ziel. Beißen! 100 Meter vor dem ersehnten Ende dieses Tempobolzens bemerkt er mich, winkt mich heran. Wir laufen gemeinsam über die Ziellinie.

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Handgestoppt 1:28:59. Für mich tatsächlich eine neue Bestzeit, für André ein Lauf, den er sich anders vorgestellt hat. Aber ab Kilometer 13 war bei ihm wohl die Luft ziemlich raus.

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Die Schwätzchen mit bekannten Läufern im Zielbereich genießen wir allerdings beide. Ein gutes Gefühl! – Durchschnittspace: 4:12 min/km.

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Warum ich allerdings nicht in der offiziellen Wertungsliste geführt werde, ist mir ein Rätsel. Habe ich das alles nur geträumt?

 

 

Heimkino

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So, ich habe wieder ein wenig gebastelt. Das mit den Clips zu besonderen Ereignissen klappt immer besser. Wie war das doch: Übung macht den Meister. Na ja, ich werde sicher noch ein wenig üben können …

Lehnt Euch also zurück und genießt eine wunderbare Tour durch den Hunsrück:

Wandern am Puy de Sancy

Einige Eindrücke aus der Auvergne habe ich bereits gegeben. Wie abwechslungsreich die Region der Vulkane, Schluchten, Seen und Flüsse ist, zeigt sich aber erst, wenn man sich aufmacht, entweder zu einer Mehrtagestour zu Fuß oder mit dem Rad. Wer – wie wir – einen festen Standort hat, fährt einige Kilometer mit dem Auto und startet dann seine Genusstour.

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Zum Beispiel auf den Puy de Sancy, dem mit 1885 Metern höchsten Berg der Auvergne. Zwar hat das noch nicht Hochgebirgsformat. Die Landschaft dort ist aber dennoch hochalpin. Das Gebirgsmassiv ist der erodierte Rest eine großen Vulkans und bietet sensationelle Ausblicke auch über die weite Hochebene Plateau de Artense in Richtung Süden, wo mit dem Puy Mary und dem Plomb du Cantal ähnlich hohe Gebirgsstöcke die Landschaft verzaubern.

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Im Winter wird hier auch Ski gefahren. Es würde sich bestimmt lohnen, die Auvergne im Schnee zu erleben. Und vielleicht daran zu denken, wie hart das Leben der Menschen vor noch nicht zu langer Zeit dort war. Familien mussten damals überwiegend mit einem großen Rad Cantal-Käse die kalte Jahreszeit überstehen. Aber das ist eine eigene Geschichte.

Hier Impressionen von einer wunderbaren Wanderung auf den Puy de Sancy. Wer schlecht zu Fuß ist, oder wenig Zeit hat, kann sich auch von der Seilbahn hinaufbringen lassen. Aber dann verpasst er viel Natur und vor allem Ruhe. Aber seht selbst!

Über Autos, Mauern und Reifenstapel

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„Ich will jetzt Eure Hände seeeh’n!!!“ dröhnt es aus den Lautsprechern. Sehen kann ich den Moderator nicht. Aber das ist für jemanden, der in der zehnten Startreihe steht und nur knapp 170 Zentimeter misst, keine neue Erfahrung. Die Stimmung vor der Porta Nigra ist prächtig, die Luft knistert vor Spannung.

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Aber vielleicht liegt das auch an dem schwülen Wetter. Noch zehn Sekunden bis zum Start des ersten Urbanian Run in Trier, noch neun, acht, sieben, … Die Trierer Sportdezernentin zieht tatsächlich den Abzug der Startpistole durch. Auf geht’s zur wilden Jagd!

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Für mich ist es das erste Hindernisrennen überhaupt. So nervös war ich schon lange nicht mehr vor einem Lauf. Aber heute kann ich dieses Kribbeln zumindest mit meinem Sohn teilen. Der 14-Jährige soll mir bei den Hangelpassagen helfen. Ich werde ihm dafür auf den Laufetappen zwischen den acht Hindernissen Beine machen. Wer zehn Kilometer läuft, muss diese zweimal sowie fünf weitere Barrieren überwinden. Aber bis sich Nummer eins in den Weg stellt, müssen erst einmal 1000 Meter gelaufen werden.

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Laufen? Hey, was ist das denn? Dieses Stop-and-Go fühlt sich an wie Silvesterlauf. „Vielleicht ist das ja das versteckte neunte Hindernis“, rufe ich dem Sohn zu, während wir uns durch die gemütlich trabenden und vor Schweiß glänzenden Massen schlängeln. Okay, unsereiner duftet auch nicht mehr nach Oleander, Lavendel und Jasmin …

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Im Palastgarten ist endlich mehr Raum, dort wartet das erste offizielle Hindernis: Jump’n’Run, mehrere Pylonreihen, die zu überspringen sind. Es ist offiziell das Hindernis des Trierischen Volksfreunds, weshalb ich hier mit unserem Fotografen verabredet bin.

Urbanian Run Trier 2015

Meinen Sohn lichtet er in perfekter Sprungtechnik ab. Aber das bemerke ich nicht. Erst kurz vor der letzten Hürde, die ich ganz rechts überspringen will, höre ich von ganz links sein Rufen. „Ach da bist Du …“ Rumms, laufe ich voll in die Plastikbarriere und vermeide nur knapp den schmerzhaften Kontakt mit dem Wegbelag.

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Na ja, es gibt ja noch andere schöne Stellen für Fotos … Aber bitte nicht an diesem Hangeldings, das jetzt in Sichtweite kommt! Das ist mein Albtraum. Na gut, im Zweifelsfall mache ich zehn Liegestütze. Das darf ersatzweise sein, hat der Moderator am Start gesagt, wenn man ein Hindernis tatsächlich nicht schafft. Und schon hangelt mein sportlicher Nachwuchs durch die acht Meter lange Herausforderung, als wäre es ein Kinderspiel. Los jetzt, Papa, nur keine Blöße geben! Eins – Mann, ist das rutschig – zwei – geht doch – drei – fühlt sich gar nicht so verkehrt an – vier – Yippie!!! Meine Mundwinkel sind ab sofort vor den Ohren festgetackert. Was kann jetzt noch kommen, auf drei Kilometern im Zickzack durch die City?

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Die mächtigen Sandsäcke zum Beispiel, die sind kein wirklich schweres Hindernis. Vielleicht liegt das auch an den Anfeuerungsrufen vom Streckenrand. Viele Trierer nutzen diesen feucht-warmen Nachmittag, um sich das Spektakel anzusehen. „Raineeer, lauf!“
Ich nehme trotzdem ein wenig Tempo raus, weil mein junger Begleiter auf der Flachstrecke mehr Schwächen zeigt als an den Hindernissen. Das Spitzenduo des 15 Minuten früher gestarteten 10er Laufs nutzt das, um auf seiner bereits zweiten Runde locker an uns vorbeizuziehen.

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Wow! Aber auf dem Viehmarkt lenken hübsche Frauen von diesem mentalen Tiefschlag ab. Sie drücken uns Pakete in die Hand. Die sollen über das überdimensionale Gepäcknetz und eine Rutsche auf die andere Seite der vier Meter hohen Wand gebracht werden. Das macht Laune, auch wenn es dabei ganz schön wackelig zugeht.

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Posing für den Fotografen. Danke für das Foto, Holger Teusch.

Rush Hour nennt sich das nächste Hindernis. Feierabendverkehr in Trier also. Schade, dass wir da nicht auch einfach über Autos laufen können. Eine spaßige Angelegenheit. Aber die Freude über die Blechkletterpartie lässt sich kaum auskosten, weil der Veranstalter nun Reifenstapel in den Weg geworfen hat.

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Auf dem Hauptmarkt ist die Stimmung natürlich grandios, wie bei jedem Lauf in Trier. Eine Zumbatruppe animiert die Zuschauer zum Tanzen, während die schweißnassen Urbanian Runner über die gestapelten Holzkästen des Hauptsponsors klettern und springen.

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Nicht alle sehen noch frisch aus, einige leiden sichtbar. Nicht schlecht, dass sich am Frankenturm ein wenig Zeit zum Atemholen bietet. Denn hier, an der mächtigen Mauer, gibt es den einzigen wirklichen Stau. Kletterbegabte Leichtgewichte sind da klar im Vorteil, weil sie nicht unbedingt vom letzten Podest aus die Wand erklimmen müssen.

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Sohnemann hat nun auch wieder genug Luft, als ich ihn auf die Mauer ziehe. Seine Gesichtsfarbe war schon natürlicher. Aber Papa ist ein Motivationsgenie: „Es sind nur noch ein paar Hundert Meter bis ins Ziel!“ Dieses Versprechen zeigt Wirkung und lässt uns die Simeonstraße hinunterfliegen. Verdammt, ich verliere schon wieder einen Endspurt …

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Aber was soll’s. Im nächsten Jahr machen wir den Zehner, ganz bestimmt.

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Düsseldorf

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Gut, aber nicht sehr gut. Persönliche Bestzeit zwar, aber nicht unter drei Stunden. Ich muss den  Verlauf des Düsseldorf-Marathons noch verarbeiten. Dass alles hätte stimmen müssen, um  meine sehr ambitionierte Zielzeit zu erreichen, war klar, leider stimmte nach gutem Beginn nicht alles, und so habe ich auf den letzten sechs Kilometern die Chance auf die Marathonzeit meines Lebens vergeben. Ein besonderes Erlebnis war dieses Wochenende dennoch.

Hier die ganze Geschichte:

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14 Wochen intensives Training. Den Lohn dafür wollen Dominik und ich in Düsseldorf erlaufen. Wir sind als Sextett in der interessanten Stadt am Rhein. Ebenfalls dabei sind Christoph mit Birgitt, Marc und Frank, der als einziger nicht im schönen Dress des Lauftreffs Olewig unterwegs sein wird und das großartige Erlebnis seines ersten Marathons erleben wird. Mein Schatz Karin ist auch mitgekommen. Die Damen werden sich Königsallee und Co. entspannt ansehen.

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Dominik ist schon mit dem Zug vorausgefahren, um den Tag mit seiner Schwester zu verbringen, die uns am Sonntag ebenfalls an der Strecke anfeuern wird. Es muss sich zeigen, wie er den Lauf mit seiner urplötzlich aufgetauchten Allergie überstehen wird.

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Im Hotel eingecheckt, geht es natürlich zunächst zur Startnummernausgabe im Sparkassen-Tower. Eine kleine Marathon-Messe ist auch dabei, alles sehr familiär und für den Marathon in einer Landeshauptstadt übersichtlich. 2650 Läuferinnen und Läufer werden am Ende als Finnisher gelistet sein. Hinzu kommen zahlreiche Staffelteilnehmer.

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Die logistische Leistung ist nicht nur am Rheinufer groß, zu dem wir am Abend nach unserer privaten Pizza- und Pastaparty einen Abstecher machen. Unglaublich, was da auch in der Altstadt abgeht. Gedränge wie in Trier beim Altstadtfest.

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Natürlich machen wir am frühen Abend vor dem Renntag auch die obligatorischen fünf Kilometer und stellen gut gelaunt fest, dass wir am liebsten weiterlaufen würden.

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Drei Steigerungsläufe in einer verkehrsberuhigten Nebenstraße  müssen natürlich auch sein. Gelegenheit für ein Spaßfoto … es ähnelt sehr einem Bild, dass ich beim ersten Trainingsintervall im Februar gemacht hatte …

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Einigermaßen gut geschlafen, leicht gefrühstückt. Dominik kommt mit seinen Sachen ins Hotel, das wir bis 16 Uhr gebucht haben. Es wird sich als Segen nach dem Lauf erweisen. Denn wir können später ohne Gedränge duschen und noch ein wenig entspannen, bevor es nach Hause geht.

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Aber davor will noch ein Marathon gelaufen sein. Ein möglichst schneller, denn dafür habe ich mich ebenso wie Dominik geschunden und überwunden und gezweifelt und motiviert. Der Pacemaker mit den Ballons soll es richten, auf denen 3:00:00 steht.

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So verabschieden wir uns also von den drei Helden, die die 3:30er Marke in Angriff nehmen und sortieren uns am Anfang des 3-Stunden-Starterfeldes ein.

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Kurz vor dem Startschuss, die bekannte Stimme von Wolf-Dieter Poschmann im Ohr, der traditionell auch den Trierer Silvesterlauf moderiert, kommt dann tatsächlich ein junger Läufer mit den richtigen Ballons. Es kann los gehen und geht auch ab wie die Post. Bei diesem Marathon verlieren wir zumindest nicht auf den ersten Kilometern Zeit, wie in der Regel bei den ganz großen Rennen. Zum Beispiel in Hamburg, wo zur selben Zeit TV-bewegt-Coach Michael Pfeil sich auf die erfolgreiche Jagd nach einer neuen Bestzeit macht.

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Hier in Düsseldorf laufen etwa 30 Männer und eine Frau im Schlepptau der lustig flatternden Heliumhüllen. Nach zwei Kilometern bewegen die sich ziemlich genau in der anvisierten Pace. Einen Tick schneller, aber das fühlt sich gut und locker an. Allerdings merke ich bei Kilometer 18, dass Dominik immer lauter atmet. Kein gutes Zeichen. Auch gefällt es mir nicht, dass meine Suunto mit jedem Kilometer einige Duzend Meter mehr notiert, als an den offiziellen Streckenmarkierungen angezeigt wird. So laufe ich nach meiner persönlichen Zeitmessung die erste Hälfte der Strecke in 1:28:26 mit klarer persönlicher Bestzeit. 300 Meter später folgt allerdings erst die offizielle Zeitnahme, die 1:29:22 notiert. Immer noch knapp persönliche HM-Bestzeit – und 38 Sekunden Puffer auf die 3-Stunden-Zielzeit …

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Dann zieht unser Pacemaker an … um für eine Pinkelpause anzuhalten. Na ja, der kleine Tross läuft weiter und zieht sich sofort auseinander. Vorne viel zu schnell, mit meinem Partner laufe ich 4:15er Schnitt, um auf den Jungen nach der Pipipause zu warten. Als der dann tatsächlich wieder aufschließt und vorbeifliegt, legt er ein Tempo vor, dass wir uns nicht antun wollen. Zudem signalisiert Dominik, dass er eine Zeit unter 4 min/km nur extrem schwer halten kann.

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Wie er nach dem Rennen berichten wird, geht bei ihm nach 21 Kilometern nicht mehr viel. Die Bronchien machen zunehmend dicht. Zwei Kilometer lang laufe ich voraus, nehme das Tempo etwas zurück. Er kommt dennoch nicht heran, winkt ab. Also mache ich mich alleine auf den Rest der Strecke. Der Tempoläufer ist inzwischen ziemlich weit voraus. Ich muss nun mein eigenes Rennen machen und darauf hoffen, ich wieder im Laufe der Zeit einzuholen.

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Bei Kilometer 30 liege ich noch gut im Schnitt. Nach meiner eigenen Messung sowieso. Aber auch die offizielle Zeitmessung bescheinigt mir nur einen minimalen Rückstand von 13 Sekunden auf meine Zielzeit. Es läuft sich gut, auch wenn ich keine Gruppe mehr habe, an der ich mich orientieren kann. Kilometer 32. Alles gut, die Beine sind natürlich nicht mehr ganz so leicht, aber jetzt ist es nur noch ein 14er Tempodauerlauf an der Mosel …, rede ich mir ein und verpasse es, mich am Gelstand zu versorgen. Mein eigenes Gel hat leider Dominik in der Tasche, in der er auch sein Asthmaspray mitschleppt.

Dieser Verpflegungsfehler wird sich bitter rächen, wie ich ab Kilometer 36 spüren werde. Da hilft es auch nicht, die Kilometer herunterzuzählen. Jeder Einzelne wird länger und schwerer.bKilometer 35 – 4:01 min/km; 36 – 4:27; 37 – 4:21; 38 – 4:30; 39 – 4:23 – der Hammermann hat sich an mein Beine geheftet. Mir ist inzwischen klar, dass meine Traumzeit in immer weitere Entfernung rückt und nicht mehr zu schaffen ist. Warum also weiter quälen? Eine persönliche Bestzeit wird es so oder so werden. Und wo sind die jubelnden Zuschauer, die gerade jetzt so bitter nötig wären? Kilometer 40 – 4:41; 41 – 4:31; 42 – 4:50; 43 – 4:43 …

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Ja, tatsächlich 43,02 Kilometer misst meine Laufuhr, wie ich im Ziel doch einigermaßen ernüchtert feststelle. So hätte ich die drei Stunden gepackt, wenn meine Strecke gelten würde. Die offizielle Zielzeit ist mit 3:04:05 gut, aber – gemessen an meinem Maßstab – nicht sehr gut.

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Ein wenig besänftigt wird meine leichte Enttäuschung durch die Platzierungen: Zehnter in der Altersklasse M50 ist nicht schlecht. Und 117. von 2650 Finishern kann sich auch sehen lassen.

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Mein Schatz und Birgitt freuen sich an ihrem erhöhten Zuschauerplatz im Ziel. Ich bin einfach froh, dass es vorbei ist.

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Aber ein Foto mit dem hübschen Mädchen der Medaillenübergabe gönne ich mir doch noch. Und ein paar weitere Schnappschüsse, von denen mir das mit dem beflügelten Papa besonders gut gefällt.

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Und dann beginnt das Warten. Während ich dem Interviewteam eines lokalen Fernsehsenders über die Streckendiskrepanz berichten kann, kommt Dominik ins Ziel. 3:17:44 sind für ihn ebenfalls eine deutliche persönliche Bestzeit. Glücklich ist er dennoch nicht wirklich. Vor allem tut es ihm leid, dass er mich alleine ziehen lassen musste. Aber dafür kann er ja nichts, wie ich ihm mehrfach versichern muss.

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Der nächste, der ins Ziel kommt, ist Frank:   3:25:31! Das bei seinem ersten Marathon! Er trägt für den Rest des Tages das breiteste Grinsen im Gesicht.  Marc ist mit seiner PB von 3:27:59 ebenfalls glücklich. Christoph erreicht sein selbstgestecktes Ziel mit 3:29:06. Eine insgesamt starke Teamleistung, über die wir uns dann doch alle freuen.

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Die Wetterbedingungen sind übrigens ideal. Erst um 13 Uhr beginnt es zu regnen. Die Plastiküberzüge nach dem Zieleinlauf sind dennoch gut gegen das Auskühlen im Wind, wenn auch ein wenig schwierig überzuziehen …

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Und natürlich schmeckt das alkoholfreie Weizen nach so einem Lauf besonders gut.  Vielleicht werde ich ja mal als Werbefigur für Erdinger entdeckt …

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Nach ausgiebiger Verschnauf-Genuss-Umziehpause machen wir uns dann – ein Hoch auf die U-Bahn – auf den Rückweg ins Hotel. Christoph und Marc ignorieren sogar die Rolltreppen … meinen Ruf, dass sie dann ja durchaus noch etwas schneller hätten laufen können, findet allerdings auch kein Echo.

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Das war es also, das Projekt Düsseldorf-Marathon. Auch am Tag danach würde ich nicht sagen, dass ich nochmals so ein intensives Trainingsprogramm durchziehen werde – auch wenn ich die drei Stunden knacken könnte, wenn wirklich alles passt.

Heute früh die leicht schmerzenden Beine drei Kilometer beim Auslaufen bewegt.

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Nun freue ich mich auf entspannte Landschaftsläufe. Ich werde mich wieder einmal in der Woche dem Lauftreff anschließen. Und dann gibt es natürlich noch ein ganz besonderes Event, dass mich jetzt davon ablenkt, dass dieses persönliche Laufprojekt nicht ganz erfolgreich geendet hat: der Freundschaftslauf am kommenden Sonntag.  Vor allem freue ich mich auf den lieben Besuch, der sich dazu angekündigt hat.

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