Harakiri oder die Lust am Leiden

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Es war ruhig hier in den vergangenen Tagen. Das hatte mit einem Kurzurlaub in den Bergen zu tun, bei dem ich ganz bewusst auch Urlaub von den sozialen Medien genommen habe. Für die aktuelle Laufkolumne brachten die Tage im Zillertal zumindest eine Inspiration. Mir haben sie den heftigsten Muskelkater seit Jahren eingebracht. Aber so ist es halt, wenn man mit seinem 19-jährigen Neffen unterwegs ist, der gar nicht genug Kilometer auf und neben der Piste sammeln kann.

Die Lust am Leiden

 

Eifrigen Läufern wird von eher unsportlichen Zeitgenossen häufig ein gewisser Hang zu Masochismus vorgeworfen. Manchmal geschieht das nicht einmal zu Unrecht. Denn vor allem Ul?traläufer streben auf Distanzen von weit mehr als 42 Kilometern auch danach, sich selbst und den Schmerz zu überwinden. Wer sich an den dramatischen Zugspitzlauf 2008 erinnert, bei dem der heftige Wetterumschwung zwei Tote und mehrere Verletzte zur Folge hatte, dem kommt vielleicht sogar der Begriff Harakiri in den Sinn. Schließlich grenzt es an den Versuch der rituellen Selbsttötung, bei solch eisigen Wetterbedingungen nur leicht bekleidet in den Bergen unterwegs zu sein, .
In Winterbekleidung und mit Ski unter den Füßen haben Adrenalinjunkies übrigens auch in den Zillertaler Alpen die Möglichkeit, Harakiri zu erleben. In der Regel überleben sie das Befahren dieser mit bis zu 78 Prozent Gefälle steilsten präparierten Piste Österreichs, wenn auch manche nach einem Sturz einige Hundert Meter der Abfahrt im Höchsttempo auf Rücken oder Bauch hinunterstürzen. Aber das ist eine andere Geschichte …
Das „normale“ Laufen in den Bergen macht jedenfalls mächtig Spaß. Und wenn keine Alpen in der Nähe sind, dann genügen auch die etwas flacheren Steilhänge von Eifel und Hunsrück, um außer Atem und konditionell an die Grenzen zu kommen.
Wie man Anstiege für ein effektives Training nutzt, ist nur einer von vielen Aspekten bei „Der TV bewegt!“. Für den Vorbereitungskurs auf den Trierer Stadtlauf können sich Abonnenten derzeit wieder bewerben. Auch Anfänger und Wiedereinsteiger sind dabei richtig. Denn um Harakiri geht es nicht. Allerdings sollte sich kein Teilnehmer beschweren, wenn ihm von weniger sportlichen Zeitgenossen schon bald eine masochistische Ader nachgesagt wird.

Für alle, die Spaß an Fotos aus den Bergen haben, hier eine kleine Auswahl aus dem Zillertal:

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Ich kann es noch!

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Als bekennender Liebhaber der Berge musste es endlich einmal wieder sein: Skifahren in den Alpen, genauer gesagt im Osten Österreichs. Obertauern war das Ziel von vier schönen Tagen mit meiner Schwester und deren Familie. Das Wetter war bis auf den letzten Tag zwar sehr winterlich. Dafür war der Schnee weich und tief. Steep an Deep, hätte ich in meiner noch wesentlich aktiveren Skifahrerzeit als Motto für diesen Tripp genannt. Und dass es nicht zu wenig davon wurde, dafür sorgte mein nach Varianten süchtiger Schwager.

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Viiiieeel Tiefschnee und steile Abfahrten durchs sichere Gelände. Bei schlechter Sicht in Baumnähe und unter den Sesselliften. Am letzten Tag bei prächtigstem Sonnenschein überall, wo kein Lawinenwarnschild den Weg versperrte. Besonders an der Gamsleitenspitz – angeblich eine der drei steilsten Abfahrten in Österreich – und am Seekareck.

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Fotos von Schneefall und schlechtem Wetter erspare ich Euch weitgehend. Auch die Fotos vom Après-Ski, die unbedingt unter privatem Verschluss bleiben müssen …

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Ski fahren kann ich noch. Soll ich es sagen? Ja, es ist bei guten Bedingungen sogar noch schöner als das Laufen. Vor allem, wenn es steil und pulvrig wird. Mit den breiten Schaufeln der Carvingski ist das alles zudem weitaus weniger anstrengend als zu den Zeiten, als noch 195 Zentimeter lange und gerade Latten unter die Füße geschnallt waren.

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Neue Skischuhe habe ich mir bei der Gelegenheit übrigens auch geleistet, nachdem meine  treuen Schalen vor zwei Jahren zerbrochen sind. Und der Schuhdealer im Freudenhaus – so heißt tatsächlich das bestens sortierte Sportgeschäft in Obertauern – hat aus dem Keller für meine schlanken Füße tatsächlich die passenden gelben Schnallenknaller hervorgeholt. Jetzt kleben die Ski quasi wieder an den Fußsohlen und reagieren auf jede Bewegung.

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Eine schöne Tauernrunde mit insgesamt 6225 Höhenmetern am sonnigen Samstag. Welch ein Glück, durch das Laufen über eine so gute Kondition zu verfügen …

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Mit dem Training für den Düsseldorf-Marathon geht es dann am Montag weiter. Zumindest die Kraft dürfte unter den Tagen auf den Ski nicht gelitten haben.

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Sonniges Trio!

Keine Sorge! Ich bin weder beim Laufen verloren gegangen, noch habe ich mich verletzt. Die Funkstille auf meinem Blog ist alleine einer Verschnaufpause geschuldet, die ich mir mit meinen Jungs gegönnt habe.

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Zwei Tage in den Vogesen. La Bresse-Honeck ist als Skigebiet für eine solche Kurztour ausreichend, wie sich gezeigt hat. 3,5 Stunden Anfahrt ist dann auch verkraftbar, besonders, wenn das Skigebiet über dem Hochnebel liegt und zwei Tage die Sonne lacht. Eine sehr schöne Männertour. Die Mama musste leider arbeiten.

Hier also einige Impressionen. Mehr Fotos von meinen Jungs zeige ich nicht. Das sollen sie selbst tun, wenn sie es wünschen.

DSC04507 DSC04537 DSC04544 DSC04560 DSC04564 DSC04572 DSC04579 DSC04589 DSC04591P.S.: Mein Jüngster hat sich leider eine dicke Erkältung eingefangen. Er musste heute das Bett hüten. Nur falls hier einer seiner Lehrer mitlesen sollte 😉

 

Am Limit

Wieder Dienstag, wieder eine Trainingseinheit im Stadion Weißhauswald. Viel los auf der Bahn, da alle drei Gruppen von „Der TV bewegt!“ an diesem Abend Runden abspulen.

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Wobei Abspulen nicht das richtige Wort ist, denn zumindest für die 10er und die Halbmarathonis geht es nach den Aufwärmrunden flott zu Sache: Intervalltraining steht an. Für die von Marc Kowalinski akribisch betreuten 10er heißt die Devise, jeweils über 400 Meter schnell zu sein. Unsere, von Jens Nagel gecoachte Langstrecklergruppe muss da natürlich einen draufsetzen: 8 x 800 Meter in GA2-Tempo, dazwischen jeweils 400 Meter traben.

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Zum ersten Mal die Mizuno Wave Inspire 9 10 an den Füßen. Wie immer etwas ungewohnt bei neuen Schuhen, aber das Gefühl ist schnell angenehm bzw. ich spüre sie gar nicht mehr. Das ist immer das beste Zeichen, dass ein Schuh gut passt.

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Und dann geht es auf die schnellen Runden. Tempo 3:55 Minuten/km. Das bin ich vor zwei Jahren schon mal über zehn Kilometer gelaufen. Von der damaligen Schnelligkeit bin ich aber ein ganzes Stück entfernt. So wird dieses Training ziemlich anstengend, eine Einheit am Limit, die aber trotzdem und vor allem deshalb Spaß macht, weil ich mit Claudia und Frank zwei Sparringspartner habe. So können wir uns in der Führungsarbeit abwechseln und gegenseitig motivieren.

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Während die Einsteigruppe mit Therabändern experimentiert und ganz offensichtlich viel Spaß hat, kommt der Spaß bei uns vor allem, als die achte Tempoeinheit zu Ende ist und sich die Schweißporen endlich nicht mehr zurückhalten müssen. Das suppt.

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Aber weil heute Dienstag ist und auf dem Trainingsplan vermerkt ist, dass Isomatte und Blackroll an diesem Abend auch eine Rolle spielen, gibt es noch eine schöne Rumpfstabi-Einheit obendrauf. Trainer Jens macht’s vor, während die Wolken am Himmel immer dunkler werden, und die angestrengten Stöhnlaute der gymnastizierenden Damen und  Herren immer häufiger. Aber gemeinsam ist auch das durchzustehen.

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Nur ein paar Tröpfchen fallen vom Himmel. Da lässt sich im schwindenden Tageslicht noch gemeinsam ein alkoholfreies Bierchen genießen. Danke an die Brauerei aus Bitburg, die uns die Erfrischung spendiert hat.

 

Im Test: Adidas Supernova Riot 5

5-DSC05698Premiere mit Adidas. Bislang hatte ich noch keinen Laufschuh vom Hersteller aus Herzogenaurach. So war es also ein Experiment, als ich den Adidas Supernova Riot 5 aus dem Schuhkarton befreite und zum ersten Mal seinem Zweck zuführte: dem Laufen im Gelände.

Der Schuh: Auf den ersten Blick wird klar, wozu dieser Schuh gemacht ist. Spaß im Gelände soll er bringen. Mit 340 Gramm ist er zwar kein Leichtgewicht. Aber bei einem stabilen Geländeschuh ist das zu tolerieren.

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Optisch kommt er seriös daher, der Riot. Schwarz überwiegt, korrespondierendes Weiß und silberfarben die unvermeidlichen drei Streifen. Als farblicher Kontrast dazu die orange Sohle dort, wo sie besonders stabil sein muss. Ein schöner Schuh, ohne Zweifel. Dazu tragen auch die gut haltenden Schnürsenkel und das im dezenten Wabenmuster  gehaltene Meshgewebe bei.

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Die Sohle: Das Continental-Logo ziert das schwarze Sohlenelement, signalisert maximalen Gripp. Und tatsächlich lässt sich daran nichts ausetzen. In jedem Gelände und bei jedem Wetter gibt der Riot Halt, auch bei Nässe auf Asphalt, wo er allerdings nicht wirklich hingehört.

Besonders auffällig ist die hinten überstehende Formotionsohle, die vermutlich auch den heftigsten Fersenläufern ein weiches und sicheres Auftreten ermöglicht. Mit seiner relativ hohen Sprengung begünstigt der Schuh das robuste Auftreten sowieso. Aber auch das ist typisch für einen stabilen Laufschuh, erst recht, wenn er fürs Gelände gemacht ist.

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Die Passform: Adidasschuhen wird nachgesagt, sie seien im Vorderfußbereich grundsätzlich schmal. Für den Riot 5 trifft das nicht zu. Ich empfinde ihn zum Beispiel deutlich geräumiger als die vergleichbaren Fujitrabuco von Asics. Mein bisheriger Lieblingstrailschuh hat also einen ernst zu nehmenden Konkurrenten bekommen. Besonders angenehm und auf den ersten Blick auffallend ist der tiefe Ausschnitt im Bereich der Knöchel. Da scheuert nichts. Der Fuß bleibt sehr beweglich und dennoch stabil gestützt. Für Überpronierer wie mich leider ein Muss. Wobei die von einem organgefarbenen Zugband gekrönte Fersenkappe hoch und fest anliegt – angenehm.

Der Praxistest: Ja!!! – Ein Schuh fürs Gelände, eindeutig. Kurze Passagen über Asphalt müssen auch mal sein. Das ist dann natürlich ein Kompromiss. Aber auf Schotter, Erde, Steinen, Splitt zeigt der Riot eindeutig seine Stärke – bei jedem Wetter. Und dank luftigem Mesh-Obermaterial gilt das sogar für warme Tage.

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Mein Fazit: Das Experiment Adidas ist geglückt. Ich werde bei Gelegenheit sicher auch mal einen Straßenschuh mit drei Streifen ausprobieren. Wer einen stabilen und gut profilierten Trail- und Geländeschuh sucht, ist mit dem Riot 5 in jedem Fall gut bedient.

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Vielen Dank an keller-sports für die Möglichkeit, diesen neuen Schuh zu testen.

 

Begegnungen und ein Rückwärtsläufer

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Drei Tage nach dem Marathon Firmenlauf in Trier. Im Team unseres Medienhauses darf ich natürlich nicht fehlen. Da hätte mein Ruf doch ziemlich Schaden genommen. Also stehe ich am Mittwochabend um 19.30 Uhr mit 1200 anderen, gut gelaunten Frauen und Männern auf der Straße vor der Arena Trier und warte darauf, dass es los geht.

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Thomas Dold ist da, der Weltrekordler im Rückwärtslaufen und Schnellstwolkenkratzerbezwinger, einmal mehr. Denn er gehört schon fast zum festen Team des Silvesterlaufvereins, der diesen ersten reinen Firmenlauf in der Stadt organisiert hat. Die Stimmung ist entspannt, auch wenn bei so vielen sportbegeisterten Menschen, die endlich laufen wollen, die Luft zu knistern beginnt.

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Die Hände zum Himmel. Rythmisches Klatschen.  Der Sprecher schickt Dold und seinen radelnden Begleiter Norbert Ruschel auf die Strecke. Zwei Minuten bekommt er Vorsprung, bevor die Meute losgelassen wird. Er wird es nicht schaffen. Mark Kowalinski und Florian Neuschwander bilden ein rasendes Doppel und holen ihn noch vor der Porta Nigra ein.

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Woher ich das weiß? Ich habe mich nach dem Lauf, der für mich ziemlich entspannt war, mit ihm unterhalten. Ein sympathischer Typ, der sich kaum mehr einkriegte, als er den Namen meines Laufblogs hörte. Ich bin gespannt, ob er hier auch mal vorbeischaut.

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Die Zeit, die Thomas rückwärts gelaufen ist, haben die meisten der Starter auch im Vorwärtsgang nicht geschafft. 21:30 ist ja auch eine Hausmarke. Aber auf Tempo kam es für den Großteil der Teilnehmer nicht an. Spaß sollte es machen.

1. Bitburger-Firmenlauf Trier

Foto: Holger Teusch

Mission erfüllt – auch meine persönliche Mission als Pacemaker für meinen Kollegen Olli, der 25 Minuten laufen wollte. Nettozeit 24:58, da hat der Tempomat mal wieder gut funktioniert.

1. Bitburger-Firmenlauf Trier

Foto: Holger Teusch

Und die Beine haben auch gut mitgemacht. Das war kein Problem. Danke an Holger Teusch für die beiden Fotos von mir. Sieht aus, als hätte es Spaß gemacht.

Hier die Ausbeute meiner kleinen Laufrunde durch Trier. Die Kamera war natürlich wieder dabei. Wer noch mehr Fotos sehen will, findet die auf dem Laufportal: www.laufen.volksfreund.de