Über sieben Brücken

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Nachsorgetermin im Brüderkrankenhaus. Drei Fäden, die drei Löcher im Bauch nach der OP verschlossen haben, kommen raus. Alles heilt gut, so fühlt es sich an und wird auch von der behandelnden Ärztin bestätigt. „Sie sollten noch keinen vollen Getränkekasten heben, aber ein halber geht schon.“ Bei dieser Gelegenheit lasse ich mir den Operationsbericht geben. Denn besonders interessiert mich natürlich, in welchem Ausmaß neben der Appendix-Entfernung auch die Lösung von Verwachsungen eine Rolle gespielt hat.

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Meine sechsmonatige Krankengeschichte erinnert mich an das Lied von den sieben Brücken. Wie passend ist da doch die Illustration mit Fotos von der Geyerslay-Hängebrücke, die mit 350 Metern Länge als noch neue Attraktion Naturliebhaber und schwindelfreie Spaziergänger in den Hunsrück lockt. Auf dem Rückweg vom Kaltwasser-Geysir in Andernach hatten wir noch diesen lohnenswerten Umweg gemacht, der letztlich mehr beeindruckt als der künstlich erschaffene Wasserspeier.

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Sieben Brücken also: Urologe, Osteopath, Sportmediziner, MRT-Untersuchung, Internist, Krankenhaus-Sonografie, Operation … Das sind die sieben Brücken, über die ich im übertragenen Sinne gehen musste. Der frühe Verdacht meines Osteopathen, der „die Appendicitis mit ins Spiel gebracht“ hat, schaffte es sogar in den OP-Bericht, der natürlich auch die Indikation, also den Anlass für den Eingriff, detailliert beschreibt.

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Herr Verfürth wird stolz darauf sein, dass sein Verdacht letztlich tatsächlich zugetroffen hat. Zumindest in der zweiten Hälfte meiner Beschwerdezeit hatten sich die Schmerzen immer mehr in Richtung Unterbauch verlagert. Dass eine Schambeinentzündung vorhanden war, wie der MRT-Befund lautete, ist trotzdem nicht zu verleugnen. Darauf hatten auch die Adduktoren-Probleme im März und April hingedeutet.

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Mehrere sich überlagernde Probleme erklären die wandernden Schmerzen. Vor allem froh war ich nach der Operation allerdings, als mir der Chirurg mitgeteilt hat, es seien auch Verwachsungen des Dünndarms gelöst worden. Denn das könnte nach meinen Vorstellungen die Ursache für die zeitweise schneidenden Schmerzen in der Leistengegend gewesen sein. Auf meine Nachfrage hat mir das die Ärztin bei der Nachsorgeuntersuchung auch als Möglichkeit dafür bestätigt.

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Was wurde also gemacht? Der Operationsbericht gibt Aufschluss: „Man sieht Adhäsionen im Bereich des rechten Unterbauches. Das terminale Ileum ist am Beckeneingang durch Adhäsion fixiert. Das terminale Ileum ist dadurch lang gestreckt am Retroperitoneum adhärent.“ Fachchinesisch? Dünndarm am hinteren Beckenkamm festgewachsen –  verursacht Schmerzen, besonders bei gefülltem Darm. „Vollständige Lösung der breitflächigen Verwachsungen“ – das ist der Satz, aus dem ich – postoperativ 😉 – Optimismus schöpfe.

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Morgen werde ich einige noch vorsichtige Bahnen im Nordbad wagen. Das ist von ärztlicher Seite erlaubt und sollte keine Beschwerden machen. Wenn auch noch diese Hürde geschafft ist, kann es nur noch bergauf gehen. Ab Oktober werde ich dann hoffentlich auch wieder beschwerdefrei laufen.

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Dann wird der Traum von Touren wie dieser wieder wahr.

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Über sieben Brücken musst Du geh’n … sieben dunkle Monate überstehen. Siebenmal wirst Du die Asche sein, aber einmal auch der helle Schein …

Zu Besuch bei Karl

Karl der Große ist mir schon als Kind begegnet. Auf der Alten Mainbrücke in Würzburg steht er als eine der Brückenfiguren seit einigen hundert Jahren und blickt würdig auf alle, die da über die Pflastersteine die Flussseite wechseln.

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Über seinen Vater habe ich mich als Schüler, der das nur wenig entfernte Deutschhausgymnasium besuchte, allerdings eher lustig gemacht. Pippin der Kurze … na ja, ich konnte schließlich nicht wissen, dass dieser Beiname darauf bezogen war, dass er in der Wortwahl eher kurz angebunden gewesen sein soll.

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Solche Dinge erfährt man von einem guten Gästeführer wie Rolf Schnier, der in Aachen höchst kenntnisreich durch das historische Rathaus geleitet, also jenem Ort, an dem der Karlspreis verliehen wird und dessen Vorgängerbau Anfang des 9. Jahrhunderts nach dem Vorbild der Konstantin-Basilika in Trier errichtet worden war.

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Sage und schreibe 600 Jahre lang haben dort und in seinem Nachfolgebau die deutschen Könige nach ihrer Krönung im benachbarten Dom Hof gehalten. Und alles hat mit Karl begonnen, der nicht nur groß an Körperwuchs war.

DSC01500Der erste gekrönte Karolinger gilt bis heute auch als einer der größten und weitsichtigsten Männer der Weltgeschichte, gab er doch fast ganz Europa einen gemeinsamen Wertekodex, Bildung und eine einheitliche Währung. Der Denar war der einzige legitime Vorgänger des Euro.

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Dass ein Arbeiter eine Denarmünze im Jahr 789 in einer Baugrube verloren hat, belegt den Baubeginn des heutigen Karlsdoms, der als Marienkapelle zu der großen Pfalzanlage gehörte, mit der sich der für damalige Verhältnisse schon betagte Karl den baulichen Mittelpunkt seiner zukünftigen Herrschaft errichten ließ.

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Es waren wohl die heißen Quellen von Aquis, die dem von Gicht und durch das viele Reiten malträtierten Körper von Karl so viel Linderung brachten, dass er sich dort niederließ und den Grundstein für einen Personenkult legte, der bis heute die schöne Stadt mit Touristenströmen versorgt.

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Als der erste Kaiser des Abendlandes am 28. Januar 814 seinen letzten Atemzug getan hatte, wurde er umgehend in seiner Palastkirche beigesetzt. Gästeführer Rolf Schnier erklärt das mit der Cleverness der Aachener Ratsherren. Sie wollten die Gebeine des großen Karls für die Stadt sichern, auch mit Blick auf die absehbare Heiligsprechung und die Zukunft als Wallfahrtsstätte.

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So geschah es dann auch. Im vergoldeten Schrein der im 19. Jahrhundert bunt gestalteten Kirche – erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist es Dom und Bischofssitz –  liegt allerdings heute ein reichlich unvollständiges Knochengerüst.

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Wer den Beweis dafür sehen will, der muss nur in die benachbarte Schatzkammer gehen und dort einen genaueren Blick auf die goldig glänzenden Ausstellungsstücke werfen. In der Armreliquie stecken tatsächlich Elle und Speiche von Karl. In der berühmten Karl-Büste ist seine durch die Küsse der nachfolgenden Könige und Kaiser glänzend polierte Schädeldecke eingelassen.

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Da die Krone für eine Ausstellung verliehen ist, lässt sich das knöcherne Schädelfragment derzeit sogar mit Hilfe eines Spiegels betrachten. Ein wenig gruselig ist das schon. Aber wir können heutzutage vermutlich nicht mehr wirklich verstehen, wie die Menschen seinerzeit tickten. Die verehrten auch die vermeintlichen Gürtel von Jesus und Maria und einen original Geißelstrick von der Peinigung des Gottessohns.

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Da Karl als Heiliger nie vom Papst offiziell anerkannt wurde, gilt er heute nur noch als Regionalheiliger. Über die vielen Gäste in seinem zur hübschen Universitätsstadt und Kurort mutierten (Bad) Aachen würde sich der alte Herr, dessen Großvater übrigens Karl Martell war, sicher freuen.

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Da gibt es nun interessante Einkaufsstraßen, viele Brunnen und Skulpturen, die zum Beispiel den kleinen Finger zum Aachener Gruß spreizen,

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oder den Kreislauf des Geldes darstellen.

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Die Aachener Printen hätten ihn vielleicht nicht gereizt, die es an jeder Ecke zu kaufen gibt. Anders wäre es vermutlich angesichts der vielen hübschen Gelegenheiten zum Tafeln oder Zechen gewesen.

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Vor allem vor dem im zweiten Weltkrieg stark beschädigten und danach wieder aufgebauten Rathaus tummeln sich auch Nachts die Menschen. Kein Wunder, die Technische Universität liegt schließlich nur einen Steinwurf davon entfernt.

Der weiße Saal ist sicherlich zudem einer der schönsten Räume für Paare, die sich trauen wollen. Freitags geht es deshalb im Rathaus zu wie in einem Taubenschlag.

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Im mächtigen Krönungsfestsaal ist von Betriebsamkeit allerdings nur zu ausgewählten Gelegenheiten etwas zu spüren, zum Beispiel bei der Verleihung des Karlspreises an Persönlichkeiten, die sich um Europa besonders verdient gemacht haben.

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Dann ist es vielleicht ein wenig so wie 1520, als Karl V. hier – wie alle seine Vorgänger – sein Krönungsfestmahl hielt, oder wie zur Jahreswende 804/805, als Papst Leo III. in Aachen weilte. Was Napoleon und Lord Sandwich mit Aachen und seinem Rathaus zu tun hatten, ist eine andere Geschichte.

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Und auch die Erzählung vom Teufel, der beim Bau des Doms ausgetrickst wurde, wird hier angesichts der bereits enormen Länge dieses Blogeintrags nicht mehr verraten. Das goldige Tintenfässchen, das diese Legende zeigt, ist allerdings bis heute in Gebrauch: bei allen Einträgen ins Goldene Buch der Stadt.

Würzburg – zu schade …

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Auch wenn mir nach wie vor nicht wirklich die große Motivation packt, wieder regelmäßig in der Bloggerwelt aktiv zu sein. Die Langzeitverletzung fordert leider ihren Tribut. Die Tage in meiner alten Heimatstadt waren einfach zu erlebnisreich und schön, um nicht in einigen Fotos dokumentiert zu werden.

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Ich will nicht zu viel schreiben, empfehle aber sehr „111 Orte in und um Würzburg, die man gesehen haben muss“, einem etwas anderen Tourismusführer. In dem stehen nicht nur selbst für Einheimische interessante Dinge, die sie bislang nicht wussten. Das Büchlein enthält auch Tipps für das Umland, wie zum Beispiel dem Einsiedel im Gramschatzer Wald, wo ich schon als Kind häufig über riesige hohle Baumstämme geklettert bin.

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Die sind zwar nicht mehr vorhanden. Dafür hat sich das Gasthaus im wunderbar grünen Wald zu einem echten Erlebniszentrum entwickelt, mit einem Lehrpfad für alle Sinne, Kletterpark, einem Naturerlebnishaus und natürlich viel Wald.

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Bier und Radler im Steinkrug gibt es in dem Biergarten natürlich auch. Auch wenn Thüngener Bier bei den Einheimischen in Rimpar doch eher für Stirnrunzeln sorgt.

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In Würzburg, das uns nach längerer Zeit auch mal wieder Nachts verzaubert hat, wird allerdings überwiegend Würzburger Hofbräu ausgeschenkt.

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Nich vom Faun am Steinbäck-Brunnen. Aber zum Beispiel in den Biergärten am Mainkai, die immer wieder ein Erlebnis sind, besonders die lange Promenade mit der Kaimauer, die an schönen Tagen die beliebteste Sitzbank in der Stadt ist.

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Manche wagen sich sogar in den Main, aber das sorgt bei den Zuschauern doch eher für Kopfschütteln.

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Der schönste Platz jenseits des alten Mainkrans, um einen Schoppen Wein zu trinken, ist allerdings die alte Mainbrücke, die sich damit rühmt, die älteste Steinbrücke weit und breit, vielleicht sogar in Deutschland zu sein. Das mag ich allerdings nicht so recht glauben.

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Wer in einer Stadt mit 56 Kirchen ist, muss natürlich auch einige davon nicht nur von außen sehen.

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Der Würzburger Dom in Verlängerung der ehrwürdigen Brücke, die vor einigen Jahren für den Autoverkehr gesperrt wurde, ist wie die gesamte Innenstadt am 16. März 1945 bei einem katastrophalen Bombenangriff weitgehend zerstört worden und präsentiert sich nach dem Wiederaufbau eher schlicht.

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Im in Weiß gehaltenen Innern erinnern aber der Altarraum und die Grabplatten und Figuren der Würzburger Bischöfe an die alte Pracht. Würzburg gilt schließlich als ein Juwel der Barockzeit.

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Bildhauer, Ratsherr und Bürgermeister Tilman Riemenschneider gilt als der größte Figurschnitzer seiner Zeit. Die beiden dunklen Bildnisse im Vordergrund stammen aus seiner Hand. Besonders beachtenswert ist dabei, dass er den 100-jährigen Mützenträger im Vordergrund tatsächlich wahrheitsgemäß und nicht idealisiert dargestellt hat. Das erzählen zumindest die Domführer, die nichts dagegen haben, wenn man sich mal für ein paar Minuten der Führung anschließt.

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Ein Besuch bei den Frankenaposteln nebenan in Neumünster muss auch sein. Kilian, Kolonat und Totnan – Missionare aus dem schönen Irland – wurden erschlagen und unter dem einst an diesem Ort stehenden Pferdestall verscharrt, weil sie ihrem Gastgeber nahe gelegt haben, sich von der eigenen Schwägerin zu trennen. Dieser hat das gar nicht gefallen und die Liebesspielverderber meucheln lassen.

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Jetzt werden ihre heiligen Knochen – die Schädel liegen im Dom – einmal im Jahr durch die Stadt getragen. Dann ist Kiliani, als Volksfest auf der Talavera, dem größten Parkplatz der Stadt, der an die Mainwiesen grenzt, wo einmal im Jahr das Afrikafestival tobt.

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Auch das steht natürlich auf dem Programm dieses langen Wochenendes. Milliuuunen Leut‘ würden die Trier sagen und damit ausnahmsweise auch fast recht behalten. Denn es braucht tatsächlich Immunität gegen Platzangst, um sich in diesem Getümmel zwischen Zelt, Bühne, Basar- und Essständen wohl zu fühlen.

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Damit es aber nicht zu bunt wird, noch einige Fotos von barocker Kultur.

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Zum Beispiel die Marinekapelle und das Faltenhaus Marienkapelle und das Falkenhaus auf dem Oberen Markt. Die Stände davor gehören übrigens zum Würzburger Weindorf, das zum Genuss von Silvaner, Ortega und Müller-Thurgau einlädt.

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Grauen Burgunder gibt’s wohl auch, wie der zum Kerzenständer umfunktionierte Bocksbeutel beweist. Das Wappen darauf gehört übrigens zu Fürstbischof Julius Echter, nach dem auch ein Weizenbier und natürlich das Spital benannt ist, das er auf einem ehemaligen jüdischen Friedhof errichten ließ. Der Wohltäter seiner Glaubensbrüder hatte wenig Nachsicht für Protestanten und Andersgläubige. Die Hexenverbrennung nahm unter seiner Herrschaft an Fahrt auf.

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Aber davon erzählen heute die Nachtwächter, die Touristen und Einheimische vom Vierröhrenbrunnen aus durch die Stadt führen, mit eine Schmunzeln, na ja, vielleicht nicht wirklich. Aber mit erhobenem Zeigefinger.

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Zum Beispiel vor dem Riemenschneiderhaus (rechts hinten) und dem Gebäude, in dem einst Balthasar Neumann lebte, der als Barocker Baumeister manches wunderbare Gebäude schuf.

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Aber davon gibt es dann vielleicht beim nächsten Mal Fotos. Denn meine alte Liebe zu dieser Stadt ist wieder erwacht, Dazu benötige ich nicht einmal ein Liebesschloss, wie sie massenhaft an den alten Metallringen und Ösen der alten Mainbrücke hängen, an denen früher mal die Pferde festgebunden wurden.

P.S.: Ein Tipp noch, der auch zu den 111 Orten gehört, die man besucht haben sollte: Knüpfings Geknickte, wer die beste Bratwurst des Frankenlandes probieren will, muss sich auf dem unteren Markt anstellen, immer.

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Aber danach strahlt die Familie – garantiert!

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Und geschrieben habe ich nun auch wieder viel mehr als ursprünglich geplant …

Noch ein Stück Auvergne

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Nachdem ich heute ein schon länger vereinbartes Date mit meiner Hautärztin hatte, hat sich das mit neuen Lauffotos erledigt. Nur so viel: es war ein einschneidendes Erlebnis. Aber zum Glück verfüge ich ja noch über einen Fundus von schönen Impressionen aus der Auvergne.

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Da war zum Beispiel eine wunderbare Wanderung mit meinen Jungs zu, auf und in den grünen Vulkanen, bei denen ich immer an das Volvic-Mineralwasser denken muss. Denn vor vermutlich mehr als 20 Jahren ließen die Werbemacher kleine Kinder als Feen in einem der Krater herumhüpfen.

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Gehüpft bin ich nicht. Und Flügel hatten wir auch keine. Das hätte manchen Anstieg viel leichter gemacht, was ich gar nicht gewollt hätte, bei meinen Jungs aber durchaus Entzücken erzeugt hätte. Wobei, über Landschaft zu fliegen, muss grandios sein. Aber auch so sind die Eindrücke sehr schön. Seht selbst:

Übrigens wäre dieser Teil der Auvergne ein Paradies für Läufer, wenn denn welche dort unterwegs wären.

Projekt Moselsteig

Heute früh war prima Laufwetter. Da ich aber heute Abend ein Date mit dem Lauftreff habe, geht es eben auf die Gymnastikmatte. Lauftreff ist auch deshalb wichtig, weil ich mit Christoph und Marc die letzten Abstimmungen für unser Projekt am Wochenende treffen will. Wir haben uns da etwas besonders Hübsches überlegt – das Urheberrecht hat Marc: Zwei Tagesetappen auf dem Moselsteig, einem der drei großen Weitwanderwege in unserer Region.

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Übernachtung ist in Traben-Trarbach gebucht, also wird dort auch das Zwischenziel sein.  Davor und danach warten jeweils um die 40 Kilometer, die von uns erlaufen werden wollen. Geplanter Start am Samstag um kurz nach 9 Uhr in Bullay. Geplante Zielankunft am Sonntagnachmittag in Mühlheim. Dazwischen jede Menge schöne Kilometer mit prächtigen Ausblicken und reichlich addierten Höhenmetern.

Die Wettervorhersage könnte nicht besser sein. Wolken und viel Sonne bei bis zu 23 Grad. Wenn es wie versprochen am Donnerstag und Freitag regnet, wird der Pfad zudem schön weich sein. Da kribbeln doch direkt die Beine. Ich hoffe nur, das tolle Wetter wird nur so viele Wanderer auf den Moselsteig treiben, dass das Laufen dort noch genussvoll möglich ist.

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Wer Lust hat, sich ein Stück anzuschließen, ist herzlich eingeladen. Unser Zug kommt um 9.03 Uhr in Bullay an. In Traben-Trarbach starten wir am Sonntag vermutlich ebenfalls gegen 9 Uhr an der Alten Lateinschule.

Genug ist nicht genug!

Genug ist nicht genug! Diese Zeile von Konstantin Wecker kommt mir gerade in den Sinn. Eine erlebnisreiche Woche im Norden der Republik bei lieben Freunden liegt hinter mir und meiner Familie. Viele Gespräche, Erlebnisse, Ausflüge, unzählige Schritte in Fußgängerzonen großer Städte. Keine verschwendete Stunde, über die Christian in seinem aktuellen Blogeintrag philosophiert, keine einzige.

21-DSC03728Damit dies auch für die Besucher und Freunde meines Blogs so bleibt, soll sollte dieser Eintrag nicht zu langatmig werden. Dabei könnte ich so viel erzählen und sooo viele Bilder zeigen.

01-DSC03642Da sich hier die Inhalte überwiegend mit Laufthemen befassen, beginne ich in Oldenburg, wo wir für ein Wochenende die grenzenlose Gastfreundschaft von Volker und Jens genießen durften. Die Herzlichkeit der Aufnahme hat uns zwar nicht überrascht, da Herr Deichläufer ja bereits einige Male in Trier unser Gast war und uns inzwischen eine echte Freundschaft verbindet. Dennoch haben wir die Harmonie und Offenheit in dem schmucken Häuschen am Rande der Stadt als höchst angenehm empfunden. Wir haben viel geklönt, gelacht  und beim Stadtrundgang und dem Tagesausflug nach Bremerhaven die vielen sachkundigen Erläuterungen unseres Gastgebers geschätzt.04-DSC03651Bevor es aber in die wirklich sehenswerte Hafenstadt an der Wesermündung geht, steht  natürlich ein Lauf an. Unbedingt will ich Volkers Hausstrecke kennenlernen, von der ich schon so viel gelesen habe. Dank des frühen Starts um 8 Uhr laufen ein noch müder aber prächtig aufgelegter Gastgeber und ein freudig aufgeregter Moselfranke also der Sonne entgegen.05-DSC03653Ich habe keine Laufuhr mitgenommen, passe mich im Tempo meinem Führer an. So glaube ich jedenfalls, bis der immer häufigere Blicke von Volker auf seine Uhr signalisiert, dass wir das Tempo vielleicht doch etwas reduzieren sollten. Am Ende der 16 Kilometer ist  es für meinen Begleiter wohl dennoch eine flotte Tour. Da unser Redefluss aber nicht wirklich ins Stocken geraten ist, glaube ich ihm einfach mal nicht, dass es zu schnell war.

Oldenburg-RundeInteressant ist das Oldenburger Polderland. Ganz anders als das Umland von Hannover, das lauftechnisch doch ziemlich monoton und bretteleben mit ausschließlich langen Geraden daherkommt. Ausprobiert habe ich das einige Tage davor – na ja, um dort regelmäßig zu laufen, ist dort schon ein erheblicher Bewegungsdrang notwendig …

14-DSC03693An der Huntestrecke dagegen gibt es etwas zu sehen: Schöne Häuser mit Reetdächern. Deiche und Schafe. Interessant unterteilte Polderflächen, die bald wieder geflutet werden, durch die aber leider keine Wege führen. Lange Geraden gibt es natürlich auch. Es gibt sogar Steigungen! Damit auch die Südländer diese bemerken wird dann schon mal ein Schild aufgestellt  – sorry Volker, der musste sein 😉

03-DSC03650Der große Bornhorster See. Fotostopps, Deiche, Fluss, Kühe, Schafe …

09-DSC0367607-DSC0366706-DSC03662Und dann liegt sie vor uns, die Horrortreppe unter der Autobahnbrücke …

08-DSC0367110-DSC03678Für Intervalle taugt die prima. Es macht richtig Spaß, da im Stakkato hinaufzuwieseln.

11-DSC03682Wir begnügen uns allerdings mit einem Aufstieg und genießen vom Balkon unter der Brücke den Blick in Richtung Oldenburg. Keine wirkliche Skyline, weil die Menschen dort überwiegend in Ein- und Zweifamilienhäusern leben, wie Volker erklärt. Das mächtige Silo am Hafen markiert aber weithin sichtbar, wo die Stadt beginnt. Sogar ein Tankschiff tut uns den Gefallen,  gerade rechtzeitig für ein schönes Foto den Fluss herunterzutuckern.

12-DSC03691Danach einen guten Kilometer am Autobahndamm entlang auf wunderbar weicher Erde. Rechter Hand: weites Land. Für mich ist es inzwischen die längste Tour seit drei Monaten. Die Beine werden langsam schwer.

13-DSC03692Da auch Volker nun etwas einsilbiger wird, genießen wir die letzten zwei Kilometer eher schweigend und freuen uns beide, als wir uns nach knapp zwei Stunden abklatschen und die Vorfreude auf ein ausgedehntes Frühstück kurz vor der Erfüllung steht.

Für Bremerhaven – leider ohne die Begleitung von Jens – ist danach die Zeit fast schon ein wenig kurz. Volker fährt die Panorama-Strecke, mit Weserüberquerung per Fähre.

15-DSC03699Was sich in Bremerhaven zwischen Fischerei- und Industriehafen in – wie uns berichtet wurde – den vergangenen fünf Jahren getan hat, ist beachtlich. Hochwertige Architektur, interessante Ausstellungen, eine mehrere Kilometer lange Strandpromenade mit hoher Aufenthaltsqualität.

16-DSC03703Wir entscheiden uns für eine Hafenrundfahrt, die uns interessante Einblicke in diesen riesigen Umschlagplatz für Fahrzeuge und Offshore-Windkraftanlagen bietet.

17-DSC03708Autotransporter-Ungetüme, die mit 7000 Neuwagen im Bauch vier Wochen nach Japan unterwegs sind und dabei am Tag 60000 Liter Treibstoff verbrauchen.

20-DSC03714Trockendocks, die sogar Marinefregatten aufnehmen. Oder Schwertransportschiffe, die ganze Fähren für Afrika geladen haben. Und an Land zehntausende Neuwagen, die auf ihre Verschiffung warten oder nach Europa kommen, um in Bremerhaven für die Zielländer umgerüstet zu werden.

19-DSC0371318-DSC03711Die sicher atemberaubende Aussicht vom Congressgebäude bleibt uns leider verwehrt, da die dafür vorgesehene Besucherplattform augerechnet kurz vor unserer Ankunft wegen Wartungsarbeiten geschlossen wird. Der Blick auf den Hochsee-Containerterminal, wo bis zu 400 Meter lange Schiffe beladen werden, ist also nicht möglich. Wir sehen nur in der Ferne die vielen Kran-Türme.

22-DSC03734So bleibt auch mit dem Auswandererhaus, dem Strandzoo und dem Klimahaus, Schifffahrtmuseum und so weiter noch viel Sehenswertes für den nächsten Besuch.

Denn es wird sicher nicht die letzte Reise in den hohen Norden gewesen sein. Und wenn Volker und Jens bei ihrer Einladung bleiben, werden wir auch gerne wieder bei ihnen vorbeischauen.

Danke noch einmal! Es war schön bei Euch.