Weglaufen

… hilft in diesen Tagen nicht. Der verbrecherische Terror in Paris darf uns nicht lähmen. So überlege ich am Samstag nur kurz, ob es wirklich gut ist, in Langsur zu laufen. Vermutlich geht es vielen wie mir. Und vielleicht ist die Rekordbeteiligung von 2151 Finishern in Langsur auch das Ergebnis des Vorsatzes, dass wir uns von Terrorknechten des so genannten Islamischen Staates nicht einschüchtern lassen.

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Natürlich ist da immer noch das Entsetzen über die Taten, die Trauer über die Opfer und das Mitgefühl für deren Angehörige und Freunde. Aber es hilft, gemeinsam mit Freunden ein Zeichen der Normalität zu setzen.

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Die Antwort auf eine der drängendste Frage zum Deulux-Lauf gebe ich sofort. Die „Erlebnisduschen“ haben viel von ihrem Schrecken verloren. In den Duschzelten gibt es sogar Licht, das Wasser kommt warm und in ausreichender Menge aus den Duschköpfen. Aber auch das ist natürlich ein Gesprächsstoff in der Feuerwehrgerätehalle, die wie immer den Männern als Umkleide dient.

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Alle haben zehn Kilometer auf der welligen Strecke an der Sauer hinter sich gebracht, jeweils die Hälfte auf deutscher und luxemburgischer Seite. Alleine waren dabei nur die schnellsten Läufer unterwegs. Denn das Feld zog sich angesichts der Masse zwar schnell in die Länge. Gruppenbildung war aber jederzeit möglich. Und wer als flotter Läufer notgedrungen von weiter hinten starten musste, der konnte sich freuen, rekordverdächtig viele Mitstarter beim Überholen zu grüßen

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Rekordverdächtig war auch der Andrang bei der Startnummernausgabe in der Festhalle. Sogar der Start musste um 15 Minuten verschoben werden, damit alle es schafften, nach einer Schweigeminute mit Nummer auf die Strecke zu gehen. Auch für Dominik, Marc, Marcel und mich wurde es ein wenig knapp, obwohl wir sehr zeitig in Trier losgefahren waren. Dominik war nicht der Einzige, der sich in der Warteschlange umgezogen hat, für alle Fälle.

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Er hat sich dann auch ins vordere Starterfeld begeben, während wir anderen es gemütlicher angehen ließen, nachdem auch Christoph da war, der wegen einer abklingenden Erkältung kurzfristig nachgekommen war und sich nach dem Lauf auch sofort wieder auf den Weg nach Hause gemacht hat.

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Dass unser Lauftreffcoach trotzdem den Lauf ziemlich zügig angeht, überrascht mich ein wenig. Aber ich habe mir vorgenommen, ihn zu begleiten. Es stört mich auch nicht, denn ich profitiere von den vielen Tempodauerläufen für Frankfurt. In Langsur muss ich nicht einmal das gewohnte Tempo von 4:10 laufen.

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Als es Christoph auch nach vier Kilometern noch sehr gut geht, übernehme ich die Führungsarbeit und ziehe ihn auf eine 43er Zeit, mit der er sehr zufrieden ist.

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Bevor wir aber im Ziel sind, genießen wir die Musik an der Strecke …

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… erleben eine wie nie im Takt der Schrittfrequenz schwankende Hängebrücke bei Metzdorf und freuen uns, viele Bekannte auf der Strecke zu treffen.

 

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Zielsprint mit Christoph. Foto: Holger Teusch

Zwei Kilometer vor dem Ziel treffe ich auch Melanie wieder, meine flotte Begleiterin vom Wurzelweglauf. Ihre Aufforderung, ich möge sie doch pacen, muss ich zunächst mit dem Verweis auf meinen Begleiter ablehnen, der in einigen Metern Abstand folgt. Marc musste leider schon bei Kilometer fünf abreißen lassen. Aber Christoph hat noch Körner übrig. Und so ziehe ich tatsächlich für beide noch einmal das Tempo ein wenig an.

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Mein Freund hat sogar noch die Kraft für einen Endspurt, über den ich mich freue. Denn ich kann mithalten!

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Nach dem Duschen in hell erleuchteten Zelten ist der traditionelle Ausklang auf der Tribüne angesagt. Den obligatorischen Sekt, den die Liebe Grüße Langsur immer bei ihrer Veranstaltung spendiert, genießen wir natürlich. Das geht auch mit geschlossenen Augen. Dominik kann auch wieder freundlich schauen, obwohl er mit seiner 39er Zeit nicht zufrieden ist.

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Und dann verfolgen wir noch die vielen Siegerehrungen in allen Altersklassen bis M75. Es gibt Ziele, die es Wert sind, verfolgt zu werden!

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Bericht, Ergebnisse und mehr als 200 Fotos zum Lauf gibt es im Laufportal des Trierischen Volksfreunds. 

Zu viele Hammermänner

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Ich dachte, es wäre ein gutes Omen, dass meine Kollegin Katharina in der vergangenen Woche ihren Namen gewechselt hat. Das hat sie zwar nicht wegen mir getan. Aber de Mos ist vor einem Marathon dennoch besser als Hammermann, auch wenn sie selbst sich mit kürzeren Laufdistanzen begnügt. Ein Hammermann weniger war in diesem Fall allerdings nicht genug. Es gibt in Frankfurt einfach zu viele davon …

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Aber der Reihe nach: Eine Woche Küchenrenovierung ist vielleicht tatsächlich nicht das perfekte Tapering. Das merkte Coach Jens schon mit einem Augenzwinkern an, als er davon erfahren hatte. Na ja, tatsächlich ist es vermutlich nicht wirklich erholsam, fünf Tage lange bei Renovierung- und Aufbauarbeiten permanent auf den Beinen und Knien zu sein.

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So sind die Beine nicht ganz leicht, als ich mit meinem Schatz am Samstagmittag auf den Weg nach Frankfurt mache. Irgendwie ist es so unwirklich wie noch nie vor einem Marathon. Und dann soll es auch noch mein schnellster werden …

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Bevor wir im Hotel einchecken –  Hamburger Hof unmittelbar am Hauptbahnhof ist sehr zu empfehlen, wenn ich mir diese Anmerkung erlauben darf -, geht es erst einmal zum Messegelände, Startunterlagen abholen, Marathonmesse durchschlendern und Freunde treffen.

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Die Einen nur virtuell, weil sie höchst plakativ – hallo Jens, hallo Yvonne – für den Luxemburg-Marathon im kommenden Frühjahr werben.

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Die anderen live und in Farbe. Martin ist da, der es doch mit einem schnellen Lauf versuchen will, Frank, der froh wäre, nach 3:15 Stunden im Ziel zu sein, und der schnelle Dominik, der bei seiner Marathonpremiere „so etwas um die 2:50“ laufen will. Holla!

Flo Neuschwander kommt auch noch vorbei, der „Rockstar unter Deutschlands Läufern“, wie im aktuellen Runners Magazin zu lesen und zu sehen ist. Allerdings war dieser Bericht wohl schon vor Flos Mega-Ultraerfolg in den USA entstanden. Denn auf meine Frage, wo denn seine Piercings geblieben sind, antwortet er mit einem Grinsen, die habe ihm ein Bär in den Rocky Mountains abgeluchst. Nun ja, ein witziger Typ ist der Florian ja. Und in seiner neuen Wahlheimat Frankfurt fühlt er sich augenscheinlich sehr wohl.

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Da alle anderen befreundeten und bekannten Läufer in anderen Hotels übernachten, haben wir zu zweit den Vorteil, am Abend nach nur kurzer Wartezeit einen Platz beim Italiener zu finden. wo überwiegend schmale Menschen sich ihre private Pasta-Party geben. Ist aber auch lecker.

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Und dann ist schon der Wettkampftag da. Die Nacht war in Ordnung. Alleine am Wettkampftag beim Frühstück zu sitzen, ist aber schon ein komisches Gefühl. Und auch zum Start bei einem großen Marathon bin ich noch nie alleine gegangen. Alles unwirklich, sag ich doch.

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Ideales Wetter, knapp über 10 Grad, kein Wind. Das Gewusele vor und in der Festhalle nimmt zu. Eine knappe Stunde später wird nur einen Steinwurf entfernt der Startschuss fallen.

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Kleiderbeutel abgeben, das neue Startnummernband angeschnallt, mit vier Gels bestückt, gut zehn Minuten einlaufen, dann noch drei Steigerungsläufe. Die Beine fühlen sich ganz gut an. Jubelpose nicht vergessen. Hier ist alles erlaubt, ohne das irgendjemand fragend schaut.

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Und dann begegnet mir der Hammermann! Zu früh, viel zu früh. Aber auf meine Bitte, er möge mir in den nächsten 3,5 Stunden nicht mehr begegnen, reagiert er beim Posen in die Fernsehkamera des Hessischen Rundfunks gar nicht. Ein schlechtes Zeichen?

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Im Asics-Block – hier starten alle, die eine Zielzeit schneller als 3:15 Stunden angegeben haben – ist schon viel los, als vor mir der Mann mit dem gelben Ballon auftaucht. 2:59 steht darauf, auch auf seinem Shirt. Schön wär’s …

Aber schon wieder winkt ein Hammermann. Einer, den auch die Leute kennen, die nicht Strecken mit mehr als 40 Kilometer laufen. Vielleicht sind auch wegen des überdimensionalen Klöppelschwingers die Menschen im Starterfeld so wenig ausgelassen an diesem Morgen.

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Martin, Dominik und ich sind da natürlich eine Ausnahme. Vor allem Dominik scheint überhaupt keinen Respekt vor der Königsdisziplin zu haben. Er hat auch allen Grund dafür, wie sich später herausstellen wird. Er wird seinen Premierenmarathon in grandiosen 2:48:01 bewältigen.

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Mir ist die Sache noch immer nicht wirklich geheuer. Ich komme mir ein wenig vor wie im falschen Film. Aber es gibt nun kein Zurück mehr. Mal sehen, wie es läuft. Nicht schlecht  läuft es zumindest für die Nutznießer der Zieh-das-warme-Obereil-aus-und-wirf-es-über-den-Zaun-Aktion. Manch‘ nicht zu schlechtes Stück wechselt so den Besitzer.

Arne Gabius wird vorgestellt. Er startet nur 25 Sekunden vor uns, hat es aber viel eiliger, wieder ins Ziel zu kommen. Gigantisch, was der für eine Zeit hinlegt! Vor allem auf den letzten Kilometern … Aber das ist eine andere Geschichte.

Meine Wettkampfgeschichte beginnt damit, dass sich auf dem ersten Kilometer gefühlt alle gegenseitig auf die Füße latschen. Auf dem zweiten Kilometer rutscht mir eines meiner vier Gels aus dem Gürtel. Nicht so schlimm, drei sollten für das Rennen genügen. Aber welch komische Zeiten zeigt denn meine Suunto an?

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In den Häuserschluchten der Bankenmetropole spielt das GPS-Signal offenbar ab und zu Ping-Pong zwischen Glasfassaden. Jedenfalls können dieses Paceanangaben niemals stimmen, dafür sind wir viel zu schnell unterwegs. oder snd die Fünf-komma-nochwas auf dem Display eine böses Omen?

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Der Pacemaker ist also nun mein Tempomat. Martin, mit dem ich eigentlich gemeinsam laufen wollte, ist nicht mehr zu sehen. Ich wähne ihn hinter mir, kann ihn aber nicht entdecken. Auf den ersten Kilometern geht es im Zickzack durch die Innenstadt. Bei Kilometer sieben, im Bereich Kaiserplatz, wollte Karin stehen. Sie ist nicht zu sehen …

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Kilometer zehn ist an der Universität erreicht. Alles scheint ganz gut zu laufen. Ich habe mein Zwischenzeitenband natürlich im Zimmer vergessen. Ich vermute, wir sind schneller als nötig, aber ein paar Sekunden Puffer sind ja nicht schlecht.

Kilometer 13 – es geht es zum ersten Mal über den Main. Zwischen Sachsenhausen und Niederrad warten die erste langen Geraden. Bei Kilometer 15 sehe ich dann doch meinen Schatz, sie mich auch. Das tut gut. Denn nachdem bislang reichlich Schaulustige an der Strecke angefeuert haben, wird es ab hier doch eher dünn mit Motivationssprüchen. Aber so ist das nun mal bei den meisten Marathons. Die Strecke ist einfach zu lang, als dass an jeder Stelle Publikum zu erwarten wäre.

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Auf Höhe der Staustufe Griesheim ist die Hälfte der Distanz geschafft. Inzwischen habe ich akzeptiert, dass meine Uhr schon jetzt wieder 500 Meter mehr anzeigt als die offiziellen Streckenmarken. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass meine offizielle HM-Zeit mit 1:29:11 notiert wird, meine Suunto aber sensationelle 1:26:27 registriert. Meine Beine fühlen sich eher nach der schnelleren Zeit an. Leider wachsen die Zweifel, ob ich dieses Tempo durchhalten kann.

Drei lange Kilometer zur Schwanzeimer Brücke, über den Main nach Höchst. Selbstmotivation ist nun angesagt. Der gelbe Ballon ist plötzlich wieder direkt vor mir. Geht doch! Denke ich mir ziemlich genau an dem Punkt an dem Martin wegen muskulärer Probleme aussteigt. Aber davon bekomme ich nichts mit, denn die Stimmung in Höchst ist wieder ziemlich gut. Und als die Musik nicht mehr da ist, begegnet er mir wieder und zieht den Stecker heraus:

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Die 3 Kilometer lange Gerade von Griesheim zur Hellerhofsiedlung füllt meine Beine mit Beton. Die Luft ist raus, definitiv. Na gut, dann genieße ich den Rest des Laufs und nehme eben bewusst Tempo heraus. Und noch etwas mehr … 5:05 Minuten pro Kilometer … Hey, das fühlt sich jetzt aber doch wirklich anders an. Erste kurze Gehpause bei der Getränkeaufnahme bei Kilometer 32. Warum läuft es sich so schwer wieder an? Ist ja fast wie beim Maare-Mosel-Lauf. Och nö! …

Zwei Kilometer laufen, bis zur nächsten Verpflegungsstation, dann gönne ich mir wieder ein paar Schritte. Dieses Spiel wiederholt sich nun, ich würde zu gerne einfach aufhören. Das geht nicht, nein, vielleicht ist ja noch eine Zeit um 3:10 möglich!  Mein Beine halten davon nichts und verbünden sich zu einer immer lauter schreienden  Protestbewegung gegen meinen Geist?

Kilometer 37, da müsste doch Karin stehen? Ja, da ist sie! Es gibt keinen besseren Grund, um nochmal stehen zu bleiben. Eine Umarmung, einige Worte der Kapitulation. Vergeblich. Motivierende Worte katapultieren mich zurück auf die Strecke. Na gut, das Verb ist nun vielleicht etwas falsch gewählt. Aber der Geist ist willig. Weitermachen,   dann wird es zumindest eine Zeit unter 3:15 … Immer dieses Schlussgekurve durch die Citys! Das war in Düsseldorf doch auch so, so …  naja, dieses Wort gehört hier nicht hin. Kilometer 40 – hier muss es doch Cola geben?

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Vom Tisch mit den Isodrinks bis zur Koffeinlimonade sind es wohl 100 Meter, die ich gehe, ich kann nicht anders. Tempo 5:57 Minuten für diesen Kilometer – kreisch – das ist der tiefste Tiefpunkt, der die 3:15 gefährdet. Aber das darf nicht sein! Also kämpft Kopf den Widerstand der Beine nieder und lässt sie noch einmal so schnell laufen, wie es möglich ist. Lange Gerade, schon wieder – oh Mann, das wird eng – Kurve, kurze Gerade, noch ne Kurve – jetzt muss es doch endlich … – ja, die Festhalle, nicht nachlassen. Ins Dunkel, roter Teppich, Zielbogen. Wie war das mit der grandiosen Stimmung beim Zieleinlauf? Ich bin nur froh, dass es vorbei ist. 3:14:56 stehen auf der Uhr.

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Das war knapp! Irgendwie doof. Diese Zeit hätte ich auch laufen können, ohne mich so zu quälen. Aber ich wollte es ja so. Das war einfach nicht mein Tag, zumindest nicht ab Kilometer 28.

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Ich komme zumindest noch rechtzeitig, um die Siegerehrung von Arne Gabius im  Zielbereich live zu verfolgen. Von einem neuem deutschen Rekord, von Olympianorm und solchen Dingen ist da die Rede. Wirklich realisieren kann ich das erst später.

Gemein ist in Frankfurt übrigens die  Treppe, die alle Läufer hinabsteigen müssen, um an Medaille, vor allem aber an heißen Tee, herrlich salzige Gemüsebrühe und Obst zu kommen. Wie schmerzhaft ein Marathon sein kann, zeigt sich an der Eleganz, wie dieses unnatürliche Hindernis überwunden wird.

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Wie ich selbst hinuntersteige, kann ich nicht sagen. Ich denke, nicht ganz so gequält. Aber spätestens, als mich Flo Neuschwander entdeckt und mir grinsend auf die Schulter klopft – „na, wie war’s?“ – ist die Welt wieder in Ordnung. Das Lachen kehrt zurück. Es war eben nicht mein Tag. Das ist leichter zu akzeptieren als ein Lauf, bei dem ich – wie in Düsseldorf – die Drei-Stunden-Marke hätte knacken können, es  wegen dummer Fehler aber verpasst habe.

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Ich verabschiede mich von Flo und seiner hübschen Staffelbegleitung. Die Plastiküberzüge sind nun wirklich gut, halten warm in den paar Minuten, bis der Weg zur Kleiderbeutelausgabe gewagt werden kann. Sitzen ist gar keine schlechte Idee.

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Auf dem Weg in die Messehalle kommt mir doch tatsächlich mein Schatz entgegen. Die Welt ist in Ordnung, alles ist gut! Besonders die heiße Dusche im Hotel, die Beinmassage, der Latte Macchiato und das Gefühl, es geschafft zu haben – nicht etwa, die drei Stunden zu unterbieten. Ich habe diesen Lauf hinter mich gebracht. Es ist eine Befreiung. Endlich wieder Genussläufe! Die Hammermänner dieser Welt können mir gestohlen bleiben!

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Wie gut, dass meine liebe Kollegin einen neuen Namen hat …

 

Hart im Wind

Alle Nordlichter und Segler mögen mir das für die Überschrift entlehnte Bonmot verzeihen. Aber angesichts der steifen Brise an der Mosel heute bietet sich das an.

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Kurzfristig hatte ich mich entschieden, den Halbmarathon im luxemburgischen Remich für einen Tempodauerlauf in der für Frankfurt geplanten Marathonpace zu nutzen. Da ich gestern wegen des Tages der offenen Tür bei unserem Medienhaus beim Samstagslauf passen musste, bot sich das als Alternative an.

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Die Startnummer hatte ich gestern in einer Pause abgeholt und mich über die grandiose Landschaft an der Obermosel gefreut, die mir so noch gar nicht bewusst war. Der Fluss  windet sich hier in weiten Kurven. Entsprechend imposant sind Prall und Gleithänge, auf denen Wein en masse angebaut wird. Riesling und Elbling, diese uralte Rebsorte, die bis zur Zeit der Römer zurückreicht.

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Heute also schon mit allen Laufutensilien ausgestattet, mache ich mich auf den 45 Kilometer langen Weg nach Remich. Ich parke auf deutscher Seite und laufe über die Brücke nach Luxemburg, unter der der Lauf gestartet wird. Drei Steigerungsläufe sollen mich an das Tempo erinnern, das ich gleich angehen werde. 4:14 min/km soll der Schnitt sein auf den 21,1 Kilometern.

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André treffe ich im Startbereich, auch Martin ist da, mit dem ich in Frankfurt noch einmal einen Anlauf auf eine Zeit unter drei Stunden wagen will. Michael, der als Dritte die sichere Bank als Pacemaker sein sollte, hat sich leider verletzt. Da André schneller – Ziel ist eine persönliche Bestzeit – und Martin zunächst langsamer laufen will – er hat schon 12 Kilometer in den Beinen und macht einen Longjog mit Endbeschleunigung daraus -, mache ich mich also alleine auf die Strecke. Die geht zunächst 10,5 Kilometer moselabwärts und dann aus derselben Route du Vin zurück nach Remich.

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Das Starterfeld ist mehr als 2000 Sportler stark. Ich habe mich vor dem Start im vorderen Drittel eingeordnet. Dennoch traben die meisten vor mir viel zu gemütlich los. Aber nach 300 Metern kann ich am Rand der Menge mein geplantes Tempo aufnehmen. Auf einer Route National ist zum Glück mehr Platz als auf einem Radweg.

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Also: erst mal die verlorenen Sekunden aufholen und dann … bläst der Wind mit einer solchen Wucht von vorn, dass der Tacho sofort ein um 5 Sekunden langsameres Tempo anzeigt, ohne dass die Anstrengung geringer wird. Läufe an der Mosel können eben auch bei schönem Spätsommerwetter anstrengend sein. Aber zum Glück habe ich inzwischen gelernt, Windschatten zu nutzen, um zwischendurch immer wieder ein wenig durchzuschnaufen.

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Dabei wird leider einige Male das Tempo der Leute vor mir zu langsam, so dass ich nach vorne marschiere und erst wieder Windschatten bei der Gruppe finde, die gerade noch einige Meter vor mir lief. Kein Wetter für Bestzeiten, hatten die Läufern gesagt, die hier nicht zum ersten Mal starten. Jetzt weiß ich warum.

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Bei Kilometer acht kommt bereits die Spitzengruppe entgegen. Ein solches Bild hatte ich doch am Morgen auch vom Berlin-Marathon gesehen. Allerdings hängt in Remich niemandem die Innensohle aus dem Schuh …

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Kurz vor dem Wendepunkt kommt mir auch André entgegen. Entweder bin ich ziemlich flott, oder er macht doch ein wenig langsamer. Denn normalerweise müsste er schon mehr  als die 300 oder 400 Meter Vorsprung auf mich haben. Und dann … ist der Wind weg und wir fliegen gefühlt plötzlich zurück. Rückenwind und Sonne. Ist es tatsächlich so warm heute? Aber die Frequenz der Wasserstellen ist gut, so dass ich mir ab und an einen Schluck gönnen und etwas gegen den trockenen Mund tun kann.

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Das Kilometer zählen  beginnt. 18 Kilometer bin ich vor einer guten Woche in diesem Tempo bei strömendem Regen alleine gelaufen. Da werden die drei Kilometer mehr schon möglich sein. Noch 9 Kilometer, noch 8, noch 7 … Lange Läufe an der Mosel sind langweilig, das Gefühl werde ich auch bei diesem Halbmarathon nicht los. Aber nicht überall gibt es Läufer die sich regelmäßig so von ihrem Speichel befreien, dass er über deren Schulter in Richtung des nachfolgenden Läufers spritzt. Bäh. Also schon wieder Tempo zulegen und auch diesen Spuckspecht überholen.

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Die Beine sind nicht wirklich schwer, aber sie murren, warum sie noch immer so flott im Schnelltakt agieren müssen. Die Uhr zeigt nun überwiegend Pace 4:15 an. Drei Kilometer vor dem Ziel erwischt uns der Wind aber wieder von vorne. Sofort wird das Tempo langsamer. Das geht gar nicht, zumal ich schon seit einigen Kilometern realisiert habe, dass vielleicht doch eine persönliche Bestzeit möglich ist.

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Also: Zähne zusammenbeißen und nochmal die Pace erhöhen, auch wenn das Fahrgestell meckert … Aber wen sehe ich da knapp 100 Meter vor mir? André? Sein sauberer Laufstil ist unverkennbar, auch wenn er ganz offensichtlich Probleme hat. Na gut, für mich ist es  natürlich eine willkommene Herausforderung, zu ihm aufzulaufen. Ganz langsam wird der Abstand tatsächlich geringer. Jetzt sind wir auch schon in Remich …

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Noch 20 Meter zu André, noch 500 bis ins Ziel. Beißen! 100 Meter vor dem ersehnten Ende dieses Tempobolzens bemerkt er mich, winkt mich heran. Wir laufen gemeinsam über die Ziellinie.

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Handgestoppt 1:28:59. Für mich tatsächlich eine neue Bestzeit, für André ein Lauf, den er sich anders vorgestellt hat. Aber ab Kilometer 13 war bei ihm wohl die Luft ziemlich raus.

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Die Schwätzchen mit bekannten Läufern im Zielbereich genießen wir allerdings beide. Ein gutes Gefühl! – Durchschnittspace: 4:12 min/km.

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Warum ich allerdings nicht in der offiziellen Wertungsliste geführt werde, ist mir ein Rätsel. Habe ich das alles nur geträumt?

 

 

Dreierpack mit Bart

Ein wenig verspätet kann ich berichten, dass der Mitternachtslauf in Kröv wieder eine sehr schöne Sache war. Am Pfingstsonntag war der Besuch der Landesgartenschau Landau angesagt, da blieb keine Zeit für den Computer, was auch mal nicht schlecht ist. Der Bericht zur LGS wird folgen, jetzt muss aber erst einmal einer der stimmungsvollsten Laufveranstaltungen an der Mosel bedichtet werden:

31. Krˆver Mitternachtslauf

Nach dem entspannten Morgenlauf sattle  ich also um 18 Uhr meine 110 Pferde und mache mich auf in Richtung Kröv. Eine Stunde Anfahrt ist schon ganz schön lang, aber dafür werde ich es voll ausreizen. Denn nach der Pflichtveranstaltung Firmenlauf am frühen Abend will ich auch noch eine Stunde vor Mitternacht beim Hauptlauf starten. Der ist offiziell zwar nur für Jungspunde bis 39 Jahre gedacht. Als älterer Herr darf ich aber außerhalb der Alterswertung teilnehmen.

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Die Nachmeldung für den 9400 Meter langen Mitternachtslauf ist schnell erledigt. Dirk hat bereits die Nummern für den Firmenlauf gesichert. Seine Partnerin Larisa ist auch wieder dabei. Und so ergeben wir gemeinsam mit Claudia und Sabine eine hübsches Quartett + Gast. Das Gruppenfoto ist allerdings erst nach dem Zieleinlauf möglich, weil Claudia wegen eines Staus bei der Anreise erst zwei Minuten vor dem Start ankommt, vollkommen durch den Wind und deshalb nicht so aufgeregt wie sonst.

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Vielleicht ist das sogar gut für sie, denn sie geht nach dem Startschuss ab, wie es die Post niemals konnte. Meinen Plan, mit ihr gemeinsam zu laufen, gebe ich deshalb nach einem Kilometer in irrsinnigem Tempo auf. Schließlich warten nach der ersten Hälfte der Runde durch den Ort zwei Rampen, die bezwungen werden wollen und ordentlich an die Puste gehen.

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Also nehme ich ein wenig Tempo raus und laufe zügig hoch und dann wieder durch die von stimmungsvolle Ortsmitte hinunter zur Mosel. Es wartet ja noch eine zweite Runde, auf der ich dann ordentlich Dampf machen kann, denke ich und wundere mich sehr, als mich ein netter Streckenposten unterhalb der Kröver Nacktarschhalle in den Zielkanal winkt. Hä?!!! Zu einem Schlussspurt ist es jetzt zu spät. TV – total verpeilt. 3800 Meter sind also 1,5 und nicht 2,5 Runden …

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Na gut, einige Körner gespart für den späten Lauf. Mit Claudia, die 30 Sekunden vor mir,  und Dirk, der 40 Sekunden nach mir (14:37; Pace 3:52) ins Ziel kommen, gewinnen wir trotz meiner Trotteligkeit die Firmenwertung locker. Claudia ist es die schnellste Frau in diesem kurzen Lauf, der gemeinsam mit der normalen Wertung als Jedermannlauf immerhin 260 Starter hat. Ich auf Platz 12 und in der M50-Klasse auf Platz 4. Aber das ist nicht wichtig. Hätte ich nicht so gepennt, wäre ich maximal zwei Plätze besser gewesen.

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Kaum ist das Siegerteamfoto gemacht und ein alkoholfreies Bier des Hauptsponsors verköstigt, schon steht Marc breit grinsend und im Outfit des SV Olewig neben uns. Als meine Teammitglieder hören, dass ich mit ihm noch den späten Lauf angehen werde, freuen sie sich. Vor allem deshalb, weil mir dadurch die Aufgabe zufällt, bis zu Siegerehrung zu bleiben. Und schon sind sie auf dem Heimweg.

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Dummerweise ist die Siegerehrung in der Nacktarschhalle just zu dem Zeitpunkt vorgesehen, wenn die Mitternachtsläufer sich eine halbe Dorfrunde weiter zum Start aufstellen. Wer sich über den sonderbaren Namen für diese Festhalle wundert, dem sei kurz erläutert, dass der Kröver Nacktarsch eine Weinlage ist, die werbewirksam in Szene gesetzt wird und die Blicke der verwunderten Touristen an diesem idyllischen Örtchen an der Mittelmosel an Hauswänden, einem Brunnen und manch anderer Form nahegebracht wird.

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So informiere ich also das Orgateam über meine Zeitprobleme. „Wir wollten die Siegerehrung eh mit den Hauptläufen machen“, lautet die Antwort. Auch gut, also Nachsitzen bis 2 Uhr …

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Da der Abend noch lang wird, muss erst einmal ein Döner in den Magen. Meinem Sohn, der den Lauf nutzt, um mit seiner 125er einen schönen Ausflug zu machen und Caddy für mich zu spielen, hatte ich einen solchen Imbiss versprochen.

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Lecker. Und spannend. Denn als wir schmausend an der Strecke sitzen und die Startvorbereitungen für den Lauf der Junggebliebenen  verfolgen, werde ich natürlich mehrfach von Bekannten angesprochen. Wenn ich dann berichte, dass ich erst 100 Minuten später mit den Jungspunden laufen werde … Ich glaube, nicht sehr viele würden sich trauen, davor noch so ein leckeres Fladenbrot mit Fleischfüllung zu genießen.

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Ein Attraktion sind übrigens die Insassen des Pacecars mit ihren angeklebten Bärten und Sonnenbrillen. Cool und oft fotografiert. Aber dann geht es schon los im Dämmerlicht, die meine kleine Kamera deutlich an die Grenzen bringt. Aber mit ein wenig Experiemtierfreude und Blitz gelingen doch einige Fotos.

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Ist schon interessant, als Betrachter auf die Läufer zu sehen, wie sie laufen, leichtfüßig und elegant, schnell und verkrampft, gerade, buckelig, lächelnd oder gequält. Im Ziel werden sie alle ihren Spaß haben bzw. wieder finden.

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Und dann ist es auch schon kurz vor 23 Uhr. Wir haben unsere Taschen in die Turnhalle gebracht und stehen im schwarzen Dress des SV Olewig bereit, um die dreieinhalb Runden bei Kerzenschein zu drehen. Tolle äußere Bedingungen. Noch immer viele Menschen an der Strecke. Der Döner liegt nicht schwer im Magen. An einigen Stellen ist es zwar so dunkel, dass ich als Brillenträger vorsichtig sein muss, damit ich keine Bürgersteigskante oder eine andere Unebenheit zu übersehe.

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Der Plan, gemeinsam mit Marc zu laufen, gelingt aber leider nur teilweise. Denn schon am ersten Anstieg verliere ich ihn, obwohl ich gefühlt nicht am Anschlag laufe. Am Ende der Gefällstrecke ist er wieder da, aber auf der zweiten Runde verliere ich ihn wieder. Und er kommt auch nicht mehr heran, obwohl ich Tempo rausnehme. Dann also die letzte Runde mit Power und … Zielsprint. Schließlich habe ich hier noch etwas nachzuholen.

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9400 Meter vergehen wie im Flug. 39:42 Minuten (Pace 4:13) sind angesichts von 96 Höhenmetern auf dieser Distanz nicht schlecht. Platz 20 in der Altersklasse M35 … das kann sich doch sehen lassen 😉 Marc ist nach 40:35 Minuten im Ziel. Auch eine gute Zeit.

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Ich entschuldige mich, dass ich ihm davon gelaufen bin. Er meint, am Berg sei heute nicht mehr drin gewesen. Beide freuen wir uns, dass es insgesamt doch gut gelaufen ist. Selten bin ich an einem Tag dreimal gelaufen, und davon zweimal flott. Aber es ging und hat Spaß gemacht.

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Das Mitternachtsfeuerwerk hören wir nur beim Duschen. Für mich heißt es dann noch ausharren bis zur Siegerehrung der Firmenwertung … die doch bereits um 23 Uhr stattgefunden hat, wie ich um 1:30 Uhr erfahre. Na gut, dann packe ich also den beiseite gestellten Wein und die Urkunden ein und mache mich auf den Weg durch die Nacht in Richtung Trier. Allerdings fesselt mich davor noch die Feuershow von Christian Dirr. Hey, Kompliment! Mein Nachbar hat es drauf!

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Das war also ein ganz besonderer Lauftag, der bis heute mit leichtem Muskelkater in den Wade nachwirkt. Aber so ist das bei schnellen Läufen auf Asphalt. Der offizielle Bericht vom Kröver  Mitternachtslauf und sehr viele professionelle Fotos von Holger Teusch gibt es übrigens auf dem Laufportal.

 

 

 

Helden im Hochwald

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Es gibt Läufe, die tun einfach gut. Der TEBA-Radweglauf in Hermeskeil ist zu meiner Überraschung ein solcher, auch wenn es zunächst nicht so scheint. Denn von der heroischen Truppe meines Lauftreffs – die flotten Damen hatten im vergangenen Jahr in fast allen Altersklassen vordere Plätze belegt – ist niemand in den Hochwald gekommen. Christoph muss zur Eröffnung der Landesgartenschau in Landau, Dominik hat eine Pflichtvorlesung, Marc ist ebenfalls durch Verpflichtungen verhindert … Aber da ich auch als Medienpartner Präsenz zeigen muss, fahre ich dann eben alleine dorthin, wo der Frühling noch mindestens eine Woche im Vergleich zu Trier hinterherhinkt.

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Im Anflug zum Startbereich.

Von der Rasenmäherkluft also in die Laufsachen geschlüpft und „just in time“ die Startunterlagen abgeholt. Vor dem Eingang zur Halle treffe ich Moni aus Mehring. Und nach einer Minute ist klar: Ich habe eine Mission zu erfüllen. Denn nachdem ich vor einem Jahr die leider derzeit lädierte Laufmaus Marion über den einzigen 15-Kilometer-Wettlauf in der Region zu einer neuen Bestzeit gezogen habe, soll nun eine ähnliche Aufgabe auf mich warten.

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Start aus den hinteren Reihen am alten Bahnhof in Hermeskeil.

Ein Durchschnittstempo von knapp 5 min/km will Moni laufen. Das passt. Mehr darf ich laut Coach Jens eh nicht investieren. Ich bin nun schließlich in der Taperingphase für Düsseldorf. Als uns dann im Startbereich auch noch der schnelle Toni, also Toni Schnell, gut gelaunt begegnet, ist klar, das wird eine nette Sache.

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Spaßeinlage für den Fotografen: Moni, Wolfgang, Claudia und Toni.

So bin ich also die Lokomotive, reichlich plaudernd –  immer Zeit und Verfassung  meiner flotten Begleiterin im Blick. Es bleibt dennoch genug Muße für das ein oder andere  Schwätzchen mit weiteren Bekannten. Zum Beispiel mit dem langen Wolfgang, mit dem ich schon den Monschau- und den Eifel-Marathon gelaufen bin. Oder mit Klaudia, mit der ich in der kommenden Woche auch einen beruflichen Termin habe. Eine Ankündigung, mit der sie mich überrascht, denn Gesicht und Funktion hatte ich bislang nicht entsprechend kombiniert.

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Die geparkte Diesellok in Reisfeld erinnert daran, dass hier vor zehn Jahren noch Gleise lagen.

Nun gut. Es fühlt sich prima an, die nicht ganz ebene Strecke locker laufen zu können. Und Monika ist gut drauf. Am Wendepunkt haben wir bereits eine Minute Puffer auf die avisierte Zielzeit von 1:15 minus X herausgelaufen. Das ist gut so, denn auf dem Rückweg lauert eine gut ein Kilometer lange Steigung, die einem wirklich zu schaffen machen kann. So nehme auch ich noch ein wenig Tempo raus und ermuntere meine Begleiterin, den Windschatten zu suchen. Denn der Wind bläst nun ordentlich von vorn.

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Coach Jens ist mit Daniel auch auf der Strecke. Das sieht gut aus!

Ich kann wegen meiner austrainierten Bodybuildermaße ja nicht allzu vielen Mitmenschen Windschatten bieten. Bei Moni funktioniert es. Spätestens als Toni und ich Seite an Seite laufen, bilden wir ein wahres Windschild …  Die letzten vier Kilometer überwiegend bergab, sind ein Klacks. Und die sich wiederholende Frage meiner Laufdame, ob wir noch gut in der Zeit liegen, kann ich immer nur mit einem klaren Ja beantworten.

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Dynamik an der fiesen Steigung.

Auf dem letzten Kilometer nochmal motivierende Worte für den Endspurt – auch wenn’s schwer fällt … 1:12:29 für Moni im Ziel, der ich natürlich den Vortritt lasse. Platz 2 in ihrer Altersklasse hinter Klaudia, die noch 30 Sekunden schneller war. Aber die packen wir dann im nächsten Jahr.

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Alles im grünen Bereich.

Bin ich ein Held? Es fühlt sich jedenfalls gut an, wenn nach dem Zieleinlauf so gejubelt wird.

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Gut gemacht!

Wer noch mehr Impressionen vom Radweglauf sehen will, hier der Link auf den offiziellen Bericht mit 100 Bildern auf „meinem“ Laufportal.

Fast …

… wäre es tatsächlich passiert. Nach der Ziellinie habe ich zumindest außergewöhnlich lange gebraucht, um wieder ruhig atmen zu können. Der Fährturmlauf in Schweich war schon etwas happig,

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Selten hatte ich vor einem Lauf so viel Nervenflattern. Aber bestimmt kam das Kribbeln im Darm auch von dem Magnesiumpräparat, das ich mir seit Montag verordnet habe, um die spontanen Krämpfe in der Fußsohle in den Griff zu bekommen. Das ist auch schon viel besser geworden. Aber ich werde noch ein wenig die Mineralienzugabe beibehalten.

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Mit Dominik also zum Fährturmlauf in Schweich. Ein flacher 10er – an der Mosel, seufz –  auf einer Pendelstrecke. Dirk Engel und sein Organteam vom LT Schweich haben Glück mit dem Wetter. Sogar die Sonne scheint auf die mehr als 1000 jungen und älteren Starter bei den diversen Läufen. Nur der Wind macht ein wenig Striche durch die Rechnung. Dennoch ziehe ich die zweite Short-Schicht nach dem Einlaufen aus, Schließlich soll es flott zu gehen. Das hat Coach Jens für heute verordnet.

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Bei der Startaufstellung finde ich mich dann neben Michael wieder, den beim Trierer Stadtlauf im vergangenen Sommer zu einer Bestzeit auf der Halbmarathonstrecke gezogen hatte. Er ist auch im Marathontraining und will heute die 40er Marke knacken, so wie ich.

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Und er legt tatsächlich los wie Bolle. Ich bleibe mal in einem Abstand an ihm dran und bin gespannt, wie lange er das Tempo durchhält. Nach zwei Kilometern bin ich hinter ihm und mit der Pace zufrieden. Auch wenn es schon jetzt ziemlich anstrengend ist. Wir laufen fortan zusammen. Ab und an gehe ich vorbei, wenn er zu langsam wird. Dieses Signal treibt ihn dann wieder zu einer etwas flotteren Pace an, so dass ich besonders auf dem Rückweg seinen Windschatten nutzen kann. Bei Kilometer fünf liegen wir unter 20 Minuten. Alles im Plan, wenn es nur nicht noch weitere fünf wären. Aber es geht weiter. Kilometer 6, Kilometer 7. Jetzt muss ich an diesen stürmischen Tempolauf an der Mosel denken. Der hat sich auf den letzten drei Kilometer ähnlich heftig angefühlt … Also weiter laufen, weiter kämpfen, auch wenn es weh tut.

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Kilometer 8 – na ja, die zwei verbleibenden werden auch noch zu überstehen sein. Kurz vor dem zweiten Wendepunkt Daumen hoch für Dominik, der natürlich schon ein ordentliches Stück weiter ist. Aber noch immer liegen Michael und ich im Schnitt. Jetzt noch die kleine aber lange Steigung hoch von der Mosel ins Stadion. Kilometer 9 … das wäre doch gelacht … wenn ich könnte. Danach wird mir bedeutet, dass ich ungewöhnlich angespannt dreingeblickt habe. Moderator Holger ist schon zu hören, dann geht es auf die wunderbare Tartanbahn. Noch 200 Meter. Sprint, keuch, oder was auch immer das sein könnte, auch wenn ihn keiner wahrnimmt. Zieleinlauf, Uhr abgedrückt. 39:48 steht da. Yes!  Ziel erfüllt. Abklatschen mit Michael, der kurz vor mir ankommt.

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Aber die Freude darüber muss – siehe oben – noch ein paar Minuten warten. Auch Dominik ist zufrieden. Marc läuft eine persönliche Bestzeit. Auch Katharina vom Lauftreff kommt bald ins Ziel. Die Gesichter entspannen sich, die Laune steigt und wird nur kurz beim Duschen getrübt, als ein äußerst unlustiger Läufer auf Gorilla macht. Aber diese Geschichte hebe ich mir für die nächste Laufkolumne auf.

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Fazit: Ein schöne Veranstaltung, ein anstrengender Lauf, erster Start in der Altersklasse M50, Platz 4 in der AK, Platz 48 insgesamt. Offizielle Zeit 39:48 Minuten. Mein zweiter 10er unter 40 Minuten. Jetzt geht es mir wieder besser 😉

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