Irre in Irrel

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Dass Christoph, Dominik und Jürgen memmenhaft das trockene Wetter am Samstagvormittag zum langen Lauf nutzen, will ich nicht weiter thematisieren. Ok, Terminprobleme am Nachmittag lasse ich gelten. Aber die wahren Helden sind  jene, die sich um Nachmittag trotz der miserablen Wetterprognosen auf den Weg zum Eifellauf machen.

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Frei nach dem Motto „Irre in Irrel“ versammeln sich dort 60 mehr oder weniger wetterfest verpackte Laufbegeisterte, um bei Regen und Wind 10, 15 oder 21 Kilometer über Stock und Stein, überwiegend aber über nasse Feldwege zu sporteln.

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Der ursprüngliche Plan der Streckenwahl, vor allem wunderbare Waldpfade zu nutzen, haben die Organisatoren mit gutem Grund zugunsten der überwiegend befestigten Wege geändert.

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Wer Trailschuhe an den Füßen hat, liegt  damit dennoch richtig, denn auch auf den Asphaltwegen gibt  es reichlich Pfützen und Erde sowie einige unbefestigte Abschnitte.

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Die von Marc, Marcel und und mir gewählte Gruppe – Dennis läuft aus Zeitgrünen die von Bettina geführte 15er-Runde – ist mit elf Köpfen überschaubar. Da alle sehr fit sind, ist das Tempo ordentlich. Inklusive der längeren Pause vor dem Haus von Guide Erich notiert meine Suunto am Ende ein Durchschnittstempo knapp unter 6 Min/km.  Angesichts 475 Höhenmetern und einigen sehr rutschigen Passagen ist das schneller, als es scheint.

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Die vielen Rampen und Anstiege sorgen allerdings auch dafür, dass es trotz Regen und teilweise kräftigem Wind niemandem kalt wird.

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Dennoch bin ich froh, Handschuhe mitgenommen zu haben. Und mit Kontaktlinsen macht Regen in der Eifel sogar Spaß.

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Richtig anstrengend wird es noch einmal auf den letzten zwei der insgesamt 21 Kilometer. Den unbefestigte Weg entlang der zu einem reißenden Flüsschen angeschwollenen Dieser Nims über Wiesen und durch den Wald muss jemand mit Schmierseife präpariert haben.

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Zum Glück schäumt die nicht wie der Fluss. Aber für die wunderbar bemoosten Steinhaufen und Mauerreste entlang des Weges bleiben leider nur einige Blicke angesichts der erhöhten Sturzgefahr.

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Auch die netten Gespräche zwischen den besonders Irren von Irrel verstummen da zeitweise.

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Aber spätestens nach ausgiebiger Nutzung der Luxusduschen im Fitnessstudio Evital, das als Treffpunkt dient, kommt die Kommunikation wieder in Gang. Und wie bei allen Eifelläufen ist das Buffet herrlich reichhaltig und bietet von herzhaft bis süß eine wunderbare Auswahl.

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Vielen Dank den Lauffreunden in der Eifel! Es war wieder ein Erlebnis. Vielleicht kommt Ihr ja zu einem Gegenbesuch beim Freundschaftslauf in Olewig am 4. Juni?

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Die Eifel reicht bis zur Sauer

Der angekündigte Sturm ist zwar kein laues Lüftchen. Aber im Moselland sind die Windböen nicht so schlimm, dass ein schöner Samstagslauf abgesagt werden müsste.

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So macht sich also ein Quartett des Lauftreffs Olewig auf den Weg an die Sauer, wo der erste Eifellauf in Ralingen lockt. Mit Marc, Marcel und Dominik sind wir eine nette Truppe. Bettina, die es aus der Eifel nicht so weit bis zum Startpunkt hat, ist schon da, als wir ankommen.

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Um die 60 laufbegeisterte Frauen und Männer sind da, um unter ortskundiger Führung auf drei unterschiedlich langen Strecken die Natur im Sauertal zu erkunden.

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Nur im Tal zu bleiben, wo am 28. Juli nach einem Jahr Pause wieder der Sauertallauf schnelle zehn Kilometer anbieten wird, wäre heute schade. Aber es wäre auch kein wirklicher Eifellauf ohne Anstiege und eine ordentliche Zahl von Höhenmetern. So  ist der höchste Punkt der Tour auf 400 Metern, bei einem Start 250 Höhenmeter tiefer.

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Und so geht es zunächst eine lange und teilweise ziemlich steile Waldstraße hinauf, dann wieder fast bis ganz hinunter auf Flussniveau und schon wieder durch eine sehr idyllische Bachklamm wieder hoch bis nach Olk.

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Gesprengte Bunker sehen wir an diesem Tage nicht nur einen. Schließlich verlief hier auch schon zur Zeit des Zweiten Weltkriegs die Grenze zu Luxemburg. DSC04123

Die mächtigen Betonfelsen der Militärbauten lassen einen Militarismus an der Sauer erahnen, der angesichts der idyllischen Natur und der vollkommen offenen Grenzen heute dort kaum mehr vorstellbar ist. DSC04128

Nach einer üppig mit kulinarischen Genüssen versüßten Pause in Olk geht es dann noch einmal hinauf auf die freie Höhenfläche.

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Wir passieren auch ein Kreuz, an dem vor einigen Jahren ein Läufer zusammengebrochen und gestorben ist. Aber das trübt die gute Stimmung der nun gegen den Wind anlaufenden Läuferschar nur kurz.

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Der Rückenwind treibt uns zunächst mächtig an, bläst und dann seitlich fast vom Weg und stemmt sich uns schließlich heftig entgegen, bis wir wieder in tieferen und geschützten Lagen unterwegs sind.

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Aber hier warten andere Herausforderungen: Milliunen Treppen – würde ein waschechter Trierer sagen. Aber obwohl für den alles über drei schon „Milliunen“ sind, würde man hier auf mehrere Hundert kommen, bliebe die Luft zum zählen.

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Dieser Teil des Felsenwegs, der auch als sehr schöner Wanderweg markiert ist, ist für Läufer tatsächlich sehr anspruchsvoll und bringt die Waden zum Glühen.

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Aber zu Belohnung gibt es wunderbare Ausblicke über das Sauertal und einen Trail, der sich wunderbar an der Hangkante entlang schlängelt. So rutschig, wie er sich nach dem vielen Regen präsentiert, erfordert er allerdings hohe Aufmerksamkeit und einen ständigen Blick auf das, was vor einem liegt.

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Um den Ausblick zu genießen, empfiehlt es sich also innezuhalten. Und zweimal ist so ein Stopp auch erzwungen. einige morsche Bäume haben die Böen in der Nacht doch nicht heil überstanden und sich über den Weg gelegt.

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Warum ich nach diesem Foto die Kamera nicht mehr ausgepackt habe, ist mir heute auch ein Rätsel. Fotos von massenhaft verschlammten Schuhen, der gut gelaunten Truppe, die sich im Anschluss im Sportheim der SG Ralingen stärken oder dem Spendensparschwein der Eifelläufer bleiben Euch hier also erspart.

Es war wieder schön. Die Eifelläufe sind wirklich zu empfehlen. Und dieses Strecke werden wir im Frühling oder Sommer noch einmal laufen. Das haben wir uns zumindest vorgenommen.

Gastfreundschaft pur

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Wenn vor einem großen Haus im westlichsten Mittelgebirge Deutschlands 50 Paar schmutzige Laufschuhe stehen, dann ist Eifellauf. Genauer gesagt: dann ist Eifellauf in Heilenbach. Evelyn und Arnold haben eingeladen, die nicht ganz flache Umgebung dieses kleinen Dorfes laufend zu erkunden.

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Bei unserem ersten schönen Erlebnis beim Eifellauf in Röhl haben wir die Einladung von Evelyn bekommen. Und so haben sich (von rechts links) Marion, Franzi, Birgit, Christoph. Bettina, Marc und der elektrisierte zierliche Läufer in der unvermeidlichen gelben Jacke trotz des Regens aufgemacht, um die Zusage zu erfüllen.

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Ohne Navi hätten wir Heilenbach nicht gefunden. Denn das liegt hinter Rittersdorf genau da, wo die Straße am schmalsten ist. Aber Christoph hat Navi, und so sind wir nicht wirklich überrascht, als uns einige Menschen in wetterfesten Sportoutfit eben dort über den Weg laufen.

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Also Auto abstellen und vor der Eingangstür mit etwas Zappelei auf der Stelle die Kälte vertreiben. Was da an Leckereien im Eingang verschwindet, lässt die Vorfreude auf die Stärkung nach dem Lauf schon jetzt wachsen. Evelyn und Arnold freuen sich, dass wir aus Trier gekommen sind. Die Einladung für eine Stärkung danach kommt von Herzen.

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Leider ist der eigentliche Pfadfinder für die 20-Kilometer-Strecke krank geworden. So machen sich 15er und 20er gemeinsam auf den Weg. „Wer nach 14 Kilometern noch Lust und Energie hat, kann dann ja noch eine Runde durch den Wald dranhängen“, kündigt Arnold an. Und dann geht es los.

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Gemächlich ist das Tempo, viel gemächlicher als bei dem GA2-Lauf in Röhl. Gut so. Bleibt genug Atem, um sich zu unterhalten. Ich muss natürlich vom elektrisch verstärkten Training berichten, das mein Körper am zweiten Tag tatsächlich mit Muskelkater vornehmlich am Gesäß und an der hinteren Oberschenkel-Mukulatur quittiert.

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So viel sei an dieser Stelle schon mal verraten: Am Ende der mit 800 Höhenmeter – und in diesem Fall sind es tatsächlich nur positive Höhenmeter – versehenen Runde wird mit das Hinsetzen ziemlich Probleme machen. Das Aufstehen noch mehr …

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Der Schmerz wird aber auch ordentlich erkämpft. Denn anders als in Röhl laufen wir nach wenigen Kilometern in den Wald, wo sich die Trail-Schuh-Wahl als goldrichtig erweist. Wer Goretex-Ausführung trägt ist klar im Vorteil.

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Etwa sünf Kilometer bergauf, bis nach Plütscheid. Von einem Hügel dort reicht der Blick angeblich bis weit in den Hunsrück. Heute nicht. Zu viele Wolken. Deshalb ersparen wir uns die letzten 50 Höhenmeter dorthin auch.

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Zudem wartet bei Kilometer zehn süßer und heißer Tee, Müslischnitten und Kuchen. Lecker und nach der langen Anstieg genau richtig.

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Zurück auf anderer Strecke durch den Wald. Bis auf ein kurzes Stück entlang der Autobahn sehr schön. Und irgendwie sind wir ganz schnell wieder in der Nähe von Heilenbach.

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Die meisten lockt nun das Kuchenbüffet im Hause der Familie Arnold. Aber Christoph wäre nicht Christoph, Marc nicht Marc und Rainer nicht Rainer, würden wir hier Schluss machen. Eine Gruppe von zehn Läufern, genauer gesagt neun Läufern und einer Läuferin lassen sich nicht lumpen.

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Das Tempo erinnert nun wieder sehr an Röhl. Bis ein Absperrband signalisiert, was auch ohne gut zu sehen ist: gefällte Bäume kreuz und quer über dem Weg. Da sind wohl die Waldarbeiter nicht fertig geworden … Dann also einige Klettereinlagen. Strongman light.

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Und danach. Nochmal reichlich Höhenmeter auf zugegebenermaßen herrlich weichem Waldboden. Und nach einer letzten Schleife vor dem Ort haben wir dann genau die 21 Kilometer voll gemacht, als wir unsere Schuhe dem Heer der Treter hinzugesellen, die das vor dem Haus stehen.

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Und dann … wird’s gemütlich. Die drei Duschen reichen tatsächlich für alle Gäste. Natürlich nicht gleichzeitig 😉 Und das Büffet ist tatsächlich so üppig bestückt, dass nahezu jeder das Haus nicht verlassen wird, ohne noch etwas mitgenommen zu haben.

Das Haus, ja, das ist zurecht der ganze Stolz von Arnold. Er hat das alte Bauernhaus quasi komplett erneuert. Super aufwendig und liebevoll. Sogar der alte Brunnen ist erhalten, aus dem sich vor 200 Jahren die Bewohner ihr Wasser im Gebäude schöpften. Heute deckt eine massive Glasplatte das runde Loch im Boden ab. Arnold gibt gerne mit einem stolzen Lächeln Auskunft über alle Details. Und gefragt wird er viel.

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In der großen Wohnstube vor dem Kaminofen ist es derweil wirklich gut auszuhalten. Zur Krönung präsentiert Evelyn dann mit der Gitarre noch das Geburtstagsständchen, das sie  am Abend dem Vater aller Eifelläufe, Peter de Winkel, zum 60. Geburtstag darbringen wird. Für uns heißt es deshalb aufstehen – nicht ganz ohne Schmerzen – und zurück nach Trier.

Gastfreundschaft pur in der Eifel. Das hat Spaß gemacht. Vielen Dank Evelyn und Arnold!

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P.S.: Dass ich es erst jetzt geschafft habe, diesen Eintrag zu schreiben, hat auch etwas Gutes: ich kann in Gedanken dieses schöne Ereignis noch einmal erleben.

Freundliche Eifel

Wir hatten es uns schon länger überlegt, mal bei einem der Eifelläufe zu starten. Seit 20 Jahren organisieren Läufer von verschiedenen Vereinen ehrenamtlich im Winter Trainingsläufe. Alle 14 Tage an wechselnden Orten, geführt von ortskundigen Laufbegeisterten, über unterschiedliche lange Strecken.

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Heute war es also so weit. Mit Christoph als Chauffeur und Teamchef ging es nach Röhl, unweit von Bitburg. Mit im Auto: Marion, Marc, Rudi und meinereiner. Dass die B51 wegen Baumfällarbeiten gesperrt ist, stört nicht weiter. So dürfen wir auf der Alternativeroute schon einmal die Vorzüge des ländlich strukturierte Raumes kennenlernen:Viel Landschaft, viel Landwirtschaft. Im Winter wenig Grün.

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Zehn Minuten vor dem offiziellen Start um 14.30 Uhr sind wir da. Und in den folgenden zehn Minuten addiert sich die Zahl der gut gelaunten Läuferschar am Gemeindehaus in Röhl auf rund 50 Frauen und Männer. Darunter auch Silvio, den ich beim TV bewegt-Training 2013 kennengelernt habe. Und Monika aus Pronsfeld, die ich vor allem als Facebookfreundin kenne.

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Organisator Wolfgang erklärt noch schnell die angebotenen Gruppen über 9, 16 und 20 Kilometer. Er erzählt davon, dass es einen Verpflegungspunkt gibt, und danach Kaffee,  Kuchen und mehr zur Stärkung.

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Noch ein Gruppenbild. Los geht’s.

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Rudi, der erst seit kurzem wieder nach längerer Verletzungspause ins Training eingestiegen ist, schließt sich der 16er Gruppe an. Wir anderen machen auf 20. Der ursprünglich vorgesehene Wegweiser hatte kurzfristig abgesagt. Dafür übernimmt Evelin charmant diesen Part. Ihr Mann Arnold ist auch dabei, verspricht die etwas Langsameren in der Gruppe zu begleiten.

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Los geht’s … wow, ein ordentliches Tempo ist das.

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Die Eifeler können Berge laufen. Das wird ganz schnell klar. Die Eifeler können Berge schnell hochlaufen. Uff. So flott bei einem profilierten 20er war ich seit langem nicht mehr unterwegs. Da kommt es gar nicht ungelegen, dass ich mit Evelin quatsche, und die Vorausläufer die ein oder andere Abzweigung verpassen, was für sie Umkehren bedeutet und für mich ein wenig Verschnaufpause.

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Bei Kilometer 9 die versprochene Verpflegungsstelle. Die 9er-Gruppe ist schon da. Wolfgang natürlich auch. Der Tee kann gar nicht süß genug sein, kommt gerade rechtzeitig. Ohne Zwischenstärkung wären weitere elf Kilometer in diesem Speed sicher nicht möglich.

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Marion wartet auf die in etwas gemächlicherem Tempo laufende 16er-Gruppe, die schon herannaht. Wir Männer aus Trier lassen uns natürlich nicht lumpen und werden auch auf der zweiten Streckenhälfte ordentlich Gas geben …

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Die Sonne kommt nun sogar zögerlich zwischen den Wolken hervor. Die Fernsicht ist heute eh grandios. Gut ist auch die Stimmung in der Gruppe. Auch wenn einige sichtlich am Limit unterwegs sind.

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Christoph bekommt dagegen die zweite Luft und läuft die letzten vier Kilometer mit zwei anderen schnellen Jungs an der Spitze vorneweg.

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So nah bin ich noch nie an der ehemaligen amerikanischen Airbase Bitburg vorbeigelaufen. Der Tower ist fast zum Greifen nah. Röhl ist nicht mehr weit. Was alle dazu veranlasst, nochmal zuzulegen. Der letzte Kilometer in 4:32 Minuten. Holla die Waldfee.

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Dann ist der Spaß auch schon vorbei. Stimmung gut. Duschen gibt es nicht, also Schweiß abwischen, trockene Klamotten anziehen und ab in den Keller, wo ein üppiges Kuchenbüffet, belegte Brote, Kaffee und allerlei Bitburger Gebräu warten, wobei überwiegend die alkoholfreien Varianten Abnehmer finden. Gastfreundschaft pur. Und wie uns in gemütlicher Runde erzählt wird, ist es bei allen Freundschaftsläufen in der Eifel so.

Danke! Wir werden wiederkommen. Diese Einladung nehmen wir gerne an!

Zwar hatte ich vor lauter Euphorie erst nach 800 Metern daran gedacht, die Streckenaufzeichnung zu starten. Aber die restlichen Daten geben noch einen ordentlichen Eindruck von Lauf, Profil und Tempo.