Der Leibhaftige

 

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Diese schöne Welt ist von sonderbaren Wesen bewohnt. Wer dazu einen Beweis sucht, dem empfehle ich einen großen Marathon wie in Frankfurt. Was einem dort als Zuschauer oder Teilnehmer unter die Augen kommt, summiert sich im Laufe der Veranstaltung zu einem Panoptikum kurioser Typen.
Denn etlichen Läufern genügt es nicht, ihre zunehmend an Funktion verlierende Funktionssportwäsche ins ach so weit entfernte Ziel zu schleppen. Sie stählen ihren Kreislauf, in dem sie als Feuerwehrmann, Formel 1-Fahrer oder medizinisches Fachpersonal eingepackt und verkleidet über die Strecke schleichen. Laufen, bis der Arzt kommt …
Gesehen werden und Spaß haben, ist das Maß der Dinge, manche sammeln dabei auch Geld für einen guten Zweck. Dietmar Mücke ist so einer, der als Pumuckel – mit roter Perücke und barfuß – schon bei über 500 Laufveranstaltungen dabei war. Der Ultraläufer Rolf Keßler, stets als bunter Clown unterwegs, steht ihm nicht viel nach. .Da er sich immer ein breites Grinsen ins Gesicht schminkt, vergeht ihm das Lachen auch nicht nach Kilometer 30, wenn viele Marathonis die Bekanntschaft mit dem Hammermann fürchten. Für alle Nichtläufer: Der Mann mit dem Hammer ist die personalisierte Vorstellung von dem Zustand, wenn mit einem Schlag die Beine schwer werden und der Körper sämtliche Energie entweicht.
In Frankfurt war der Hammermann auch auf der Strecke, furchterregend, in schwarzer Kutte, mit Sonnenbrille und zwei mächtigen Schlagwerkzeugen – zum Glück aus Schaumstoff. Aber keine Sorge. Der Hammermann heißt Frank, ist 50 Jahre alt, kommt aus der Niederlausitz und hat bei Kilometer 30 selbst mit seinem Alter Ego Bekanntschaft gemacht. 30 Minuten mehr für den zweiten Teil der 42 Kilometer als für den ersten …. Nicht nur angesichts der wenig hämefreien Kommentare seiner Mitläufer waren die letzten Kilometer für den Hammermann nicht der Hammer. Vielleicht läuft er beim nächsten Mal doch lieber als Clown.

 

Dieser Text ist als Laufkolumne im Trierischen Volksfreund erschienen.

Zu viele Hammermänner

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Ich dachte, es wäre ein gutes Omen, dass meine Kollegin Katharina in der vergangenen Woche ihren Namen gewechselt hat. Das hat sie zwar nicht wegen mir getan. Aber de Mos ist vor einem Marathon dennoch besser als Hammermann, auch wenn sie selbst sich mit kürzeren Laufdistanzen begnügt. Ein Hammermann weniger war in diesem Fall allerdings nicht genug. Es gibt in Frankfurt einfach zu viele davon …

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Aber der Reihe nach: Eine Woche Küchenrenovierung ist vielleicht tatsächlich nicht das perfekte Tapering. Das merkte Coach Jens schon mit einem Augenzwinkern an, als er davon erfahren hatte. Na ja, tatsächlich ist es vermutlich nicht wirklich erholsam, fünf Tage lange bei Renovierung- und Aufbauarbeiten permanent auf den Beinen und Knien zu sein.

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So sind die Beine nicht ganz leicht, als ich mit meinem Schatz am Samstagmittag auf den Weg nach Frankfurt mache. Irgendwie ist es so unwirklich wie noch nie vor einem Marathon. Und dann soll es auch noch mein schnellster werden …

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Bevor wir im Hotel einchecken –  Hamburger Hof unmittelbar am Hauptbahnhof ist sehr zu empfehlen, wenn ich mir diese Anmerkung erlauben darf -, geht es erst einmal zum Messegelände, Startunterlagen abholen, Marathonmesse durchschlendern und Freunde treffen.

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Die Einen nur virtuell, weil sie höchst plakativ – hallo Jens, hallo Yvonne – für den Luxemburg-Marathon im kommenden Frühjahr werben.

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Die anderen live und in Farbe. Martin ist da, der es doch mit einem schnellen Lauf versuchen will, Frank, der froh wäre, nach 3:15 Stunden im Ziel zu sein, und der schnelle Dominik, der bei seiner Marathonpremiere „so etwas um die 2:50“ laufen will. Holla!

Flo Neuschwander kommt auch noch vorbei, der „Rockstar unter Deutschlands Läufern“, wie im aktuellen Runners Magazin zu lesen und zu sehen ist. Allerdings war dieser Bericht wohl schon vor Flos Mega-Ultraerfolg in den USA entstanden. Denn auf meine Frage, wo denn seine Piercings geblieben sind, antwortet er mit einem Grinsen, die habe ihm ein Bär in den Rocky Mountains abgeluchst. Nun ja, ein witziger Typ ist der Florian ja. Und in seiner neuen Wahlheimat Frankfurt fühlt er sich augenscheinlich sehr wohl.

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Da alle anderen befreundeten und bekannten Läufer in anderen Hotels übernachten, haben wir zu zweit den Vorteil, am Abend nach nur kurzer Wartezeit einen Platz beim Italiener zu finden. wo überwiegend schmale Menschen sich ihre private Pasta-Party geben. Ist aber auch lecker.

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Und dann ist schon der Wettkampftag da. Die Nacht war in Ordnung. Alleine am Wettkampftag beim Frühstück zu sitzen, ist aber schon ein komisches Gefühl. Und auch zum Start bei einem großen Marathon bin ich noch nie alleine gegangen. Alles unwirklich, sag ich doch.

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Ideales Wetter, knapp über 10 Grad, kein Wind. Das Gewusele vor und in der Festhalle nimmt zu. Eine knappe Stunde später wird nur einen Steinwurf entfernt der Startschuss fallen.

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Kleiderbeutel abgeben, das neue Startnummernband angeschnallt, mit vier Gels bestückt, gut zehn Minuten einlaufen, dann noch drei Steigerungsläufe. Die Beine fühlen sich ganz gut an. Jubelpose nicht vergessen. Hier ist alles erlaubt, ohne das irgendjemand fragend schaut.

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Und dann begegnet mir der Hammermann! Zu früh, viel zu früh. Aber auf meine Bitte, er möge mir in den nächsten 3,5 Stunden nicht mehr begegnen, reagiert er beim Posen in die Fernsehkamera des Hessischen Rundfunks gar nicht. Ein schlechtes Zeichen?

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Im Asics-Block – hier starten alle, die eine Zielzeit schneller als 3:15 Stunden angegeben haben – ist schon viel los, als vor mir der Mann mit dem gelben Ballon auftaucht. 2:59 steht darauf, auch auf seinem Shirt. Schön wär’s …

Aber schon wieder winkt ein Hammermann. Einer, den auch die Leute kennen, die nicht Strecken mit mehr als 40 Kilometer laufen. Vielleicht sind auch wegen des überdimensionalen Klöppelschwingers die Menschen im Starterfeld so wenig ausgelassen an diesem Morgen.

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Martin, Dominik und ich sind da natürlich eine Ausnahme. Vor allem Dominik scheint überhaupt keinen Respekt vor der Königsdisziplin zu haben. Er hat auch allen Grund dafür, wie sich später herausstellen wird. Er wird seinen Premierenmarathon in grandiosen 2:48:01 bewältigen.

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Mir ist die Sache noch immer nicht wirklich geheuer. Ich komme mir ein wenig vor wie im falschen Film. Aber es gibt nun kein Zurück mehr. Mal sehen, wie es läuft. Nicht schlecht  läuft es zumindest für die Nutznießer der Zieh-das-warme-Obereil-aus-und-wirf-es-über-den-Zaun-Aktion. Manch‘ nicht zu schlechtes Stück wechselt so den Besitzer.

Arne Gabius wird vorgestellt. Er startet nur 25 Sekunden vor uns, hat es aber viel eiliger, wieder ins Ziel zu kommen. Gigantisch, was der für eine Zeit hinlegt! Vor allem auf den letzten Kilometern … Aber das ist eine andere Geschichte.

Meine Wettkampfgeschichte beginnt damit, dass sich auf dem ersten Kilometer gefühlt alle gegenseitig auf die Füße latschen. Auf dem zweiten Kilometer rutscht mir eines meiner vier Gels aus dem Gürtel. Nicht so schlimm, drei sollten für das Rennen genügen. Aber welch komische Zeiten zeigt denn meine Suunto an?

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In den Häuserschluchten der Bankenmetropole spielt das GPS-Signal offenbar ab und zu Ping-Pong zwischen Glasfassaden. Jedenfalls können dieses Paceanangaben niemals stimmen, dafür sind wir viel zu schnell unterwegs. oder snd die Fünf-komma-nochwas auf dem Display eine böses Omen?

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Der Pacemaker ist also nun mein Tempomat. Martin, mit dem ich eigentlich gemeinsam laufen wollte, ist nicht mehr zu sehen. Ich wähne ihn hinter mir, kann ihn aber nicht entdecken. Auf den ersten Kilometern geht es im Zickzack durch die Innenstadt. Bei Kilometer sieben, im Bereich Kaiserplatz, wollte Karin stehen. Sie ist nicht zu sehen …

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Kilometer zehn ist an der Universität erreicht. Alles scheint ganz gut zu laufen. Ich habe mein Zwischenzeitenband natürlich im Zimmer vergessen. Ich vermute, wir sind schneller als nötig, aber ein paar Sekunden Puffer sind ja nicht schlecht.

Kilometer 13 – es geht es zum ersten Mal über den Main. Zwischen Sachsenhausen und Niederrad warten die erste langen Geraden. Bei Kilometer 15 sehe ich dann doch meinen Schatz, sie mich auch. Das tut gut. Denn nachdem bislang reichlich Schaulustige an der Strecke angefeuert haben, wird es ab hier doch eher dünn mit Motivationssprüchen. Aber so ist das nun mal bei den meisten Marathons. Die Strecke ist einfach zu lang, als dass an jeder Stelle Publikum zu erwarten wäre.

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Auf Höhe der Staustufe Griesheim ist die Hälfte der Distanz geschafft. Inzwischen habe ich akzeptiert, dass meine Uhr schon jetzt wieder 500 Meter mehr anzeigt als die offiziellen Streckenmarken. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass meine offizielle HM-Zeit mit 1:29:11 notiert wird, meine Suunto aber sensationelle 1:26:27 registriert. Meine Beine fühlen sich eher nach der schnelleren Zeit an. Leider wachsen die Zweifel, ob ich dieses Tempo durchhalten kann.

Drei lange Kilometer zur Schwanzeimer Brücke, über den Main nach Höchst. Selbstmotivation ist nun angesagt. Der gelbe Ballon ist plötzlich wieder direkt vor mir. Geht doch! Denke ich mir ziemlich genau an dem Punkt an dem Martin wegen muskulärer Probleme aussteigt. Aber davon bekomme ich nichts mit, denn die Stimmung in Höchst ist wieder ziemlich gut. Und als die Musik nicht mehr da ist, begegnet er mir wieder und zieht den Stecker heraus:

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Die 3 Kilometer lange Gerade von Griesheim zur Hellerhofsiedlung füllt meine Beine mit Beton. Die Luft ist raus, definitiv. Na gut, dann genieße ich den Rest des Laufs und nehme eben bewusst Tempo heraus. Und noch etwas mehr … 5:05 Minuten pro Kilometer … Hey, das fühlt sich jetzt aber doch wirklich anders an. Erste kurze Gehpause bei der Getränkeaufnahme bei Kilometer 32. Warum läuft es sich so schwer wieder an? Ist ja fast wie beim Maare-Mosel-Lauf. Och nö! …

Zwei Kilometer laufen, bis zur nächsten Verpflegungsstation, dann gönne ich mir wieder ein paar Schritte. Dieses Spiel wiederholt sich nun, ich würde zu gerne einfach aufhören. Das geht nicht, nein, vielleicht ist ja noch eine Zeit um 3:10 möglich!  Mein Beine halten davon nichts und verbünden sich zu einer immer lauter schreienden  Protestbewegung gegen meinen Geist?

Kilometer 37, da müsste doch Karin stehen? Ja, da ist sie! Es gibt keinen besseren Grund, um nochmal stehen zu bleiben. Eine Umarmung, einige Worte der Kapitulation. Vergeblich. Motivierende Worte katapultieren mich zurück auf die Strecke. Na gut, das Verb ist nun vielleicht etwas falsch gewählt. Aber der Geist ist willig. Weitermachen,   dann wird es zumindest eine Zeit unter 3:15 … Immer dieses Schlussgekurve durch die Citys! Das war in Düsseldorf doch auch so, so …  naja, dieses Wort gehört hier nicht hin. Kilometer 40 – hier muss es doch Cola geben?

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Vom Tisch mit den Isodrinks bis zur Koffeinlimonade sind es wohl 100 Meter, die ich gehe, ich kann nicht anders. Tempo 5:57 Minuten für diesen Kilometer – kreisch – das ist der tiefste Tiefpunkt, der die 3:15 gefährdet. Aber das darf nicht sein! Also kämpft Kopf den Widerstand der Beine nieder und lässt sie noch einmal so schnell laufen, wie es möglich ist. Lange Gerade, schon wieder – oh Mann, das wird eng – Kurve, kurze Gerade, noch ne Kurve – jetzt muss es doch endlich … – ja, die Festhalle, nicht nachlassen. Ins Dunkel, roter Teppich, Zielbogen. Wie war das mit der grandiosen Stimmung beim Zieleinlauf? Ich bin nur froh, dass es vorbei ist. 3:14:56 stehen auf der Uhr.

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Das war knapp! Irgendwie doof. Diese Zeit hätte ich auch laufen können, ohne mich so zu quälen. Aber ich wollte es ja so. Das war einfach nicht mein Tag, zumindest nicht ab Kilometer 28.

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Ich komme zumindest noch rechtzeitig, um die Siegerehrung von Arne Gabius im  Zielbereich live zu verfolgen. Von einem neuem deutschen Rekord, von Olympianorm und solchen Dingen ist da die Rede. Wirklich realisieren kann ich das erst später.

Gemein ist in Frankfurt übrigens die  Treppe, die alle Läufer hinabsteigen müssen, um an Medaille, vor allem aber an heißen Tee, herrlich salzige Gemüsebrühe und Obst zu kommen. Wie schmerzhaft ein Marathon sein kann, zeigt sich an der Eleganz, wie dieses unnatürliche Hindernis überwunden wird.

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Wie ich selbst hinuntersteige, kann ich nicht sagen. Ich denke, nicht ganz so gequält. Aber spätestens, als mich Flo Neuschwander entdeckt und mir grinsend auf die Schulter klopft – „na, wie war’s?“ – ist die Welt wieder in Ordnung. Das Lachen kehrt zurück. Es war eben nicht mein Tag. Das ist leichter zu akzeptieren als ein Lauf, bei dem ich – wie in Düsseldorf – die Drei-Stunden-Marke hätte knacken können, es  wegen dummer Fehler aber verpasst habe.

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Ich verabschiede mich von Flo und seiner hübschen Staffelbegleitung. Die Plastiküberzüge sind nun wirklich gut, halten warm in den paar Minuten, bis der Weg zur Kleiderbeutelausgabe gewagt werden kann. Sitzen ist gar keine schlechte Idee.

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Auf dem Weg in die Messehalle kommt mir doch tatsächlich mein Schatz entgegen. Die Welt ist in Ordnung, alles ist gut! Besonders die heiße Dusche im Hotel, die Beinmassage, der Latte Macchiato und das Gefühl, es geschafft zu haben – nicht etwa, die drei Stunden zu unterbieten. Ich habe diesen Lauf hinter mich gebracht. Es ist eine Befreiung. Endlich wieder Genussläufe! Die Hammermänner dieser Welt können mir gestohlen bleiben!

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Wie gut, dass meine liebe Kollegin einen neuen Namen hat …

 

Der Letzte

Es war der letzte kurze Lauf vor Frankfurt und es ist der letzte Eintrag vor Tag X. Für einige Tage habe ich nichts von mir lesen lassen. Das lag ganz einfach an dem Chaos zuhause. Denn wer Urlaub hat und ihn dazu nutzt, Millionen Ikea-Einzelteile zu einer neuen Küche zusammenzufügen, der verwandelt die heimelige Wohnstube in eine Messibude und tippt erst wieder in die Tastatur, wenn das meiste geschafft ist.

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Bis auf den Herd und einige Blenden ist es tatsächlich geschafft. So wirklich erholsam war das nicht. Aber ans Laufen habe ich auch nicht wirklich viel gedacht. Gestern dann nochmal sechs ruhige Kilometer durchs Tiergartental. Und da traf es sich doch blendend, Anne spazierend zu treffen. So wurden diese sechs Kilometer durch eine zehnminütige Quasselpause unterbrochen. Aber das war auch gut.

Am Samstag geht es dann nach Frankfurt. Mal sehen, was die Marathonmesse so zu bieten hat. Und dann werde ich tatsächlich versuchen, zumindest eine neue Bestzeit zu laufen. Aber bis Sonntag ist es noch weit. Ich hoffe, dass ich danach nicht so aus der Wäsche schaue:

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Ein farblicher Genuss

… war meine Kleiderwahl beim letzten Tempodauerlauf dieses Marathontrainings sicher nicht. Aber bei kalten drei Grad und Wind hat das Zwiebel-Outfit zumindest gut getaugt, um weder zu sehr zu schwitzen, noch zu frieren.

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Es waren „nur“ 14 Kilometer in knapp einer Stunde. Schnitt 4:11 min/km. Anstrengend war es dennoch. Allerdings bin ich froh, dass mir die Moselstrecke nun für eine lange Zeit wieder erspart bleibt.  Morgen und am Samstag nochmal moderat die Beine bewegen, und dann geht es tatsächlich in die Extrem-Taperingphase vor Frankfurt.

Es wird wirklich Zeit, dass dieses Experiment sein Ende findet.

Der letzte Lange

Die Taperingphase hat begonnen. Mit dem letzten langen Lauf vor Frankfurt habe ich mir die allerdings auch verdient. Uff!

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Nach etlichen Wochen der erste gemeinsame Lauf mir Marcel, der vor wenigen Tagen in beeindruckenden 3:12 Stunden in Köln ins Ziel gekommen ist. Da gibt es viel zu erzählen. Gerade richtig für einen Lauf über drei Stunden.

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32 Kilometer standen auf dem Plan. Überwiegend flach sollten sie sein. Allerdings ändern  wir zumindest einen Teil des Plans kurzfristig, weil die Morgenstimmung so grandios ist, dass es unmöglich erscheint, ohne den Felsenpfad und seine Ausblicke durch das falsche Biewertal  zu laufen.

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Tatsächlich lohnen sich die Blicke über das Moseltal und die Stadt. Der Herbst ist einfach ein Traum. Die Kastanienbäume werfen ihre Früchte ab. Hier sind es Esskastanien, von denen viel vermutlich in Kochtöpfen landen werden. Aber das ist heute nicht unsere Sache.

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Statt an der Mosel, laufen wir durch das Tal zurück und gehen erst an der Kaiser-Wilhelm-Brücke auf die alte Treidelstrecke. Dann bis zur Konrad-Adenauer-Brücke und auf der anderen Seite des Flusses wieder zurück.

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Meine Beine sind heute nicht so leicht wie erwartet, aber am Ende einer etwas intensiveren Woche ist das kein Grund zur Beunruhigung. Marcel fragt zwar immer wieder, ob ich nicht schneller laufen wolle. Aber ich kann ihn beruhigen. Mir genügt wirklich eine gemächliches Tempo.

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So staunen wir über die vielen Touristen, als wir um 10 Uhr durch die Torbogen der Porta Nigra in die Innenstadt laufen. Weil die Sim schon sehr voll ist, machen wir uns durch die Gasse „Sieh um Dich“ und über den Domfreihof in Richtung Palastgarten. Das Gässchen heißt so, weil hier im Mittelalter von den Häschern der Bürgerschaft verfolgte Flüchtige das Territorium der Kirche mit seinen eigenen Gesetzen erreichten und sich in Ruhe umdrehen konnten, sie waren in Sicherheit vor ihren weltlichen Verfolgern.

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Flüchtlinge sind heute als Thema natürlich auch bei diesem Lauf dabei. Das Thema beschäftigt mich beruflich und privat einfach sehr derzeit. Im Palastgarten fällt mir das Spiegelbild im Teich in den Blick – noch ein kurzer Fotostopp, dann am Amphitheater vorbei bis nach Olewig und von dort … noch einmal eine Extrarunde zu den Mattheiser Weihern.

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Marcel verabschiedet sich schließlich nach 28 Kilometern und überlässt mir die Schleife durch das Tiergartental und den Aufstieg über das kleine Biest in Solomanier. Davor treffe ich noch André mit Frau, Kind im Babyjogger und Hündin Nala.  Kurzer Plausch, dann noch die letzten zwei Kilometer. Von der Treibjagd ist zum Glück nichts mehr zu sehen und zu hören.

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Die Beine sind nach 3:15 Stunden wirklich schwer. Kaum vorstellbar, dass ich in zwei Wochen in 15 Minuten weniger zehn Kilometer mehr laufen werde. Aber danach wird mir mein Geläuf sicher auch nicht viel mehr wehtun als heute.

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Hier die ganz schön wilde Streckenaufzeichnung, falls Ihr nach diesem doch wieder längeren Beitrag dazu noch Lust habt:

Flach und flott

Hatte ich nicht schon geschrieben, dass ich lange Geraden …

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Aber was soll`s, noch zweieinhalb Wochen bis Frankfurt, da geht die Marathonvorbereitung in seine Endphase. Es wird auch Zeit, denn die Tage werden kürzer. Und wenn ein langer Tempodauerlauf ansteht, dann muss ich tatsächlich noch im Halbdunklen los, wenn das zeitlich mit dem ersten Termin um zehn Uhr klappen soll.

Also raus aus den Federn um 20 vor 6, zwei Tassen Tee und ein Brot mit Quark und Marmelade verputzen, Altlasten entsorgen, für die Familie Frühstück machen und dann ab an die Mosel, bevor der Morgenverkehr wirklich einsetzt und die Jungs am Frühstückstisch sitzen. Um ohne zweite Schicht am Körper zu laufen, ist es zu kühl, aber die ärmellose und leichte Jackenvariante reicht.

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Rechts der Mosel bei St. Maximin das Auto abgestellt, über die Konrad-Adenauer-Brücke warm gelaufen, drei Steigerungsläufe, Siegerpose (vielleicht hilft’s ja) und los geht’s moselaufwärts. 4:15 muss der Schnitt sein. Das Tempo laufe ich inzwischen ziemlich automatisch bei flotter Schrittfolge … So wirklich Spaß macht es nicht, aber es muss sein. Und die 18 Kilometer bei strömendem Regen waren schlimmer … Solche und ähnliche Gedanken schwirren im Kopf herum. Also gut, zumindest einen Kilometer muss es weiter gehen heute.

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Schloss Monates, Konzert Brücke, Campingplatz Igel … die Entfernungsmarken dieser Strecke kenn ich inzwischen. Noch ein Stück, Löwenbrückner Mühle, Zeit zum Umkehren. Wieder Tempo aufnehmen und das ganze in Gegenrichtung … Nach 19 Kilometer und ein paar hundert Metern ist Schluss. Blick zur Uhr. Temposchnitt 4:10. Na also, geht doch.

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Danach ist es immer meistens gut.