Jetzt geht’s los!

DSC04227

Hiermit erkläre ich den ruhigen Winter für beendet. Auftakt für die die Vorbereitung auf den Düsseldorf-Marathon am 26. April. Und weil es vor drei Jahren mit dem Training nach Plan so gut funktioniert hat, ist Jens Nagel auch wieder mein Coach für den Angriff auf die damalige Zeit.

  • 15 Minuten Einlaufen + 3 Steigerungsläufe
  • 10 mal 200 Meter in 42 Sekunden mit jeweils 200 meter Trabpause
  • 15 Minuten Auslaufen
  • Blackroll (kein Streching)

So lautete die Ansage. Im Tiergarten blicken die Gassigeher schon etwas sonderbar, als ich über die mit Stirnlampe markierte Strecke hetze. 42 Sekunden für 200 Meter. Wenn ich mich nicht verrechnet habe, sind das 3:30 Minuten/Kilometer. Ein Höllentempo für Leute mich, die nicht besonders sprintstark sind.

DSC04228

Die nicht ganz professionelle Startposition ist natürlich nur für das Foto …

Aber es funktioniert, auch bei sehr frischen Temperaturen, wie der Blick auf das frisch gerodete Waldstück zeigt, wo die Stadt im Vorfeld der Flurbereinigung im Tal wohl wieder die für dort ausgewiesene Streuobstwiese herstellt.

DSC04229

Auf dem Heimweg ist am kleinen Biest dann auch die Erinnerung an heute vor vier Jahren präsent. Das ist der Todestag meines Vaters, der an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) gestorben ist. Das ist die heimtückische Erkrankung, die mit der Icebug-Challenge bekannter geworden ist. Die Stufen waren damals auch Thema in meinem Blog.

DSC04230

 

 

Zehnter mit 42

DSC01758

Einen kleinen Vorgeschmack gab es ja bereits. Der 5. Spiridon-Marathon im Hochwald ist nun Geschichte. Für mich war es die dritte Langdistanz in Schillingen. Und gleichzeitig, sofern ich mich nicht verzählt habe, der zehnte organisierte Marathon-Wettkampf, an dem ich mich mehr oder weniger gut ins Ziel gekämpft habe.

DSC01794

Köln, Main, Koblenz, Monschau, Berlin, Hamburg und Monschau waren weitere Stationen. Aber der Lauf im Hochwald ist mit den anderen kaum vergleichbar, am ehesten vielleicht mit dem in Monschau in der schönen Eifel.

DSC01698

Mit Marcel als Duo war ich am Samstag wieder unterwegs. Zumindest bis acht Kilometer vor dem Ziel. Bis dahin hatte ich meinen Lauffreund so weit gebremst, dass er noch ordentlich Körner übrig hatte und auf mein Signal, ich würde nun in etwas ruhigerem Tempo laufen, als Startschuss für einen langen Endspurt verstanden hat.

DSC01702

Er war die verbleibende Strecke im Durchschnitt 30 Sekunden pro Kilometer schneller unterwegs als ich. Beachtlich, zumal ich gar nicht so langsam war und gerade auf den letzten drei Kilometern unter 5 Minuten/km geblieben bin, obwohl ich das Gefühl hatte, ich würde stehen.

DSC01703

Aber nun von Beginn an: Mit reichlich Zeitpuffer in Schillingen angekommen, ist noch Zeit für das ein oder andere „Schwätzchen“, mit Organisator Rudi, mit Schlussläufer Hans-Peter, mit Papillon-Trail-Master Martin und natürlich mit dem ein oder anderen Starter der nur 45 Frauen und Männlein zählenden Marathongruppe.

DSC01704

Von denen will dann auch keiner so richtig als erster an der Startlinie stehen. Der Hochwald-Marathon ist eben doch eher ein Genuss-Landschaftslauf als eine Hatz um Bestzeiten. Anstrengend ist er wegen der vielen Höhenmeter so oder so.

DSC01724

Gewitterwetter war angesagt. Das sollte es allerdings erst in der folgenden Nacht geben. Bei prächtig blau-weißem Himmel lachtealso die Sonne und zeigt, was sie bei so einem Altweibersommertag noch drauf hat. Besonders in den Passagen ohne Schatten ist das sehr schweißtreibend.

DSC01719

So ist klar, dass wir keine Getränke- und Verpflegungsstation auslassen werden. Und bei einer Zielzeit, die „Hauptsache unter 4 Stunden“ lautet, ist auch jeweils genug Puffer für ein kleines Päuschen und Schwätzchen mit den netten Streckenposten vom Spiridon e.V.

DSC01726

Der Lauf ist wirklich ein Kracher. Landschaftlich superschön aber ordentlich fordernd mit seinen vielen Steigungen und Gefällstrecken. Zudem lauern jede Menge Stolperfallen in Form von Wurzeln. Die Naturwege ermahnen zu Aufmerksamkeit und schneller Reaktion.

DSC01733

Ein Fest also für alle, die gerne auf Trails unterwegs sind. An diesem Tag ist es allerdings gut, wenn man nicht auch noch zu den Pilzliebhabern zählt. Denn es ist geradezu der Hammer, was da an Lamellen- und Röhrenleckereien am Wegesrand zur Sammelwut einlädt.

DSC01775

Da ich kein Pilzkenner bin, bleibt es bei mir beim Staunen und weniger bei der Versuchung. Einer solchen widerstehe ich auch auf dem Wurzelweg hinauf zur Ruwerquelle. Der Versuchung, dort schnell hochzuspringen. Seit meinem vollkommen verkrampften Schienbein-Waden-Waterloo vor drei Jahren genau dort gehe ich diesen schönen Abschnitt geruhsam an, vor allem auf der zweiten Runde.

DSC01768

Die folgt in Schillingen nach eine langen Sonderschleife, die bis an den Ortsrand von Kell am See führt. Die langen Steigungsstrecken im Anschluss machen das fast der mental mühsamste Abschnitt.

DSC01766

Aber zumindest darf man sich dabei auf den Knüppeldamm freuen. Die Knüppel des Holzsteges sind zwar längst durch gut laufbare Bretter ersetzt. Der Abschnitt durch das Hochmoor gehört aber zweifellos zu den schönsten dieses Laufs.

DSC01752

Das traditionelle Doppelportrait mit meinem Laufpartner dort muss dank des technischen Unvermögens einer netten Helferin zwar leider ausfallen.

Bild von Holger Teusch

Dafür hat mir aber Holger Teusch ein nettes Foto geschickt, das mich in einer noch nicht gesehenen Aktion zeigt. Also zumindest habe ich mich so noch nicht gesehen.

DSC01781

Härter wird es dann noch einmal auf der zwei Kilometer langen Steigung acht Kilometer vor dem Ziel. Auf der hatte vor zwei Jahren Marcel seinen Einbruch. Diese Rechnung begleicht er in diesem Jahr souverän.

DSC01785

Da die Marathonis auf der zweiten Runde auf die Starter des Halbmarathons treffen, ist es dann mit der Einsamkeit des Marathonlaufens vorbei. Das hat den Vorteil bei schweren Beinen, sich an einen Teilnehmer zu „hängen“, der das passende Tempo läuft.

DSC01710

Den Hammermann glaube ich dann übrigens bei Kilometer 38 zu erblicken. Es ist aber nur ein Schatten. Und meine Autosuggestion, am letzten Verpflegungsstand drei Kilometer vor dem Ziel wäre das Rennen beendet, funktioniert auch. Der Rest der Strecke dient dann eben dem lockeren Auslaufen.

DSC01788

Na ja, ganz locker ist das nicht. Ich freue mich, als mir Marc aus unserem Lauftreff beim Überholen motivierend auf die Schulter klopft. Gefühlt stehe ich zu diesem Zeitpunkt bereits, obwohl sich die Beine im Takt bewegen. Beim Blick auf die Kilometerzeiten soll sich allerdings herausstellen, dass es die schnellsten drei Kilometer des gesamten Laufes sind…

DSC01801

Und dann ist doch noch das Ziel erreicht! Nicht ganz locker, vollkommen verschwitzt, aber doch mit Spaß und Stolz. Der dritte Philippides freut sich auf ein neues Zuhause. 3:50 Stunden sind eine passable Zeit.  Platz 6 insgesamt und in der Altersklasse 2. Na gut, bei 45 Startern, darunter eine Läuferin, die mit Gehstöcken (Krücken) unterwegs war, relativiert sich das.

DSC01800

Und wieder folgen viele Glückwünsche und Gespräche mit lieben Lauffreunden. Dominik, der im Halbmarathon sensationell Dritter wurde. Rudi, Marc, Jens, Daniel, Michael, Toni, Bettina und viele andere sind die Helden dieses Hochwaldlaufes, der leider auch Verlierer hat.

DSC01818

So trübt die Nachricht von drei notfallmedizinischen Fällen die Freude über die gelungene Veranstaltung dann doch deutlich. Als ich vor dem Lauf dieses Foto geschossen habe, dachte ich natürlich nicht, wie lebensrettend das Fahrzeug sein würde.

DSC01694

Meine Gedanken sind besonders bei einem lieben Lauffreund aus der Eifel, der eng mit unserem Lauftreff verbunden ist. Er hatte auf der Hälfte der 5-Kilometer-Strecke einen Herzstillstand, wurde aber zum Glück sofort von zwei anderen Läufern wiederbelebt und dann ins Krankenhaus nach Trier gebracht. Ich hoffe, er wird das gut überstehen.

Aber auch zwei andere Läufer hatten mit der Hitze ihre Probleme. Darunter der Sieger des Marathons. Der ist nach der Siegerehrung zusammengeklappt.

Da war es doch weise, nicht zu viel aufs Tempo zu drücken.

Der offizielle Bericht zum Lauf findet sich hier

 

Überraschungen

Zwei Tage Sendepause, jetzt geht es weiter. Schießlich habe ich noch von einigen Überraschungen zu berichten. Damit meine ich nicht, dass meine Beine heute morgen doch ordentlich in Gang gekommen sind, obwohl ich nicht wirklich Lust auf einen Morgenlauf hatte.

Anne alias Weinbergschnecke hatte mich in der vergangenen Woche angefunkt, ich müsse unbedingt mal bei ihr am Abend vorbeikommen, um eine Überraschung abzuholen, die sie mit Margitta alias Ultra ist gut nach dem Hamburg-Marathon für mich vorbereitet hätten. Als ich dann am Freitagabend bei Anne ankomme, steht wer in der Tür? Margitta!

Herzliche Begrüßung, Gespräche ohne Pause in den folgenden drei Stunden, gerade so, als würden wir uns schon Ewigkeiten kennen. Ist schon verrückt, wie vertraut man einander sein kann, nur über den regelmäßigen Kontakt  über den Laufblog-Stammtisch.

Aus dem gemeinsamen Lauf am Folgetag wurde es leider nichts, da sich Margitta eine unangenehme Verletzung zugezogen hatte (mehr dazu in ihrem Blog). Dafür haben Marcel und ich zu unserem gemeinsamen Samstagslauf dann ihren ebenfalls ultranetten Partner mitgenommen. 15 kurzweilige gemeinsame Kilometer um die Mattheiser Weiher und an der Mosel entlang. Und danach nochmal eine nette Steh-plauder-Runde und ein herzlicher Abschied.

Die süße Überraschung, die meine Lieblingslauffreundinnen für mich bereithielten, hat es übrigens auch in sich. Wie auf diesen Fotos zu sehen ist, freut das aber nicht nur mich.

Und sonst? Keine wirkliche Überraschung war, dass mein Lieblingslaufcoach Jens Nagel in Mainz erstmals unter drei Stunden gelaufen ist. Noch mehr freut mich, dass auch Petra ihren ersten Marathon finishen konnte. Herzlichen Glückwunsch!

Heute Morgen hatte ich übrigens unter meiner Jacke – ja, es war doch einigermaßen frisch – zum ersten Mal das Finishershirt aus Hamburg an. Es trägt sich gut 🙂

 

Tschakka!

Noch wirkt das Wochenende in Hamburg nach. Klar, dass auch in der neuen Laufkolumne, die heute im Trierischen Volksfreund erschienen ist, der erfolgreich gefinishte Marathon ein Thema ist:

Experiment beendet: Tschakka!

Kann ein mehrwöchiges diszipliniertes Training zu neuen Bestleistungen führen? Diese Frage kann ich nach Beendigung des Experiments Hamburg-Marathon nun eindeutig beantworten: Ja! Das funktioniert, auch für bisherige Gelegenheits- und Hobbysportler im fortgeschrittenen Alter.
Endlich darf ich mich einmal damit brüsten, wovon ich schon als Jugendlicher vergeblich geträumt hatte: Ich war der beste Teilnehmer aus der Region. Na gut, eine Frau von hier war noch elf Minuten schneller. Aber da Anja Lamberty inzwischen aus der Eifel nach Köln gezogen ist, zählt das nicht wirklich.
Für meine 3:08:52 Stunden – dieses Zahlen stehen seit Sonntag für die Ewigkeit eingraviert auf meiner Medaille – habe ich gelitten, nicht nur auf den letzten sieben der 42,195 Kilometer.
Es begann vor 13 Wochen, als mir mein Laufcoach den ersten Trainingsplan geschrieben hat: Intervall- und Tempodauerläufe zu früher Morgenstunde bei -15 Grad. Danach wurde es morgens zwar heller und etwas wärmer, die wöchentlichen Trainingseinheiten allerdings auch intensiver und ergänzt durch allerlei Übungen zur Verbesserung von Muskelkraft, Lauftechnik und Koordination, oft im Regen. Noch vor einer Woche hatte mein schmerzender Körper signalisiert, dass es reicht. Am Sonntag liefen die Beine dann aber fast wie von selbst das immer wieder erprobte Tempo – bis ins Ziel. Tschakka!
Und jetzt? Ich starte ein neues Experiment: Wie bekämpfe ich Muskelkater am effektivsten?

Mehr als eine „geile Meile“

Das große Ziel ist erreicht, der Hamburg-Marathon Geschichte. Danke an alle, die mich mental unterstützt, Daumen gedrückt, Mails oder SMS geschickt oder auf Facebook gepostet haben!

Gestern Abend nach der Ankunft in Trier bei einem lockeren Lauf die schmerzenden Beine gelockert, Fotos gesichtet, Zeiten verglichen.

Heute dann nochmal den Lauf bewusst nachempfunden. Das funktioniert bei mir am besten beim Schreiben. Hier das Ergebnis:

Mehr als eine geile Meile – Hamburg Marathon 2012

„Warum geht das hier so langsam?“ Für die Reeperbahn, die „geile Meile“, ist kaum ein Blick übrig, unmittelbar nach dem Startschuss für den Hamburg Marathon 2012. Zu groß ist auf dem ersten Kilometer das Getümmel im Pulk der Läufer. „Nur niemandem auf die Füße treten – und möglichst rasch das geplante Tempo erreichen“, ist der nächste Gedanke. Die Anfeuerungsrufe der Zuschauer erreichen noch kaum meine Ohren.

Block E - Start aus der Boxengasse.

Mein Ziel ist ambitioniert: 13 Wochen mit intensiver Vorbereitung sollen eine persönliche Bestzeit möglich machen. Mindestens 9 Minuten schneller als im vergangenen Jahr in Stockholm: 3:15 Stunden. Darauf waren Intervalltraining, Tempodauerläufe, Longjogs und all‘ die Lauf-ABC-, Koordinations- und Kräftigungsübungen abgestimmt, die mir mein persönlicher Laufcoach Jens Nagel in jeder Woche in detailliert und immer anspruchsvollere Trainingspläne geschrieben hatte.  Wenn der nicht so ein netter Kerl wäre, hätte ich vermutet, dass er dabei eine diebische Freude verspürt haben muss – sadistisch angehaucht. Aber Jens ist ein netter Kerl. Und so war es einfach nur, dass zum Beginn des Trainings die Temperaturen bei -15 Grad lagen und so mancher anstrengende Lauf zu früher Morgenstunde bei Regen absolviert werden musste.

4:35 Minuten. Das ist die magische Zahl für jeden der kommenden 42,195 Kilometer, wenn ich meine Zielzeit erreichen will. Da allerdings Verzögerungen an den Verpflegungsstellen und auch mindestens eine Pinkelpause dabei eingerechnet sind, ist klar, dass in Wirklichkeit das Tempo nicht unter 4:30 Minuten pro Kilometer liegen darf.

Slalom. Wie bei allen Stadtmarathons gleichen auch heute in Hamburg die ersten Kilometer einem Lauf in Schlangenlinien. „Ist Marcel noch da?“ Kurze Blicke über die Schulter und zur Seite beruhigen. Mein Laufpartner hält sich bei mir. Marcel ist zehn Jahre jünger als ich und ein großes Lauftalent. Bei der Renneinteilung auf langen Strecken fehlt ihm allerdings noch etwas Erfahrung. So haben wir vereinbart, dass ich das Tempo vorgebe und er mich auf den letzten Kilometern mitzieht.

Kilometer 1 in 4:45, gefühlt in 5:30. Kilometer 2 in 4:37. „Warum laufen in dieser Startgruppe nur so viele so langsam?“ Endlich werden die Abstände zwischen den Läuferinnen und Läufern etwas weiter. 4:23 Minuten für Kilometer 3. Gut so. Ich nehme zum ersten Mal bewusst die Anfeuerungsrufe der Zuschauer  wahr. Davon haben alle Bekannten geschwärmt, die schon einmal in Hamburg gelaufen sind. Einmalig sei die Stimmung dort.

Landungsdock für Aida-Kreuzfahrtschiffe

4:22 – 4:16 – „Marcel, wir sind zu schnell!“ Die Begeisterung am Streckenrand steckt an. Richtungswechsel. Es geht nun in auf der Elbchaussee in Richtung Landungsbrücke. Imposante Villen am Straßenrand. Kein Wohnviertel für Arme. Verpflegungsstelle, Wasser trinken. 4:35 – 4:27. Jetzt haben wir unser Tempo gefunden. Hier am Landungsdock für die Aida-Kreuzfahrtschiffe waren wir schon gestern Abend, als sich unsere Vierergruppe nach 7 Stunden Fahrt von Trier zum letzten kurzen Lauf vor dem Renntag in Sportklamotten geschmissen hatte. Bei diesen fünf Kilometern hatten Muskeln und Gelenke erschreckend gezwickt. Aber davon ist heute zum Glück nichts zu spüren. Auch bei Christoph und Rudi nicht, die einen Startblock hinter uns laufen und unter 3,5 Stunden bleiben wollen. Achim, unser Langer, war erst am späten Abend gekommen. Er hatte durch eine schwere Erkältung wieder Pech in der Vorbereitung. Der erste Marathon unter vier Stunden wird es für ihn deshalb nicht werden.

Aus der Hand geschossen. Stimmung an den Landungsbrücken.

4:25 – 4:22. „Zu schnell, Marcell!“, bremse ich meinen Partner. Wow! Welch eine Stimmung! Als die Breite Straße auf zu den Landungsbrücken hin abfällt, bietet sich uns Läufern ein gigantisches Bild. Zuschauer jubeln auf mehreren Ebenen, stehen auf Brücken, tanzen, feuern an zu Sambaklängen. Meine kleine Sony habe ich in der Hosentasche. „Einen Versuch ist es wert“, denke ich mir und nestle das Teil aus der Hosentasche. Schnappschüsse bei Tempo 4:21? Das geht, wird sich herausstellen. Und schnell noch ein Selbstportrait …

Noch ist die Stimmung blendend.

Zehn-Kilometer-Marke. Der Blick geht zu dem Bändchen auf dem Handgelenk, auf dem die geplanten Zwischenzeiten vermerkt sind. 46:13 steht da. „Wir sind 1,5 Minuten schneller“, signalisiere ich Marcel. Es läuft prima!

In dem weiß gekleideten Muskelmann vor mir erkenne ich Manuel. Ein ehemaliger Arbeitskollege, der inzwischen in Krefeld arbeitet. Wir hatten uns zum gemeinsamen Lauf verabredet, aber in dem Trubel vor dem Start nicht gefunden. „Geil hier, oder?“ – „Ja, super … Euer Tempo kann ich aber nicht mitgehen“. Einige hundert Meter später spricht mich Norbert aus Bernkastel-Kues an. „Du bist doch der Rainer, oder?“ – „Ja?“ – „Ich bin Norbert, der Kollege von Dirk Engel … Der hat mir gesagt, dass Du auch hier läufst!“ 3:20 Stunden wolle er laufen. „Viel Glück dabei!“ Dass er das geschafft hat, wird er mir später freudestrahlend im Ziel berichten.

Die Neue Philharmonie.

Wir laufen an der Neuen Philharmonie vorbei, die den Eingang zur Hafencity markiert. Das  futuristische Opernhaus ist wie dieses gesamte Riesenareal an der Elbe eine gigantische Baustelle.  Am späten Nachmittag werden wir uns das noch genauer ansehen. Aber bis dieser entspannte Teil unserer Kurzreise in den Norden der Republik beginnt, muss noch einiger Schweiß vergossen werden.

Ideal sind die Temperaturen an diesem Tag. Um die 15 Grad, wechselnde Bewölkung. Der Wind vielleicht etwas zu stark in einzelnen Passagen, in denen er von vorne kommt. Im Tunnel unter dem Hauptbahnhof ist das kein Problem. Die Rampe hinunter verhilft zur schnellsten Kilometerzeit:  4:13 Minuten. Ein Läufer kann es nicht mehr halten. Er entledigt sich seines Blasendrucks an die  Tunnelwand.

Am Jungfernstieg - Die Strecke führt rechts entlang der Außenalster.

Jungfernstieg. 15 Kilometer sind geschafft. 16 – 17 – so weit war ich in diesem Tempo auch schon im Training unterwegs. Ab jetzt wird es spannend. Entlang der Außenalster bläst der Wind heftig von vorne. „Erzähle mir doch etwas“, fordert mich mein asketischer Laufpartner auf. „Nö, mach selber“, gebe ich zurück. Ich habe etwas mit dem Magen zu kämpfen. Um 9 Uhr Start, um 7 Uhr Frühstück. Das Müsli hätte ich doch nicht essen sollen. Es wiegt nun ziemlich schwer.

Kilometer 19 – der Läufertross biegt ab nach Uhlenhorst. Hier drängen sich wieder lautstark die Zuschauer. Verpflegungsstelle bei Kilometer 20. O.k., ein Stück Banane wird schon gehen … jetzt nur nicht übergeben!

Halbzeit. 1:37:30 steht auf dem Armbändchen. Die Garmin zeigt irgendetwas um 1:34 Stunden an. „Marcel, wir sind gut dabei!“.  Stadtpark. Schöne Bäume. „Urinieren in der Öffentlichkeit ist eine Ordnungswidrigkeit“, so stand es in den Anmeldeformularen. Egal – 4:43 für Kilometer 23 – So viel Zeit muss sein.

Noch sieht es gut aus... Foto: firstfotofactory.com

Kilometer 25 – Alsterdorf. Für die Musik der NDR-Bühne habe ich kein Gehör. Spielen die überhaupt? Der Lauf im „Tunnel“ hat begonnen. Meine Gedanken wandern zum Mentalcoaching. Mit Jens, Petra, Dieter, Martin und Michael hatte ich in den Wochen vor dem Rennen drei Sitzungen bei Wolfgang. Im Grunde geht es dabei darum, sich positive Erlebnisse und bewältigte Probleme quasi bei Bedarf in Erinnerung zu rufen. „Gut“, rede ich mir zu, „dafür wird es jetzt langsam Zeit.“

Dem großen Piraten geht es auch nicht besser... Foto: firstfotofactory.com

4:24 – der Tempomat ist eingestellt. Verpflegungsstelle. Ein Gel wird gereicht. „Marcel, willst du?“ Ich ernte ein Kopfschütteln, stecke den Beutel in den Gürtel, verliere ihn fast sofort wieder. „Wir sind jetzt zwei Stunden unterwegs“, freut sich mein Begleiter, „das ist für mich eine psychologisch wichtige Marke.“ O.k. …

Kilometer 28, 29, 30 – „Werde ich dieses Mal Bekanntschaft mit dem Hammermann machen?“ Weg mit diesen Gedanken! Es wird Zeit für das mitgenommene Gel. Das hatte ich schon bei den langen Läufen getestet, lässt sich auch ohne Wasser schlucken. Ich nestele den Beutel aus der Tasche am Gürtel. „Energy Competition Gel“ steht darauf. Hoffentlich wirkt es…

Nur noch zehn Kilometer ... Foto: firstfotofactory.com

Kilometermarke 32 – „Nun nur noch … ein kleiner Morgenlauf“, raunze ich etwas kurzatmig meinem inzwischen ebenfalls etwas mitgenommen aussehenden Laufpartner zu. Dieser Gedanke hatte bei den bisherigen Marathons immer geholfen, ein Stimmungstief zu vermeiden.  Kilometer 35 – 2:41:45 steht auf dem Bändchen. Wir sind fast acht Minuten schneller. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, wie ich mich wundere, warum ich mich nicht freue, dass wir in jedem Falle die 3:15 Stunden unterbieten werden. „Jetzt könnten wir doch auch langsamer laufen…“

In Hamburg-Nord geht am Straßenrand wieder der Punk ab. Enges Jubelspalier für die Helden der Straße. Noch 6 Kilometer, noch 5 … Warum sind diese Kilometer sooo lang? Wo sind die Zuschauer? Kilometer 38 – Harvestehude – 4:28 – wo sind die Leute? Kilometer 39 – Rotherbaum – 4:30 – Blick zur Uhr. Doch schneller als 3:10 Stunden? Der Gedanke daran macht nochmal Beine, auch wenn ich sie nicht mehr spüre. Jetzt müsste Marcel doch Gas geben? Aber der läuft mit glasigem Blick neben mir, dann hinter mir. Hey, das kann doch nicht sein!

Kilometer 41 – zurück in St. Pauli. Das Publikum ist wieder da, feiert uns Läufer euphorisch, auch wenn die schnellsten schon seit mehr als einer Stunde hier vorbeigekommen sind. Ich sehe das Ziel. „Jetzt wird genossen!“, höre ich mich sagen. „Marcel!“  Marcel? Mein junger Laufpartner quält sich tatsächlich 20 Meter hinter mir. Keine Frage, ich warte, mache langsamer, bis er aufgeschlossen hat. Der rote Teppich. Ich fische mir seine Hand, reiße sie in die Höhe. Jubelpose.

Zieleinlauf - mein Lieblingsbild. Foto: firstfotofactory.com

Endorphine meißeln ein breites Grinsen in mein Gesicht. Es ist geschafft!

Ein hübsches Mädchen erwartet mich mit der Medaille, in der eine Stunde später die Zeit eingraviert sein wird.

Fotos werden gemacht. Auch Marcel findet schnell seine Fassung wieder. Wir sind stolz.

Stolz! Foto: firstfotofactory.com

3:08:52 Stunden, Platz 626 (gesamt) Platz 601 (M), Platz 125  in meiner Altersklasse (M45). Wie gut das ist, wird  mir erst später bewusst. Auch Christoph und Rudi laufen deutlich neue Bestzeiten, 3:25 und 3:23. Schließlich kommt auch Achim ins Ziel. Er musste wegen Knie- und Hüftschmerzen viel gehen. Doch das ist schnell vergessen. Jetzt ist Zeit zum gemeinsamen Feiern: Der Schmerz geht, der Ruhm bleibt.

Viermal persönliche Bestzeit!

Und wer jetzt noch Lust hat, kann hier den genauen Rennverlauf ansehen.

Danke an Holger, der aktuell auch etwas für das Laufportal geschrieben hat.

Matsch im Weißhauswald

Für alle Regenläufer und Schlammspritzer war das gestern Abend ein Fest. Nach dem tagelangen Regen die Laufbahn im Weißhausstadion nur noch für Schwimmübungen zu gebrauchen. Die schönen Wege im Wald zum Teil die wahrsten Schlammgruben. Und dazu beständiges Tröpfeln von oben…

Egal. Spaß hat es trotzdem gemacht. Und es hatten überraschend wenige Teilnehmer gekniffen. Bravo! So kann es weitergehen!

Vor den eigentlichen Laufrunden stand aber erst einmal die Pflicht: Einlaufen, Parkbankübung,

Bordsteinspringen
 

und Seitkrätsche. Das wird für Muskelkater sorgen.

Ich habe mir das mit Blick auf Hamburg verkniffen und lediglich die Runde durch den Weißhauswald genossen. Da sich eine Läuferin bei ihrem Wiedereinsteig in das Läuferleben nach Laufpause und Erkrankung etwas zu viel zugemutet hatte, durfte ich im etwas mehr als Gehtempo zunächste „Kehrwagen“ spielen und sie auf kürzerem Weg zum Waldstadion zurückbringen.

Ihr war das etwas peinlich. Aber was soll’s. Sie wird beim nächsten Mal flach laufen und sich langsam wieder an längere Strecken herantasten. Das wird schon wieder.

Dann noch eine15-minütige Extraschleife mit den Halbmarathonis. Diese Gruppe scheint gut zu passen. Da hatte keiner Probleme, das nun etwas zügigere Tempo mitzugehen.

Für mich gibt es jetzt nur noch einen 30minütigen Beinausschüttellauf. Und dann wartet in Hamburg der Start zum großen Lauf. Die Spannung steigt. Also: Locker bleiben.