Abschuss zum Abschluss

In meiner fränkischen Heimat bedeutet Abschuss manchmal auch so etwas wie höchster Genuss. Deshalb ist mein heutiger Abschlusslauf am letzten Tag vor dem ersten Arbeitstag des neuen Jahres wirklich der Abschuss.

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In Trier wieder dicker Nebel und eisige Temperaturen. Den ursprünglichen Plan, kurz nach Sonnenaufgang zu starten, ändere ich deshalb und lese zunächst in Ruhe die Zeitung, für die ich ab morgen wieder texte. Dann das Umziehen in Laufklamotten als Zeremonie. Da im Tal die Suppe wirklich dick ist, fahre ich mit dem Auto noch einmal nach Hockweiler, das – anders als gestern – heute die Nebelgrenze markiert.

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Aber das ist allemal besser als im eisigen Dunst unterwegs zu sein. Und mein Weg führt zudem noch einmal einige Dutzend Höhenmeter hinauf, zum Geizenkreutz und danach weiter in bislang unbekanntes Terrain in Richtung Geizenburg und Ollmuth.

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Die vereinzelten eisigen Passagen lassen sich auf dem gefrorenen Acker gut umlaufen. Die Entscheidung für diese Tour war richtig. Denn auch wenn immer wieder Wolken und Nebelschwaden heraufziehen und einen azurblauen Himmel verhindern. Es ist überwiegend sonnig. Und der zu kleinen Eiskunstwerken gefrorene Reif an Ästen, Gräsern und Zäunen ist tatsächlich ein Augenschmauß.

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Kein Wunder also, dass ich diesen zweistündigen Lauf häufig unterbreche und wieder reichlich fotografiere. Aber die insgesamt 16 Kilometer mit +-420 Höhenmetern sind dennoch nicht ohne. Vor allem der Anstieg vom Franzenheimer Bach, zu dem ich auf der zweiten Runde hinuntergelaufen bin, wieder hinauf nach Hockweiler, hat es in sich.

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Auf halbem Weg nach oben wird es wieder eisig. Der Nebel ist gestiegen und hüllt auch den Ort wieder ein. Die kleine Stärkung und das Fläschchen Wasser, das ich in der Gesäßtasche mitgenommen habe, tun nun gut.

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In Trier zeigt sich die Sonne heute übrigens gerade einmal 15 Minuten hinter einem kurz gelichteten Nebelschleier. Alles richtig gemacht. Kraft getankt für den Wiedereinstieg in den Berufsalltag.

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Wer mag, kann noch eine kleine Diaschau zu ruhigen Gitarrenklängen genießen.

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Spektakel über dem Nebel

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In Trier dicke Nebelsuppe. Meine Hoffnung, heute einen sonnigen Lauf genießen zu können, verschiebe ich auf morgen. Da habe ich meinen vorerst letzten freien Tag. Heute Nachmittag dann doch noch der erfolgreiche Versuch, dem Nebel im Tal zu entkommen. Auf der Höhe bei Hockweiler erleben wir ein wahres Spektakel. Gemeint sind damit nicht nur die etwa 1000 Mutter-,  Jungschafe und Lämmer, die blökend grasen. Die Landschaft, die sich im Licht der tief stehenden Sonne aalt, ist einfach ein Genuss. Aber seht selbst.

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Nur eine Ahnung

… von möglichen Laufstrecken in Berlin-Tegel durfte ich gewinnen. Zu einem Lauf am Tegeler-See hat es an diesen beiden nebeligen Tagen in der Hauptstadt nicht gereicht. DSC03603

Praktisch ist es ja, wenn der Flugplatz im Nachbarland nur 40 Autominuten entfernt liegt. Von Hauptstadt zu Hauptstadt mit Luxair, das ist eine praktische und wegen des geringen Andrangs beim Boarding auch entspannte Sache. Wenn da nur nicht der Nebel wäre … DSC03633

Eine Stunde Zwangsstopp schon beim Hinflug. Und auch der Start des Rückfluges lässt auf sich warten. Genug Zeit also, schon mal in den Blog zu texten, auch wenn die Fotos noch auf der Kamerafestplatte parken und erst am Morgen danach ergänzt werden können.

Die ehemaligen Borsigwerke sind imposante Backsteingebäude am Rande Berlins. Wo einst Maschinenteile für Eisenbahn und allerlei andere Eisen und Stahl fressende Maschinen produziert wurden, ist ein Technologie- und Grünerzentrum entstanden, das offenbar floriert. DSC03619

Jedenfalls werden weiterhin riesige Gebäude abgerissen oder entkernt, um Raum für Innovationen der nachindustriellen Revolution zu schaffen. Ansonsten ist in diesem Teil der Stadt nicht viel los. Am nebelverhangenen See stehen vermutlich sehr teure Häuser. Viele Ruhe herrscht da. Und es gibt eine Shopping-Galerie, die größer ist als die Fußgängerzone mancher Kleinstadt.

Vor Seminarbeginn am Dienstag bleibt eben diese Stunde, um zumindest einen kleinen Spaziergang im Umkreis des Tagungshotels zu machen. Die Vorträge und Diskussionen gehen nahtlos ins Abendessen und dieser in den Plausch mit Kollegen über. An Laufen ist nicht zu denken. DSC03630

Auch am nächsten Morgen nicht, denn bei Dunkelheit in vollkommen unbekanntem Revier – das muss nicht sein. Und als dann auch am Nachmittag nach Ende des Workshops das Wetter nicht besser ist, fahre ich mit der U-Bahn lieber noch für einige Stunden in die Stadt, zumal auch keine Dusche mehr für die ursprünglich geplante nachsportliche Grundreinigung zur Verfügung steht.

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Häufig komme ich nicht nach Berlin, und so sind das Brandenburger Tor und der Reichstag Pflichtstationen dieses Kurzausfluges. Als Kind stand ich bei den Besuchen bei unseren Verwandten in Cottbus und dem dann obligatorischen Ausflug nach Ost-Berlin häufig an dem weiten abgesperrten Platz hinter dem Tor, der von Soldaten sichtbar gut bewacht wurde.

Durch das Tor gehen zu können ist auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ein tolles Gefühl. Zu meiner Überraschung ist es heute fast noch schöner als beim Berlin-Marathon vor einigen Jahren. DSC03644

Der Reichstag liegt nur einige Hundert Meter entfernt. Auf dem Weg dorthin ist das schwarze Wasser eine künstlichen runden Teichs zu finden, auf dessen dreieckige Mittelinsel ein Blumenstrauß abgelegt ist. Hier wird an die Sinti und Roma gedacht, die im Dritten Reich verfolgt, gequält und umgebracht worden sind.

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Geschichte ist ein wichtiges Thema in Berlin. Nicht die des Mittelalters oder der Römer, wie in Trier. In Berlin geht es um neuere Geschichte, um deutsche Geschichte, um die Wiedervereinigung. Aber noch beeindruckender und berührender ist die dunkle Geschichte Deutschlands, an die zum Beispiel das  Stelenfeld an der Cora-Berliner-Straße  erinnert.

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Die gleichen-ungleichen Betonsäulen werden bedrückend für alle, die auf dem gewellten Boden zwischen ihnen hindurchgehen. Das ist aber nichts gegen das Gefühl des Entsetzens, der Fassungslosigkeit, der Trauer und der Scham, das mir die Tränen in die Augen treibt am Ort der Information im Denkmal für die ermordeten Juden Europas.

 

Wie konnten Menschen zu solchen Dingen fähig sein, die hier mal in nachrichtlicher Sprache, mal in Augenzeugenberichten und Briefausrissen, mal als gesprochene Kurzportraits ermordeter Frauen, Männer und Kinder an die Besucher herangetragen werden. Fotos, die das Unfassbare zeigen, die das Grauen der Ereignisse erahnen lassen.

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Die Gesichter der feixenden Offiziere und Soldaten, als sie einem orthodoxen Juden die Locken abschneiden, den sie danach erhängen werden … Zwei Polizisten, die mit ihren Dienstpistolen in ein wahres Feld nackter Frauenkörper schießen. Wie kann es dazu gekommen sein, dass so etwas möglich war? Dass Menschen nicht als Menschen, ja nicht einmal als Tiere betrachtet worden sind?

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Mein Flug nach Luxemburg verzögert sich noch einmal. Irgendwie habe ich kein gutes Gefühl für die heutige Nacht … Aber das liegt wohl auch an dem, was ich in der Gedenkstätte gesehen und gelesen habe.

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Danach war noch einmal  Zeit,  das jetzt beleuchtete Brandenburger Tor zu bewundern.

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Tausende Lampen umspinnen die Linden Unter den Linden. Eine PR-Aktion von Vattenfahl. Viel los ist an einem Mittwochabend nicht in diesem Teil der Stadt. Das Lichtermeer bringt aber andere Gedanken. Und die Fahrt mit U-Bahn und Bus zum Flughafen Tegel ist eine gute Möglichkeit, sich über die Menschen Berlins Gedanken zu machen.

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Die „abgefahrenste Curry-Wurst der Stadt“ hätte ich allerdings mit etwas mehr Ruhe essen können. Das hätte mir zumindest etwas Zeit in dieser tristen und wenig belebten Abflughalle erspart …

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Der Flieger ist da. Endlich!

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Morgen früh wird gelaufen! Heute früh bin ich gelaufen. Ein echter Kontrast zur Großstadt.

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Bei Freunden

Lange war der Besuch im Meulenwald geplant. Mit den Freunden vom Laufreff Schweich eine schöne Runde auf wenig bekannten Pfaden. Das war der Plan.

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So fiel der gewohnte Samstagslauf aus. Besser gesagt, er wurde auf Sonntag verschoben. Start statt 8 um 9.30 Uhr. Die Hoffnung: möge sich der Morgennebel bis dahin verzogen haben.

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Die Suppe ist jedenfalls dicht in Trier, als wir zu viert starten. Marc, Jürgen und nach langer Zeit mal wieder Hightower Achim werden mit dem eigenen Auto zum Treffpunkt am Rothenburg kommen.

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Dort herrscht reger Betrieb, als wir ankommen. Offensichtlich hat die Einladung von Dirk auch an die Leute vom eigenen Lauftreff gewirkt. Jede Menge gut gelaunte Männer und Frauen im typischen Rot des LT Schweich halten sich fröhlich plappernd und auf der Stelle hüpfend der Kälte trotzend warm, bis die Truppe mit 35 Köpfen komplett ist.

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Unser Lauftreff hält mit edlem Schwarz dagegen. Lediglich Marcel setzt mit seiner blauen Jacke ein Gegengewicht. Und beim Lauftreff Schweich widersetzen sich ganz offenbar die meisten Frauen dem Hang zu roter Farbe …

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Die Sonne zeigt sich inzwischen als weiße Scheibe am nebligen Himmel, als Dirk die Truppe einstimmt auf 17 Kilometer über breite und ganz schmale Wege und Trails durch den Wald. Angesichts der vielen parkenden Autos sparen wir uns das Gruppenbild, bis wir an einer dem Anlass besser ins Bild passenden Stelle sind.

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Dort drücke ich einem Spaziergänger freundlich bittend meine Kameradin die Hand. Er macht auch schöne Fotos. Dumm nur, dass sich die Kamera-Auflösung auf Minimalwerte eingestellt hat. So geraten diese Fotos und noch einige andere ziemlich klein, bevor ich den Fehler bemerke.

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Shit happens. Blöd ist es dennoch, weil ich Dirk das Gruppenbild versprochen habe. Aber Läufer sind sich nicht böse. Und es gibt zum Glück noch einige schöne Bilder in gewohnter Qualität. Nur eben kein Gruppenbild.

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Aber die Bilder mit Menschen in Aktion sind eh schöner. Und Bewegung gibt es auf der wunderbaren Runde reichlich.

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Zunächst geht es hinauf, bis wir dem Nebel tatsächlich entkommen sind. Dann irgendwie kreuz und quer hinunter und hinauf. Jede Menge nette Gesprächspartner und -partnerinnen. Wo wir da genau gelaufen sind, muss erst einmal der Blick auf den gps-Track zeigen.

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Dirk zeigt uns sein persönliches „kleine Biest“. Die beiden „Biester“ im Olewiger Tiergartental haben bei ihm offenbar einen tieferen Eindruck hinterlassen.

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Ein Schluck am Quellheiligtum im Quinter Wald – hier war ich schon. Ob mich das wirklich sehend macht, wage ich zu bezweifeln. Beim letzten Mal hat das auch nicht genutzt …

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Dann geht es noch mal hoch und eine langes Gefälle hinunter, das dem Lauftreff Schweich  als Anstieg dazu dient, Bergkönig und Bergkönigin zu ermitteln. Die Regeln werden mit bereitwillig und mit breitem Grinsen erklärt. Wer im Training beim Berglauf am häufigsten mit den Ersten auf dem Berg ist, darf sich mit diesem Titel schmücken.

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Jeder kann diesen Titel nur einmal gewinnen. Und ich laufe diesen Abschnitte ganz offensichtlich mit fünf ehemaligen Königen hinunter, die nicht wenig stolz auf ihre Vereinstitel sind.

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Am Kaiserhammer, ehemals Schmiede und danach Ausflugslokal, sammelt sich die Gruppe wieder und macht sich auf die spannende Umrundung des Weihers. Der schmale Pfad am Rand des Gewässers muss mit Aufmerksamkeit gemeistert werden. Aber zum Glück rutscht niemand aus  oder landet im Wasser.

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Zeit für ein Erinnerungsfoto mit Dirk und Simone, der kleinen Flitzern, die ich noch von unserem Freundschaftslauf im Frühjahr kenne. Sie ist inzwischen beim Lauftreff Schweich heimisch geworden, der auch dank der neuen Tartanlaufbahn beim Schulzentrum Schweich regelrecht boomt. Dort treffen sich an jedem Dienstag um 19 Uhr bis zu 50 Sportbegeisterte zum Bahntraining.

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Vielleicht schaue ich da demnächst auch mal vorbei, wenn ich wieder in ein intensiveres Training einsteige. Aber das ist ein anderer Plan und eine andere Geschichte. Zunächst einmal gibt der lange Wolfgang das Tempo an, damit er rechtzeitig am Mittagstisch sitzen kann. Mit ihm verbindet sich vor allem der wunderbare gemeinsam gelaufene Monschau-Marathon. Und der Eifel-Marathon, bei dem ich ihm nicht mehr folgen konnte.

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Schön war es in Schweich. Vielen Dank an Dirk fürs organisieren.

Höhenrausch am Moselsteig

Nach dem Trailer gestern gibt es nun die lange Version: Höhenrausch am Moselsteig

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Viel Spaß beim Anschauen. Ich hoffe, es ist nicht zu lang geworden. Für mich persönlich nicht, aber ich war ja dabei. Wer die knapp 15 Minuten durchhält, wird die Region Mittelmosel zwischen Bullay und Mülheim danach gut kennen.

Moselsteig – (M)ein Lauf der Superlative

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Wo beginnen, wo enden? Diese Frage ist noch leicht zu beantworten. Start am Samstagmorgen in Bullay, Ende am Sonntagabend in Mühlheim. Die Beschreibung von dem, was zwischen diesen beiden Fixpunkten liegt, die unzähligen Anstiege, wunderbaren Ausblicke,  schweißtreibenden Querpassagen auf heißem Schiefer, tiefe Schluchten, prächtige Wälder und mystische Landschaften im Nebel könnte mehrere Seiten füllen.

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Aber das hebe ich mir für Zeiten auf, in denen ich dafür Muße und nichts Anderes zu tun habe, was den Tag kurz werden lässt.

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Die Lokführer streiken. Ein Arbeitskollege von Christoph bringt uns also am Samstagmorgen vom Bahnhof Traben-Trarbach nach Bullay, wo wir um kurz nach 9 Uhr zum ersten Anstieg im Nebel aufbrechen. Grandioses Spätsommerwetter ist vorhergesagt. Wir vertrauen darauf und wissen, dass sich der Nebel im Tal irgendwann verziehen wird.

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Bis es soweit ist, haben wir aber bereits die ersten 13 Kilometer bis Zelle hinter uns gebracht. Die auf der Höhe immer wieder durch den Dunst dringenden Sonnenstrahlen verzücken uns so sehr, dass wir im Nebel die Hinweisschilder übersehen und einfach mal einige 100 Meter mehr mystischen Wald erleben, als geplant war.

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Auch auf dem Aussichtspunkt Collies oberhalb von Zell ist nichts zu sehen. Hier begegnet uns allerdings erstmals eine Anzahl von Wanderern, die den steilen Anstieg erklommen haben, um nun auf die Sonne zu warten.

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Wir nehmen uns diese Zeit nicht, sondern steigen ab und genießen in einem Café mit preisgekrönter Bäckerei eine heiße Tasse Kaffee und ein Megastück noch warmen Apfelkuchens.

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Lecker, aber unendlich schwer im Magen, wie wir feststellen müssen, als wir im nun strahlenden Sonnenlicht erstmals auf die andere Moselseite wechseln und dort den Berg erklimmen. Dieses Licht, diese Landschaft. Ein Traum!

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Die erste Moselschleife meistern, dann sehen wir schon die Marienburg, eine katholische Bildungseinrichtung und dahinter den Aussichtsturm auf dem Prinzenkopf. Den habe ich glatt vergessen zu fotografieren.

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Aber wirklich lohnenswert ist schließlich die Aussicht am Ende der 106 Stufen. Ein 360-Grad-Panorama, das dank Doppelschleife des Flusses mit drei bis vier Moselanblicken begeistert.

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Der Moselsteig verläuft zu einem großen Teil zwar spektakulär an der Kante zum Tal entlang. Es gibt aber auch wunderbare Passagen durch Wald und wilde Seitenschluchten, in denen sich Bächlein ins Tal stürzen.

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Besonders am Morgen beim Übergang vom Nebel zum Sonnenschein bieten sich hier Eindrücke, die jubeln lassen.

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In Reil haben wir wieder eine 13 Kilometer lange Wanderetappe laufend hinter uns gebracht. Nun erwartet uns ein steiler Aufstieg auf asphaltierter Strecke und eine lange Passage am Sonnenhang, in der wir nachfühlen können, wie sich eine köchelnde Rieslingtraube fühlen muss.

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Nie war eine gefüllte Trinkblase so wertvoll wie heute. Oberhalb von Burg gönnen wir uns jedenfalls eine längere Pause, in der unsere Shirts ein wenig trocknen können.

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Hinunter nach Enkirch und durch das idyllische und an den Hang gebaute Örtchen erneut extrem steil hinauf zur Rottenblickhütte, wo uns ein netter Mann aus dem Dorf von dem fantastischen Vereinsleben, der Trinkfestigkeit der Männer und der Weitsicht der Frauen vorschwärmt. Im Duett mit Christoph noch das Mosellied. Das darf an diesem Ort hoch über dem Ort nicht fehlen, wo sich am Nikolaustag einige Hundert Menschen treffen, um zu feiern.

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Weiter geht es nun nach Starkenburg, das gegenüber von Traben-Trarbach, unserem Tagesziel, hoch über der Mosel thront. Dieser immer wieder ausgesetzte Weg ist der Hammer. Kaum Fassbar, dass in diesen Steillagen noch Weinbau betrieben wird.

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Wie mühsam die Lese ist, können wir zumindest ein wenig nachvollziehen, als vor uns die gefüllten Bütten mit Seilzug empor gewuchtet werden und der süße Inhalt kurze Zeit später in den Traktoranhänger purzelt. „Ihr schwitzt, weil Ihr Spaß habt, ich schwitze, weil ich arbeite“, kommentiert ein freundlicher Winzer mit hochrotem Kopf, der uns vorbeiwinkt.

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Wie glücklich sind wir über das alkoholfreie Weißbier mit Aussicht,  das wir uns wenige Minuten später in Starkenburg gönnen.

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Die restlichen wunderbaren fünf Kilometer hinunter sind danach ein Klacks.

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Der tolle erste Lauftag findet nach 41 Kilometern sein Ende in der Alten Lateinschule Traben-Trarbach seinen Abschluss. Ulrike Böcking hat das historische Gebäude zu einer Pilgerherberge restauriert, die nur zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar ist.

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Ein absoluter Geheimtipp, auch wegen des grandiosen und familiären Frühstücks. Voraussetzung für den Genuss dieser Unterkunft ist allerdings, dass man keine Probleme hat, in einem Schlafsaal mit acht Betten zu nächtigen. Tipp: Ohropax nicht vergessen! Denn angesichts des leckeren Weinangebots in der Gegend kann es nachts laut werden. DSC02727

Nein, liebe Anne, der kommende Tag ist kein Ausnüchterungslauf. Mehr als ein Glas Wein haben wir uns nicht gegönnt. Außerdem waren wir zu mehr nicht in der Lage. Einfach zu müde. DSC02725

Dann also nach ausführlichem und kommunikativem Frühstück Neustart am Sonntag um kurz nach 9 Uhr. Wieder Nebel. Dicker Nebel, der uns an diesem Tag noch länger erhalten bleibt als 24 Stunden davor.

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So verlieren wir wieder kurz die Moselsteig-Markierung aus den Augen. Zwei nette Morgenjoggerinnen mit Hund leiten uns aber  wieder auf den richtigen Weg, der hinauf zum Mont Royal führt. Dort ist an einigen Fußgängern zu bemerken, dass die Feriensiedlung nicht zu fern liegt.

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An Flugzeugstarts ist noch nicht zu denken. Aber beim Anblick des kleinen Towers im Gegenlicht kommen mir Erinnerungen an vor 16 Jahren in den Sinn, als wir am Vortag der Geburts unseres älteren Sohnes hier noch spazierend unterwegs waren. die folgende Nacht verlief damals dramatisch, aber mit Glück zu einem guten Ende und einem kaiserschnittlichen Sohnemann.

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Aber das ist eine andere Geschichte. Heute trotten wir im Dunst weiter in dem Wissen, dass uns bei Kröv eine tolle Aussicht entgeht. Die Beine sind überraschend leicht. Nicht ganz so wie am Vortag, aber es fühlt sich doch noch gut an.

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Vorbei an manchem kunstvoll gesponnenem Netz und den unsichtbaren Dörfern Kinheim, Kinde und Lösenich, die da unten im Tal im feuchten Dunst vor sich hindösen. Pause an der Burgberghütte. Es ist es wie im Flugzeug: Über den Wolken …

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Aber wir freuen uns inzwischen über die Sonne und genießen das Schauspiel des unter uns wabernden Nebels, der Meter für Meter gen Tal sinkt. In Ürzig, nach 16 Kilometern, ist es dann endlich soweit: Wir sehen den Fluss.

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Ohne Unterbrechung erklimmen wir durch eine wildromantische Seitenklamm und den Wald wieder die Höhe.

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Der Nebel ist immer noch zäh, als wir angesichts eines Messpunktes im Hang bemerken, dass wir uns in Höhe des derzeit größten Brückbauprojekts Europas, der Hochmoselbrücke, befinden. Und während wir durch den Dunst spähen, löst sich dieser innerhalb von Minuten auf und gibt den Blick auf einer erneute Moselschleife frei.

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Wir erkennen nun auch die Brücke von Zeltingen, über die wir auf die andere Moselseite laufen werden. Davor aber ruht das Kloster Machern auf unserer Seite des Flusses. Und wieder sind wir so fasziniert, dass wir eine Markierung übersehen und einig heftige Extrameter machen müssen, bevor nach dem ersten Halbmarathon an diesem Tag Kartoffelsuppe, Laugenbretzel und alkoholfreies Weißbier zur Mittagspause schmecken.

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Christoph war auf den zurückliegenden Kilometern sehr schweigsam. Kein besonders gutes Zeichen, aber er wird diese Schwächephase überwinden. Dafür signalisieren Marcs Oberschenkel Protest gegen das ständige Auf und Ab, das sich am Ende der zwei Tage auf 3600 Meter addiert haben wird.

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Wir steigen bei Zeltingen aber zunächst erneut extrem steil durch den Sortengarten hinauf auf die Talkante der Hunsrückseite.

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Wieder tolle Ausblicke, tolle Waldpassagen.

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Bei Graach und oberhalb der Graacher Schäferei ist der höchste Punkt der Tour erreicht. Bis zum Fluss sind es hier 300 vertikale Meter. Das Moseltal kann auch eine Schlucht sein. DSC02977

Die Beine von Marc wollen nun keine Steigungen mehr hinauflaufen. Christoph hat weniger Probleme, ich hatte noch keine und werde auch keine bekommen. Wir gehen jetzt mehr, so bleibt Muße für den Blick in die Ferne. Da sind nun auch die Hügel der Eifel zu erkennen. Wieder dieses Flugzeuggefühl, mit dem wir dann zum Landeanflug in Bernkastel-Kues ansetzen. Bergab laufen funktioniert bei uns allen noch problemlos.

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Dieses Doppel-Städtchen ist zwischen Trier und Cochem die Stadt mit den meisten Touristen. Laufen durch die pittoreske Fußgängerzone mit ihren engen Gassen funktioniert nicht wirklich. In diesem Fall liegt das aber nicht an schweren Beinen.

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Je eine große Cola soll die Energie für die letzten neun Kilometer bringen. Nach den ersten Schlucken ist klar, wir werden auch dieses Stück nicht flach an der Mosel, sondern auf dem Steig laufen.

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Also nochmals zurück durch Bernkastel und hinauf zur Burg Landshut, die derzeit von einem Baukran flankiert wird. Ein Stück hinunter, dann wieder hinauf.

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Wir hatten immer wieder auf den bald insgesamt 82 Kilometern ziemlich matschigen Untergrund. Aber auf den letzten Kilometern wird es zeitweise knöcheltief. So tief, dass Wanderer die Hose hochkrempeln. Für mich sind das die Momente, in denen ich mich so richtig über meine Schuhwahl freue: Trailtreter mit Continental-Sohle. Also: mit vollem Karacho durch den Matsch …

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Und dann ist es ja auch nicht mehr weit bis zu unserem Zielort Mühlheim, wo Marc sein Auto geparkt hat.

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Sonntag, 18 Uhr, Abklatschen im imaginären Ziel. Unfassbar! Nochmal 41 Kilometer geschafft. 82 Kilometer in zwei Tagen mit 3600 Höhenmetern, Nettolaufzeit knapp zwölf Stunden. Bruttozeit 17 Stunden.  Mein bisher größtes und bei weitem anstrengendstes Laufabenteuer. Der Moselsteig ist toll. Unsere Fünf-Sterne-Empfehlung hat dieser Weitwanderweg. DSC03036

Danke an Christoph und Marc. Wir sind ein tolles Team und werden uns für das nächste Jahr wieder etwas Besonderes einfallen lassen.