Drei heilige Könige

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Städtereisen sind in Deutschland sehr beliebt. Nun schließe ich mich zwar nicht jedem Trend an. Ein wenig City-Hopping kann aber durchaus kurzweilig sein. Deshalb war es naheliegend, von Aachen in Richtung Köln weiterzufahren und die an diesem Tag vermutlich einzige staufreie Einflugschneise zu nutzen, um in das Herz der Domstadt zu gelangen.

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Unser Hotel am Heumarkt war zwar knapp doppelt so teuer wie das in der Nacht davor. Dafür sollten aber auch ein großes Frühstück und Schwimmbad warten. Das Frühstück war tatsächlich umfassend und delikat. Die nasse Körperertüchtigung blieb uns allerdings verwehrt, da – natürlich – das Bad just in den Tagen renoviert werden muss, in denen zwei Wahltrierer sich auf die Suche nach Großstadtkultur begeben haben.

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Langeweile kommt in einer Stadt wie Köln natürlich dennoch nicht auf. Denn auch wenn bei weitem nicht so viele historische oder wiederaufgebaute Gebäude wie in Aachen die Blicke auf sich ziehen.

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Es gibt Dom, Dom, Dom – und so viel Geschichte, dass selbst unser abendlicher Nachtwächter auf seiner Tour durch die kölschselige Altstadt nicht alle Kapitel ansprechen kann.

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Jedes der vielen alten Brautäser alleine wäre sicher eine solche Geschichte wert. Der Gedanke, dass sich viele von ihnen in den vergangenen paar Hundert Jahren kaum verändert haben, ist inspirierend.

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Mit Kölsch-Glas darf man sich die mittelalterlichen Zecher allerdings nicht vorstellen. Denn das in meiner fränkisch-bayerischen Heimat noch bewährte Bierseidel mit Deckel war bis ins 20. Jahrhundert auch in Köln das Trinkgefäß der Wahl.

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Eine große Geschichte und viel Macht hatte in der Neuzeit das Bürgertum. Wie in Trier gab es da reichlich Konkurrenz zum Klerus, der mit einer der größten Bischofskirchen Europas fürwahr ein Juwel der gotischen Baukunst besaß.

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Der Dom ist tatsächlich zu jeder Tages- und Nachtzeit ein gewaltiges Ereignis. Das war er auch schon, als nach dem Baubeginn 1248 bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts lediglich das in die Höhe strebende Chorgebäude unglaubliche Baukunst bezeugte. Der eine angefangene Turm war nicht fertig geworden. Nur einige Meter über den Fundamenten des größten Teils der heutigen Kathedrale war damals eine flache Abdeckung als provisorisches Dach gelegt.

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Kompetent geleitete Führungen sind wirklich ein Gewinn bei der Besichtigung  eines solchen Bauwerks. So weiß ich nun, dass der Mitte des 19. Jahrhunderts in knapp 40 Jahren fertiggestellte Sakralbau nichts anderes ist als ein Schrein um den Schrein.

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Heilige Knochen gefällig? Im Kölner Dom sind es die fast kompletten Skelette der Heiligen drei Könige, die – in einem prächtigen vergoldeten Schrein aufbewahrt – seit Jahrhunderten   Pilgerströme an den Rhein ziehen. Am 6. Januar wird bis heute eine Tür dieses kostbaren Reliquiars geöffnet und der Blick auf die drei Schädel der Reisenden aus dem Morgenland freigegeben.

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Im Mittelalter soll das wöchentlich passiert sein, was für die Menschen, die ihren Heiligen nahe sein wollten, besonders anziehend gewesen sein muss. Wer am Wochenende den Dom besucht und sich über die berühmte Platte davor schlängelt, wird kaum bestreiten, dass bis heute zumindest die Anziehungskraft gotischer Baukunst nicht gelitten hast.

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Natürlich kommen beim Anblick der Menschenmassen und der Polizeipräsenz vor dem Hauptbahnhof und auf der Platte Gedanken, wie es wohl in der vergangenen Silvesternacht hier war.

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An einem lauen Sommerabend ist aber von Aggression, Alkoholexzessen und Anmache nichts zu spüren. Musik ist in der Stadt. Alleine die teilweise erstklassigen  Musiker, die hier alleine und in der Gruppe um die Euros der Passanten wetteifern, sind eine Reise wert.

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Und zur Belohnung für die viele Lauferei, auch durch unendlich scheinende Fußgängerzonen und Einkaufstempel – besonders angetan war ich von einem riesigen Outdoor-Kaufhaus mit eigenem Pool und Tauchbecken – gibt es natürlich das ein oder andere Kölsch.

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In den Brauereien reicht für die unmittelbare Bereitstellung des schnell gezapften Gerstensaftes das kurze Heben der Hand.

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Beim Gedanken daran überkommt mich der Durst. Eine gute Chance, um aus diesem Bericht auszusteigen mit dem Vorsatz, Köln nicht zum letzten Mal gesehen zu haben. Auch die Kunstmuseen dort sind lohnenswerte Ziele, nicht nur für einen Tag.

Laufspaß mit Donnerwetter

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Es ist auch mal interessant, eine Laufveranstaltung komplett aus der Helferperspektive zu betrachten. So wie beim dritten Freundschaftslauf des SV Olewig, der seinem Anspruch als Panoramalauf wieder erfüllt hat.

Mein Bauchgrummeln angesichts der Wetterlage teilten vermutlich einige Sportfreunde, die ansonsten nach Olewig gekommen wären. Aber so war es mit 40 Teilnehmern überschaubar und wirklich unproblematisch. Gute Laune in allen Gesichtern. So soll es sein.

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Christoph und ich waren in unterschiedlichen Rollen. Er als Hauptorganisator, ich als Nebendarsteller und Coach der drei Verpflegungspunkte, natürlich mit lieber Unterstützung.

Aber das Wetter! Am Morgen erst Nebel, dann Sonne, Wärme, zunehmende Schwüle, und pünktlich zum Start machte ein heftiger Regenschauer zunächst einmal alle Läufer nass. Aber das wären sie angesichts der hohen Luftfeuchtigkeit auch ohne Unterstützung von oben auf dem Weg über den Petrisberg zum Turm Luxemburg eh geworden.

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Der erste Verpflegungspunkt bei Kilometer 8 war für alle drei Gruppen, die 10, 16 und 25 anspruchsvolle aber wunderschöne Kilometer bewältigten. sicher der wichtigste. Dort hatten sich die Regenwolken wieder etwas in Richtung Umland verschoben. Sie sind auch dort geblieben bis die 10er wieder im Tal beim Sportheim waren.

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Auch die 16er schafften ihre Extraschleife ohne weitere Zwischenfälle und wurden in Irsch noch einmal mit Stärkungen versorgt.

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Mit Karin habe ich an der wunderschönen Raststelle oberhalb des Friedhofs von Irsch auf die Langstreckler gewartet. Die Aussicht über Trier von hier ist wirklich außergewöhnlich und für unsere Laufgäste eine Premiere.

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Die dunklen Wolken über dem Ruwertal und das zunehmende Grollen begleiteten die Ankunft der Laufgladiatoren an Verpflegungspunkt drei, die inzwischen reichlich Höhenmeter in den Beinen und noch acht Kilometer vor sich hatten.

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Angesichts der dunkeln Wolken dauerte der Stopp nicht zu lang, bevor es in Richtung Domäne Adelsbach weiterging. Gut so, denn das kleine, aber heftige Gewitter drehte doch tatsächlich in Richtung Trier ab und sorgte für zehn Minuten Sturzflut vom Himmel.

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Auf der Terrasse des Sportheims saßen die meisten Starter aber zum Glück im Trockenen und erwarteten die letzten tapferen Panoramisten, die sich beim heftigsten Regen in der Domäne untergestellt hatten, wie sie ihre kleine Verspätung später erklärten.

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Großes Hallo im Ziel. Genüsse vom reichhaltiges Buffet mit Leckereien haben geholfen, die Energiespeicher bestens wieder aufzufüllen. Es war eine schöne Veranstaltung, die im kommenden Jahr sicher eine Fortsetzung finden wird.

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Dann werde ich hoffentlich wieder eine der Startgruppen laufend begleiten können. Denn Verpflegungshelfer zu sein ist zwar eine schöne Sache. Noch mehr Spaß macht mir allerdings, auf der Strecke dabeisein zu können.

Danke an alle, die uns beim dritten Panoramalauf des SV Olewig mit ihrer Teilnahme und guten Laune beehrt haben. Vor allem Dank und Lob für Chefcoach Christoph und allen, die geholfen haben, trotz des Donnerwetters diese schöne Veranstaltung zu realisieren.

Weglaufen

… hilft in diesen Tagen nicht. Der verbrecherische Terror in Paris darf uns nicht lähmen. So überlege ich am Samstag nur kurz, ob es wirklich gut ist, in Langsur zu laufen. Vermutlich geht es vielen wie mir. Und vielleicht ist die Rekordbeteiligung von 2151 Finishern in Langsur auch das Ergebnis des Vorsatzes, dass wir uns von Terrorknechten des so genannten Islamischen Staates nicht einschüchtern lassen.

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Natürlich ist da immer noch das Entsetzen über die Taten, die Trauer über die Opfer und das Mitgefühl für deren Angehörige und Freunde. Aber es hilft, gemeinsam mit Freunden ein Zeichen der Normalität zu setzen.

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Die Antwort auf eine der drängendste Frage zum Deulux-Lauf gebe ich sofort. Die „Erlebnisduschen“ haben viel von ihrem Schrecken verloren. In den Duschzelten gibt es sogar Licht, das Wasser kommt warm und in ausreichender Menge aus den Duschköpfen. Aber auch das ist natürlich ein Gesprächsstoff in der Feuerwehrgerätehalle, die wie immer den Männern als Umkleide dient.

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Alle haben zehn Kilometer auf der welligen Strecke an der Sauer hinter sich gebracht, jeweils die Hälfte auf deutscher und luxemburgischer Seite. Alleine waren dabei nur die schnellsten Läufer unterwegs. Denn das Feld zog sich angesichts der Masse zwar schnell in die Länge. Gruppenbildung war aber jederzeit möglich. Und wer als flotter Läufer notgedrungen von weiter hinten starten musste, der konnte sich freuen, rekordverdächtig viele Mitstarter beim Überholen zu grüßen

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Rekordverdächtig war auch der Andrang bei der Startnummernausgabe in der Festhalle. Sogar der Start musste um 15 Minuten verschoben werden, damit alle es schafften, nach einer Schweigeminute mit Nummer auf die Strecke zu gehen. Auch für Dominik, Marc, Marcel und mich wurde es ein wenig knapp, obwohl wir sehr zeitig in Trier losgefahren waren. Dominik war nicht der Einzige, der sich in der Warteschlange umgezogen hat, für alle Fälle.

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Er hat sich dann auch ins vordere Starterfeld begeben, während wir anderen es gemütlicher angehen ließen, nachdem auch Christoph da war, der wegen einer abklingenden Erkältung kurzfristig nachgekommen war und sich nach dem Lauf auch sofort wieder auf den Weg nach Hause gemacht hat.

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Dass unser Lauftreffcoach trotzdem den Lauf ziemlich zügig angeht, überrascht mich ein wenig. Aber ich habe mir vorgenommen, ihn zu begleiten. Es stört mich auch nicht, denn ich profitiere von den vielen Tempodauerläufen für Frankfurt. In Langsur muss ich nicht einmal das gewohnte Tempo von 4:10 laufen.

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Als es Christoph auch nach vier Kilometern noch sehr gut geht, übernehme ich die Führungsarbeit und ziehe ihn auf eine 43er Zeit, mit der er sehr zufrieden ist.

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Bevor wir aber im Ziel sind, genießen wir die Musik an der Strecke …

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… erleben eine wie nie im Takt der Schrittfrequenz schwankende Hängebrücke bei Metzdorf und freuen uns, viele Bekannte auf der Strecke zu treffen.

 

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Zielsprint mit Christoph. Foto: Holger Teusch

Zwei Kilometer vor dem Ziel treffe ich auch Melanie wieder, meine flotte Begleiterin vom Wurzelweglauf. Ihre Aufforderung, ich möge sie doch pacen, muss ich zunächst mit dem Verweis auf meinen Begleiter ablehnen, der in einigen Metern Abstand folgt. Marc musste leider schon bei Kilometer fünf abreißen lassen. Aber Christoph hat noch Körner übrig. Und so ziehe ich tatsächlich für beide noch einmal das Tempo ein wenig an.

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Mein Freund hat sogar noch die Kraft für einen Endspurt, über den ich mich freue. Denn ich kann mithalten!

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Nach dem Duschen in hell erleuchteten Zelten ist der traditionelle Ausklang auf der Tribüne angesagt. Den obligatorischen Sekt, den die Liebe Grüße Langsur immer bei ihrer Veranstaltung spendiert, genießen wir natürlich. Das geht auch mit geschlossenen Augen. Dominik kann auch wieder freundlich schauen, obwohl er mit seiner 39er Zeit nicht zufrieden ist.

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Und dann verfolgen wir noch die vielen Siegerehrungen in allen Altersklassen bis M75. Es gibt Ziele, die es Wert sind, verfolgt zu werden!

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Bericht, Ergebnisse und mehr als 200 Fotos zum Lauf gibt es im Laufportal des Trierischen Volksfreunds. 

Über Autos, Mauern und Reifenstapel

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„Ich will jetzt Eure Hände seeeh’n!!!“ dröhnt es aus den Lautsprechern. Sehen kann ich den Moderator nicht. Aber das ist für jemanden, der in der zehnten Startreihe steht und nur knapp 170 Zentimeter misst, keine neue Erfahrung. Die Stimmung vor der Porta Nigra ist prächtig, die Luft knistert vor Spannung.

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Aber vielleicht liegt das auch an dem schwülen Wetter. Noch zehn Sekunden bis zum Start des ersten Urbanian Run in Trier, noch neun, acht, sieben, … Die Trierer Sportdezernentin zieht tatsächlich den Abzug der Startpistole durch. Auf geht’s zur wilden Jagd!

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Für mich ist es das erste Hindernisrennen überhaupt. So nervös war ich schon lange nicht mehr vor einem Lauf. Aber heute kann ich dieses Kribbeln zumindest mit meinem Sohn teilen. Der 14-Jährige soll mir bei den Hangelpassagen helfen. Ich werde ihm dafür auf den Laufetappen zwischen den acht Hindernissen Beine machen. Wer zehn Kilometer läuft, muss diese zweimal sowie fünf weitere Barrieren überwinden. Aber bis sich Nummer eins in den Weg stellt, müssen erst einmal 1000 Meter gelaufen werden.

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Laufen? Hey, was ist das denn? Dieses Stop-and-Go fühlt sich an wie Silvesterlauf. „Vielleicht ist das ja das versteckte neunte Hindernis“, rufe ich dem Sohn zu, während wir uns durch die gemütlich trabenden und vor Schweiß glänzenden Massen schlängeln. Okay, unsereiner duftet auch nicht mehr nach Oleander, Lavendel und Jasmin …

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Im Palastgarten ist endlich mehr Raum, dort wartet das erste offizielle Hindernis: Jump’n’Run, mehrere Pylonreihen, die zu überspringen sind. Es ist offiziell das Hindernis des Trierischen Volksfreunds, weshalb ich hier mit unserem Fotografen verabredet bin.

Urbanian Run Trier 2015

Meinen Sohn lichtet er in perfekter Sprungtechnik ab. Aber das bemerke ich nicht. Erst kurz vor der letzten Hürde, die ich ganz rechts überspringen will, höre ich von ganz links sein Rufen. „Ach da bist Du …“ Rumms, laufe ich voll in die Plastikbarriere und vermeide nur knapp den schmerzhaften Kontakt mit dem Wegbelag.

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Na ja, es gibt ja noch andere schöne Stellen für Fotos … Aber bitte nicht an diesem Hangeldings, das jetzt in Sichtweite kommt! Das ist mein Albtraum. Na gut, im Zweifelsfall mache ich zehn Liegestütze. Das darf ersatzweise sein, hat der Moderator am Start gesagt, wenn man ein Hindernis tatsächlich nicht schafft. Und schon hangelt mein sportlicher Nachwuchs durch die acht Meter lange Herausforderung, als wäre es ein Kinderspiel. Los jetzt, Papa, nur keine Blöße geben! Eins – Mann, ist das rutschig – zwei – geht doch – drei – fühlt sich gar nicht so verkehrt an – vier – Yippie!!! Meine Mundwinkel sind ab sofort vor den Ohren festgetackert. Was kann jetzt noch kommen, auf drei Kilometern im Zickzack durch die City?

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Die mächtigen Sandsäcke zum Beispiel, die sind kein wirklich schweres Hindernis. Vielleicht liegt das auch an den Anfeuerungsrufen vom Streckenrand. Viele Trierer nutzen diesen feucht-warmen Nachmittag, um sich das Spektakel anzusehen. „Raineeer, lauf!“
Ich nehme trotzdem ein wenig Tempo raus, weil mein junger Begleiter auf der Flachstrecke mehr Schwächen zeigt als an den Hindernissen. Das Spitzenduo des 15 Minuten früher gestarteten 10er Laufs nutzt das, um auf seiner bereits zweiten Runde locker an uns vorbeizuziehen.

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Wow! Aber auf dem Viehmarkt lenken hübsche Frauen von diesem mentalen Tiefschlag ab. Sie drücken uns Pakete in die Hand. Die sollen über das überdimensionale Gepäcknetz und eine Rutsche auf die andere Seite der vier Meter hohen Wand gebracht werden. Das macht Laune, auch wenn es dabei ganz schön wackelig zugeht.

Urbanian Run Trier 2015

Posing für den Fotografen. Danke für das Foto, Holger Teusch.

Rush Hour nennt sich das nächste Hindernis. Feierabendverkehr in Trier also. Schade, dass wir da nicht auch einfach über Autos laufen können. Eine spaßige Angelegenheit. Aber die Freude über die Blechkletterpartie lässt sich kaum auskosten, weil der Veranstalter nun Reifenstapel in den Weg geworfen hat.

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Auf dem Hauptmarkt ist die Stimmung natürlich grandios, wie bei jedem Lauf in Trier. Eine Zumbatruppe animiert die Zuschauer zum Tanzen, während die schweißnassen Urbanian Runner über die gestapelten Holzkästen des Hauptsponsors klettern und springen.

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Nicht alle sehen noch frisch aus, einige leiden sichtbar. Nicht schlecht, dass sich am Frankenturm ein wenig Zeit zum Atemholen bietet. Denn hier, an der mächtigen Mauer, gibt es den einzigen wirklichen Stau. Kletterbegabte Leichtgewichte sind da klar im Vorteil, weil sie nicht unbedingt vom letzten Podest aus die Wand erklimmen müssen.

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Sohnemann hat nun auch wieder genug Luft, als ich ihn auf die Mauer ziehe. Seine Gesichtsfarbe war schon natürlicher. Aber Papa ist ein Motivationsgenie: „Es sind nur noch ein paar Hundert Meter bis ins Ziel!“ Dieses Versprechen zeigt Wirkung und lässt uns die Simeonstraße hinunterfliegen. Verdammt, ich verliere schon wieder einen Endspurt …

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Aber was soll’s. Im nächsten Jahr machen wir den Zehner, ganz bestimmt.

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Düsseldorf

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Gut, aber nicht sehr gut. Persönliche Bestzeit zwar, aber nicht unter drei Stunden. Ich muss den  Verlauf des Düsseldorf-Marathons noch verarbeiten. Dass alles hätte stimmen müssen, um  meine sehr ambitionierte Zielzeit zu erreichen, war klar, leider stimmte nach gutem Beginn nicht alles, und so habe ich auf den letzten sechs Kilometern die Chance auf die Marathonzeit meines Lebens vergeben. Ein besonderes Erlebnis war dieses Wochenende dennoch.

Hier die ganze Geschichte:

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14 Wochen intensives Training. Den Lohn dafür wollen Dominik und ich in Düsseldorf erlaufen. Wir sind als Sextett in der interessanten Stadt am Rhein. Ebenfalls dabei sind Christoph mit Birgitt, Marc und Frank, der als einziger nicht im schönen Dress des Lauftreffs Olewig unterwegs sein wird und das großartige Erlebnis seines ersten Marathons erleben wird. Mein Schatz Karin ist auch mitgekommen. Die Damen werden sich Königsallee und Co. entspannt ansehen.

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Dominik ist schon mit dem Zug vorausgefahren, um den Tag mit seiner Schwester zu verbringen, die uns am Sonntag ebenfalls an der Strecke anfeuern wird. Es muss sich zeigen, wie er den Lauf mit seiner urplötzlich aufgetauchten Allergie überstehen wird.

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Im Hotel eingecheckt, geht es natürlich zunächst zur Startnummernausgabe im Sparkassen-Tower. Eine kleine Marathon-Messe ist auch dabei, alles sehr familiär und für den Marathon in einer Landeshauptstadt übersichtlich. 2650 Läuferinnen und Läufer werden am Ende als Finnisher gelistet sein. Hinzu kommen zahlreiche Staffelteilnehmer.

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Die logistische Leistung ist nicht nur am Rheinufer groß, zu dem wir am Abend nach unserer privaten Pizza- und Pastaparty einen Abstecher machen. Unglaublich, was da auch in der Altstadt abgeht. Gedränge wie in Trier beim Altstadtfest.

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Natürlich machen wir am frühen Abend vor dem Renntag auch die obligatorischen fünf Kilometer und stellen gut gelaunt fest, dass wir am liebsten weiterlaufen würden.

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Drei Steigerungsläufe in einer verkehrsberuhigten Nebenstraße  müssen natürlich auch sein. Gelegenheit für ein Spaßfoto … es ähnelt sehr einem Bild, dass ich beim ersten Trainingsintervall im Februar gemacht hatte …

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Einigermaßen gut geschlafen, leicht gefrühstückt. Dominik kommt mit seinen Sachen ins Hotel, das wir bis 16 Uhr gebucht haben. Es wird sich als Segen nach dem Lauf erweisen. Denn wir können später ohne Gedränge duschen und noch ein wenig entspannen, bevor es nach Hause geht.

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Aber davor will noch ein Marathon gelaufen sein. Ein möglichst schneller, denn dafür habe ich mich ebenso wie Dominik geschunden und überwunden und gezweifelt und motiviert. Der Pacemaker mit den Ballons soll es richten, auf denen 3:00:00 steht.

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So verabschieden wir uns also von den drei Helden, die die 3:30er Marke in Angriff nehmen und sortieren uns am Anfang des 3-Stunden-Starterfeldes ein.

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Kurz vor dem Startschuss, die bekannte Stimme von Wolf-Dieter Poschmann im Ohr, der traditionell auch den Trierer Silvesterlauf moderiert, kommt dann tatsächlich ein junger Läufer mit den richtigen Ballons. Es kann los gehen und geht auch ab wie die Post. Bei diesem Marathon verlieren wir zumindest nicht auf den ersten Kilometern Zeit, wie in der Regel bei den ganz großen Rennen. Zum Beispiel in Hamburg, wo zur selben Zeit TV-bewegt-Coach Michael Pfeil sich auf die erfolgreiche Jagd nach einer neuen Bestzeit macht.

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Hier in Düsseldorf laufen etwa 30 Männer und eine Frau im Schlepptau der lustig flatternden Heliumhüllen. Nach zwei Kilometern bewegen die sich ziemlich genau in der anvisierten Pace. Einen Tick schneller, aber das fühlt sich gut und locker an. Allerdings merke ich bei Kilometer 18, dass Dominik immer lauter atmet. Kein gutes Zeichen. Auch gefällt es mir nicht, dass meine Suunto mit jedem Kilometer einige Duzend Meter mehr notiert, als an den offiziellen Streckenmarkierungen angezeigt wird. So laufe ich nach meiner persönlichen Zeitmessung die erste Hälfte der Strecke in 1:28:26 mit klarer persönlicher Bestzeit. 300 Meter später folgt allerdings erst die offizielle Zeitnahme, die 1:29:22 notiert. Immer noch knapp persönliche HM-Bestzeit – und 38 Sekunden Puffer auf die 3-Stunden-Zielzeit …

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Dann zieht unser Pacemaker an … um für eine Pinkelpause anzuhalten. Na ja, der kleine Tross läuft weiter und zieht sich sofort auseinander. Vorne viel zu schnell, mit meinem Partner laufe ich 4:15er Schnitt, um auf den Jungen nach der Pipipause zu warten. Als der dann tatsächlich wieder aufschließt und vorbeifliegt, legt er ein Tempo vor, dass wir uns nicht antun wollen. Zudem signalisiert Dominik, dass er eine Zeit unter 4 min/km nur extrem schwer halten kann.

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Wie er nach dem Rennen berichten wird, geht bei ihm nach 21 Kilometern nicht mehr viel. Die Bronchien machen zunehmend dicht. Zwei Kilometer lang laufe ich voraus, nehme das Tempo etwas zurück. Er kommt dennoch nicht heran, winkt ab. Also mache ich mich alleine auf den Rest der Strecke. Der Tempoläufer ist inzwischen ziemlich weit voraus. Ich muss nun mein eigenes Rennen machen und darauf hoffen, ich wieder im Laufe der Zeit einzuholen.

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Bei Kilometer 30 liege ich noch gut im Schnitt. Nach meiner eigenen Messung sowieso. Aber auch die offizielle Zeitmessung bescheinigt mir nur einen minimalen Rückstand von 13 Sekunden auf meine Zielzeit. Es läuft sich gut, auch wenn ich keine Gruppe mehr habe, an der ich mich orientieren kann. Kilometer 32. Alles gut, die Beine sind natürlich nicht mehr ganz so leicht, aber jetzt ist es nur noch ein 14er Tempodauerlauf an der Mosel …, rede ich mir ein und verpasse es, mich am Gelstand zu versorgen. Mein eigenes Gel hat leider Dominik in der Tasche, in der er auch sein Asthmaspray mitschleppt.

Dieser Verpflegungsfehler wird sich bitter rächen, wie ich ab Kilometer 36 spüren werde. Da hilft es auch nicht, die Kilometer herunterzuzählen. Jeder Einzelne wird länger und schwerer.bKilometer 35 – 4:01 min/km; 36 – 4:27; 37 – 4:21; 38 – 4:30; 39 – 4:23 – der Hammermann hat sich an mein Beine geheftet. Mir ist inzwischen klar, dass meine Traumzeit in immer weitere Entfernung rückt und nicht mehr zu schaffen ist. Warum also weiter quälen? Eine persönliche Bestzeit wird es so oder so werden. Und wo sind die jubelnden Zuschauer, die gerade jetzt so bitter nötig wären? Kilometer 40 – 4:41; 41 – 4:31; 42 – 4:50; 43 – 4:43 …

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Ja, tatsächlich 43,02 Kilometer misst meine Laufuhr, wie ich im Ziel doch einigermaßen ernüchtert feststelle. So hätte ich die drei Stunden gepackt, wenn meine Strecke gelten würde. Die offizielle Zielzeit ist mit 3:04:05 gut, aber – gemessen an meinem Maßstab – nicht sehr gut.

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Ein wenig besänftigt wird meine leichte Enttäuschung durch die Platzierungen: Zehnter in der Altersklasse M50 ist nicht schlecht. Und 117. von 2650 Finishern kann sich auch sehen lassen.

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Mein Schatz und Birgitt freuen sich an ihrem erhöhten Zuschauerplatz im Ziel. Ich bin einfach froh, dass es vorbei ist.

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Aber ein Foto mit dem hübschen Mädchen der Medaillenübergabe gönne ich mir doch noch. Und ein paar weitere Schnappschüsse, von denen mir das mit dem beflügelten Papa besonders gut gefällt.

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Und dann beginnt das Warten. Während ich dem Interviewteam eines lokalen Fernsehsenders über die Streckendiskrepanz berichten kann, kommt Dominik ins Ziel. 3:17:44 sind für ihn ebenfalls eine deutliche persönliche Bestzeit. Glücklich ist er dennoch nicht wirklich. Vor allem tut es ihm leid, dass er mich alleine ziehen lassen musste. Aber dafür kann er ja nichts, wie ich ihm mehrfach versichern muss.

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Der nächste, der ins Ziel kommt, ist Frank:   3:25:31! Das bei seinem ersten Marathon! Er trägt für den Rest des Tages das breiteste Grinsen im Gesicht.  Marc ist mit seiner PB von 3:27:59 ebenfalls glücklich. Christoph erreicht sein selbstgestecktes Ziel mit 3:29:06. Eine insgesamt starke Teamleistung, über die wir uns dann doch alle freuen.

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Die Wetterbedingungen sind übrigens ideal. Erst um 13 Uhr beginnt es zu regnen. Die Plastiküberzüge nach dem Zieleinlauf sind dennoch gut gegen das Auskühlen im Wind, wenn auch ein wenig schwierig überzuziehen …

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Und natürlich schmeckt das alkoholfreie Weizen nach so einem Lauf besonders gut.  Vielleicht werde ich ja mal als Werbefigur für Erdinger entdeckt …

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Nach ausgiebiger Verschnauf-Genuss-Umziehpause machen wir uns dann – ein Hoch auf die U-Bahn – auf den Rückweg ins Hotel. Christoph und Marc ignorieren sogar die Rolltreppen … meinen Ruf, dass sie dann ja durchaus noch etwas schneller hätten laufen können, findet allerdings auch kein Echo.

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Das war es also, das Projekt Düsseldorf-Marathon. Auch am Tag danach würde ich nicht sagen, dass ich nochmals so ein intensives Trainingsprogramm durchziehen werde – auch wenn ich die drei Stunden knacken könnte, wenn wirklich alles passt.

Heute früh die leicht schmerzenden Beine drei Kilometer beim Auslaufen bewegt.

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Nun freue ich mich auf entspannte Landschaftsläufe. Ich werde mich wieder einmal in der Woche dem Lauftreff anschließen. Und dann gibt es natürlich noch ein ganz besonderes Event, dass mich jetzt davon ablenkt, dass dieses persönliche Laufprojekt nicht ganz erfolgreich geendet hat: der Freundschaftslauf am kommenden Sonntag.  Vor allem freue ich mich auf den lieben Besuch, der sich dazu angekündigt hat.

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Helden im Hochwald

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Es gibt Läufe, die tun einfach gut. Der TEBA-Radweglauf in Hermeskeil ist zu meiner Überraschung ein solcher, auch wenn es zunächst nicht so scheint. Denn von der heroischen Truppe meines Lauftreffs – die flotten Damen hatten im vergangenen Jahr in fast allen Altersklassen vordere Plätze belegt – ist niemand in den Hochwald gekommen. Christoph muss zur Eröffnung der Landesgartenschau in Landau, Dominik hat eine Pflichtvorlesung, Marc ist ebenfalls durch Verpflichtungen verhindert … Aber da ich auch als Medienpartner Präsenz zeigen muss, fahre ich dann eben alleine dorthin, wo der Frühling noch mindestens eine Woche im Vergleich zu Trier hinterherhinkt.

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Im Anflug zum Startbereich.

Von der Rasenmäherkluft also in die Laufsachen geschlüpft und „just in time“ die Startunterlagen abgeholt. Vor dem Eingang zur Halle treffe ich Moni aus Mehring. Und nach einer Minute ist klar: Ich habe eine Mission zu erfüllen. Denn nachdem ich vor einem Jahr die leider derzeit lädierte Laufmaus Marion über den einzigen 15-Kilometer-Wettlauf in der Region zu einer neuen Bestzeit gezogen habe, soll nun eine ähnliche Aufgabe auf mich warten.

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Start aus den hinteren Reihen am alten Bahnhof in Hermeskeil.

Ein Durchschnittstempo von knapp 5 min/km will Moni laufen. Das passt. Mehr darf ich laut Coach Jens eh nicht investieren. Ich bin nun schließlich in der Taperingphase für Düsseldorf. Als uns dann im Startbereich auch noch der schnelle Toni, also Toni Schnell, gut gelaunt begegnet, ist klar, das wird eine nette Sache.

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Spaßeinlage für den Fotografen: Moni, Wolfgang, Claudia und Toni.

So bin ich also die Lokomotive, reichlich plaudernd –  immer Zeit und Verfassung  meiner flotten Begleiterin im Blick. Es bleibt dennoch genug Muße für das ein oder andere  Schwätzchen mit weiteren Bekannten. Zum Beispiel mit dem langen Wolfgang, mit dem ich schon den Monschau- und den Eifel-Marathon gelaufen bin. Oder mit Klaudia, mit der ich in der kommenden Woche auch einen beruflichen Termin habe. Eine Ankündigung, mit der sie mich überrascht, denn Gesicht und Funktion hatte ich bislang nicht entsprechend kombiniert.

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Die geparkte Diesellok in Reisfeld erinnert daran, dass hier vor zehn Jahren noch Gleise lagen.

Nun gut. Es fühlt sich prima an, die nicht ganz ebene Strecke locker laufen zu können. Und Monika ist gut drauf. Am Wendepunkt haben wir bereits eine Minute Puffer auf die avisierte Zielzeit von 1:15 minus X herausgelaufen. Das ist gut so, denn auf dem Rückweg lauert eine gut ein Kilometer lange Steigung, die einem wirklich zu schaffen machen kann. So nehme auch ich noch ein wenig Tempo raus und ermuntere meine Begleiterin, den Windschatten zu suchen. Denn der Wind bläst nun ordentlich von vorn.

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Coach Jens ist mit Daniel auch auf der Strecke. Das sieht gut aus!

Ich kann wegen meiner austrainierten Bodybuildermaße ja nicht allzu vielen Mitmenschen Windschatten bieten. Bei Moni funktioniert es. Spätestens als Toni und ich Seite an Seite laufen, bilden wir ein wahres Windschild …  Die letzten vier Kilometer überwiegend bergab, sind ein Klacks. Und die sich wiederholende Frage meiner Laufdame, ob wir noch gut in der Zeit liegen, kann ich immer nur mit einem klaren Ja beantworten.

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Dynamik an der fiesen Steigung.

Auf dem letzten Kilometer nochmal motivierende Worte für den Endspurt – auch wenn’s schwer fällt … 1:12:29 für Moni im Ziel, der ich natürlich den Vortritt lasse. Platz 2 in ihrer Altersklasse hinter Klaudia, die noch 30 Sekunden schneller war. Aber die packen wir dann im nächsten Jahr.

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Alles im grünen Bereich.

Bin ich ein Held? Es fühlt sich jedenfalls gut an, wenn nach dem Zieleinlauf so gejubelt wird.

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Gut gemacht!

Wer noch mehr Impressionen vom Radweglauf sehen will, hier der Link auf den offiziellen Bericht mit 100 Bildern auf „meinem“ Laufportal.