Weltrekord

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Der Westen Deutschlands hat viele Attraktionen zu bieten. Da ist zum Beispiel der Rhein an sich. Und da sind die Vulkane der Eifel. In der Kombination ergeben sich eine Fahrt durch eine schöne Landschaft und ein Besuch beim größten Kaltwasser-Geysir der Welt.

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Im Gegensatz zu den natürlichen heißen Wassersprudlern sind ihre kühlen Brüder immer das Ergebnis von Bohrungen. In Andenach bzw. an einer Halbinsel in der Nähe, der Namedyer Werth, endete 1903 eine Bohrung, mit der Kohlensäure für die Mineralwasserprodution gefunden werden sollte, in 350 Metern Tiefe.

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Die Arbeiter damals wussten nicht, wie ihnen geschah, als aus dem Bohrloch eine über 40 Meter hohe Wasserfontaine schoss. Genau genommen war es keine reine Wasserfontaine, sondern ein mit Wasser angereicherter Gasausbruch.

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Da sich das Schauspiel fortan regelmäßig wiederholte, wurde das stark mineralhaltige und abführend wirkende Wasser in den folgenden Jahrzehnten zwar als Heilwasser verkauft.

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Gleichzeitig brachte es der Geysir aber zu einiger Berühmtheit, bis er 1957 wieder versiegte, weil sich im Bohrloch so viel Schmutz und Rost abgelagert hatten, dass sich das Wasser in der Tiefe nicht mehr so sehr mit Kohlendioxid sättigen konnte, damit sich jene Blasen bilden konnten, die nach ihrem rasanten Aufstieg den Fontaineneffekt erzeugen.

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Als 1967 die riesige Hangbrücke der Bundesstraße 9 entstand, war die Quelle im Weg und wurde abgedichtet.

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1985 wurde der Altarm des Rheins mit dem Namedyer Werth Naturschutzgebiet.

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Die Stadtherren hatten die Geschichten um den sagenhaften Geysir nicht vergessen und ließen etwas Abseits erneut bohren.

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Das Ergebnis sehen sich spätestens seit der Eröffnung des Geysir-Zentrums 2009 täglich Hunderte Menschen an. Die erneute Bohrung mit besserem Material und genauen Kenntnissen zu den Voraussetzung reichlicher Spudelaktivität brachte Andenach 2008 den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde ein. Mit 60 Metern ist ihr Kaltwassergeysir seither der größte der Welt.

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Wer ihn heute sehen will, kauft sich ein Ticket für 15 Euro, schaut sich die sehr kindgerechte Erlebnisausstellung im futuristischen Geysirzentrum an und fährt dann mit dem Schiff 15 Minuten zum Naturschutzgebiet, geht 300 Meter zum roten Gestein des gefassten Bohrlochs und erlebt den etwa neun Minuten dauernden Ausbruch der Sprudelquelle.

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Wer mag, kann dann auch das Wasser kosten. Muss aber nicht sein, schmeckt sehr bescheiden, nach Durchfall … Da erst ab einem halben Liter die Wirkung einsetzt, besteht aber keine Gefahr.

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Denn nach der Rückfahrt lockt die hübsche Altstadt von Andernach, die angeblich auch bereits mehr als 2000 Jahre Geschichte auf dem Buckel hat. Erhalten ist davon vor allem die mittelalterliche Stadtmauer, der mächtige Wohnturm und der romanische Dom.

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Aber natürlich gibt es auch für Touristen aus Trier Leckereien, die den Geschmack des Heilwassers schnell vergessen machen.

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