In die Sonne

Das Weihnachtsfest ist vorüber. Es waren schöne Tage in der fränkischen Heimat. Viel Familie, viele Gespräch, gutes Essen, reichlich Trinkbares. Da kommt es einem nach der Rückkehr Zuhause irgendwie sonderbar still vor. Der dicke Nebel trägt zur meditativen Stimmung bei, dabei war doch ein sonniger Tag vorhergesagt.

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Alles Warten und der Blick auf die Wetter-App helfen schließlich nicht mehr. Ich muss der Sonne eben entgegenlaufen und hoffen, dass oben auf dem Schellberg der Nebel dem Licht Platz gemacht hat. Marc hat unsere in der vergangenen Woche getroffene Verabredung leider abgesagt.

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So lauf ich eben alleine hinauf zur Irischer Eiche und durch Alt-Tarforst weiter hoch auf den 383 Meter hohen Heidenkopf. Bereits auf dem Tapferster Plateau glaube ich einen Hauch von blauem Himmel wahrzunehmen. Aber erst auf den letzten Metern bis zu dem landwirtschaftlich genutzten Höhenrücken zeigt sich tatsächlich die Sonne.

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Mit einem Schlag ist es vier Grad wärmer. Wie immer ist es ein Traum, aus dem Nebel in die Sonne zu laufen.

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Die drei Sonnenhungrigen, die ganz offenbar mit dem Auto hier hoch gekommen sind, begleiten meinen Weg in Richtung Schell mit einigen Bemerkungen, dass ich doch wieder in den Nebel eintauchen würde. Ob sie meinem Hinweis, dass es danach aber noch einmal 50 Höhenmeter hinauf geht, Taten folgen und sie vielleicht doch noch einige Schritte gehen ließen, werde ich nie erfahren.

Bevor ich aber die höchste Erhebung in den nicht zu fernen Kreisen meines Laufreviers anstrebe, biege ich ab auf den Saar-Hunsrücksteig und laufe durch den Wald, der hier die interessanten Gewannbezeichnungen Fischer Anhau und Die Gott trägt, zum Naumett.

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Traumhaft schön ist das Lichtspiel im Wald. Vom Felssporn Baumtet, der über dem Ruwertal bei Waldrach emporragt, habe ich schon häufiger berichtet und Bilder gezeigt. Einst haben sich hierher die Menschen geflüchtet, wenn marodierende Horden durchs Tal gezogen sind.

Heute lohnt der Blick hinunter nicht. Da ist alles weiß. Schade, dass die Beleuchtung des weihnachtlich illuminierten Metallkreuzes noch nicht an ist. Aber der blaue Himmel ist eine schöne Alternative.

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Traumhaft, wie nun die Sonne scheint. Prachtvoll der Ausblick auf die Nebeldecke, die in die Täler und Seitentäler ausfranst.

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Mit Mütze ist es nun eindeutig zu warm. Die Jacke darf auch geöffnet werden.

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Das Örtchen Gutweiler liegt mystisch im Nebel. In dem kleinen Wehrkirchlein wurde vor bald 20 Jahren eine besonders schöne Trauungszeremonie gehalten … Einige Minuten Innehalten tun gut, eine Handvoll Rosinen stärkt für den Rückweg.

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Dass mir zwei Kilometer Streckenaufzeichnung verloren gehen, ist zu verkraften. Ich sollte einfach meine Laufuhr auch bei Pausen nicht abdrücken. Es ist nicht das erste Mal, dass ich erst später wieder auf die Idee komme, den Pausenknopf noch einmal zu betätigen.

Der Baum, den ich davor im Nebel nur schemenhaft wahrgenommen habe, ist nun … etwas banaler in der Ansicht.

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Aber die Aussicht auf Sonne hat inzwischen viele Menschen auf die Höhe gelockt. Einigen, die noch auf dem Weg nach oben sind, als mich der Nebel wieder verschluckt hat, kann ich motivieren mit der Aussicht auf Aussicht.

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21 Kilometer, 480 Höhenmeter – schwere Beine, gute Gefühle. Ich hoffe, Ihr hattet ähnlich gute Lauferlebnisse nach dem Weihnachtsfest.

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Wieder mit Freunden

Wie sehr ich die entspannten Samstagsläufe mit den Jungs vom Lauftreff ersehnte hatte, ließ sich auch dem ein oder anderen Beitrag der vergangenen Wochen erahnen. Heute war es dann endlich wieder soweit. Die Beine knapp eine Woche nach dem Frankfurt-Marathon wieder in Ordnung. Nur das frühe Aufstehen am einzigen freien Tag am Wochenende ist nicht so leicht gefallen.

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Aber natürlich stand außer Frage, dass es um 8 Uhr am Ölewiger „Stadion“ losgehen würde. Mit Marc und Marcel hatte ich schießlich eine feste Verabredung. Und als ich dann aus dem Haus schlich, wartete zu meine Überraschung und Freude schon Christoph auf mich. Er hatte eigentlich abgesagt, aber seine ursprünglich dafür verantwortliche  Verpflichtung hatte sich noch einmal verschoben.

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So ging es also bei frischen fünf Grad bei tief hängender Nebeldecke zum Sportplatz und von dort nach kurzer Beratung – möglichst wenig Asphalt war mein Wunsch – gemeinsam los in Richtung Korlinger Höhe. Denn Marc hat auf der Anfahrt zum unserem Treffpunkt bereits die Sonne gesehen. Und tatsächlich kam schon in Tarforst die Sonne durch.

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Solche Läufe aus dem Nebel heraus sind einfach immer wieder schön und ein optischer Genuss ebenso wie eine Seelenmassage.

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Den Berg hoch fühlten sich meine Beine überraschend prima an. Lediglich auf den flachen Abschnitten war die Belastung vom vergangenen Sonntag noch zu spüren.

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Der Herbst kann eine traumhafte Jahreszeit sein. Besonders bei Läufen wie diesen. Die Windräder hatten nicht viel zu tun.

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Von Hockweiler ging es zurück in Richtung Irsch und dann auf die Traumschleife, die wir vor einigen Wochen in die Gegenrichtung erkundet hatten.

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Damals war es ein mörderischer Anstieg. Heute ging es den langen Berg hinunter…

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.., in den Nebel, der die Sonne an diesem Tag nur ganz kurz ins Ölewiger Tal blinzeln ließ. Aber die Farben des Herbstes sind auch bei Bewölkung eine Wucht.

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Auch im Wald knallt das Gelb an diesen Tagen, dass es einen fast aus den Laufschuhen haut. Die Fotos können das nur ansatzweise wiedergeben.

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Bei so viel Motivation kommt wohl auch die eine oder andere Buche ein wenig durcheinander und treibt einfach neu aus, als würde nicht das Jahresende immer näher rücken. Hach, so sehen Genussläufe aus! Manchmal müssen die auch samstags nicht länger als 19 Kilometer sein.

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Festival der Farben

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Wenn die Sonne scheint, sind diese Tage in der Moselregion ein Traum, ein Feuerwerk der Farben. Gelb, rot, braun, grün, und dazu ein traumhaft azurblauer Himmel. Die meisten Weinberge sind abgeerntet, einige bereits mit winterhart zurückgeschnittenen Reben. Das ist schade, denn gerade jetzt verwandelt der Herbst auch die deren Blätter in bunte Kunstwerke. Aber ich will nicht viel schreiben. Ich lasse Euch einfach optisch teilhaben an einem Spaziergang in den gar nicht so späten Abend. Die Sonne geht jetzt früh unter.

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Heißer Zweier

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Meine Freunde vom Lauftreff habe ich nicht beneidet. Die sind am Mittwochabend bei Bullenhitze gelaufen. Na ja, zu beneiden war ich angesichts meines sitzungstermins bis 22 Uhr auch nicht. Außer Frage stand es deshalb, dass ich heute früh unterwegs sein würde.

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Start also um 7.30 Uhr mit den leichten Rennern an den Füßen. Nur eine kurze gemütliche Runde durch das Tiergartental. So war der Plan, der auf den ersten knapp drei Kilometern auch aufging. Dann winkte mir Michael Zender zu, der auch unterwegs war auf einem kurzen Morgenlauf. Fortan also ein Duo mit viel Gesprächsstoff, denn Michael ist derjenige, den ich in Düsseldorf gebraucht hätte, um mich unter drei Stunden zu ziehen.

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So wurde das Tempo schneller und schneller, bis er mich fragte, warum ich denn so schnell unterwegs sei? Worauf ich meinte, er gebe doch das Tempo vor. Nun ja, so ist es eben, wenn jeder denkt, der andere macht die Pace. 😉 Schön war die Runde natürlich trotzdem. Vielleicht laufen wir im Herbst noch einen Wettbewerb gemeinsam. Aber das entscheide ich erst nach dem Sommerurlaub. Bis dahin tut sich dann ja möglicherweise auch etwas in Sachen Flurbereinigung. Die gerodeten Weinbergsflächen, die terrassiert werden sollen, wuchern jedenfalls langsam schon wieder zu.

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Um 8.30 Uhr lag die Lufttemperatur übrigens bereits bei 25 Grad. Unglaublich, wie da der Schweiß rinnt, besonders, sobald der Lauf beendet ist.

Dörrpflaumenwetter

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Läufer sind wetterfest. Ich kenne einige, die freuen sich sogar besonders, wenn der Himmel seine Schleusen öffnet und sie durch den Regen rennen können. Ob sie dabei singen, weiß ich nicht. Sicher ist aber, dass heute und in den nächsten Tagen alle jauchzen, die den Sommer lieben. Der startet endlich durch. Auch wenn es vielleicht nur ein kurzer Sprint sein wird, bedeutet das für Freizeitfreiluftsportler einige Umstellungen. An das Baumeln der Trinkgürtel an den Hüften oder das rhythmische Plätschern im Laufrucksack wird sich jeder schnell gewöhnen, der andernfalls nach 30 Minuten Aktivität in die Gefühlswelt einer Dörrpflaume katapultiert wird. Besonders die Touren im Wald sind nun ein Fest. Allerdings ist es selbst unter einem lichten Blätterdach wichtig, sich vor UV-Strahlung zu schützen. Ein Sonnenbrand ist lästig und lässt die Haut schneller altern. Welcher Läufer braucht das schon, um alt auszusehen? Zieht also eine Kappe auf, macht Euch zu tuchverzierten Laufpiraten, vor allem aber: Cremt Euch gut ein. Dann läuft es an so herrlichen Sommertagen wie diesen wie geschmiert.

 

Das ist meine Laufkolumne im Trierischer Volksfreund in dieser Woche. Da das Wetter hält, passt der Text noch gut.

Es war einmal …

… ein kleiner Läufer, der hatte sich einen Brückentag gegönnt. Und weil der Tag sehr heiß werden sollte, war er mit seiner Liebsten früh aufgestanden und hatte sich nach einem kleinen Frühstück auf den Weg gemacht.

DSC07619Das Tiergartental war sein erstes Ziel. Und danach wollte er dort laufen, wo er vor einigen Wochen mit vielen Freunden unterwegs war auf einer großen Runde. So freute er sich über seinen Lieblingsbaum, der sich bereits in der Sonne wärmte.

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Die Beine waren leicht, auch wenn sie die etwas schwereren Trailschuhe tragen mussten, aber dafür konnte kein Untergrund den kleinen Läufer schrecken. Und auch keine Steigung.

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So ging es hinauf, dorthin, wo die Sicht besonders weit reicht und die Sonne noch heißer brennt.. Zum Beispiel auf den Petrisberg, wo er sich so gerne auf die Spur eines Drachen begab.

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Das war aber weit entfernt. Deshalb wunderte es ihn auch nicht, dass er Rehe nicht nur auf Schildern, sondern ganz nah und lebendig zu Gesicht bekam. Aber jedesmal, wenn eines von Ihnen den mittlerweile ordentlich schwitzenden Mann bemerkte, machte es sich mit so eleganten Sprüngen davon, dass dieser ihnen nur voller Bewunderung nachblicken konnte.

DSC07626Immer wieder spendete der Wald angenehmen Schatten auf dem Weg des Mannes hinauf auf die Höhe.

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Aber dennoch war es so warm, dass sogar die Bäume schwitzten.

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Worüber die Wiesenblumen am Wegesrand nur lachten, die farbenfroh ihre Blüten in die warme Luft streckten. Sie konnten nicht weglaufen. Der gut gelaunte Läufer freute sich also, dass er wie immer seine kleine Kamera eingesteckt hatte.

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Der Himmel war weit und das Gras stand hoch. Zeckenzeit, dachte sich der kleine Läufer und nahm sich vor, nach dem Ausflug genau zu schauen, ob sich eines der blutgierigen Biester an ihn geheftet hatte. Da ahnte er allerdings noch nicht, dass dieser Lauf noch länger dauern sollte als geplant.

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Der höchste Hochsitz im Land stand plötzlich vor ihm. Er war also auf dem richtigen Pfad, denn hier war er mit den Freunden vor einigen Wochen auf vorbeigekommen.

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Aber an diesem Tag konnte er nicht widerstehen. Er musst einfach hinaufklettern und nachsehen, ob die Aussicht aus dem roten Ungetüm noch beeindruckender war als von der Kuppe der Hügel, die er erklommen hatte.

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„Vermutlich taugt das nur für Jäger“, dachte er sich ein wenig enttäuscht, denn viel mehr als von unten war von oben auch nicht zu sehen.

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Aber die kleine Pause und ein Schluck aus der Wasserflasche taten ihm gut. So fand sein aufmerksamer Blick am Fuße des Hochstands wieder bunte Begleiter des Sommers.

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Wie liebte er doch diese Farben, die das Weiß der Frühlingsblüher abgelöst hatten.

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Mit einer solchen Pracht am Rand des Weges machten ihm die weiteren Steigungsstrecken nichts aus, die sich am Ende des langen Weges auf 540 Höhenmeter addieren sollten.

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Aber zunächst musste der Mann den richtigen Weg finden. Denn ihn beschlich das Gefühl, dass er – überwältigt von den schönen Weitblicken in das Trierer Land – den richtigen Abzweig verpasst hatte.

DSC07667Verwirrend war die Mischung aus gemähten Wiesen und Wegen, auf denen das Gras hoch stand.

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Uns so sollte es passieren, dass sich unser tapferer Läufer gleich zweimal in eine Sackgasse begab. Er glaubte schon bald, an einem Ort zu sein, zu dem er niemals wollte. So lief er immer wieder zurück blickte auf den Forst, zu dem er wollte, auf der anderen Seite des grünen Tals. Hätte er doch zwei Trinkfläschchen in den Gürtel stecken sollen?

DSC07674Endlich war er sicher, wieder auf dem richtigen Weg zu sein, der hinab führte in das Tal, das den sonderbaren Namen Goldkäulchen trug. Er würde es nach Hause schaffen, da war sich der schwarz gewandete Mann mit den organgefarbenen Sohlen sicher.

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Er ließ sich auch von tückischen Wegkreuzungen nicht mehr irritieren, nahm einen letzten Schluck aus der Pulle und wählte bald den schon so oft bewältigten Weg in den Stadtteil, der nach dem Gut Mariahof benannt war.

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Von dort führt noch heute ein Weg hinunter in das Tiergartental, wo es so schön ist, dass sich nur wenige der Versuchung verschließen können, einige zusätzliche Meilen durch den Wald zu laufen. So erging es auch unserem Mann, der nun die Schwere in den Beinen spürte. Denn zu essen hatte er nichts mitgenommen.

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Die Vorfreude auf eine gute Speise trieb ihn also an … über die Brücke und immer weiter.

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Auch das kleine Biest konnte ihm keine Angst mehr machen, war es doch das letzte Hindernis, dass sich ihm in den Weg stellt. „Das wäre doch gelacht!“, dachte sich der kleine Läufer. Er schaffte auch diese Hürde in der Hitze, die inzwischen so mächtig geworden war, dass alle Menschen und Tiere in den Schatten flüchteten.

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Und als er nach 22 Kilometern in seinem Heim ankam – die Sonne stand schon fast am höchsten Punkt an diesem heißen Tag – und auf seine Füße blickte, musste er schmunzeln, denn er hatte einen Teil der Strecke mitgebracht – aber keine Zecken.

Und wenn er nicht gestorben ist, dann läuft er morgen wieder. Der Drache ruft!